Kapitel 19
Nach etwa einer Stunde und drei Minuten befanden die Polizisten es für okay, uns gehen zu lassen. Man hatte uns exakt dasselbe gefragt wie tags zuvor. Tja, leider konnten wir ihnen nicht weiterhelfen, weil unsere Antworten fast exakt gleich lautete. Wir waren immer noch zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, da der bescheuerte Köter den Ball aus den Augen verloren hatte. Wenn jemand also Schuld an unserem Aufenthalsort war, dann ja wohl Wodka. Draußen vor dem Präsidium, das ich von nun an meiden würde wie eine Müllsiedlung, atmete ich tief durch. Der stickige dunkle Raum saß mir in den Knochen. "Ganz schön eng da drin", bemerkte Kim. Ich konnte ihm nur zustimmen. Zwischen drinne war ich mir vorgekommen wie in einem Käfig. Von draußen hatten uns weitere Polizisten zugehört, das wusste ich ebenfalls aus Grants Krimis. Ich schätzte, dass der Fall größer war, als man uns zu verklickern versucht hatte. Lucinda Beckett beharrte auf einem Tierangriff, doch warum sollten sie ein solches Trarar darum machen, wenn es doch bloß ein blödes Tier gewesen war? Ich glaubte ihnen nicht. Keinem von ihnen. Aber trotzdem hatte ich es nicht gewagt, eine von ihren Seelen zu besuchen. Dadurch hätte ich ein schlechtes Gewissen bekommen, immerhin handelte es sich um die Polizei. Und ich konnte sie noch so wenig mögen, Polizei war Polizei und verhieß nie was gutes. Keine Frage, was man mit mir angestellt hätte, wenn man von meiner Gabe erfahren hätte. Sicherlich nichts positives - schlimmsten Falles wäre ich in der Klapse gelandet.
"Du, Kim?" Wir entfernten uns von dem grauen Hochhaus. In dieser Stadt standen massenhaft graue Hochhäuser. "Hmm.." Wodka trabte neben uns her. Als wir aus dem Präsidium gekommen waren, hatte er gerade einen Fußgänger dazu gebracht, sein Essen auf der Straße zu verteilen. "Kannst du mir den Weg zu GGG's und deiner Sonntagskneipe zeigen?" Zuerst hörte ich ihn stöhnen. Er wollte bestimmt nach Hause. Aber er gab schneller nach, als erwartet und so befanden wir uns plötzlich auf einem kleinen Waldweg. Ich hatte nicht angenommen, dass es einen so idyllischen Weg inmitten einer Großstand gab. Der Boden war von Steinen geprägt, ich trat in ein paar Pfützen, Wodka fand tausend Stöcke, die er Kim vor die Nase hielt und man roch die Umgebung. "Warum triffst du dich ausgerechnet dort mit jemanden?", fragte er, als wir erneut um eine riesige Pfützte herum balancierten. Meine linke Fußspitze glitt ins Wasser. Nass. "Es ist der einzige Ort, den wir...oder ich...kenne", gestand ich. "Wen triffst du?" Seine Frage kam blitzschnell. Zu blitzschnell. "Soll das ein Verhör werden?" Kim lachte. "Nein, das haben wir hinter uns." Stimmt. Was für ein Glück. "Mal ehrlich, meinst du, sie werden uns noch mal befragen wollen?" Wodka sprang in eine Pfütze direkt vor mir. Meine Jeans bekam Schlammflecken. Pahh, das hatte er doch absichtlich getan! "Ich hoffe nicht. Nicht auszumalen, eine weitere Stunde in diesem Raum zu verbringen."
Ich versuchte die Schlammflecken mit den Fingern wegzumachen. Es funktionierte nicht wirklich. Wodka trabte erhobenen Hauptes weiter und scherte sich einen Dreck um die Sauerei. Warum gehörte er eigentlich nicht zu Niall? Die beiden ähnelten sich total! "Dieser Peter D-irgendwas... Er war strange", sagte ich. Irgendwie war von ihm eine zu starke Wolke Aftershave ausgegangen. Männer, die zu stark rochen, verheimlichten was. "Polizisten sind strange. Stell dir vor, du müsstest jeden Tag mit toten halbnackten Männern zu tun haben. Dann würdest du auch irgendwann strange werden." Er verteidigte diesen Mann doch nicht etwa? "Naja, ich bin mir nicht sicher, wer von beiden nun den guten Cop und wer den bösen Cop gespielt hat", warf ich ein. Kim nickte. "Was sie am Anfang behauptet hat, richtig. Beide waren jenseits von gut und böse." Ich stimmte ihm zu. "Lass uns über etwas anderes reden", sagte er plötzlich. "Worüber denn?" "Keine Ahnung. Im Internet haben wir auch immer Themen gefunden", meinte er. Ich hatte ganz vergessen, dass Kim und ich beste Internetfreunde waren.Es war immer noch verrückt - darüber ließ sich nicht streiten. Aber irgendwie hatte ich mich in gewisser Weise an seine Anwesenheit gewöhnt. Allein in den vergangenen drei Tagen hatte ich mehr Zeit mit ihm verbracht, als ich es je mit einem anderen Menschen getan hatte. "Wie war die Schule?", fragte ich, einfachheitshalber. "Sollte ich das nicht besser dich fragen?" Beantworteten wir Fragen eigentlich immer mit Gegenfragen? Das könnte unser Ding gewesen sein.
Seufzend blickte ich zu Wodka. Aber als ich ihn so ansah, wie er sich auf ein Stöckchen stürzte, verfiel ich zurück in die Situation in der Cafteria. Niall, wie er sich über mich gebeugt, mich zusammengedrückt hatte. "Es geht. Gestern war echt in Ordnung. Ich bin nicht mal die einzige Neue dort. Corine, das Mädchen mit dem ich mich übrigens gleich treffe, ist echt nett. Wir haben uns direkt angefreundet, ist das zu fassen?" Ich stolperte über einen Stein. Wodka hörte auf, mit dem Stöckchen zu spielen und drehte den Kopf zu mir. Er hechelte lautstark, schien sich über mich lustig zu machen. Böses Vieh! "Kaum zu fassen!", bestätigte Kimberley. "Jedenfalls glaubt die ganze Schule, ich hätte eine Affäre." Kims Lachen hallte durch den Wald. In einiger Entfernung konnte ich die Kneipe ausmachen. Ein rotes Auto stach mir ins Auge. Inmitten der Grünanlage wirkte es fehl am Platz. Wir hatten tatsächlich den richtigen Weg eingeschlagen. "Abgefahren", kommentierte Kim. "Mit wem?" "Das ist der Punkt. Mit Niall." Ausgesprochen klang es noch schlimmer, als gedacht. Nun war Wodka derjenige, der über einen Stein stolperte. Konnten Hunde überhaupt stolpern? Kim hustete, aber das Lachen war verklungen. Stattdessen kicherte ich nun meinerseits. Wodka verdiente es nicht anders. "Und einem Staubsauger", vollendete ich nach einer theatralischen Kunstpause. "Bitte...was?" Da war es wieder. Sein Lachen. Er prustete drauf los, als gäbe es keinen Morgen mehr. "Ich habe Corine gestern von dem Disaster mit dem Staubsauger erzählt und irgendwer hat uns dabei belauscht. Derjenige fand es lustig, einen Flyer zu erstellen. Abgebildet sind Niall und ich, zwischen uns ein Staubsauger. Darf ich vorstellen, vor dir steht der weibliche Teil der berühmten Staubsaugeraffäre der Brookes High! Was hältst du von einem Selfie mit mir?" Ich verbeugte mich gespielt anmutig. "Moment, meinst du, der Staubsauger ist weiblich oder männlich?"
Kimberleys darauffolgendes Lachen wurde jäh unterbrochen, als Wodka losstürmte. Er zog meinen besten Internetfreund hinter sich her. Schon bald gerieten die beiden aus meinem Sichtfeld. Ich lief gemächlich hinter ihnen her. Hier konnte ich mich nicht weiter verlaufen. Als ich bei dem roten Cabriolet ankam, sah ich Kim und Wodka vor dem Eingang zur Kneipe stehen. Wieso war Wodka losgesprintet? Kim unterhielt sich...mit Corine. Wow. Er war extrovertierter als ich gedacht hatte. Corine, die sowieso keine Probleme zu haben schien, sich mit Unbekannten zu unterhalten(sah man ja an mir), wickelte sich eine Strähne um den Finger und hing an seinen Lippen. Oha, jetzt war ich definitiv beeindruckt. Bei mir konnte sie kaum Luft holen und Kimberley hörte sie ohne Unterbrechung zu?!
Wenn ihr wüsstet, muhahah... Okay mein Mund ist verschlossen, aber oha ich bin aufgeregt. das ist schon Kapitel 19 *in die Luft spring* Seid ihr noch dabei? Ist jemand zu uns gestoßen? Oder führe ich Selbstgespräche? Ich schätze, dritteres. xxx
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