♤ You don't understand, don't you? [Ryoyu Kobayashi] ♤
Mit den Schultern stößt du gegen die Wand und bleibst in dieser Haltung, als würdest du dort festkleben. Deine Augen starren nach oben und visieren ein weiteres Paar an, welches dich ausgiebig mustert.
"Was willst du von mir", fragst du forsch und bekommst ein leichtes Lächeln auf die Lippen.
Seine Pupillen weiten sich kurz, als würden sie atmen. Aus seinem Mund kam noch kein einziges Wort. Stattdessen rückt er etwas näher an dich heran.
Dein leichtes Schmunzeln wurde mehr und du drückst dich fester an die Wand, spürst deine Rückenwirbel.
Er atmete immer noch schwer. War er dir doch vorhin nachgerannt, um dich zur Rede zu stellen. Doch wie es den Anschein machte, konnte er dies nicht.
Überschlugen sich seine Gehirnzellen oder hingen sie an einem Gedankengang fest, du wusstest es nicht. Jedoch bist du noch bei klarem Verstand. Noch.
Sein heißer Atem schnitt an deinen Wangen vorbei und hinterließ eine sanfte Wärme. Wenige Zentimeter trennten eure Körper. Seine schwarzen Haarspitzen berührten beinahe deine Stirn.
Es war dunkel. Der Mond schien durch die Fenster neben euch auf den Boden und zeichnete Schatten. Es war kühl hier, doch die Gänsehaut war keineswegs davon auf deinem Nacken auferstanden.
Deine Worte waren bereits von der Luft verschluckt.
Er schüttelte den Kopf und schloss kurz die Augen.
"Was ich...", hauchte er einen Teil deiner Frage und riss seine Augen auf. Als würden seine dunklen Pupillen deine Seele durchleuchten, so fühlte es sich für dich an.
"Was willst du eigentlich von mir?!"
Sein Ton hatte sich zu einem lauten geändert und du erschrickst sichtbar. Dir sackt das Blut aus deinen vorhin noch roten Wangen, die man durch die Dunkelheit nicht erkannte.
Hast du nicht damit angefangen?
"Was ist jetzt das für eine Frage", entkam es dir, überfordert mit der Situation. Deine Augen haben sich immer noch nicht von seinen gelöst. Er wirkte etwas furchteinflössend mit dem dumpfen Schimmern darin.
Er schnaubte amüsiert und richtete sich auf. Sein Lachen hallte durch den Raum und er bewegte sich in einem kleinen Kreis. Seine Hände krallten sich in seinen Haaren fest.
Du siehst ihn nur an, etwas enttäuscht von seiner Reaktion; wenn nicht verwundert, wie er sich wenige Meter vor die Tür stellte.
"Keine Gegenfragen stellen, Kleine", sprach er zu dir, ohne sich umzudrehen. Er schloss seine Jacke, als würde für ihn das Gespräch sowieso schon bald vorbei sein.
Du hinterlistiger Drache.
Deine Hände ballten sich zu leichten Fäusten und du lässt den Kopf hängen. Du umrandest kurz den Mondschein am Boden mit deinem Blick und hebst ihn wieder.
"Kehr' vor deiner Haustür, bevor du es mir vorhältst", gibst du frech von dir und stemmst ungewollt deine Hände in die Hüfte.
Er verharrte in der Stellung, seine Ärmel zu richten und scheint die vorhin gesprochenen Worte in seinem Kopf zu wiederholen.
"Jigoku he ike!" zischte er genervt.
"Ussendayo!", schreist du ihn an.
Als hättest du einen Drachen beschwört, machte er auf dem Absatz kehrt und deine Arme sinken wieder. Er stürmte geradewegs auf dich zu und du beginnst mit deinen Gedanken zu hadern.
Zu einem kleinen Haufen zusammenknüllen und hoffen zu überleben.
Ausweichen.
Doch du stehst da, wie angewurzelt und wusstest dich nicht zu entscheiden.
Seine Hände krallten sich in deine Oberarme und er drückte dich mit einer Wucht an die Wand zurück, von der du während der kurzen Konversation leicht Abstand gefunden hast.
Dein Kopf donnerte gegen das Mauerwerk und hinterließ damit eine leicht verschwommene Sicht. Du erkennst den Umriss von ihm.
Jedoch ist seine Nasenspitze fast auf Augenhöhe mit deiner.
Du blinzelst mehrmals und deine Sicht kehrte wieder zurück. Mit einem kurzen Luftstoß pustest du deine Haarsträhnen aus dem Gesicht und setzt damit auch ein paar von ihm in Bewegung. Er kniff die Augen zusammen und du pustest ihm bewusst nochmals ins Gesicht.
Ein leichtes, fröhliches Lachen von deiner Seite war ihm Raum zu vernehmen und er öffnete wieder seine Augen. Seinen Mundwinkel zu urteilen, war ihm kaum nach lachen zumute.
"Was ist denn so lustig daran", senkte er den Kopf und nahm einen tiefen Atemzug. "Was ist denn so lustig daran mir das anzutun."
Du erstarrst und verstehst nun endlich, auf was er vorhin anspielen wollte.
Auch wenn es einfach war, war es umso komplizierter für dich, zu erklären.
Erneut haderst du mit deinen Gedanken.
Du hast geschworen, es niemanden zu erzählen.
"Ich finde es nicht lustig...", versuchst du mehr Zeit für dich herauszuschlagen. "...es ist nur..."
"Ein Zeitvertreib?", riss er seine Hände von deinen Oberarmen los. Er begann sich wieder im Raum zu bewegen und seine Haare zu Tode zu raufen.
Kann er nicht endlich einmal still sein?
"Nein ich...", versuchst du erneut einen Erklärungsversuch zu starten, doch vergebens. Er scheint dir offenbar keine Chance zu geben, dich zu äußern.
"Vielleicht ein Hobby."
"Jetzt halt endlich deinen Mund!", schreist du ihn erneut in dieser Nacht an und fährst in einem sanfteren Ton weiter. "Lass mich mal erklären."
Er sah dich an, seinen Kopf schief gehalten als würden dadurch seine Gehirnzellen wieder zusammenfließen.
"Was wenn ich das nicht will?!", fuhr er dich an und langsam begann deine Geduld, wie seine, dem Ende zuzugehen. "Du lügst doch sowieso nur die ganze Zeit."
"Du verstehst doch gar nichts oder?!", fährst du ihn zurück an. Deine Wut brodelte in dir, in eine Schublade gesteckt worden zu sein, die du dir in deinen Augen nicht verdient hast. Langsam hat er sich vom Gentleman-Badboy zum unsympatischen Nachbarsjunge gemustert.
Erneut schnaubte er.
Dein Geduldsfaden riss.
Nichts war mehr im Raum zu hören.
Deine Zähne pressten sich aneinander und ihr beide überlegt euch euren nächsten Schachzug, wie ihr wieder aneinanderkrachen könnt.
Gerade in dem Moment, wo er seinen Mund öffnete, fällst du ihm ins Wort.
"Hast du's nicht darauf angelegt, dass es so enden wird."
Deine Augen glitzerten wieder etwas finster und etwas in dir will ihn in die Knie zwingen. Er hat dich genug beleidigt und in den letzten Wochen leiden lassen, als dass du dir das hier nun anhören musst.
"Ich?!", deutete er mit dem Zeigefinger auf sich, bohrte diesen in seine Brust.
"Hättest du mir vielleicht mehr Beachtung geschenkt", murmelst du vor dir hin.
"Dass ist doch noch lange kein Grund mit meinem Bruder auszugehen!", rief er durch den Raum und als würde ein Dämon deinen Körper verlassen, entspannst du dich.
Es aus einem fremden Mund zu hören, ließ es um einiges böser klingen, als ursprünglich gebraucht.
Ich wollte dich nur eifersüchtig machen.
"Wenn du mir keine andere Wahl gelassen hast", versuchst du sanft auf ihn einzureden und er hob nun seinen Kopf.
Auch wenn es stockdunkel war, kannst du die schimmernden Schlieren auf seinen Wangen erkennen.
Ein Schluchzen entkam ihm, worauf er sich die Hand vor den Mund hielt.
"Aber nicht mit Tatsuro", hauchte er durch seine Finger und riss den Kopf zur Seite.
In dir zerbrach gerade so einiges. Du hättest nie geglaubt, dass du soviel in ihm angerichtet hast, wolltest du doch nur seine Aufmerksamkeit auf dich ziehen. Das letzte das du wolltest, war ihn zu verletzen.
Doch nun stehst du hier, im dunklen Klassenzimmer, wo alles angefangen hat.
In deinem Kleid und er in seinem Anzug.
Du hast dir den Abschlussball anders vorgestellt.
"Warum Luna."
"Ich wollte doch nur..."
Du senkst den Kopf und gibst auf. Es war vergebens jetzt noch auf den Sturkopf Kobayashi einzureden.
Seine Schuhe waren auf dem Boden zu hören. Sie schritten Richtung Tür.
"Warum hast du mir dann solche Hoffnungen gemacht...", versuchst du es ein letztes Mal. "...wenn du's dann nicht..."
"Das habe ich nie gesagt."
Er hielt, einen guten Meter vor der Tür, drehte sich aber nicht zu dir. Lediglich sein Kopf wurde zur Seite gedreht, damit du ihn, seines Erachtens, besser verstehen kannst.
"Ich war...verwirrt."
"Verwirrt von was?"
"Allem."
Du machst ein paar Schritte auf ihn zu; versuchst etwas Brauchbares in deinem Kopf zusammenzudenken.
Es eröffnete sich ein ganz neuer Weg, der vor wenigen Minuten noch versperrt gewesen war.
Du hast nicht geglaubt, dass Ryoyu wirklich eifersüchtig gewesen war, wann auch immer du Tatsuro am Schulhof umarmt hast. Und vielleicht hast du es auch etwas übertrieben; mit ihm zum Abschlussball zu gehen.
"Und jetzt?", trennen dich nur noch zwei Schritte von ihm, doch du bleibst stehen.
"Ich weiß nicht", klang seine Stimme bedrängt und verängstigt. Er drehte sich zu dir.
"Ich habe kein Gefühl mehr dafür, was ich glauben soll und was nicht", krallte er seine Hand in den Stoff der Jacke. "Ich habe kein Gefühl mehr, ob ich dir glauben soll."
Es traf dich wie einen Schlag ins Gesicht und nun bist du es, der Tränen über die Wangen fließen. Du willst das alles nicht hören. Doch er sprach weiter.
"Mein Kopf sagt mir, dass ich am besten über die nächste Brücke springen soll", gestikulierte er wild mit seinen Armen herum. Du machst nur ein paar Schritte zurück und presst dein Gesicht in deine Hände.
"Bitte hör' auf."
"Es wäre wahrscheinlich das beste für mich und für dich."
"Bitte Ryoyu."
"Warum nicht gleich aus dem..."
"Hör' auf!", schreist du ihn an und spürst, wie sich dein Rachen rau anfühlt, als hättest du Nägel verschluckt.
Mit geballten Fäusten und verschleierter Sicht rennst du auf ihn los. Doch dein Plan wird vereitelt, als er dich an den Handgelenken packt und festhält.
"Was willst du von mir", stellte er die selbe Frage wie du damit das Gespräch ins Rollen gebracht hast. Jedoch um einiges emotionsloser als du.
"Ich will es dir beweisen", öffnest du deine Hände langsam und streckst deine Finger aus, welche Geste aussieht, als würdest du kapitulieren. Doch Ryoyu ließ nicht locker.
"Was willst du mir jetzt noch beweisen", schnaubte er und bohrte seine Finger in deine Haut.
"Bitte lass' meine Arme los", hauchst du hervor und er tat wie von dir gewünscht.
Langsam bewegst du eine Hand auf seine Wange zu und berührst sie vorsichtig.
Du hörst seinen Atem nicht mehr.
"Spürst du das", hauchst du und er gab keine Antwort von sich. Sein Atem war wieder leicht zu hören.
Vorsichtig nahm er deine Hand von seiner Wange und senkte seinen Kopf. Er öffnete den Mund, scheint aber zu überwältigt zu sein, etwas zu sagen.
"Mach's gut Luna", rutscht deine Hand aus seinem lockeren Griff und du warst zu überrascht, irgendetwas zu tun.
Deine Augen folgen ihm nur, wie er das Zimmer mit schnellen Schritten verließ. Die Tür fiel quietschend ins Schloss und du fällst auf die Knie.
Dein Magen zog sich vor Schmerz zusammen und deine rechte Hand presst du an deinen Mund.
In deinem Kopf war das Schluchzen zu laut.
Du willst keine fremden Blicke auf dich ziehen.
Heiße Schlieren überschwemmen dein Gesicht und tropften vor dich auf den Boden; auf dein Kleid. Alles egal.
Es hätte doch anders ausgehen sollen.
Du hast Tatsuro getraut, als du ihn am Schulhof um Hilfe gebeten hast, dass er seinen Bruder kennt. Für dich war der jüngste der Kobayashi-Familie die einzige Wahl gewesen, es Ryoyu vorzuspielen.
Du hattest keine bösen Absichten.
Du wolltest einfach nur zu ihm.
In deinem Trance merkst du nicht, dass die Tür einen leichten Spalt geöffnet wurde und eine Sillhouette hereinhuschte. Absichtlich ließ er die Tür geöffnet, damit Licht in den Raum fiel.
Gerade in dem Moment, als du deinen Kopf hebst, legte sich eine warme Hand an deine Wange.
"Ach Luna", klang es zart mitleidend und du kneifst kurz die Augen zusammen. Dein Magen zog sich zusammen wie ein Gummiband.
Die Person löste seine Hand und ging vor dir in die Hocke. Wie ein Tier versuchst du nach seiner Hand zu greifen, die deine schlussendlich in einen zarten Griff nahm.
Mit der anderen strich er deine Tränen weg und betrachtete dich mit schimmernden Augen. Wie ferngesteuert bewegte sich auch deine Hand an seine Wange und versuchte dort das Geschehene zu vertuschen. Seine Haut war klebrig.
Und plötzlich wanderte seine Hand auf deinen Hinterkopf. Deine krallte sich in seinen Nacken fest.
"Du willst es mir doch be..."
Die letzten Worte dieser Aussage wurden vernuschelt in einen Kuss, den du ungestüm herbeigeführt hast.
Und doch scheint er unendlich zu sein.
Immer wenn du dich leicht von ihm entfernst, lehnte er sich wieder näher an dich. Du spürst wie seine Mundwinkel sich nach oben bewegen.
So weit war der Kuss nun ausgereizt, dass du das Gleichgewicht verlierst und nach hinten fällst. Seine Hand verhindert den Knall auf den Boden.
So konnte man den ersten Kuss auch beenden.
Du richtest dich auf und schniefst kurz.
Er erhob sich und sah auf dich heran.
"Und jetzt, wo das bewiesen ist", streckte er dir seine Hand entgegen. "Lass uns dein schönes Make-Up versuchen zu retten."
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Jigoku he ike - go to hell
Uzendayo - Shut the fuck up
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