
Kapitel 65
Wütend blitzte Jin ihm entgegen. Auch wenn er innerlich vor Angst fast verging.
Namjoons dunkler Blick, der auf ihm ruhte, die angespannten Muskeln und besonders die verhärteten Gesichtszüge ließen nicht unbedingt den Schluss zu, dass der Fotograf vollkommen entspannt war.
"Du hast scheinbar keine Ahnung, wie riskant es ist, mich zu provozieren.", flüsterte er bedrohlich auf Höhe von Jins Ohr, so dass dieser den heißen Atem spüren konnte und seine Angst kurzzeitig einem ganz anderen Gefühl wich.
"Willst du mir weh tun?", stotterte der Dunkelhaarige heiser, verkrampfte automatisch, je näher Namjoon ihm kam.
Dieser verzog den Mund zu einem beinahe spöttischen Lächeln: "Ich weiß nicht, ob du nur naiv oder wirklich so dumm bist.", seine Lippen legten sich auf Jins zitternden Hals. "Der Vertrag ist mir egal."
"Ich verstehe nicht.", gab Jin offen zu. Noch immer konnte er sich nicht bewegen, war vollkommen verwirrt von der plötzlichen sanften Berührung. "Du hast gesagt, du willst den Vertrag beenden."
Namjoon deutete ein Nicken an, küsste sich weiter zum Schlüsselbein vor: "Weil ich dich nicht mehr fotografieren kann."
Jetzt verstand er gar nichts mehr.
Perplex über diese Worte schob er den Blonden leicht von sich, betrachtete ihn fragend.
"Weil ich so schlecht bin?", hakte er ein wenig geknickt nach. Ihm war klar, dass diese ganze Sache mit den Fotos von Anfang an keine sonderlich gute Idee war.
Es allerdings jetzt aus dem Mund eines professionellen Fotografens zu hören, schmerzte ihn dennoch mehr, als es eigentlich sollte.
Schmunzelnd entfernte Namjoon eine seiner aufgestützten Handflächen von der Wand, umfasste damit zärtlich Jins Wange.
"Nein, eigentlich bist du ein Naturtalent. Aber ich werde wahrscheinlich keine Zeit mehr dafür haben.", mit dem Daumen fuhr er die Rundung von Jins Unterlippe nach, drückte sie dabei vorsichtig herunter. "Und ich finde es merkwürdig, dich für Sex zu bezahlen."
"Für...", erschrocken sog der Dunkelhaarige die Luft ein. "Aber...", seine Gedanken drehten sich im Kreis. "Jetzt? Hier?"
Namjoon zuckte kurz mit den Schultern, ehe er sich leicht vorbeugte, sein Gesicht nur Milimeter von Jins stoppte: "Ich hätte eher meine Wohnung vorgeschlagen, aber wenn dir eine Nummer auf dem Konferenztisch romantisch genug ist."
"Was?", gab er quietschend zur Antwort. "Aber wir sind mitten in der Öffentlichkeit."
Mit der Zunge stupste Namjoon ihm gegen die Lippe, grinste dabei eindeutig diabolisch: "Also ich sehe niemanden außer dich und mich."
"Es könnte aber wieder jemand reinkommen.", stotterte Jin aufgeregt. Insbesondere auch, weil der Fotograf nun auch die andere Hand von der Wand entfernt hatte und damit allen ernstes die Innenseite von Jins Oberschenkel in aller Seelenruhe nach oben wanderte.
"Dann müssen wir uns wohl beeilen.", schlug Namjoon vollkommen abgeklärt vor, biss vorsichtig in die Unterlippe und brachte Jin damit so aus dem Konzept, dass dieser einfach losplapperte: "So schnell bin ich nicht und außerdem will ich das genießen und wenn ich weine, dann sieht mein Gesicht danach immer so verquollen aus und..."
"Warum willst du weinen?", unterbrach der Blonde stirnrunzelnd, schaute ihn forschend an.
"Das hab ich gelesen. Und gesehen. Also Bilder davon.", mit zitternden Fingern holte Jin den Comic hervor, den er gerade eben noch unbedingt hatte unauffällig wieder in der Tasche verschwinden lassen.
Namjoon hob die Brauen, öffnete kurz den Mund, als wolle er etwas sagen, ehe er in schallendes Gelächter ausbrach.
Jin hingegen wusste nicht, ob er besorgt oder sauer über diese Reaktion sein sollte.
"Bitte lies sowas nicht.", kicherte der Fotograf noch immer, während er die Seiten im Schnelldurchlauf durchblätterte, dabei immer wieder mit dem Kopf schüttelte. "Das ist sowas von unrealistisch. Niedlich, aber unrealistisch."
Der Nächste, der so etwas von sich gab.
Scheinbar konnte man solche Bücher wirklich nur gut finden, wenn man selbst noch gar keine Erfahrung in diese Richtung vozuweisen hatte. Aber musste Namjoon ihn deshalb gleich auslachen?
"In Ordnung.", meinte dieser plötzlich, warf den Comic achtlos zur Seite und stützte seine Hände erneut neben Jins Kopf ab. Schon wieder dieser Blick, der ihm bis auf den Grund der Knochen zu gehen schien. "Ich hab bereits gesagt, was ich möchte. Wovor fürchtest du dich also so?"
Unsicher sah Jin zu ihm auf.
"Dass es dir gefallen könnte?", hakte Namjoon direkt nach, legte fragend den Kopf schief, als warte er auf eine Reaktion, die ihm der Dunkelhaarige doch sowieso nicht geben könnte.
Was sollte er auch sagen?
Noch immer stand er einfach nur da und schaute sein Gegenüber stumm aus großen Augen an.
Die Lippen zu einem sanften Lächeln verzogen beugte er sich ihm wieder entgegen, lehnte seine Stirn gegen die von Jin.
"Ich mag dich, okay? Lass es mich dir auch zeigen.", flüsterte er leise und obwohl die Worte fast überhörbar waren, brachten sie das Herz des Dunkelhaarigen dennoch zum Rasen.
Er mochte ihn?
So richtig?
"Komm mit zu mir.", bat Namjoon ebenso leise. Zumindest klang es so. In Jins Ohren rauschte es und eigentlich konnte er dadurch gar nichts mehr hören.
Sein Gegenüber hätte alles sagen können und er hätte trotzdem genickt. So wie jetzt.
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