Chào các bạn! Vì nhiều lý do từ nay Truyen2U chính thức đổi tên là Truyen247.Pro. Mong các bạn tiếp tục ủng hộ truy cập tên miền mới này nhé! Mãi yêu... ♥

Here without you

Nein. Nein. Nein. Das konnte nicht sein!!! 

Mit einem lauten Klackern, fällt der Rasierer auf die Fliesen unter mir, mein Herz dröhnt panisch in meiner Brust, während ich spüre, wie mir jegliche Farbe aus dem Gesicht weicht. Mein ganzer Körper zittert und mir wird wieder übel. Panisch schüttele ich mit dem Kopf, als ich in meinem Kopf zurück rechne. Das konnte nicht sein! Ich konnte nicht schwanger sein! 

 West und ich hatten immer verhü..., erschrocken reiße ich die Augen auf. 

Nein. NEIN! 

Erinnerungsfetzen dringen in mein Gedächtnis, von der Nacht vor meiner Hochzeit. Mein Atem bleibt in meiner Brust stecken, während mir schwindelig wird. 

Oh Gott!! 

Ich konnte nicht schwanger sein! Ich durfte nicht schwanger sein! Nicht, wenn West im Koma lag und vermutlich nie wieder aufwachen würde! 

Die Nacht war gerade einmal ein paar Tage zurück gewesen, so schnell konnte ich doch nicht schwanger werden ? 

Oder doch? 

Verdammt ich war gerade einmal 22! Schwangerschaften waren für mich so eine weitentfernte Vorstellung, wie der Kontinent Afrika! 

Mein ganzer Körper zittert, als ich meine Hände an die gegenüberliegenden Fliesen abstütze. Erbrochenes wallt meine Speiseröhre hinauf und kurze Zeit später muss ich würgen. Ich schaffe es noch gerade eben zur Toilette, bevor ich mich auch schon in ihr übergebe. Und dann wurde mir alles klar. Die Morgenübelkeit. Der Schwindel. Tränen steigen in meine Augen, gleichzeitig presse ich meine Hand auf meinen Bauch. 

Hatte ich irgendwann anders mit West nicht drauf geachtet? 

Gott! Zoe denk nach! Streng dich an! 

„Oh Gott, West wir können kein Baby bekommen", flüstere ich erstickt aus, während ich mich auf den Boden sacken lasse. 

***

Die nächsten zwanzig Minuten ziehen, wie in Trance an mir vorbei. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber als ich das nächste Mal blinzele, befinde ich mich vor unserem lokalen Supermarkt. Mein Herz dröhnt mir bis zum Anschlag, meine Augen brennen, als ich langsam durch die Supermarktregale laufe. Eine ältere Frau sieht mich besorgt an, als sie mir am Gemüseregal entgegenkommt. Ich weiß, dass ich furchtbar aussehen muss, mit meiner Kapuze, die tief in mein Gesicht gezogen ist, meiner Leggings und meinen pinken Hausschuhen.

Mein Herz schlägt immer lauter, je näher ich dem Regal mit den Schwangerschaftstests komme. Ich konnte nicht schwanger sein. Ich konnte es einfach nicht. Tränen wallen erneut in meinen Augen auf, ein Schluchzer bleibt in meiner Kehle stecken, als ich an den Regalen mit den Medikamenten vorbeilaufe. Und dann plötzlich bleibe ich stehen. Es ist als ob ich die Anwesenheit von Ihnen spüren würde. Als ob mir jeder einzelne Schwangerschaftstests etwas zuschreien würde. Zitternd hebe ich meinen Kopf und lasse meinen Blick über das Regal schweifen. Mein Herz zieht sich zusammen und ich habe das Gefühl, als ob ich mich in einem Traum befinden würde. In einer surrealen Scheinwelt, aus der ich jeden Moment wieder aufwachen würde. Doch anscheinend ist das alles hier kein Traum. Es war ein Alptraum, der sich in meiner Welt gefangen hatte. Ein Alptraum, aus dem ich nie wieder aufwachen würde.

Die verschiedenen Sorten von Schwangerschaftstests erschlagen mich beinahe, als ich meinen Blick erneut über das Regal schweifen lasse, mein Körper zittert und ich spüre meine Beine nicht mehr. 

 „Schwangerschaftsfrühtest-sensitive"

„Schwangerschaftstest- advanced"

„Schwangerschaftstest mit Wochenbestimmung"... 

Mein Blick huscht zwischen den verschiedenen Sorten hin und her, Tränen brennen in meinen Augen und ich habe das Gefühl, dass ich keine Luft mehr bekomme.

Ich war allein. Ich war vollkommen allein. Mein ganzes Leben, war ich auf mich allein gestellt. Hatte keine Mutter, die sich um mich kümmerte. Hatte einen Verlobten nach deren Nähe ich mich nicht sehnte. Mein ganzes Leben hatte ich geglaubt, dass ich eine Person war, die die Einsamkeit brauchte. Die in der Einsamkeit ihren Frieden fand. Doch genau jetzt in diesem Moment fühlte ich mich so einsam, wie noch nie in meinem Leben. Die einsamsten Momente eines Menschen waren die, in denen er beobachten konnte, wie seine ganze Welt auseinander fiel und alles was er tun konnte, war ausdruckslos in die Ferne zu starren.

 Ich wusste, dass dieser Moment irgendwann kommen würde. Der Moment in dem ich ausdruckslos in die Ferne starren würde. Der Moment in dem ich ausdruckslos auf dieses Regal schauen würde. Aber dass er mit zweiundzwanzig kam, warf mich dermaßen aus der Bahn, dass ich das Gefühl hatte, dass ich nicht mehr atmen konnte. Vor nicht einmal 36 Stunden hatte ich erfahren, dass die Liebe meines Lebens im Koma lag und jetzt hatte ich erfahren, dass ich vermutlich schwanger sein konnte. 

Meine Augen fangen an zu brennen, während ein leiser Schluchzer aus meinem Mund dringt. Ein Schluchzer so schmerzhaft, dass ich das Gefühl habe, dass er mein Innerstes zerfetzt. Meine Beine zittern unter mir und ich muss mich mit einer Hand an dem Regal festhalten. Meine Haare hängen in meinem Gesicht, als die Tränen nur so mein Gesicht herunterlaufen. 

Babe ich lass dich nicht los. Egal was passiert. 

Ein erneuter Schluchzer dringt aus meinem Mund. 

„Du hast es versprochen...", meine Stimme kommt krächzend aus meinem Mund, als ich mit einer Hand gegen das Regal schlage. 

Eine Handvoll von Schwangerschaftstests fällt aus den geordneten Reihen des Regales. 

„Du hast verdammt noch mal versprochen, dass du mich nicht los lässt", ein lautes jammerndes Geräusch dringt aus meinem Mund, während ich mich auf die Knie fallen lasse. 

Mein Herz es tat so verdammt weh. Ich hatte das Gefühl, ich würde langsam von all dem was ich jemals geliebt hatte, davontreiben. Er hatte mein Herz gebrochen. Aber ich liebte ihn immer noch mit all den kleinen, kaputten Teilen meiner Seele.

„Kindchen kann ich dir vielleicht helfen?", eine sanfte Stimme ertönt neben mir. Ertönt durch das laute Rauschen meiner Ohren. 

Langsam hebe ich meinen Kopf, und schaue durch meine tränenbehangenen Wimpern nach oben. Über mir steht die alte Frau vom Gemüseregal. Sie hat ihren Kopf besorgt zu mir geneigt, während sie mich aus ihren großen, blauen Augen mustert. Scham überkommt mich und sofort wische ich meine Tränen weg. 

„Ein ziemlich schlechter Tag oder?", ihre Stimme klingt mitfühlend, als sie vor mir in die Hocke geht und die Schwangerschaftstests aufhebt und sie wieder Einen nach dem Anderen ins Regal schiebt. „ Sind die für dich?" sie deutet auf die Schwangerschaftstests und zieht ihre Augenbraue leicht hoch. 

Ich nicke und wische mir mit einer Hand über die Augen. „ I... Ich ... schätze ich br...brauch einen Schwangerschaftstest", die Worte auszusprechen, macht das ganze noch viel realer und ich hab erneut das Gefühl, dass mir die Luft abgedrückt wird. „A...Aber ich weiß nicht welchen ich nehmen muss", meine Stimme zittert, als mir erneut die Tränen kommen. 

Ich war leicht dramatisch, das wusste ich. Aber der Schock über meine vermeintliche Schwangerschaft ließ meine Emotionen wild durch mein Inneres wüten. 

„Oh, Kindchen", sie greift nach meiner Hand und drückt sie fest, während sie mich besorgt aus ihren Augen mustert. „ Ich hab zwar niemals Kinder bekommen, aber ich schätze dieser hier...", sie greift nach einem pinken Exemplar „ Wird dir ganz behilflich sein. Zumindest hat er bei all meinen Freundinnen nicht gelogen", sie zwinkert mir zu und legt den Schwangerschaftstest in meine Hände. 

Die Schachtel fühlt sich eiskalt in meiner Hand an und für einen kurzen Moment bleibt mir die Luft im Hals stecken. 

„Da...aa.nke", stottere ich unbeholfen .

„Nichts zu danken, Kindchen", ein kleines Lächeln dringt auf ihr Gesicht, als sie auf mich schaut. „Und vergiss nicht Kinder sind etwas Wunderbares", sie zwinkert mir zu und erhebt sich. „ Ein Kind zu gebären ist einfacher, als sich darüber Sorgen zu machen, glaub mir", und ehe ich blinzeln kann ist die alte Frau auch schon verschwunden.

***

Kinder sind etwas Wunderbares. Kinder sind etwas Wunderbares. Kinder sind etwas Wunderbares. 

Auf dem ganzen Weg nach Hause verfolgen mich die Worte der alten Frau. Als ich schließlich völlig taub und zittrig in mein Apartment stolpere, habe ich das Gefühl, dass ich mich gleich wieder übergeben könnte. Mein Herz pocht, wild in meiner Brust, als ich wie ein Roboter ins Badezimmer laufe. Ich schließe die Augen und spüre, wie mir schwindelig wird. Erst jetzt frage ich mich, wann ich das letzte Mal etwas gegessen hatte. Es musste so lange her gewesen sein, dass ich mich nicht mehr daran erinnern konnte. 

Langsam lasse ich mich auf die Badezimmerfliesen gleiten und starre auf das Objekt in meinen Händen. Das Objekt, das mein ganzes Leben verändern könnte. Ich weiß nicht wie lange ich dort saß und auf es starrte, aber nach einer geraumen Zeit, erhebe ich mich und öffne mit zitternden Händen die Verpackung in dem sich all das verbarg, das mein Leben auf einem Schlag verändern konnte. Ich hatte zwar noch nie einen Schwangerschaftstest durchgeführt und hatte auch nicht gewusst, welchen ich davon nehmen musste. Dennoch wusste ich was zu tun war und das zwei, kleine Streifen mein komplettes Leben zerstören konnten. 

Mein Herz pocht laut in meiner Brust, ich höre das Blut in meinen Ohren rauschen, als ich mir meine Hose samt Unterhose von den Beinen streife und mich auf die Toilette setze, in der linken Hand den Schwangerschaftstest. Als ich meinen Toilettengang erledigt habe, lege ich den Schwangerschaftstest auf das Waschbecken und lasse mich langsam wieder auf die Fliesen gleiten. Meine Hände sind total geschwitzt und die zwei Minuten kommen mir vor, wie eine halbe Ewigkeit. Wie eine Ewigkeit in der ich nichts um mich herum wahrnehme. In der ich nichts fühle. Nicht einmal meinen Körper. Ich fühle mich, wie ein schwereloses Teilchen, das im Weltall herumschwirrt. Gleichzeitig fühle ich mich aber auch, als ob mich eine riesige Hand mich immer wieder  versuchen würde nach unten zudrücken. 

Als ich das Gefühl habe, dass die zwei Minuten endlich zu Ende sind, erfasst mich eine Welle der Panik. Mein ganzer Kopf fängt an sich zu drehen und mein kompletter Körper fängt an zu zittern. Ich schließe die Augen und für einen kurzen Moment sehe ich West vor mir. Sein Lachen, Seine Augen. So blau wie das Meer. 

Ich hole einmal tief Luft und rappele mich mit immer noch geschlossenen Augen auf meine Beine. Ich weiß nicht wie lange ich dort mit geschlossenen Augen stehe, aber als ich sie wieder öffne, fällt mein Blick sofort auf den Schwangerschaftstest vor mir. Der Raum scheint immer kleiner zu werden. Die Wände kommen immer näher, als mein Atem in meiner Kehle stecken bleibt. 

Kinder hatten Bedürfnisse. Bedürfnisse, für die die Eltern zu sorgen hatten. Bedürfnisse nach Wärme, nach Nähe nach Liebe oder schlicht und einfach das Bedürfnis nach Essen und einem Dach über dem Kopf. Dennoch war kein Bedürfnis eines Kindes stärker, als das Bedürfnis nach einem Vater. Eines Vaters, der ihm väterlichen Schutz gab. Der ihn zu Footballspielen mitnahm, ihm das Autofahren beibrachte, ihm zeigte wie sich ein Gentleman zu benehmen hatte. Oder einer, der sich die Fingernägel von ihr Lackieren ließ, der all die Jungs, die bei ihr Schlange standen in die Flucht schlug. Ihr all die Eigenschaften zeigte, die sie später einmal selber in ihrer großen Liebe suchen würde. Einer der einfach auf sein Baby aufpassen würde. 

Mein Atem bleibt in meiner Kehle stecken und mir wird schlecht. Mir wird schlecht, als ich realisiere, dass  vermutlich niemand jemals so etwas für mein Baby tun würde. Dass mein Kind vielleicht ohne einen Vater aufwachsen würde. Dass mein Kind vielleicht vaterlos sein würde.

***

Bitte hinterlassen sie eine Nachricht nach dem Signalton. Piep

Hey, Z.... ich mach mir Sorgen um dich.. Du antwortest nicht auf meine Anrufe und aus dem Krankenhaus bist du auch einfach abgehauen. Ich weiß, dass das alles schwer für dich ist... für uns und ganz besonders für Chris ist es auch nicht leicht. Also Süße, wenn du jemanden zum Reden brauchst ruf mich zurück.

Zoe, es ist jetzt eine Woche her, seit meinem letzten Anruf. Ich mach mir Sorgen um dich. Melde dich bitte bei mir.

Hey, Zoe, ich bins Chris. Ich.....ich ...ich weiß verdammt noch mal wie du dich fühlst. Ruf uns zurück! Wir ...wir machen uns Sorgen.

Zoe? Amber und Chris haben mir gesagt, dass sie jetzt fast zwei Wochen nichts mehr von dir gehört haben.... Shane hätte nicht auf die Toilette gehen sollen... du ... du hättest dieses Gespräch nicht mitbekommen sollen... ich glaube wir sollten noch einmal reden.

***

„Zoe, Babe, mach verdammt noch mal die Tür auf!!",  eine laute Stimme dringt, wie ein Vorschlaghammer durch meinen Kopf, dicht gefolgt von einem lauten Hämmern. 

Taub öffne ich meine Augen und starre in die Dunkelheit um mich herum. 

„Baby, wenn sie die Tür nicht aufmacht, trete ich sie ein!!" 

„Chris, du kannst doch nicht die Tür eintreten!" 

„Natürlich kann ich die Tür eintreten, wenn sie sie nicht von alleine öffnet! Baby wir haben zwei Wochen kein Lebzeichen mehr von ihr gehört!" 

„ZOE, ICH ZÄHLE BIS DREI! EINS.... ZWEI.....DREI!", ein ohrenbetäubender, lauter Knall dringt durch die Wohnung, dicht gefolgt von Fußtritten, die immer näher kommen. 

„Oh mein Gott, Zoe!, Chris, komm schnell her!" 

„Denkst du sie lebt noch?"

„Natürlich lebt sie noch." 

 „Verdammt, warum ist es so dunkel hier drin? Und was um Gotteswillen ist dieser Gestank?!"

 Meine Augen blinzeln ein wenig, als Licht das Zimmer erfüllt. 

„Oh Gott, Z Süße, wie lange hast du nicht mehr gelüftet? Und wie lange warst du nicht duschen?" 

  Hundertdreiundvierzig. Hundertdreiundvierzig. Hundertdreiundvierzig Einkerbungen befanden sich an der Decke. 

„Z, Süße?" 

„Baby, mach mal für einen kurzen Moment eine Pause." 

„Zoe, Babe", eine warme Männerhand greift nach meinem Arm und zum ersten Mal seit gefühlt zwei Wochen reiße ich meinen Blick von der Wand und schaue etwas anderes an, als die Decke. 

Chris' Gesicht ist leicht eingefallen, seine Haare sind durcheinander, während er mich mit seinen müden, blauen Augen anschaut. 

„Wie lange hast du nichts mehr gegessen?",  statt ihm eine Antwort zu geben, starre ich ihn nur an. 

Meine Kehle ist komplett zugeschnürt. Alles was ich will ist, dass dieser Schmerz aufhört. Mich von den dunklen Wellen mitreißen zu lassen und nie wieder aus ihnen aufzutauchen. Er streckt eine Hand nach mir aus und streicht mir eine Haarsträhne hinter die Ohren. 

„Alles ist in Ordnung, Süße. Du musst mir keine Antwort geben",  auf seinem, besorgten Gesicht zeichnet sich leicht ein Lächeln ab. 

„Wie wäre, es wenn du mit Amber erstmal ins Badezimmer gehst und dich duscht? Während ich dir etwas zu Essen mache?" 

Meine Kehle ist immer noch zugeschnürt, ich konnte ihm keine Antwort geben. Selbst wenn ich es versuchen würde. 

„Komm, Z, Süße, wir waschen dich erstmal", Amber's Hand greift nach meiner. 

Meine Hand fühlt sich knöchrig und kalt in Ihrer an, als sie mich ins Badezimmer zieht. Sie lässt das Wasser der Dusche an und schält mir die Kleider vom Körper. Ich kann förmlich sehen, wie ihr Blick an meinem Körper hängen bleibt, ein besorgter Ausdruck huscht über ihr Gesicht. Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal etwas gegessen hatte. Ihre Hände heben mich vorsichtig unter die Dusche und mit sorgsamen Händen fängt sie an mich zu waschen.

Als sie fertig ist, hebt sie mich wieder aus der Dusche und rubbelt mir mit einem Handtuch die Haare trocken. Meine Augen erhaschen einen Blick von meinem nackten Körper im Spiegel. Mein Gesicht sah abgemagert aus, genauso wie mein Körper. Meine Augen lagen fast schon in tiefen, schwarzen Höhlen in meinem Gesicht.

 „So und jetzt ziehen wir dir erstmal was Hübsches an", Amber's Stimme klingt an meine Ohren, als sie sich bei mir einharkt und mich in mein nun von Licht durchflutetes Schlafzimmer führt. 

Taub ziehe ich alles an, was Amber mir raussucht und ein paar Minuten später befinde ich mich auf einem Stuhl am Küchentisch, auf den mich Amber behutsam platziert hat. Der Geruch von Hühnchen dringt an meine Nase, während Chris am Herd steht. 

„Ich hoffe du magst Hühnchen mit Curry?", dringt seine Stimme an meine Ohren, als er mir einen Teller mit ein wenig Reis, Hühnchen und Curry vor die Nase stellt. 

Ich nicke stumm, während ich nach dem Messer und der Gabel greife. Erst jetzt bemerke ich, wie kraftlos ich eigentlich war. Denn als ich versuche, dass Hühnchen zu zerschneiden, gelingt es mir kaum. 

„Komm mal her, Süße. Ich mach das schon für dich", höre ich Chris' Stimme neben mir, bevor er mir Messer und Gabel aus der Hand nimmt und mir mein Essen kleinschneidet. Danach schiebt er ein wenig Reis und Hühnchen auf die Gabel. „Mund auf" fordert er mich auf, bevor er mir das Essen in den Mund schiebt. Selbst das Kauen fiel mir schwer. 

Mit Müh und Not, kaue ich auf dem Reis und schlucke. Meine Kehle war staubtrocken. Das Hühnchen schmeckt salzig auf meiner Zunge und für einen kurzen Moment überfällt mich eine Welle von Übelkeit. Ein Stich durchfährt meine Brust, während sich mein Magen zusammenzieht. Ich schließe schmerzhaft die Augen zusammen. 

„Hey..", Amber's sanfte Stimme dringt an mein Ohr. Ich öffne wieder die Augen und schaue in ihr besorgtes Gesicht. „ Er wird wieder aufwachen, Z. Glaub mir. Er wird wieder aufwachen", ihre Stimme klingt dumpf und an ihrem Gesichtsausdruck kann ich erkennen, dass sie selber nicht so überzeugt von ihrer Aussage zu sein scheint. 

Ein erneuter Schmerz durchfährt mich. Ein Schmerz so stark, dass ich das Gefühl hatte man hätte mir meine Brust aufgeschnitten. Es gab Tage, an denen man sich wünschte, man könne seine Menschlichkeit abstellen. Es wäre soviel einfacher. Kein Schmerz mehr. Nie wieder müsste man vorgeben, dass alles okay wäre, weil man die Trauer einfach nicht mehr spüren würde. Sie wäre verschwunden. Verschwunden, wie alle anderen Teile seiner Seele auch. Glück, Leidenschaft, Freude, Liebe, Trauer, Verletzlichkeit. All das wäre ausgelöscht. Und zurück blieb nur dieses dumpfe Gefühl, das einen schwerelos in der Luft schweben ließ. Das einen so leicht werden ließ, dass man das Gefühl hatte, der eigenen Körper bestehe aus Federn. Aus klitzekleinen, weichen Federn.

In den letzten Wochen, war jeder einzelne Tag so gewesen. War jeder einzelne Tag eine Qual gewesen. Jeder Tag, ohne West war eine Qual gewesen.

„ Zoe ?", Amber's Stimme dringt plötzlich durch die Stille zwischen uns. In den ganzen Jahren in denen wir uns kannten, hatte sie mich noch nie bei meinem vollen Namen genannt. Es war immer Z gewesen. Seit wir uns kannten. Seit wir kleine Kinder waren, die um die Wette schaukelten. Dass sie mich jetzt bei meinem vollen Namen nannte, ließ mir erneut die Tränen in die Augen steigen. 

„Ich weiß, dass du dich fühlst, als ob dein Herz herausgerissen wurde und Gott, uns geht es genauso... Besonders Chris", Sie wirft einen besorgten, kurzen Blick zu Chris, bevor ihre grünen Augen wieder auf mir landen. „ Aber... sie , sie wollen dich zu Brad befragen, zu... du , du weißt schon", die letzten Worte stammelt sie, ihr Blick inzwischen auf den Boden gerichtet. Mein Herz zieht sich bei seinem Namen zusammen und für einen kurzen Moment habe ich das Gefühl, dass mir jemand die Lunge zugedrückt hätte. 

„Denkst du, du würdest das schaffen?", ihr Blick fällt erneut auf mich, ihr Gesicht eine einzige Maske aus Sorge. „ Wenn dir das alles zu viel ist, du musst das nicht machen. Wir verstehen das. Nur, die Polizei sie braucht eine Zeugenaussage von .. du weißt schon . Und du bist nun mal die Einzige, die mit angesehen hat, wie Brad We...", sie verstummt und wirft einen entschuldigenden Blick über meine Schulter und beißt sich auf die Lippe. 

Plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter. „Süße, du musst das nicht machen." Chris' tiefe, weiche Stimme dringt durch meinen ganzen Körper. „ Aber es wäre gut, wenn du Ihnen erzählen könntest, was an dem Tag passiert ist", seine Stimme ist jetzt nur noch ein Flüstern. „Damit sie Ihn suchen können. Damit sie diesen Bastard hinter Gitter bringen können. Damit er, damit er... nicht umsonst da liegt." 

Mein Herz bleibt für eine Millisekunde stehen und Tränen steigen in meine Augen. Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen und hole tief Luft. Ich musste es tun. Egal wie sehr ich mich dagegen sträubte. Egal wie weh es mir tat, über ihn zu sprechen. Ich war es ihm schuldig. Mit zitterndem Körper öffne ich die Augen und schaue an die gegenüberliegende Wand. 

„Ich .. ich mach es", meine Stimme klingt brüchig und fremd. Fast wie eine Stimme von jemand Anderem. 

Ich spüre, wie Chris' Hand sich auf meiner Schulter ein wenig verfestigt. „ Bist du dir da sicher?", seine Stimme klingt hohl zu mir, fast so als ob ich mich in einer Blase befinden würde. 

Ich schlucke und nicke, obwohl mein Herz so sehr schmerzt, dass ich das Gefühl habe, dass jemand eine Nadel genommen hätte und in ihm unentwegt herumstochern würde. 

„Oh Zoe", Amber streckt ihre Hand nach mir aus und schaut mir ins Gesicht. „ Wenn du willst dann kommen Chris und ich natürlich mit", sie umschließt meine Hand mit ihren Fingern. „ Du musst das nicht alleine machen." 

Ich schüttele meinen Kopf. „ Ich ... ich schaffe das schon alleine", meine Stimme klingt brüchig und ich schlucke erneut. Die Vorstellung neben Chris und Amber zu sitzen, während sie mir dabei zuhören, wie ich den Tag schildere an dem Brad auf West geschossen hat, war für mich noch schlimmer, als die Vorstellung, dass ich dem Polizisten alles erzählen musste. 

„Okay", Chris' Stimme klingt weich. Inzwischen hat er seine Hand von meiner Schulter genommen und umrundet uns beide, bis er vor mir zum Stehen kommt, seine blauen Augen auf mich gerichtet. Seine blauen Augen. Blau, wie die seines besten Freundes. Doch trotzdem total unterschiedlich. „ Aber ich fahr dich. Du fährst auf garkeinen Fall in deinem Zustand alleine zum Polizeipräsidium", sein Blick ist bestimmend und seine Stimme klingt eher wie eine Tatsache, als ein Vorschlag. Ich weiß, dass es nichts bringt mit Chris zu diskutieren. Ich nicke und schaue ihm ins Gesicht, während er nach seinem Autoschlüssel greift den er auf die Küchentheke geschmissen hat. Er schenkt mir ein müdes Lächeln und streckt seine große Hand nach mir aus und fasst nach meiner, kleineren viel knöcherigeren.

***

Die gesamte Autofahrt zieht an mir wie eine Art Trance vorbei. Meine Lunge ist zugeschnürt und mein Brustkorb schmerzt bei jedem einzelnen Atemzug. Es ist, als ob mir jemand die Luft zum Atem genommen hätte. Als ob mir jemand die Lebenskraft genommen hätte und ich mich in einem endlosen Strom von Dunkelheit befinden würde. Mein Herz zieht sich zusammen, als ich sehe, dass der Wagen vorm Polizeipräsidium zum stehen kommt. Für ein paar Minuten bleiben wir einfach still im Auto sitzen, kein einziges Wort kommt über unsere Lippen. Bis ich plötzlich spüre, wie Chris' Hand auf meinem Bein zum Liegen kommt und er ganz leicht ein wenig Druck auf meinem Oberschenkel ausübt. Ich hebe meinen Kopf und schaue ihm ins Gesicht. 

„Wenn ich dich wieder abholen soll, oder dir dass zu viel wird, ruf mich an okay?", aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie seine Hand nach meiner Tasche im Fußraum fischt und er mein Handy herausholt. Seine Finger tippen seine Nummer in mein Handy, bevor er es wieder in meine Tasche steckt. „ Ich mein das ernst, Zoe. Ich bin für dich da!",  dann rutscht er über den Fahrersitz ein Stück nach vorne und schließt mich in seine Arme. 

Mein Herz zieht sich zusammen und ich fühle mich unglaublich klein und verletzlich in seinen Armen. Erinnerungen strömen durch mein Gedächtnis, wie einzelne Stücke. Gelächter. Strand. Blaue Augen, die meine in ihnen gefangen halten. Erschrocken zucke ich ein Stückchen zurück. 

„Alles okay?", Chris' Stimme klingt besorgt und ich weiß, dass er alle Male hinter meine Fassade gucken kann. Hinter meine Fassade, die so sehr seiner eigenen gleicht. Ich versuche ein Lächeln auf mein Gesicht zu bringen. 

„Ja... alles in Ordnung",  krätze ich und mache mit einer Hand die Fahrertür auf. 

„Zoe?", eine Hand hält mich zurück. „ Ich mein es ernst. Ruf mich an, wenn du fertig bist." 

Ich nicke nur und steige aus dem Wagen. Ich spüre Chris' Blick auf mir als ich die großen Backsteinstufen des Polizeipräsidiums hochlaufe. Mein ganzer Körper fühlt sich taub an, als ich die Tür öffne und die Wärme des Polizeipräsidiums betrete. Ich habe das Gefühl, dass alle Augen auf mich gerichtet sind. Ein besonders neugieriger Polizist schaut mich intensiv von oben bis unten an. 

„Miss? Kann ich Ihnen irgendwie helfen?," seine Stimme klingt autoritär, als er auf mich zu kommt. Ich nicke nur und schaue auf den Boden. „ Miss?" fragt er noch einmal nach, bevor er vor mir zum Stehen kommt. „ Ist Ihnen irgendetwas passiert. Sind Sie irgendeiner Form von Gewalt zum Opfer gefallen?". Mein Hals ist wie zugeschnürt und es kommen einfach keine Worte aus meinem Mund heraus. „ Wenn jemand Ihnen Gewalt angetan hat, dann müssen wir eine Akte aufnehmen und eine Zeugenaussage machen, damit....", die Worte dringen, wie in einer Seifenblase zu mir. 

Da ich weiß, dass du deine dreckigen Finger nicht von ihr lassen wirst, genauso wenig wie sie, werde ich jetzt alle male damit Schluss machen! Es war mir ein Vergnügen..... dich kennengelernt zu haben! 

Schwindel überkommt mich plötzlich und schwarze Punkte erscheinen vor meinem inneren Auge. „ Miss!" die laute Stimme des Officers dringt zu mir, während ich mir schmerzerfüllt den Bauch halte. 

Ich konnte das nicht. Ich konnte das nicht. Ich schüttele panisch den Kopf, während die Tränen sich in meinen Augen sammeln. Ich vermisste ihn. Verdammt ich vermisste ihn! Und ich wusste nicht, wie ich ein Leben ohne ihn leben sollte. 

„Miss, am Besten setzen sie sich erstmal hin und dann reden wir in Ruhe darüber was Ihnen pas..."

 Ich musste hier raus. Und zwar sofort! Musste aus diesem stickigen Ort heraus mit all diesen Menschen, die mich mit ihren Fragen löcherten und mich so sehr an den Tag erinnerten. Ich konnte einfach nicht mehr. 

„MISS! Bleiben sie stehen!" die Stimme des Officers dringt hinter mir her, als ich die schwere Tür des Polizeipräsidiums aufdrücke und in die warme Sommerluft renne. 

Mein Blick gleitet hektisch nach links und nach rechts über die Straße. Ich wusste nicht wohin mich meine Füße trugen, aber es war mir egal. War mir vollkommen egal, denn alles was ich wollte, war weg von diesem Ort. Weg von diesem Ort, der mich so sehr an West erinnerte. Weg von diesem Leben. Diesem Leben, dass so einsam, so dunkel war ohne Ihn. Ohne den Menschen, der das Licht in meiner Dunkelheit war. Ohne den Menschen, der mich immer zum Lachen brachte, der meine beste Seite in mir herausbrachte und dem ich alles anvertrauen konnte. Der mein Anker war, wenn sich das Wasser um mich herum zu einer Flutwelle aufzubäumen schien.

 Ich weiß nicht, wie lange ich laufe, aber als ich endlich realisiere, wo ich bin hat der Himmel sich über mir verdunkelt. Inzwischen leuchten einzelne Sterne über mir. Ein Stich durchfährt mich, als ich auf eine ganz bestimmte Sternkonstellation blicke. Meine Füße streifen das hohe Gras, als ich meinen Weg nach oben mache. Dieser Ort verbarg so viele Erinnerungen. So viele Erinnerungen, die mein Herz von Innen zerfraßen. Als ich durch das hohe Gras wate, sehe ich Bilder von West und mir vor mir, ich auf seinem Huckepack. Ich schüttele meinen Kopf und schließe für einen kurzen Moment meine Augen. 

Das war nicht echt. Es war nicht echt. West würde mich nie wieder auf dem Huckepack tragen können. Weil er nicht mehr da war. Weil er nie wieder da sein würde. 

Tränen bilden sich in meinen Augen und fließen leise mein Gesicht herunter. Ich wische sie kurz mit meinem Handrücken weg, bevor ich meinen Weg fortsetze. Als ich oben angekommen bin, spüre ich wie sich eine schwere Last um meinen Körper legt. Eine Last, die in weniger als ein paar Minuten von meinem Körper befreit sein würde. Eine Last, die ich in wenigen Minuten nicht mehr spüren würde. Ich greife nach unten und streife meine Schuhe von meinen Füßen. Das Gras ist weich und leicht feucht unter meinen nackten Füßen. Für einen kurzen Moment genieße ich das letzte Mal das Gefühl von weichem Gras zwischen meinen nackten Zehen, bevor ich meine Hand auf meinen Bauch lege und zum Rand der Klippe laufe. 

„Es tut mir leid Baby",  flüstere ich, während ich auf die Brandung unter mir schaue. Sie war ruhig, aber das würde mich nicht davon abhalten. Ich wusste, dass es länger dauern würde, und dass man mich wahrscheinlich schneller finden würde, aber das war mir egal. 

„Aber ich kann nicht ohne deinen Vater leben. Ich kann einfach nicht", ein leiser Schluchzer dringt aus meinem Mund, während ich einen weiteren Schritt nach vorne mache, sodass meine Zehenspitzen das Ende der Klippe berühren. 

„Ich will nicht, dass du ohne deinen Vater aufwächst. Ohne einen Vater, der dich so verdammt geliebt hätte, wenn er dich kennengelernt hätte",  ich schließe die Augen und sehe sein Lächeln vor mir. Selbst wenn ich vergaß, wie blau seine Augen waren, die Art und Weise wie er lachte, wenn ich einen ziemlich schlechten Witz machte, die Wärme seiner Worte an kalten Morgen, wenn wir zusammen unter seinen Laken in seinem weichen, warmen Bett lagen, ich würde Ihn niemals vergessen. Die Fingerabdrücke, die er auf meinem Herz hinterlassen hatte, würde ich niemals vergessen. Niemals. Nicht einmal wenn ich nicht mehr da sein würde.

„Genauso, wie er mich geliebt hat." die Worte verlassen fast lautlos meinen Mund, mein letzter Atemzug dringt durch die Nacht. Und dann schließe ich ein letztes Mal meine Augen und stürze mich, mit dem Lächeln von West vor meinen Augen, von der Klippe in der Hoffnung, dass all das ein Ende haben würde. 

Bạn đang đọc truyện trên: Truyen247.Pro