
XXVII
Doch auch nach einer halben Stunde wollte es mir nicht gelingen, Cole zu besiegen. Außerdem wirkte der Erdbändiger noch fröhlich und topfit, während meine Kräfte langsam aber sicher schwanden.
,,Mann Faye, jetzt streng dich mal an!" Maulte er, nachdem ich mich zum dritten Mal zu Boden fallen ließ wie ein nasser Sack.
,,Ich kann nicht mehr!" Motzte ich zurück und stand taumelnd auf, was aber auch daran lag, dass Cole nach wie vor mein Handgelenk umklammert hielt.
,,Na, klappt es?" Neben uns materialisierte sich plötzlich Mrs. Walsh und lächelte uns an. Ich erschrak und fragte mich sofort, wie lange sie uns wohl schon zugesehen hatte.
,,Nein." Stöhnte ich, während Cole gleichzeitig ,,Ja" Trompetete. Die Schulleiterin nickte wohlwollend.
,,Zeigt mir mal, wie es klappt." Verlangte sie.
Ich stellte mich in Position und Cole bedeutete mir mit einem Nicken, dass ich anfangen sollte. Wahrscheinlich, damit ich überhaupt noch eine Chance hatte.
Ich hob die rechte Hand und schickte mich an, Cole eine Stichflamme entgegen zu schießen, doch noch als diese unterwegs war, ließ Cole die Flammen zu Sand werden, der daraufhin mich attackierte.
Hustend und spuckend rieb ich mir den Sand aus den Augen und wetterte:
,,Bist du bescheuert? Was war das denn für ein mieser Trick?!"
Mrs. Walsh nickte Cole anerkennend zu und widmete sich dann mir.
,,Faye, du gehst das völlig falsch an. Als erstes, bevor ihr kämpfen könnt, musst du deinen Gegner einschätzen. Das klingt einfach und nebensächlich, ist aber sehr wichtig. Denn nur wenn du die Stärken und Schwächen deines Gegners kennst, kannst du ihn besiegen." Sie deutete auf Cole.
,,Er hat das gemacht. Er hat dich angesehen und dich ganz richtig als Jemanden eingeschätzt, der ohne zu überlegen seine Kräfte einsetzt und so seine Energie verschwendet."
Ich schnaubte leicht verärgert, aber die Direktorin ging nicht darauf ein.
,,Versuch es einmal. Schätz Cole ein."
Ich sah ihn an und riet dann einfach ins Blaue hinein.
,,Er ist sehr gut im Umgang mit seinem Element und dafür aber nicht sehr ausdauernd oder schnell." Schätzte ich.
,,Gut." Mrs. Walsh nickte mir zu. ,,Aber es gibt noch mehr."
Ratlos betrachtete ich den Erdbändiger erneut.
,,Er kämpft lieber auf Distanz, weil das körperlich angenehmer für ihn ist." Half mir die Schulleiterin auf die Sprünge.
,,Pah!" Cole grinste und tat so, als wäre er gekränkt.
,,Greif ihn noch einmal an." Mrs. Walsh verschränkte abwartend die Arme vor der Brust.
Ich nickte und stürzte mich sofort auf Cole um die vielgenannte Distanz zu überbrücken. Doch der Erdbändiger hatte mit meinem Angriff gerechnet und hielt mich auf, indem er den Boden mit glitschiger Erde bedeckte, sodass ich ausrutschte und hinfiel.
,,So wird das nichts." Bemerkte Mrs. Walsh trocken, nachdem ich mich vom Boden hochgekämpft hatte.
,,Du kannst ihn nicht überrumpeln, du musst ihn ablenken, sodass du dich in Ruhe näher an ihn stellen kannst."
,,Und wie?" Fragte ich perplex nach.
,,Versuch es einfach irgendwie."
Also versuchte ich es einfach irgendwie.
,,Schau mal, da!" Rief ich laut und zeigte auf etwas hinter Cole. Doch dieser zuckte nicht mal mit der Wimper.
,,Jaja, netter Versuch." Sagte er gelangweilt und betrachtete abwesend seine Fingernägel. Ich nutzte diesen Moment aus und sprang auf ihn zu, Doch als ich Cole am Arm packte, drehte er seinen Arm aus meinem Griff heraus und umklammerte meinen. Einen Augenblick später lag ich schon wieder auf dem Boden und ein sehr zufriedener Cole hockte auf meinem Rücken.
,,Komm schon, dass kannst du besser!" Mrs. Walsh sah mich kurz ärgerlich an. ,,Du kannst auch ein Element kontrollieren, also benutz es!"
Ich nickte, stellte mich Cole gegenüber und streckte die rechte Hand aus. Er bereitete sich auf einen weiteren schlechten Angriff vor, doch anstatt ihn direkt zu konfrontieren, ließ ich eine Feuerwand hinter ihm entstehen. Als Cole die Hitze von hinten spürte, drehte er sich kurz um. Ich nutzte diesen Moment um Cole vollends einzuschließen.
Dann schlenderte ich lässige auf den Erdbändiger zu, der mich durch das Feuer hindurch abwartend ansah. Ich Wettete, er hätte das Feuer auch zu Sand werden lassen können, doch er hielt sich zurück und ließ mich machen.
Ich sah mich kurz fragend zu der Schulleiterin um und sie meinte:
,,Ja, dein eigenes Feuer kann dir nichts anhaben."
Ich nickte grimmig und durchschritt das Feuer. Cole versuchte, in dem Flammenkreis auf Abstand zu gehen, doch ich hielt ihn durch meine Flammen auf. Ich warf mich auf ihn zu, packe ihn am Handgelenk und verdrehte es, sodass er stöhnend in die Knie ging. Ich ließ den Feuerwall verschwinden und drückte Cole mit dem Gesicht auf den Boden.
,,Du hast verloren." Stellte ich überflüssiger Weise fest.
Cole erhob sich ächzend und grinste mich frech an.
,,Aber nur, weil ich mich anfangs zurückgehalten habe." Schmollte er.
,,Sehr gut gemacht, Faye."
Beim Klang der Stimme fuhr ich herum. Mrs. Walsh war wieder verschwunden, stattdessen war M. Aprice aufgetaucht und applaudierte leise.
,,Die Tipps und zusätzlichen Übungen scheinen geholfen zu haben."
Ich lächelte ihn freundlich an, doch seine nächsten Worte zerstörten die Idylle.
,,Aber du hast nur gewonnen, weil Cole sich zurückgehalten hat. Hättet ihr ernsthaft gekämpft, wärst du schon lange tot." Er zuckte mit den Schultern. ,,Wenn du das hier tatsächlich brauchen wirst, wird dein Gegner dich nicht schonen. Also, nochmal von vorne. Und diesmal nimmt Cole sich nicht zurück."
Er klatschte in die Hände und ich stellte mich seufzend wieder auf Position.
***
Nach weiteren zwanzig Minuten lag ich völlig erschöpft auf dem Boden und keuchte vor Anstrengung. Cole hockte auf mir und hielt meine Hände fest, während ich versuche sollte, ihn nur mit der Kraft meiner Augen wegzujagen. Nachdem ich den Erdbändiger mehrmals besiegt hatte, war unser Lehrer auf die brillante Idee gekommen, ich sollte es auch schaffen, mich unter ihm zu befreien, wenn ich stürzte und er sich auf mich drauf setzte. Nur leider hatteM. Aprice nicht bedacht, dass Cole viel schwerer war als ich. Seit fünf geschlagenen Minuten hing ich nun schon unter ihm fest und könnte mich keinen Millimeter bewegen. Ärgerlich stierte ich Cole direkt in die Augen und zog die Augenbrauen zusammen.
,,Aua!" Entfuhr es ihm plötzlich und Cole ließ mich los, um sich wie wild über die Augen zu reiben. Ich wand mich unter ihm hervor, warf mich auf ihn und drückte ihn zu Boden, wohlweislich darauf bedacht, seine Hände zu fixieren.
,,Guter Trick, Faye." Meinte Cole anerkennend, nachdem ich ihn hatte aufstehen lassen.
,,Was meinst du?" Fragte ich erstaunt nach.
,,Na, mir so lange in die Augen zu starren, bis es unangenehm heiß wurde." Er grinste. ,,Oder hast du das gar nicht absichtlich gemacht?"
Ich schüttelte den Kopf, ebenfalls grinsend, allerdings ziemlich verlegen.
,,Auf jeden Fall hat es was gebracht."
Nach und nach kamen die anderen zurück nach drinnen und de Lehrer beendete die Stunde etwas früher.
,,Tut mir und euch einen Gefallen: Lernt, was das Zeug hält." Verabschiedete sich M. Aprice und löste sich in Luft auf.
Alle strömten laut redend aus der Turnhalle und teilten sich in kleinen Gruppen in alle Richtungen aus. Amy, die noch in der Turnhalle nebenan Unterricht hatte, kam plötzlich aus der Tür, zusammen mit einem schlanken Mädchen mit fast weißen Haaren.
,,Hey Faye!" Rief sie mir zu und deutete auf ihre Begleitung. ,,Das ist übrigens Emily. Sie ist auch ein Werwolf."
,,Ach echt?" Ich lachte und gesellte mich zu den Beiden. Emily musterte mich feindselig und knurrte. Wie ein Hund!
,,Ist ja gut, Wölfchen, fahr nicht gleich die Krallen aus." Amy legte Emily beruhigend die Hand auf die Schulter, doch diese schnaubte nur abfällig.
,,Du bist mit der Verräterin befreundet?! Dann bist du dümmer, als ich dachte!" Sie drehte sich um und verschwand zwischen den Bäumen.
,,Corey, sag ich nur." Seufzte Amy und deutete mit dem Daumen auf die Stelle, an der die Werwölfin verschwunden war. ,,Ziemlich unangenehm."
Sie sah mich verlegen an.
,,Kannst du mich vielleicht mal beobachten? Ich will wissen, ob meine Verwandlung gut aussieht." wollte sie schüchtern wissen.
,,Klar." Ich nickte und sah Amy abwartend an. Diese vergewisserte sich, dass ich zusah und schien sich dann zu konzentrieren. Im nächsten Moment krümmte sich ihr Oberkörper, ihre Füße und Hände wurden zu Pranken, ein Schwanz wuchs ihr und ihre Kopfhaare wurden kürzer. Die Klamotten fielen von ihr ab und ihre Nase streckte sich nach vorne.
Im nächsten Moment stand ein riesiger schwarzer Wolf vor mir und sah mich aus dunklen Augen abwartend an.
,,Super." Sagte ich und hob zur Verdeutlichung beide Daumen.
Amy der Wolf zog die Lefzen zurück und hob dann vorsichtig ihre Kleidung auf. Sie bedeutete mir mit einem Schwanzwischen, ihr zu folgen und lotste mich in die Umkleidekabine.
Kurz darauf stand Amy wieder als Mensch vor mir.
,,Das ist so dumm, dass ich als Wolf nicht sprechen kann!" Maulte sie und streifte sich ihre Hose über. ,,Wir Werwölfe können uns mit einer Art Gedankensprache verständigen, auch, wenn nur einer in Wolfsgestalt ist, aber mit dir geht das ja nicht."
Sie lächelte mich an.
,,Trotzdem danke. Trish macht das nicht, weil sie neidisch ist, weil sie nur ein Vampir ist." Erklärte sie.
Ich zuckte mit den Schultern.
,,Vampire sind auch cool." Stellte ich fest.
,,Stimmt, das sage ich ihr auch immer, aber sie will mir nicht glauben."
Wir grinsten uns an.
,,Na dann, auf in die Übungen für die Prüfungen!"
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(1531)
Ich liebe liebe liebe dieses Kapitel!
Ich widme es farbenfluss und Lahula04vie . Farbenfluss, weil sie auch Werwolfsbücher schreibt und Lahula, weil ich mal wieder an sie gedacht habe, als ich das Kapitel geschrieben habe.
Übrigens:
Wer hier als erstes kommentiert (außer den beiden und fantastic_stories_ ), dem widme ich das nächste Kapitel.
MissWriter13
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