Kapitel 17
"Niall Alter, ich würde..." Das war Tschads Stimme. Aber mir war klar, dass er nicht derjenige war, dessen Schatten sich über uns gelegt hatte. Corines Lachen war verstummt. Ebenso der Tisch, der sich zuvor über uns gewundert hatte, stellte das Gequatsche ein. Die Welt schien stillzustehen, als Niall mich ruckartig und grob zu sich umdrehte. "Was zum Henker hast du dir dabei gedacht?" Er streckte mir denselben Zettel vor die Nase, über den Corine und ich uns eben ausgelassen hatten. Doch seine Stimme hörte sich nicht wütend an. Er klang genauso emotionslos wie sonst auch. Beinahe dachte ich, er führte diese Szene nur, weil alle Welt es von ihm erwartete. Er schien sowas wie berühmt zu sein, an dieser Schule. Andernfalls würde die Meute nicht länger zu uns rüber starren. Außer dem Nebentisch hatte auch der Rest der Cafeteria das Besteck weggelegt. Hier ging es zur Sache. Verdammte Scheiße. "Ich?", rief ich laut aus. Er zuckte zusammen, offenbar genauso überrascht von meiner Reaktion wie ich selbst. "Denkst du allen Ernstes, ich würde so etwas verbreiten?", empörte ich mich. "Nur über meine Leiche", grummlelte ich dann, um einiges leiser. "Das war aber nicht nett", kommentierte ein Mädchen am Nachbarstisch. Ich brauchte nicht zu ihr zu schauen. Sie gehörte defintiv zu den Mädchen, die mit dem Strom schwammen. Ich allerdings liebte es, dagegen zu schwimmen. Naja, was gab es anderes zu erwarten?
"Dann verrate mir, weshalb ich etwa eine Million Flyer mit diesem Bild in meinem Spind habe." Der Zettel in Nialls Hand wehte hin und her. "Das kann ich dir schlecht verraten, weil ich es genauso wenig weiß." Mich kotze der Kerl und seine verschollene Seele sowas von an. Heute morgen hatte er nichts dringender gehabt, als mich loszuwerden und nun störte er mich bei meinem Mittagessen. Tschad mischte sich wieder ein. "Niall, lass sie doch in Ruhe. Sowas interessiert dich nie einen Dreck." Aha! Wieso erfüllte mich diese Aussage mit Genugtuung? "Sag niemals nie, Tschad", entgegnete Niall. Ich hob den Blick ein Stück. Tschad hob beschwichtigend die Hände. Vermutlich sollte man sich nicht mit Niall anlegen. Das war nur so eine Vermutung. "Ich meine nur. Mann, sie ist es nicht wert." Ich schnaubte. Wieso versetzte mir das einen kleinen Stich? "Der Staubsauger fühlt sich geschmeichelt", murmelte ich, den Stich ignorierend. Corine kicherte. Sie nahm ihr Essen wieder auf und als die restliche Cafeteria das sah, tat sie es ihr nach. Es entwickelte sich wieder das rege Treiben, das herrschte bevor Niall zu uns gekommen war. "Ihr findet das lustig, habe ich recht?" Nein. Absolut nicht. Warum auch, sollten wir so etwas absurdes lustig finden?
"Hast du etwa Angst, dass sich eine Staubsaugeraffäre schlecht auf deine Beliebtheit auswirken wird? Oh, das tut mir leid, Niall. Am besten wir bitten den Staubsauger persönlich darum, dass er sich bei dir entschuldigt und den anderen in diesem Raum sagt, wie leid es ihm tut." Die Worte sprudelten nur so aus mir heraus. So viel hatte ich mich selbst noch nie reden hören. Er ließ den Zettel zu Boden fallen. "Es reicht", sagte er. Nein, das tat es nicht. Himmel, es würde niemals reichen. Er benahm sich wie ein Idiot und wenn er das durfte, durfte ich es auch. "Willst du noch irgendwas oder kann ich dann weiter essen?", fragte ich. Ich wartete keine Antwort ab, sondern nahm einfach einen Bissen, den ich in der nächsten Sekunde bitterböse bereute. Das Fleisch schmeckte so unfassbar ekelhaft. Das einzige, was mir übrig blieb, war beten, dass sie sofort verschwanden, damit ich meinen Mund leeren konnte. Aber sie blieben - zumindest Niall und Tschad. Daizy, die die ganze Zeit über hinter ihnen gestanden hatte wie ein Schoßhündchen war längst zurück zu ihrem Tisch gelaufen. Bestimmt hatte sie nicht mehr vor, mir die Schule zu zeigen. Ich schluckte den Bissen runter. Igitt.
"Versuch besser nicht, mich zur Weißglut zu bringen." Niall stützte die Ellenbogen jeweils rechts und links neben mir auf dem Tisch ab. Er beugte sich über mich und zwang mich dazu, mich einzuziehen wie eine Schildkröte. Ich bekam tierische Platzangst. "Runter von mir", sagte ich. "Das wird nicht funktionieren. Ich werde nämlich nicht wütend", redete er weiter. "Ach echt?" Als ob ich noch nicht selbst darauf gekommen wäre, dass er nicht wütend wurde. "Jeder wird irgendwann mal wütend", warf Corine ein. Ich wollte ihr dankend zu nicken, doch Niall drückte mich fast komplett unter den Tisch. "Aua!" Er hörte nicht auf und niemand versuchte ihn zu stoppen. "Verstehst du?" Ich weigerte mich partou, zu reagieren. Was bildete er sich ein? Mich zu verletzten und dann auch noch Bedingungen aufzustellen! Unfassbar. "Weißt du, was ich verstehe? Dass du ein Idiot bist, der sich nicht besser zu helfen weiß, als Mädchen, die ihm nicht wie ein süßes kleines Hündchen folgen", dabei dachte ich an Daizy: "weh zu tun." Ruckartig ging er von mir runter. Ich stieß mir den Kopf am Tisch an, als ich versuchte, darunter hervorzukommen. Mein Rücken schmerzte. Wie viel wiegte der Kerl? "Ich bin kein Idiot", erwiderte er. Oh doch, das war er.
"Tja, Jungs, die keine Idioten sind, verletzten Mädchen nicht", gab ich zurück. Corine nickte zustimmend. Ich erwartete eine emotionslose Antwort, doch Niall war weg. Er hatte sich in Luft aufgelöst, so kam es mir jedenfalls vor. Etwas stimmte nicht mit ihm. Aber das hatte ich ja die ganze Zeit schon vermutet. "Mann, mann, mann. Ich glaube, du wirst wirklich berühmt", flüsterte Corine. Sie neigte den Kopf in Richtung des Nachbartisches. Das Mädchen, das Niall verteidigt hatte, starrte finster zu uns, besser gesagt zu mir. Super, ich hatte eine Feindin. Obwohl es mich nicht freuen sollte, konnte ich nicht verhindern, dass sich mir bei diesem Gedanken ein Grinsen auf die Lippen schlich. Das war das, was ich mir erträumt hatte. Ein Leben, wie es bei den meisten Protagonistinnen in meinen Büchern der Fall war. Ich war die Neue, hatte vor der gesamten Schule eine Auseinandersetzung mit einem populären Typen gehabt und eine Feindin gefunden. Alles in allem fehlte nur noch ein Junge, in den ich mich unsterblich verliebte und die Sache wäre geritzt.
Uh Ruby, Ruby, Ruby. Ich glaube, wir wissen beide, dass es diesen Jungen, in den du dich unsterblich verliebst, schon gibt. Oder wie seht ihr das? Hahaha ich bin im Flow xxx
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen247.Pro