
|1| waiting
Dowoon
Mit einem schweren Seufzen warf ich erneut einen Blick auf mein Handy, nur um festzustellen, dass sie noch immer nicht geantwortet hatte. Langsam wurde das ein Muster. Wie oft hatte ich schon noch mal was in unseren Chat schreiben müssen, um eine Antwort auf die Nachricht davor zu erhalten?
In der Regel sah sie meine Nachrichten eigentlich relativ schnell, manchmal sogar noch in der Minute, in der ich ihr schrieb. Doch antworten...? In dem Punkt haperte es doch ziemlich. Es war zum verrückt werden. Vor allem, wenn sie Zeit hatte in alle anderen Chats zu antworten. Oder wenn sie mir sagte, sie hätte keine Zeit sich mit mir zu treffen, weil sie lernen musste und dann ihr Status mit Shopping-Bildern zugeknallt war. Manchmal fragte ich mich, warum ich trotzdem so vernarrt in sie war.
Vielleicht weil mich ihr Lächeln berührte, sobald sie es mir schenkte.
Vielleicht war ich aber auch nur ein Vollidiot. Aber waren das nicht alle Verliebte?
Ich mochte es wie sie sich die Haare zurück strich, wenn sie redete. Ich mochte ihre Gedichte und Verse - sie hatte ein Talent für Worte. Sie war schön, wie die aufgehende Sonne und jedes Lächeln erreichte ihre Augen und brachte sie zum strahlen.
Ich war eher so ... Pluto. Klein, dunkel, unauffällig, kreise um sie rum, ohne dass sie es wirklich wahrnahm und wurde ohnehin von niemanden wirklich für voll genommen. Jap, ich war Pluto. Insofern konnte ich ihr nicht mal böse sein, dass sie mich offensichtlich ständig vergaß, so unscheinbar, wie ich nun mal war. Ich sollte cooler werden, dann würde sie mich sicher noch mal anders wahrnehmen.
Es ist nicht so, als hätte sie mich ihn die Friendzone verbannt, als ich ihr von meinen Gefühlen erzählt hatte, obwohl ich genau das eigentlich erwartet hatte. Sie war einfach nicht meine Liga und eine Abweisung hätte mich nicht gewundert. Doch so war es nicht gekommen, nein, es war viel mehr so, dass sie schon Interesse an mir hatte. Sie mochte mich auch, sie wusste nur nicht wie stark.
Also hatte ich ihr Zeit eingeräumt für sich rauszufinden wie sehr sie mich nun mochte und wartete. An manchen Tagen frustrierte es mich. Ich wartete und wartete und wartete, während sie weder ja noch nein sagen wollte, sich mit anderen traf, die ihr besser gefallen könnten, und sie mich zappeln ließ. Es war ein ständiges Auf und Ab.
Es gab Zeiten in denen sie mich vergaß, wenn nicht sogar ignorierte und ich fast wütend auf sie wurde. Doch immer genau dann wenn ich ein Level erreicht hatte, an dem ich so frustriert war, dass ich die Sache einfach aufgeben und abhaken wollte, dann war sie plötzlich wieder da, verbrachte Zeit mit mir, machte mir kleine Geschenke, telefonierte mit mir die Nächte durch, zog mich wieder in ihren Bann und wurde wieder zu meiner Sonne.
Wenn ich jetzt ein Blick auf mein Handy warf, dann war jedoch von dem Sonnenschein nicht mehr viel übrig.
Ich ließ meinen Kopf gegen die Sofalehne fallen und steckte das Handy in die Bauchtasche meines Hoodies. "Sie tut es schon wieder", sagte ich und sah rüber zu Wonpil. Ich bemerkte, dass sein Blick auf mir geruht haben musste, denn nun, wo ich auf sah, trafen sich unsere Blicke und ich fragte mich unwillkürlich, wie lange er sich mein Leid hier schon mit ansah. "Was denn?", fragte er, doch ich wusste ... er war nicht dumm. Er wusste genau was ich meinte, er war nur höflich genug so zu tun, als würde er sich nicht gedanklich in die Sache rein hängen, die ihn in Grunde nichts angingen.
In Wahrheit hasste er es. Und wohl möglich hasste er sie.
Wonpil und ich kannten uns noch nicht lange, doch er hatte keine zwei Wochen gebraucht, um mich irgendwie für sich einzunehmen und zu beschließen, dass er und ich jetzt beste Freunde sind. Generell war das alles ziemlich weird mit uns: Wir hatten uns unter einer Brücke kennengelernt.
Er auf der Suche nach dem perfekten Motiv, ich auf der Suche nach meiner Katze.
Ich hatte seinen Shoot gefotobombt ohne es zu bemerken, dieser dann aber war so gut geworden, dass er mich fragte, ob er ihn behalten könnte. Dann hatten wir meine Katze gesucht und gefunden und ich wurde ihn nicht mehr los. Wollte ich auch gar nicht, denn Wonpil war ein guter Freund, auch wenn ich mich anfangs geziert hatte.
Eigentlich mochte ich es nicht Menschen an mich ran zu lassen. Ich war zu schüchtern, zu zurückhaltend und introvertiert. Ich hatte mir Mauern aufgebaut, die ich sorgfältig pflegte und nicht vielen öffnete ich die Tür. Ihr hatte ich die Tür zum Beispiel geöffnet. Wonpil nicht wirklich, der war einfach mit einen Dietrich vorbei geschlendert gekommen und hatte die Tür aufgeknackt und veranstaltete nun schon ein halbes Jahr in meinem Inneren ein Picknick und ich hatte ihn machen lassen.
"Sie ignoriert mich", meinte ich und ich konnte nicht verhindern niedergeschlagen zu klingen. "Seit gestern", fügte ich hinzu und sah ihn an. "Was hast du denn geschrieben?", wollte er leise wissen und sah nun seinerseits auf sein Telefon. Er schnaubte viel sagend und sah mich an. "Du ignorierst mich auch schon seit gestern, du kleiner Penner", meinte er und stubste mich an. Ich sah ihn überfahren an. "Wir waren fertig mit unserer Konversation?", fragte ich unsicher und Wonpil lachte leise. "Wir sind nie fertig mit unseren Konversationen", ließ er mich wissen und seine Lippen zierte ein süffisantes Lächeln. "Der Wortlaut war 'Bis Morgen'. Von beiden Seiten", verteidigte ich mich und schlug ihn sacht mit einem Kissen.
Er beugte sich zu mir. "Also was hast du hier geschrieben?", fragte er noch mal. Ich hatte ihr geschrieben, dass ich sie mag und dass ich mich mit ihr treffen wollte. Ich hatte schon fünf Minuten nach dem ich die Nachricht gesendet hatte eine Lesebestätigung erhalten, aber sie antwortete einfach nicht. "Was... wichtiges", sagte ich ausweichend und Wonpil schenkte mit einen Seitenblick. "Du hast ihr aber nicht geschrieben, du magst sie, oder?" , fragte er und ich fror ein bisschen in meiner Bewegung ein, bevor ich mir durch die Haare fuhr. "Schon?"
Er sah mich ein paar Augenblicke an. "Hey, du stellst in deinem Inneren, aber nicht schon wieder irgendwelche doofen Plutovergleiche auf, du möchtegern Emo", war das nächste, was er in den Raum warf und ich fragte mich wie er das machte. Entweder war ich leicht zu durchschauen oder er war ein Vampir oder so was in der Art. "Aber ich bin ein Pluto", widersprach ich und bekam dafür ein Kissen gegen den Kopf. "Bullshit, Dowoon", erwiderte Wonpil, "mach weiter so und ich deinstalliere dein Tumblr." Leere Drohung, das würde er nie.
Seine Augen wurden nur noch schmaler. "Wieso weißt du eigentlich, dass sie dich seit gestern Abend ignoriert?", wollte er wissen und ich versuchte nicht allzu erwischt auszusehen. "Weeeeil .... die Nachricht von gestern ist?", versuchte ich mein Glück, doch eigentlich war die Sache klar.
"Hast du die Lesebestätigung wieder angemacht?" Ich schüttelte unschuldig den Kopf.
"Du hast die Lesebestätigung wieder angemacht", stellte er fest.
"Ich hab die Lesebestätigung wieder angemacht", bestätigte ich nüchtern.
"Dowoon!" Ehe ich mich versah, fiel er in dem Versuch an mein Handy zu kommen über mich her. "Ich hab dir gesagt, du sollst es lassen!", echauffierte er sich und ich versuchte ihn irgendwie abzuwehren, doch nach einem handfesten Gekappel gewann Wonpil die Oberhand. Er hatte sich mein Handy erobert und sass mit einen triumphierenden Lächeln auf den Lippen mehr oder weniger auf mir drauf. Er kippte das Handy kurz gegen das Licht und entsperrte es dann. "Wie kann es sein, dass ich mein Muster ständig ändere und du es trotzdem immer entsperrst?", fragte ich und Wonpil grinste nur wieder undurchsichtig. "Ich kenne dich eben zu gut", meinte er zufrieden und hantierte in meinen Messenger rum.
Dann ließ er von mir ab und warf mir mein Telefon wieder zu. Ich fing es ab und verdrehte ergeben die Augen. Man sollte meinen, dass es mich verärgert, wenn er mir ans Handy geht, doch es war eben Wonpil, irgendwie durfte er das. Freches Verhalten war bei ihm einfach Standard. Irgendwie war es zwischen uns beiden Standard. Er ging mir vielleicht ans Handy, dafür war sein Laptop nicht vor mir sicher. Sein Cousor hatte seit neusten die Form einer kleinen Schildkröte.
"Lass sie aus. Du machst dich nur unglücklich", hörte ich ihn sagen und ich wusste, dass er recht hatte. Wonpil hatte oft recht. Eigentlich war er sogar ziemlich weise. "Ja, schon gut. How to: Prevent ungood feelings about your crush. Sei mein Yoda", erwiderte ich ergeben. "Lesebestätigung du auslassen muss alle Zeit", sagte er, "nachschauen nicht gut ist für Ego." Ich seufzte und entsperrte das Handy. Er hatte die Lesebestätigung und den Onlinestempel wieder raus genommen.
Oh, und er hatte das Bild von ihr im Hintergrund durch eins von sich ersetzt.
Dieser Typ.
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