Kapitel 29
"Jedenfalls kam irgendwann die Polizei, als das Feuer gelöscht worden war. Zuerst haben die mit den Feuerwehrleuten geredet. Danach sind sie zu 'Mir' gegangen, haben alles mögliche untersucht. Ach, was Polizisten eben machen, wenn sie...Du weißt schon." Ein Schütteln durchfuhr ihren Geisterkörper. Wenn sie eine Leiche fanden. Ich konnte kombinieren. Grants Krimis traten in meine Gedanken. "Die eine hat nur geschimpft und ihr Partner hat mich ziemlich grob hochgehoben." Auweiha. Ich hatte so einen Verdacht, wer geschimpft und wer sie hochgehoben hatte.
"Wie sahen sie aus?", fragte ich nach. "Die Frau war total alt. Bestimmt um die 100. Der Mann ein bisschen jünger, aber das hat getäuscht. Er war mindestens ein Jahr älter als sie." Ich nickte. Das waren die beiden. Meine besten Feinde. Ich konnte nur hoffen, dass sie Kimberley und mich nicht bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit aufs Revier beforderten. "Ist denn irgendetwas passiert, das nicht ganz normal war?" Sie erzählte mir von Dingen, die jeder kannte, der schon mal Krimis angeschaut hatte. Ich verschwendete meine Zeit, wenn sie noch länger unnützes Zeug redete. Wozu gab es Geister? "Was meinst du?" War sie wirklich so strohdumm, oder tat sie nur so? "Ja, zum Beispiel irgendwelche Aussagen, denjenigen betreffend, der dich ge..." Bevor ich getötet sagte, hielt ich inne. "...gebissen hat?"
Ich musterte den Biss, der die Hälfte ihres Hinterkopfes einnahm. Besser sie fand nicht so schnell einen Spiegel. "Ehrlich gesagt, ja." Stille. Gereizt sagte ich: "Erzähl!" "Ach so. Eh..also die Frau, diese alte, meinte immer wieder zu dem Mann, wie sie das vertuschen wollen. Von wegen, ein Tier kann keinen so großen Biss anrichten. In der Art." Wir hatten es geahnt. Egal, was die beiden Polizisten uns erzählten, wir konnten ihnen nicht glauben. Ein Tier konnte wirklich keinen Bissen anrichten, der derart groß war. Nicht heute, nicht gestern und auch vorigen Samstag nicht. Ich verwettete mein Gedächnis darauf, dass sie das genauso sehr gewusst hatten, wie wir. "Und weiter?" Ich riss die Augen auf und starrte sie an, gierig auf noch mehr Informationen, die mir dabei helfen würde, herauszufinden, was es mit ihrer Leiche auf sich hatte - und mit der des Mannes. Mittlerweile war es zu spät, um dieses Vorhaben rückgängig zu machen. Ich würde den Täter finden.
Sie öffnete den Mund und wollte mir gerade antworten, als ihr Körper von Scheinwerfern durchleuchtet wurde. Ich stand stocksteif da. Bitte nicht die Polizei. Die Barista löste sich in Luft auf. Ich zweifelte für eine Sekunde an meiner Gesundheit. Dann erinnerte ich mich daran, dass ich ja nur träumte und irgendwann demnächst aufwachen würde. Und ich beruhigte mich wieder. Das Licht der Scheinwerfer wurde gedimmt und sichtbar wurde...Grants Wagen. Ich stieß Luft aus, die ich angehalten hatte. Er war zwar fast so schlimm wie die Polizei, aber eben nur fast. "Ich wusste, dass du hier sein würdest", rief er durch das offene Fahrerfenster zu mir rüber. "Woher?", warf ich zurück. Er verdrehte die Augen und stellte den Motor ab. Die Scheinwerfer gingen mit aus. Völlige Dunkelheit umhüllte uns. Ich hatte keine Angst. Naja, das redete ich mir ein. Etwas streifte meine Schulter. Ich quiekte. "Wow, du bist schreckhafter als Kimberley an Halloween." Ich unterdrückte ein Lachen. Was wollte er hier? Wieso hatte er mich in diesem durchaus wichtigen Augenblick gestört? Ich war doch gerade dabei gewesen, Heldin zu spielen.
"Komm", sagte er. Mit einer gigantischen Taschenlampe leuchtete er mir ins Gesicht. "Und wenn ich noch nicht gehen will?" Bockig wie ich war, stampfte ich mit dem Fuß auf den Boden, ganz das kleine Kind in mir. Verkoltes Laub raschelte unter meinen Schuhen. "Dann solltest du trotzdem mitkommen. Im Wagen ist es warm." "Ich friere nicht", protestierte ich. Um ehrlich zu sein, fror ich gewaltig. Vorhin hatte ich den Sommer überschätzt. Mit der Dunkelheit war Kälte eingekehrt. "Klar, tust du das. Ich verspreche dir, dass es im Wagen warm ist." Das Fenster stand offen. Ganz sicher war es im Wagen nicht mehr warm. Da konnte er noch so viel erzählen. "Ich will dich nicht dazu zwingen, Ruby", seufzte er. "Du kannst doch einfach ohne mich fahren. Dann müsstest du mich auch nicht zwingen. Ich komme nach." Doch auf einmal setzte ich mich in Bewegung. Mein Körper schien ein Eigenleben zu entwickeln. Super, ich war also nicht nur geistesgestört, sondern auch körperlos. Tolle Vorraussichten.
Als wir im Auto saßen, fror ich weiterhin. Er dachte nicht daran, das Fenster zu schließen, Licht anzuschalten oder gar loszufahren. Von wegen warm. "Grant, du wolltest unbedingt, dass ich einsteige. Fahr doch auch bitte los." Er klopfte mit den Händen auf das Amaturenbrett und musterte die Uhrzeit. 20:34. "Hallo?" Ich war kurz davor, das Radio einzuschalten. Die Stille machte mich ganz kirre. "Ich kenne deine Eltern", sagte er schließlich. Wie bitte? Was um alles in der Welt hatten meine Eltern mit dem Auto zu tun? "Du wolltest, dass ich die Lügen kläre. Hier bin ich." Er hatte zugegeben, dass er gelogen hatte. Ob das nun so gut war, wagte ich zu bezweifeln, dennoch frohlockte ich. Schulterzuckend, als wäre dies bloß eine lästige kleine Angelegenheit, schaltete er nun seinerseits das Radio an. Ein Klassik-Sender stimmte ein Geigenlied an. Er drehte den Ton leiser. Es war viel mehr als eine kleine Angelegenheit. Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Er kannte meine Eltern? "Leben sie noch?", schoss es aus mir heraus.
Ich konnte mich nicht bremsen. Obwohl ich quasi keinen Bezug zu ihnen hatte, wünschte ich mir nichts sehnlicheres, als dass sie noch lebten. Womöglich wohnten sie nicht weit von hier und GGG konnte mich demnächst zu ihnen bringen. Ich wollte sie sehen, wissen, von wem ich die braunen Haare und das kleine Muttermal am rechten Ohrläppchen geerbt hatte. Ich wollte erfahren, wer sie waren und warum sie mich weggegeben hatten. Grants Antwort brachte mich zurück auf den Boden der Tatsachen. "Das weiß niemand", sagte er.
Uhhhh misteriös, misteriös. Das weiß nieeeeeemand. Ich lieeeeeeebe lange Wörterrrrrrrr. Okay es ist 21 Uhr und um diese Uhrzeit sollte ich definitiv nichts mehr schreiben. Sonst entstehen solche Captions. xxx
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