*Smiling Shyness [Domen Prevc]*
Domen Prevc
xxfabitffrtxx
Stil: Erzählersicht
Wörter: 4220
Song: BTS - Danger
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Nervös trommelte Domen auf der Tischplatte herum. Seine Finger ratterten einen Rhythmus in die Klassenluft, die nur vor Gesprächsstoff triefte.
Domen war nicht nervös, sondern ungeduldig. Und das, obwohl erst der erste Schultag war.
Domen versuchte das knisternde Geräusch zu ignorieren, welches seine Ohren betäubte und widmete sich voll und ganz seinen Gedanken. Denen er jetzt schon nachträumte.
"Man Domen", wurde jemand neben ihm langsam wach, "warum bist du so nervös?"
Mit Schwung sah Prevc auf und starrte seinen besten Freund mit hochgezogener Augenbraue an und ihm fielen nun die Stirnfransen ins Gesicht.
"Ich bin nicht nervös", machte er einen letzten Klopfer und fuhr sich dann durch die Haare, "ich bin nur genervt."
"Genervt?", bekam er einen schrägen Blick zurück.
Domen schloss kurz die Augen: "Darf ich das nicht sein? Du bist ständig genervt."
Sein Freund, der den Namen Quentin trug, zuckte nur mit den Schultern: "Im Moment bin ich wirklich gechillt, Alter. Halt mir nichts vor, ja?"
"Du bist Zwilling. Du hast zwei Seiten. In fünf Sekunden könntest du mich wieder wegen irgendetwas Unbedeutenden zur Rechenschaft ziehen."
Quentin hob unschuldig die Hände: "Du bist auch Zwilling, also quatsch nicht."
"Siehst du", deutete Domen auf seinen Freund und seufzte, "ich sollte ganz wo anders sein."
"Wo denn?", legte Quentin den Kopf schief, "ich wäre auch gerne auf den Bahamas, aber ich glaube nicht..."
"Beim Training verdammt!", schnauzte Domen ihn an, was Quentin mit erschrockener Miene quittierte und Domen ein wenig Aufmerksamkeit einzelner Klassenkollegen einbrachte, welche sich gleich wieder legte.
"Wer will den freiwillig trainieren", verzog Quentin den Mund, als wäre es ein Wort, welches man nicht verwenden durfte. Domen war oft verwirrt, wie er sich mit Quentin so gut verstand. Er war der Couch Potatoe schlecht hin und spielte Videospiele schon bevor sie überhaupt erschienen waren. Kein Wunder, wenn der Vater in höheren Kreisen bei der Videospielfirma Nintendo arbeitet und nur an den Wochenenden vorbeischaut.
Domen hatte diesen Vorteil oft mitgenießen dürften, konnte aber niemals, wirklich niemals mit Quentin laufen gehen oder so etwas in der Art.
Quentin war von sportlicher Natur. Schlank, groß gebaut. Goldblonde pfeilgerade Haare mit dünkleren Strähnen und braune Augen.
Alles in allem ein plausibeler Kerl und mit dem Charakter eines hawaiianischen Surferboy zu vergleichen. Immer nur am tagträumen und nichts als Flausen im Kopf, während Domen schon genau wusste, was er mit seinem Leben anfangen will.
"Ich will freiwillig trainieren", kam es deprimiert zurück. Domen starrte auf die Schokoladentafel, die geöffnet neben ihm lag und durch den Griff von Quentin die Verpackung immer raschelte. Er musste zusehen, wie sein Freund genüsslich von einem Stück abbiss. Prevc versuchte sein Verlangen zu unterdrücken.
"Jetzt hör' auf", deutete Domen auf die Schokoladenpackung und vergrub sein Gesicht in den Armen, die er auf der Tischplatte verschränkt hatte.
Quentin schnaubte genervt und kramte sie unter seine Schulbank, wo noch leere Süßigkeitenverpackungen liegen müssten.
"Warum nervst du mich eigentlich so, Prevc? Wenn ich essen will, dann tu' ich das und nicht mal du bringst mich mit deinem Diätenwahnsinn", hob er beschwörend die Hände in die Höhe, "davon ab. Verstanden?"
Domen fuhr auf und sah seinen Freund an. Wie konnte er nur.
"Erstens, ist das sportliche Ernährung und zweitens, nenn' mich nie wieder Prevc oder du wirst was erleben."
Beide sahen dann auf das unüberhörbare Räuspern an der Person vor ihnen hinauf. Mit den rot leuchtenden Fingernägeln klopfte sie auf dem Stickstoff des Unterarms herum und hatte die Augenbrauen böse nach oben gezogen.
Domen, wie auch Quentin schlucken hart.
"Tremblin! Prevc!"
Beide zuckten bei ihrem Nachnamen zusammen und sie hatten nur kurz Zeit, sich anzusehen.
"Super Chance euch Witzbolde auseinander zu setzen", lächelte sie hämisch und deutete Quentin sich an das andere Ende des Raumes zu platzieren.
Als er zögerlich aufstand und vergeblich nach der Schokolade unter der Bank kramte, machte sie ihren Aufruf mehr als nur deutlich und drückte ihn leicht am Rücken entgegen seines neuen Sitzplatzes: "Lass die Schokolade da wo sie ist, Quentin."
"Aber das ist mein Leben, Miss Kromblin", flehte Tremblin schon fast und griff nach seinem Platz, doch die Lehrerin ließ nicht locker.
"Für dich immer noch Professorin Kromblin-Korochilov, Sunnyboy", lächelte sie amüsiert und Quentin setzte sich schmollend neben seinen neuen Nachbarn. Der Streber Nummero 1 an der Schule hier.
Als sich Kromblin entscheiden hatte, Domen nach einem scharfen Blick nun auch in Ruhe zu lassen, sah dieser zu Quentin hinüber.
Er bewegte nur seine Lippen und hauchte ein Du Idiot hervor.
Domen schüttelte den Kopf und zog fies die lilane Packung hervor, die ihn an einen Springer denken ließ. Schmunzelnd zuckte er mit seinen Augenbrauen und Tremblin deutete ihm, wie er imaginär Prevc erwürgte.
Die zwei lieferten sich ein stummes Duell, bis die Lehrerin wieder dazwischen funkte.
"Jetzt hört auf oder muss ich deinen Bruder holen, Domen?"
Prevc schloss seine Augen und sank fast unter seine Bank. Die gesamte Klasse begann eintönig zu lachen, nur Quentin schenkte ihm einen mitleidenden Blick. Er wusste wie sehr Domen es hasste, wenn Kromblin mit Cene um die Ecke kam. Die Lehrer hatten da so ihre Vorlieben, da Cene meist auch davon klagte, von seinem Mathelehrer dazu ermahnt zu werden, würde er sich nicht an den Gleichungen beteiligen und weiter seinen Tagträumen nachhängen, Domen zu holen.
"Ruhe", wurde die gackernde Meute beruhigt und Kromblin stand nun neben einem jungen Mädchen, die ungefähr dem Alter der meisten Schüler entsprechen müssen.
"Wir werden für ein Monat Gesellschaft einer ausgezeichneten Schülerin aus Deutschland bekommen. Aber sie wird sich nun selbst vorstellen."
Sie trat leicht in den Vordergrund und strahlte sofort die Schüchternheit aus, die Domen nur allzugut von Cene und Peter kannte. Wunderschöne braune Haare mit leichten Naturwellen fielen ihr über die Schultern und waren nicht besonders lang. Die dunkelbraunen Augen wirkten von der dritten Bank aus fast schon schwarz und verleihten ihren Gesichtszügen noch mehr Niedlichkeit, wenn man dies so beschreiben könnte. Sie musste etwas kleiner sein als Domen und war an der Grenze zu schlank. Und natürlich sprach sie kein Wort Slowenisch.
"Ich heiße Fabienne Schuster, bin 17 Jahre alt und komme aus Berlin. Ich lebe wechselweise in Tirol. Das ist in Österreich. Ich mag es gerne zu tanzen und liebe Naruto."
Mit einem schiefen Lächeln sah sie zur Klassenlehrerin hinauf, die wieder einmal auf nett und äußert freundlich machte und deutete auf den Platz neben Domen. Fabienne scheint das unruhige Gemurmel der Schüler zu ignorieren. Domen beteiligte sich nicht daran, erwiderte nur ein kurzes Hey und war nun in seiner Traumwelt verschwunden.
Physik stand an. Er wusste ohnehin schon viel viel mehr als die schlauesten Köpfe in der Klasse, da alleine das Skispringen ihm viel gelernt hatte.
Auch Fabienne scheint die Stunde eher locker zu nehmen. Als er nun zur Seite griff und unter der Bank von Schuster herumkramte, bekam sie leicht große Augen.
Langsam zog er ein Stück Schokolade hervor und streckte es unauffällig in seinen Mund. Fabienne sah ihn auffordernd an und nun verstand Domen, dass er vielleicht ein wenig das verschlampte Slowenisch der Lehrerin dolmetschen sollte, weswegen er auch ein kleines blaues Post-It aus seinem Federpinnal zog und schnell in Englisch die Worte, Help?, darauf kritzelte.
Sie sah prüfend zur Lehrerin, damit diese sie nicht beim altbekannten Zetterl schreiben erwischte und kritzelte selbst etwas darauf.
1 piece of chocolate please?
Als er die kleine Botschaft gelesen hatte, sah er zu ihr und erkannte einen leichten Hundeblick. Er deutete mit einer kurzen Kopfbewegung auf die Tischplatte und den darunter vergrabenen Schatz, worauf sie dankend nickte.
Quentin sah schon die längste Zeit zu Domen und den Neuankömmling. Er hatte kurz und einstimmig beschlossen, Fabienne ab jetzt so zu nennen und nur weil sie ein Stück seiner kostbaren Schokolade gegessen hatte.
Die Schulglocke erlöste zur fünfminütigen Pause und Quentin sprang auf. Er setzte geraden Kurs auf seinen langjährigen Freund. Fabienne hingegen stand auf und rannte zu Kromblin. Sprach sie sofort an, während sich nun Quentin in Domens Sicht zwängte.
"Meine. Schokolade", sprach er langsam und kalt, worauf Domen nur lächelte.
"Deine Schwester schickt dir jede Woche eine Tafel Schokolade aus Österreich und es ist immer die selbe. Komm darüber hinweg", verschränkte er nun die Arme vor der Brust.
Quentin schüttelte nur beleidigt den Kopf und hatte nun einen nachdenklichen jungen Athleten vor ihm, der eigentlich versprochen hatte, nur bei Festen zu der Süßigkeit zu greifen.
"Domen", begann er, bekam aber keine Antwort, "hey Domen Prevc."
Domen zuckte auf und schüttelte sich noch leicht aus den Gedanken: "Was hast du gesagt?"
"Verdreht sie dir jetzt schon den Kopf? Das ist doch nicht dein..."
"Nein nein", unterbrach Domen ihn mit schüttelnden Händen, die seine Unschuld beweisen sollten, "ich war gerade nur in Gedanken. Meinst du, ich lasse mich so hinreißen?"
Quentin schmunzelte nur und zog eine Augenbraue nach oben. Auch in Domen kamen alte Bilder vom Ball letzten Jahres auf, die ihn nur erschaudern ließ. Das war alles eine eigene Liga.
"Fabienne", riss sie die beiden leicht zurückhaltend aus ihren grausamen Tagträumen ohne Entkommen und Quentin fuhr herum.
Er schenkte ihr einen leicht misstrauischen Blick und schüchterte sie leicht ein, worauf Domen das Eis brach.
"Domen Prevc und das ist Quentin", deutete er auf seinen Freund, dem er nun einen Hieb mit seinem Ellbogen verpasste.
"Tremblin", reichte er ihr leicht angewidert die Hand.
"Quentin ist ganz harmlos", legte Domen noch nach, "du kannst mir vertrauen."
Sie lächelte und scheint zu wissen, warum er so drauf war, worauf sie die Wogen zu glätten versuchte: "Danke für das Stück Schokolade. Ich hätte nicht geglaubt, in den ersten Tagen Milka Schokolade zu bekommen."
Er schüttelte sich kurz und setzte nun ein Lächeln auf. Domen war mehr als nur überrascht.
"Oh, ja gerne", kratzte er sich verlegen am Hinterkopf, "du kannst gerne noch eins haben, wenn du willst."
"Hey Fabienne", rief sie jemand und die Austauschschülerin drehte sich um. Eines der Mädchen aus den vorderen Reihen deutete ihr, zu ihnen zu gehen, was Domen und Quentin nur nickend befürworteten. Wäre es die Bank daneben gewesen, hätten sie ablehnend den Kopf geschüttelt. Fabienne brauchte sich mit keinen verwöhnten Reichen abgeben.
Als sie nun verschwunden war, schüttelte Domen den Kopf: "Ehrlich Quentin? Verdreht sie dir so schnell den Kopf?"
Darauf begann er zu lachen und riss Domen mit sich. Das war nun die Retourkutsche für vorhin.
Nachdem Prevc dann auch einmal mitbekommen hatte, dass sie Slowenisch verstand, nachdem er fluchend sich die Haare vor den unverständlichen Rechnungen gerauft hatte, war er ein wenig beruhigt, dass sie alle im Raum zu mindestens 50 Prozent verstand.
Fabienne, die kurz lieber Fabi genannt wird, war eine ausgezeichnete Schülerin. Beherrschte mehrere Sprachen und war ein Naturtalent was Mathematik und Chemie anbelangt. Domen hatte für nächste Woche schon mal einen Termin für Mathe Nachhilfe gebucht.
"Verdammt", schlug sie sich mit der flachen Hand auf die Stirn und starrte auf die kurze Überprüfung des noch vorhandenen chemischen Wissens, "ich hab eine Fünf. Eine glatte Fünf", hauchte sie und fing sich schon schräge Blicke ein.
"Ähm Fabi", sah Prevc von seiner Vier auf, "das ist gut. Besser geht nicht."
Sie begann leise zu lachen und vergrub ihr nun rot angelaufenes Gesicht in ihren Händen. Was war das für ein erster Schultag.
"Meiner war auch nicht besser", antwortete Domen und schnappte sich den Test von Fabi, um seine Fehler herauszufinden.
Sie sah ihn etwas verwundet an und stotterte: "Hab...Hab ich das gerade laut gesagt?"
"Nein", kicherte er kurz und gab die beiden Blätter an Quentin weiter, der auf Anweisung des Chemielehrers die Überprüfungen einsammeln musste. Das war eine schlimme Sünde, die er sich durch einen kleinen Scherz in der ersten selbst auferlegt hatte.
"Ich halte es nicht mehr aus", hauchte er Domen kurz in das Ohr, als er zur nächsten Bank huschte.
"Was meinst du?", hauchte Prevc zurück und wartete, bis Quentin bei den Tischen hinter ihm angekommen war. Fabi bekam auch große Ohren.
Leicht mit dem Sortieren der Blätter kämpfend, antwortete Tremblin trotzdem: "Bei Sydney."
Domen nickte verständlich und erklärte Fabi, wer Sydney war und warum man Andreas Sicnevic in Sydney umgetauft hatte. Ganz einfach, der Typ hat im ersten Semester über nichts anderes als Sydney gesprochen. Ein gelungener Spitzname. Er war das 5er Ass an der ganzen Schule und es wirkte fast so, als wollte er jeden imaginären Rekord aufstellen, in dem es um die besten Noten und die volle Punktzahl bei Test und Arbeiten ging.
Domen war schon froh, wenn sich seine Noten zwischen Fünf und Drei bewegten. Das war seine Fahrkarte in den Weltcup.
Später dann, als Schule aus und alle aus dem Klassenzimmer stürmten, hatte Domen noch etwas vor.
"Hey Quentin", riss er ihn aus einem Gespräch mit seiner Zwillingsschwester, die zufällig die gleiche Klasse besuchte und sich mit ihm nun darum stritt, dass Fünf minus gleich gut wie Vier plus war.
"Sag Mum, ich bin noch mit Domen unterwegs", brach er mitten im Satz ab und hüpfte schon fast erfreut auf Domen zu, der nur leicht lächelte.
"So schnell warst du ja noch nie zu überzeugen."
Tremblin sah kurz über seine Schulter und sah den Blick seiner Schwester, worauf er Domen seine Sporttasche, in der schon allerlei Bücher zum ackern waren, stürmisch in die Hände drückte. Domen wurde damit die Luft aus der Lunge gedrückt und er ein wenig zurück geschoben.
"Lass uns abhauen", murmelte er hinter zusammengebissenen Zähnen hervor und drückte Prevc durch die Tischreihen der Tür entgegen. Fabi wank den beiden noch zum Abschied, während Quintia noch auf sie wartete.
Außer Sicht- und Hörweite seiner Schwester, atmete Quentin hörbar auf und ließ Domen nun seinen eigenen Schritt gehen. Dann wurde mal hinterfragt, was man eigentlich vorhatte.
"Ich brauch dich im Laptopraum. Wir müssen was recherchieren."
"Doch nicht etwa", sah Tremblin seinen Freund mit einem leicht finsteren Lächeln an.
"Doch Quentin", nickte Domen und Quentin begann zu quietschen wie ein kleines Kind.
Er wedelte mit seinen Händen aufgeregt umher und wirkte schon fast wie eine ausflippende Diva. In gewisser Hinsicht, war er das ja auch.
"Man, das war voll James Bond mäßig."
Domen legte schüttelnd den Kopf in eine Hand und zog den Sunnyboy in den wie leergefegten Raum.
"Hast du schon was?", fragte Domen mit angestrengten Gesicht, wie er sich durch deutsche Texte kämpfte.
"Nein", murrte Quentin und schob den Kulli auf seinem Ohr etwas zurecht, während er danach nach seiner nicht vorhandenen Tasse griff.
Er beschwerte sich immens darüber und verlangte nach Kaffee, worauf Domen nur kühl antwortete, dass er ihn sich selbst holen soll.
Eine halbe Stunde mehr verging, bis Domen erfreut sich zurück lehnte und kurz jubelte. Danach begann er laut vorzulesen.
"Fabienne Lilli Schuster, geboren am 20. Juni 1999, ist die älteste Tochter von Werner Schuster. Sie besucht derzeit die Eliteschule für Leistungssport in Berlin. Allem Anschein nach, wird die junge Schuster dem Vorbild ihres Vaters folgen, obwohl noch keine genaueren Angaben über den ausgeführten Sport vorhanden sind."
Quentin sah Domen an, als würde er noch etwas erwarten, doch das war alles.
"Und was soll ich jetzt damit?", ließ er sich in den Stuhl sinken.
Prevc' Gesichtszüge änderten sich so schnell, als hätte man ihm das Lächeln aus dem Gesicht geprügelt: "Fabienne Schuster und Werner Schuster sind verwandt. Klinglt's?"
Quentin schüttelte den Kopf und Domen stöhnte verzweifelt: "Werner Schuster ist der Trainer des deutschen Skispringerteams."
Gefährlich schnell schossen Tremblins Hände in die Höhe, um seine verteidigende Miene aufzusetzen: "Woher soll ich das denn wissen. Ich und Sport das sind zwei verschiedene Welten."
"Glaub mir", schloss Domen die ganzen geöffneten Fenster und fuhr die Maschine herunter, "das weiß ich."
Als sie auf den Flur traten, hörten beide Musik. Domen lauschte, während Quentin andere Probleme hatte. Seine Mutter hatte schon gute 20 Mal angerufen. Das wird Ärger geben.
"Veranstalten wir Tanzkurse?", fragte Domen, als wäre er das erste Mal in diesem Haus.
Quentin schüttelte den Kopf und wählte die Nummer seiner Mutter: "Wir veranstalten nichts. Diese Schule hat zu wenig pfiff für sowas."
Danach war er nicht mehr anzusprechen, da ihn seine Mutter ohne Punkt und Komma volltextete. Mit einer Handbewegung verabschiedete er sich von Domen und verschwand durch den Haupteingang. Draußen ging langsam die Sonne unter und dennoch hatte Domen noch nicht den Drang, nachhause zu gehen. Cene würde sicher noch in der Bibliothek sitzen und sich mit Buchstaben zulesen, worauf Domen nun kurzfristig beschloss, mit ihm nachhause zu gehen.
Domen folgte erst einmal der Musik, die ihn in die Turnhalle führte. Er schlich sich durch den Geräteraum an, da er ja nicht wusste, was ihn erwarten wird. In seinen Vorstellungen sah er einen Yoga Kurs für Pensionierte und alle in alten 80er Trainingsanzüge.
Bei diesem Gedanken schüttelte Domen sich und legte die Tasche leise ab. Er schlängelte sich seinen Weg durch mehrere dicke Matten und suchte auch nun Deckung hinter einer.
In mitten des Raumes sah er eine einzige Person. Musik hüllte die Halle in eine magische Stimmung, die man mit einem Konzert einer hoch beschwärmten Teenieband gleichsetzen könnte. Aus welchem Grund auch immer.
Doch die Person im Raum sang nicht, sie tanzte. Sehr ausdrucksvoll und explosiv. Als wusste sie jeden der Schritte schon auswendig. Der Song war auch nicht mit Seidenhandschuhen gemacht worden. Es war eine rockige Nummer, die nicht aus Slowenien stammte. Es war eine andere Sprache. Kein Deutsch, Englisch, Norwegisch oder sonst eine europäische Sprache. Es musste etwas aus Asien sein. Ob aus Korea, China oder Japan traute Domen sich nicht zu sagen, da für ihn alles gleich klang. Vielleicht würde ihm Noriaki den Unterschied erklären, wenn er einmal im Weltcup angelangt war.
Obwohl er kein einziges Wort verstand, schmiss Domen dennoch eine App auf seinem Smartphone an. Sie war sein halbes Leben.
Saß er in einem Lokal oder war sonst irgendwo, wo ein Song erklang den er nicht kannte aber unbedingt den Namen erfahren wollte, war Sharzam die Rettung. Wie auch dieses Mal.
Nach einem langen Blick verschwand er nun, als die Musik verstummte und sie hüpfend zu ihrem Smartphone auf dem Boden hastete. Sie lachte selbst mit ihr und hob es vom Boden auf.
Domen war nun außerhalb der Tür und lächelte. Er lehnte sich kurz an die Wand und konnte nicht ganz glauben, welches Talent er nun vor sich hatte.
Fabienne war der Hammer.
Wie schon gedacht, stand die Bibliothekarin kurz davor, den mittleren der drei Prevc Brüder aus der Tür zu werfen. Sie hatte ja wie jeden Montag eine Verabredung mit dem Hausmeister, was so ziemlich jeder hier wusste.
Ohne ein Hallo wurden Domen sofort Bücher über Physik und mathematische Berechnungen auf die Arme gelegt, die er nun bis nachhause tragen musste.
"Ihr habt eine deutsche Austauschschülerin bekommen, hab ich gehört", begann Cene während sie mehr als die Hälfte des Weges schon hinter sich hatten.
Domen nickte: "Ja, Fabienne Schuster. Sie sitzt neben mir, wenn du es genau wissen willst."
Cene stieß ihn leicht mit dem Ellbogen an und zuckte mit den Augenbrauen: "Du kleiner..."
"Kromblin-Korochilov", kam es knapp.
Cene begann nur zu lachen und musste nichts antworten. Er selbst hatte den Schrecken einige Male erlebt. Mit der Ich-Hole-Deinen-Bruder-Peter-Masche, die sie nun ihn die Cene-Masche zu Gunsten Domens umgewandelt hatte. Eine wirklich eigenartige Frau.
"Fabienne ist die Tochter von Werner Schuster", warf Domen diese Aussage nun einfach so in die Luft, während Cene die Haustür aufsperrte.
Klimpernd hing er den Schlüssel an das Brett und antwortete, während er aus seinen Schuhen schlüpfte: "Nein."
"Doch", machte Domen es ihm gleich und schenkte ihm das Lernmaterial zurück.
Domen rannte in die Küche und sah seiner Mutter sofort über die Schulter. Sie zauberte gerade Spaghetti.
"Das hat sie dir doch nicht freiwillig gesagt, oder?", rief Cene durch die Geräusche der Dunstabzugshaube hindurch, vom Hausflur aus.
Domen lachte kurz: "Natürlich nicht. Würdest du in einem anderen Land als Austauschschüler sofort sagen, dass Peter Prevc dein Bruder ist?"
"Nur über meine Leiche", lachte Cene leicht, der nun hinter ihnen stand.
"Cene!", kam es ermahnend von ihrer Mutter Julijana, der diese Aussage nicht ganz gefallen hat. Cene scheint dies zu ignorieren und begann den Tisch zu decken.
Nach dem Abendessen warf sich Domen in seinem Zimmer auf das Bett und setzte sich Kopfhörer auf. Er begann nach der Band BTS zu suchen, die Sharzam mit dem Song Danger aufgespürt hatte.
Sofort fand er das Musikvideo und sah es sich an. Das erste, was er zu Gesicht bekam, waren sieben asiatische Gesichter mit verschiedenen Haarfarben und fast gleichem Haarschnitt. Und als sie dann richtig loslegten, war Domen beeindruckt. Diese Moves waren, für einen Untalentierten wie Domen nur schwer zu machen. Sie sahen exakt aus wie die von Fabienne.
"Domen?", rief sie durch den halben Raum. Die Musik war verstummt, die er jeden Tag in seinen Kopf hörte und dem Ohrwurm nicht entfliehen konnte. Er krampfte sich hinter der roten Turnmatte zusammen und wusste nicht, was er nun tun sollte.
"Wer?", fragte er zurück und hörte, wie die Schritte verstummten, die langsam in seine Richtung gekommen waren.
"Domen, jetzt komm' da raus. Ich weiß doch, dass du es bist."
Seufzend gab er sich geschlagen und richtete sich auf. Fabi stemmte die Hände in die Hüfte und machte es mit einem Hauch Tänzerflair an sich.
Er kam langsam auf sie zu und legte sich im Kopf schon eine Antwort zurecht, die er aber nicht brauchte.
"Hat es gut ausgesehen?", stapfte sie zu ihrem kleinen Lautsprecher am Boden und ließ Domen etwas verdutzt stehen.
Er brauchte etwas Zeit, ein einziges Gut über die Lippen zu bringen.
"Domen, du bist ein richtiger Weiberheld", legte sie leiser als zuvor Musik ein, diesmal aber andere, dennoch mit der gleichen Band, wie Domen feststellte, "dir kann man nicht böse sein."
"Weiberheld?", fragte er verwirrt und setzte sich auf den Boden. Sichtlich froh darüber, dass er nun keine Standpauke bekam. Er lehnte sich an die Sprossenwand, während sich Fabi einen Meter vor ihm im Schneidersitz auf den Boden niederließ.
"Na, ein Womanizer", versuchte sie es ihm anders zu erklären.
Er schüttelte lachend den Kopf.
"Warum fügst du Wörter zusammen, die es bei uns nicht gibt?"
"Das machen wir Deutschen gerne so. Wie take it on the cold should. Das heißt soviel wie, einem ist etwas egal, man nimmt es nicht zu ernst. Wir übersetzen wortwörtlich wie im deutschen gesprochen", sprang sie auf und änderte den Song, "willst du sehen, wie ich BTS perfektioniert habe?"
Eifrig nickte Domen und sah ihr aufmerksam zu. Wie konnte nur eine Person so gut tanzen. Als wäre ein fremder Geist in ihr, der sie aus einer anderen Sicht steuerte. Domen war nicht mehr da, ganz wo anders. Und nun realisierte er, was er in Fabienne gefunden hatte. Mehr als eine nette Person.
Dennoch lief die Woche nicht glatt für Domen. Sein erster Test war schlechter als schlecht und seine Mutter gab die Schuld an Fabi weiter, die ihm vor zwei Tagen noch mit dem lernen geholfen hatte. Das mit dem Tanzen war nun mehr als eine Woche her. Domen war beim Thema Fabi sehr leicht reizbar, was man nun schlecht überhören konnte.
"Lass Fabi aus dem Spiel, sie hat dir nichts getan", knurrte Domen leicht genervt und saß auf dem Sofa, während Julijana ihm eine Predigt hielt. Er faltete seine Händen vor dem Mund, um nicht gleich auszurasten.
Ihre fliegenden Armen waren unverzichtbar bei einer wirkvollen Standpauke: "Warum ist es dann eine Eins minus geworden? Domen, das kann es doch nicht sein."
"Ich weiß, aber ich hatte einen schlechten Tag."
"Schlechter Tag hin oder her. Sie hat dir den Kopf verdreht, stimmt's?"
Domen sprang auf und wollte losbrüllen, hielt seine Worte aber zurück und atmete tief durch.
"Fabi hat mir geholfen und sie hat es versucht. Wenn ich es nicht kann, dann ist es eben so."
"Gesprochen von einem Prevc. Ich hätte mir etwas mehr von dir erwartet", hauchte sie kopfschüttelnd und nun war Domen an der Grenze der Vernunft angelangt. Seine Stimme wurde von Wort zu Wort lauter.
"Ja, ich bin der schlechteste Prevc hier und ich weiß das. Oft genug hast du es mir gesagt. Ich knie mich rein in die ganzen Sachen und lerne bis ich ein Loch in der Schädeldecke habe, weil alle Stockwerke vom vielen Denken in Brand stehen. Mir fällt der Sport eben leicht, aber was du nicht siehst ist, dass ich es zumindest versuche, doch für dich gibt es kein versuchen. Alles muss immer sofort geschehen."
Die letzten Worte hallten noch im Wohnzimmer nach, während Domen an seiner Mutter vorbei stürmte und sich in seinem Zimmer einschloss. Tränen überfluteten sein Gesicht für die er nun keine Zeit hatte. Wütend drehte er seine Sporttasche auf den Kopf und ließ die vielen Bücher und Hefte auf den Boden fallen. Er warf mehrere Klamotten, sein ganzes Erspartes und die wichtigsten Teile seiner Skisprungausrüstung hinein. Er kramte noch etwas ältere schwarze Converse unter dem Bett hervor, die er anzog und mit den gepackten Sachen, durch das Fenster und über den naheliegenden Apfelbaumast aus dem Haus kam. Er rannte, soweit seine Füße ihn trugen. So schnell weg von ihm zuhause.
Wie ein Irrer klopfte er stürmisch an der Tür zu Fabiennes Wohnung, die sie während dieser Zeit bezog. Als sie öffnete und gerade aus dem Bett gekrochen war, ließ Domen alles fallen und fiel ihr in die Arme. Etwas überrascht hatte sie nun Domen an sich hängen, nahm ihn aber trotzdem in den Arm. Er weinte nicht ohne Grund.
"Ist es die Mathearbeit?", fragte sie vorsichtig und zog an der Umhängeschlaufe mit ihrem Fuß die Tasche in den Flur, um danach mit den Zehenspitzen dir Wohnungstür sanft zuzuwerfen.
"Bitte Domen, beruhige dich. Ich muss morgen um halb 5 mit dem Flieger nach Berlin", strich sie ihm über den Rücken und er richtete sich auf.
"Ich komme mit dir", sah er sie an und Fabi bekam große Augen.
"Was?"
"Ich weiß, das klingt jetzt sicher etwas dumm, komisch, wie auch immer, aber ich werde dich nicht gehen lassen. Egal wohin, ich komme mit"
Völlig überrumpelt, küsste er sie und sie drückte ihn weg.
"Du bist so verrückt, wie das da", deutete sie auf seine Lippen und bekam ein leichtes Schmunzeln auf ihre, "ich liebe es."
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