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×Rise Against School [Cene Prevc]×

Cene Prevc

Stil: Erzählersicht
Wörter: 4741
Song: London Grammar - Big Picture
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Sein Lachen, die verträumten dunkelbraunen Augen und diese Art war alles, was in ihrem Kopf noch übrig geblieben war. Mehr war nicht da. Er war weg und scheint auch nicht mehr wiederzukommen.

Halb zusammengekauert, hatte sie sich in die letzte Ecke der Schulbibliothek verkrümelt und beschlossen, wie auch die letzten Tage und Wochen, nicht Mittagessen zu gehen. Sie hatte keinen Appetit um auch nur irgendetwas runterzukommen, was ihrer Figur zusetzte. Jede Hose aus den Schrank war schon fast zu groß.
Warum sie immer mit Tränen in den Augen zurückkam, verstand niemand. Sie weinte, etwas anderes konnte sie nicht. Als hätte sie ihre Leidenschaft, ein Buch zu schnappen und zu lesen, verlernt. Sie wollte nichts mehr tun, was sie mit ihm in Verbindung brachte. Ihr Körper war dann in einer schmerzenden Schockstarre. Man konnte kein anderes Wort finden, um den Zustand zu beschrieben, der sie fast umbrachte. Dieser verdammte Schmerz.

Schon die längste Zeit rannte Cene durch das Schulgebäude. Sie waren nun in Planica und er wollte kurz an der Schule vorbeischauen und seine ganzen nachgeholten Arbeiten ablegen. Auch den ein oder anderen Test hat er geschrieben, wo ihm Jurij beim Lernen geholfen hat. Es war alles gleich, dennoch hatte sich etwas verändert. Jeder war nun nett zu ihm. Nicht nur ansatzweise. Als hätte sich Cene, mit seiner Abwesenheit, in höhere Schichten aufsteigen lassen, nur durch seine bloße Existenz. Doch auf dieses Spiel ließ er sich nicht ein. Seine Freunde waren ihm heilig. Sie mochten ihn so oder so, berühmt oder nicht. Die restlichen 100 Leuten, die sich als seine Freunde bezeichneten, waren auf dem Holzweg. Zum Thema Freunde hatte er schon fast alle gefunden. Eine fehlte noch. Und zwar sie. Er konnte keinen Fuß aus der Tür setzen, ohne vorher ein Wort mit ihr gewechselt zu haben. Der ständige Kontakt zu ihr, über SMS, hat ihm das Heimweh wesentlich erträglicher gemacht. Zudem war sie seine beste Freundin und sie teilten sich schon seit der Grundschule einen Schultisch, welche Tradition über das Gymnasium und nun in die Mittelschule reichte. Würde ihr einer zu nahe treten, würde Cene nicht zögern, einzuschreiten. Hat er auch ja schon einmal gemacht, als der Teamchef des Fußballteams sie, gegen ihren Willen, mitschleppen wollte. Trotz der damals schon schlanken Figur und den nicht so muskelbepackten Armen, konnte Prevc dennoch siegen. Eine Sache, die ihm großen Respekt bei so machen Schülern eingebracht hatte. Aber auch die Tatsache, das er der kleine Bruder von Peter war hatte Respekt mit sich gebracht.
Domen hat diese Sache immer hochgepriesen, doch Cene war nicht so begeistert davon. Als würde er einen Titel tragen, der ein Leben lang bei ihm sein wird. Doch dieser Titel, trug auch Kehrseiten mit sich.

"Sisi!", rief er verzweifelt und sein Blick schweifte durch die leeren Schulgänge. Niemand war hier. Alle würden sicher im Turnsaal sein und das heutige Mittagsmatch zwischen den zwei gegründeten Fußballteams der Schule mitansehen. Zum Glück sahen sie Cene nicht, wie er verzweifelt, wie es eigentlich immer gewesen war, durch das Haus lief.

Nun trat jemand hinter ihn und Cene sah über seine Schulter. Der älteste der Prevc Brüder stand hinter ihm und sah die leicht sorgende Miene des 20-jährigen.

"Na", verschränkte er die Arme vor der Brust, "alle gesehen, die du sehen wolltest?"

"Ja", kam es knapp und Cene sah noch einmal links und rechts den Gang entlang, "aber jemand fehlt noch."

"Sisi?"

Cene fuhr herum und schenkte Peter einen verwunderten Blick: "Woher..."

"Nach deiner Stimme zu beurteilen und deinem Blick, kann es nur Sisi sein. Du kannst mich nicht für dumm verkaufen, Cene", lächelte Peter nun leicht und Cene sah zu Boden. Seine Brüder dürfte man nicht unterschätzen.

"Du hast recht", dachte er nach, wo er noch suchen könnte, doch viele Optionen hatte er nicht mehr.

"Außerdem, wenn du Sisi schon getroffen hättest, hättest du mich gefragt, ob wir jetzt schon los müssen."

"Ja, Sherlock", lächelte er nun und schnaubte, "bist du fertig?"

"Ja", drehte Peter sich schmunzelnd im Stand um, "aber wir müssen wirklich in 5 Minuten weg. Also beeil' dich."

Cene nickte und entschied sich, nach links zu gehen. Immer näher der Bibliothek entgegen. Er wusste, dass Sisi für ihr Leben gerne las. Und sie freiwillige keinen Fuß in die Halle mit den quietschenden Turnschuhen setzen würde. Außerdem spürte er, dass sie dort sein musste.

Sein Blick wanderte an den Spinds an der Wand vorbei, die immer noch die Farbe Blau trugen. Er gönnte sich einen Moment an dem Spind Nummer 132. Es war sein Stück Stauraum, auf der großen Fläche der Schule und den ganzen Büchern berechnet, eigentlich viel zu klein. Cene wollte gar nicht wissen, was dort alles drin war. Worauf er auch vorbei und seinem eigentlichen Ziel entgegen ging. Vor den großen Türen, die fast drei Meter betrugen und aus massivem Holz waren, blieb er stehen. Er wusste, dass niemand um diese Zeit hier war. Wenn, dann müsste Sisi dort alleine sein. Doch Cene verstand nicht, warum er es nicht schaffte die Türklinke nach unten zu drücken. Was in seinem Körper hielt ihn davon ab? Er war fast wie gelähmt, konnte kaum einen Muskel bewegen. Erst als jemand seinen Namen rief, scheint alles wieder funktionsfähig zu sein.

"Cene!", rief Peter den langen Flur entlang und als Cene über den Schultern sah, erkannte er eine kleine Person am Ende. Seine fünf Minuten waren vorher. Er sah noch einmal die Tür entlang, hinauf, bevor er schwer die Luft ausstieß und den Rückzug antrat. Warum tat er das nun. Ging tatenlos. War er nun soweit von der Welt und den Tatsachen abgehoben, dass er nicht mehr um das kämpfte, was ihm vorher wichtig gewesen war? Cene konnte dies nicht glauben und Peter erkannte wieder das niedergeschlagene Gesicht, worauf er Cene nur auf die Schulter klopfte: "Mach dir keinen Kopf, vielleicht ist sie ja krank und gar nicht da."

"Ja, das wird es sein", hauchte Cene kaum hörbar und trat in das gleisende Sonnenlicht, welches von dem weißen Schnee schmerzend reflektiert wurde. Er schirmte seine Sicht leicht mit der Hand ab und sie traten den altbekannten Nachhauseweg an. Der nur wenige Minuten dauern würde.

Als Sisi diesen einen Namen hörte, verstummte sie abrupt. Tränen, die heiß auf ihrer Haut waren, rannten noch über ihre Wangen. Dies war nun egal. Sie hatte deutlich gehört wie jemand Cene gerufen hat.

Könnte es sein? Bestand die Möglichkeit nach fast einem Jahr, dass er wieder zurück kam? Er einen Schritt in diese Schule gemacht hatte und den leeren, kalten Sitzplatz neben ihr in nächster Zeit wieder füllen würde?

Sisi sprang förmlich auf und warf sich die Jacke über. Sie hatte keine Zeit mehr, sie zu schließen. Im langen Flur der Spints, hallten ihre gelaufenen Schritte noch nach.

"Cene!", rief sie schon fast verzweifelt und bog um die Ecke. Sie blieb kurz stehen und musterte ihre Umgebung. Niemand war da. Es war schon fast ausgestorben. Auch kein Cene kam ihr vor die Augen. Sie rannte weiter. Ohne auf irgendetwas zu achten. Dieses starke Verlangen, Cene endlich wiederzusehen, war größer als die Vernunft.

Mit einem Schrie stolperte sie über eine der drei Treppen, die mitten im Eingangsbereich der Schule waren und nur vier Meter von dem großen Tor entfernt lag.

Sisi umklammerte schützend ihren Knöchel und krümmte sich krampfhaft zusammen.

"Cene", hauchte Sisi zwischen ihren Tränen hindurch, doch es kam nichts zurück. Er wird nicht zurückkommen. Das wusste sie nun. Auch wie mehr ihr Herz daran zerbrach. Es war die Realität.

"Sisi?", fragte nun eine bekannte Stimme und sie spürte die Schritte durch ihren Körper beben. Sie sah kurz auf und ihre Klassenlehrerin stand vor ihr. Mit ganz besorgter Miene, worauf Sisi wieder einen krummen Buckel machte und weiter weinte.

"Was ist passiert?", fragte Miss Krajnc und legte sanft eine Hand auf die Schulter der Schülerin.

Mit zitternder Stimme kam die kurze Erklärung und die Lehrerin zögerte nicht, den Krankenwagen zu rufen.

Als Cene neben Peter stillschweigend ging, war er tief in Gedanken versunken. Alte Bilder tauschten in seinem Kopf an seinem inneren Auge vorbei.
Die dunkelbraunen Haare von Sisi, wie sie immer nach Pfrisich gerochen haben. Ihre neugierigen blauen Augen, die mit den verschiedenen hell und dunkel Schattierungen an eine unentdeckte Galaxis erinnern. 
Und Cene brauchte einen zweiten Anlauf, um die Frage von Peter zu beantworten.

"Wie waren die Tests?", zog er seine Hand aus der Jackentasche und wedelte vor dem Gesicht seines Bruders herum.

Cene schreckte kurz aus seiner Schockstarre und antwortete: "Nicht wirklich schwer. Wirtschaftsrechnen und Politische Bildung", schmunzelte er, "ach und eine Englisch Schularbeit."

"Klingt so einfach", schnaubte Peter und schob seine Hände wieder ein, welche Geste ihm Cene nun nachmachte. Das leichte Lächeln verschwand nun von seinen Lippen. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, wurde Cene traurig. Egal wie sehr er sich, zur Überraschung, auf die Schule und auf zuhause gefreut hat. Als wäre diese Freude nun weg gefegt.

"Du weinst?", fragte Peter ihn ganz überrascht. Cene griff sich an die Wange und hatte ein paar nasse Perlen auf seinen Fingerkuppen. Warum? Was war nur los mit ihm?

"Ja", fiel es ihm schwer diese einen Worte auch nur hervor zu bringen, "aber ich weiß nicht warum." Seine Stimme war so zittrig und mit seinen Händen zu vergleichen, die er nun anstarrte. Ganz perplex und überrascht. Cene blieb stehen und musste seinen Atem einigermaßen beruhigen, wie auch seine Tränen, die er kaum in Schach halten konnte.

Peter blieb nun auch stehen und sah die wenigen Meter zum Elternhaus nach vorne, die sie noch vor sich hatten und schenkte danach Cene einen sorgenden Blick. Dieser sah hilfesuchend zu seinem Bruder und hatte ein tränenüberflutetes Gesicht. Nicht zu schweigen von den roten Augen. Cene schniefte kurz und lehnte sich nun an den Gartenzaun, der neben ihm stand. Peter wartete nicht lange und griff Cene unter die Arme, bevor er ihn kräftig mit sich zog.

"Alles wird gut. Wir sind gleich zuhause." Darauf drückte der jüngere Prevc sich fest an seinen Bruder und begann noch mehr zu weinen. Peter wusste nicht, was mit Cene los war. So hatte er ihn nie gesehen und diese eigene Ratlosigkeit über dieses Reaktion war noch beängstigender.

Als die Tür des Hause Prevc vom Vater der ganzen Familie geöffnet wurde, stürmte der älteste an ihm vorbei und sofort in das Wohnzimmer, wo er Cene auf das Sofa verfrachtete. Peter hatte Angst, dass Cene ihm irgendwie wegkippen würde. Er wusste es nicht.

"Peter?", rief Dare in das Haus und man hörte, wie die Tür geschlossen wurde. Neben den langsamen Schritten im Flur, polterten auch mehrere schnelle über die Treppe und Peter wollte darauf zugehen, doch Cene klammerte sich an seinen Arm. Das hat er noch nie getan. Ganz überrascht hatte Peter nun Nika und Ema an seinen Beinen hängen und war somit bewegungsunfähig, was der Vater nur mit einem Schmunzeln begutachtete.

"Jetzt hilf' mir doch", sah Peter dann zu Cene, der sich nun ganz mit dem Gesicht in den Stoff der Jacke vergraben hat und der Vater dies nun auch bemerkte. Er bat die zwei Schwestern ihrem Bruder mal ein wenig Zeit zu lassen, worauf diese losließen und Dare sich dann neben seinen jüngeren Sohn setzte. Wie auf das Stichwort ließ Cene von Peter ab und klammerte sich nun an seinen Vater, der ihm tröstend über den Rücken strich.
Cene wusste nicht, warum er das tat. Als würde sein Verstand und sein Herz nach jeder Nähe suchen, die er gerade finden konnte und sich diese dann an sich riss. Er brauchte sie, sonst fühlte er sich so kalt.

"Cene, alles ist gut. Du bist zuhause", versuchte Dare auf ihn einzureden, worauf Cene sich langsam wieder beruhigte. Peter nahm seine zwei Schwester mit sich und wurde sofort, außerhalb der Tür, von Ema über die Treppe gezogen. Er tat jedenfalls so, als würde sie dem mächtig sein.

"Wir müssen dir ganz viel zeigen. Ich hab neue Spunkski gekommen", stotterte die kleinste hervor und drückte Peter nun auf ihr Bett. Sein Blick schweifte durch das Zimmer, in dem Domen, Cene und er auch einmal gewesen waren. Das zeigen die alten Poster von Superman an der Wand, sowie von Noriaki Kasai und anderen Skisprunglegenden, die die zwei, zu seiner Überraschung, nicht abgelegt haben.

"Schau mal, schau mal", wurde ihm ein Ski auf den Schoß geworfen und Peter stieß überrumpelt die Luft aus. Er musterte danach den Belag und kniff ein Auge zusammen.

"Stimmt etwas nicht", legte Ema den Kopf schief und Peter fuhr schon fast mystisch über die Kante, dessen Ski er auf Augenhöhe hielt.

"Morgen machen wir dann den Belag neu. Ich zeige dir meine Geheimtaktik", hielt er ihr den Ski auf beiden Händen entgegen, als würde ihr ein Schwert überreichen. So reagierte sie auch und bekam große Augen, was Peter nur ein kurzes Lachen entlockte, bis er hörte, wie ihn jemand rief. Außerhalb der Tür.

"Mum?", fragte er und ging nun aus dem Zimmer. Er schlüpfte mal aus seinen Schuhen und der Jacke. Als seine Mutter nun über die Dachbodentreppe nach unten kam, warf er alles hin und schenkte ihr eine Umarmung.

Sie drückte sich dann weg und musterte die feinen Kratzer, die vom letzten Sturz, vor zwei Tagen, zurückgeblieben waren.

"Nicht schlimm", schüttelte er den Kopf, "du brauchst dir keine Sorgen zu machen."

"Mach ich doch nicht", lachte sie kurz und Peter schenkte ihr einen forschenden Blick, worauf sie zugebend nickte. Nun lachte Peter und bat seine Mutter, nach unten zu gehen. Dort wurde sie Cene finden. Domen kam erst später, da er mit Jurij anscheinend das Training noch nicht ganz niederlegen konnte.

"Mum", hielt Peter sie mit seinen Worten auf der ersten Treppe zurück und sie sah über die Schulter, "Cene weint ohne Grund."

Juljiana dachte kurz nach und schüttelte den Kopf: "Ohne Grund weint Cene nicht. Das hat er nie getan. Du allerdings schon."

Peter lachte und schüttelte den Kopf. Er schnappte seine Sachen und folgte der Mutter nach unten, worauf Ema und Nika mitrannten. Die zwei konnte man nicht abschütteln. Welche schöne Erinnerungen hat seine Mutter in ihm nun geweckt. Tränen hat Peter schon viele vergossen. Am Anfang, als sein Vater ihn in den Skiklub gesteckt hatte, dann bei Verletzungen und verpatzten Sprüngen.
Der markanteste Tag in seinem Kopf, war so eingebrannt, dass er ihn nie vergessen wird. Die drei Prevc Brüder nicht, denen ja noch ein wunderschönes Andenken geblieben war und nicht nur die Bilder im Kopf.

Es war ein verregneter Tag in Dolenj Vas. Die Eltern nicht zuhause, die drei Jungs aber schon. Wie langweilig war es denn, bei so einer Veranstaltung mitfahren zu müssen mit Anzug und allem drum und dran. Da stellte es den dreien schon bei der Aussprache der Wörter die Nackenhaare auf. Außerdem kam Tante Mimi, in knapp 15 Minuten, um auf sie aufzupassen. Und sie tauschten ungern geschenkte Schokoladetafeln gegen Anzug und Lächeln.
So war ihnen natürlich langweilig und sie entschieden sich, in der Garage Peter zuzusehen, wie er nun selber, mit 13, seine Sprungski wachsen kann. Cene, der damals 9 war und Domen mit seinen 6 Jahren, waren natürlich begeistert. Doch die Begeisterung ließ bald nach. Als Cene und Peter sich wegen der richtigen Schritte der Wachsauftragung stritten und Domen versucht hatte, beide auseinander zu bringen, hat sich das flüssige Wachs auf den Unterarmen verteilt. Domen hat weinend und schreiend seine Arme geschüttelt und war fast schon unkontrolliert wirkend, durch die Garage gerannt. Peter hat alles hingeworfen und zu weinen begonnen, während Cene gar nichts der Gleichen getan hatte. Er versuchte Domen zu beruhigen und hat Peter dazu gebracht, endlich das Tränen vergießen zu unterlassen und ihm zu helfen. Sie haben die Geschirrtücher in kaltes Wasser getaucht und Domen aufgelegt. Und als Cene dann die Polizei, statt Tante Mimi angerufen hat, war der Tag perfekt gewesen als die Polizei auch noch aufgetaucht war. Alles in allem, war dieser Tag erinnerungswert und Cene hat bewiesen, wie eigentlich immer, das er der stärkste war. Der, der immer die Nerven behalten konnte.
Peter hat damals geweint, als er mitbekommen hatte, welchen Ärger ihm nun dieses Ereignis einbringen wird.

Cene löste sich schniefend von seinem Vater, lehnte sich zurück und drückte seinen Kopf an die Rückenlehne gepresst. Er starrte an die Decke und blinzelte ein paar Mal. Sein Vater sah ihm nur zu und brachte eine Frage über seine Lippen: "Wie war es in der Schule? Alle gesehen?"

Cene schüttelte den Kopf und sah zu Dare: "Nein, Sisi leider nicht. Warum fühle ich mich so schlecht deswegen."

Dies entlockte Dare nur ein leichtes Lächeln und Cene wusste nicht, was es da zu lächeln gab. Cene verstand die Welt nicht mehr und sein Vater lächelt nur.

"Bist du etwa verliebt in Sisi?"

Da bekam der Springer große Augen. Niemals in seinem Leben würde er sich in Sisi verlieben. Allein schon das ständige Lesen, was eine mangelnde sportliche Tätigkeit mit sich zog, passte nicht zu ihm, wo sie immer süße kleine Anekdoten aus heiterem Himmel sagte. Dann noch dieser Drang nach Schokolade, worauf sie mit einem knuddeligen Raubtier zu vergleichen war. Als wäre sie das Rauschgift für sein Herz, von dem er nie genug zu haben scheint.

"Nein", schüttelte er unterstreichend den Kopf und spürte wieder die Tränen, die sich anbahnten und nun über seine Wangen flossen, "oder doch?"

Cene legte seine Hände auf das Gesicht und knurrte genervt, wenn nicht zugleich verzweifelt. Sein Vater hatte immer ein wenig befürchtet, dass so etwas kommen wird. Er hatte nichts gegen Sisi. Sie war ein nettes Mädchen und das hat Cene seinem Vater auch klipp und klar gesagt, als er sie kennengelernt hat. Gleich nach dem ersten Schultag.

Als Cene zu lachen begann, wurde sein Vater aufmerksam auf ihn: "Ich bin wirklich eigenartig."

"Warum?"

"Ich lüge mir wirklich etwas vor und versuche daran zu glauben, obwohl ich sowieso weiß, dass es nicht stimmt", lächelte er leicht und stützte seine Ellbogen auf seinen Oberschenkeln ab, indem er sich vorbeugte, "ich habe Angst unsere Freundschaft zu zerstören."

Cene sah zu Dare, dessen Lächeln immer noch nicht verschwunden war.

"So etwas kann man nicht zerstören. Man zerstört sich nur selbst, wenn man zusieht."

Cene legte kurz den Kopf schief und dachte leicht nach. Hatte sein Vater recht?

Dieses Frage konnte er nicht beantworten und sah zu seiner Mutter, die ihn tröstend und etwas überrumpelt in den Arm nahm. Peter hatte Nika und Ema wieder an den Beinen hängen und nun stand Domen auch noch da.

"Hab ich was verpasst?", fragte er mit passendem Blick in die Runde und fing sich nur einen kräftigen Schulterklopfer von Peter ein, der nun das Übergewicht bekam und umfiel.

Zwei Tage später...

Der erste Durchgang war vorbei. Cene von vielen Interviewern im Visier, da er doch die Halbzeitführung übernahm. Dennoch wirkte er nicht wirklich fröhlich darüber. Er rannte nun schon zum zigsten Mal vor Peter hin und her, bis der sich mal zu fragen traute: "Was sie los mit dir?"

"Vielleicht ist Sisi da, aber ich habe sie noch nicht gesehen."

"Warum?"

"Ich habe ihr einen VIP Pass an den Spind gehängt", lächelte er leicht.

Peter sah ihn ganz verdutzt an: "An den Spind?"

"Ja?", blieb er nun stehen, "an den Spind. Ich werde doch nicht das Schloss knacken. Was glaubst du?"

Peter sprang auf und schnappte ihn an den Oberarmen. Es wirkte fast so, als wäre er über seinen derzeitigen zwölften Platz wütend und ließ nun alles an Cene aus.

"Die Karte kann jeder genommen haben. Das ist Leichtsinn zu glauben, dass Sisi jetzt in der Menge saß!"

Cene starrte ihn nur an und glaubte nicht, seinen Bruder vor Augen zu haben. Alleine diese Reaktion war für Peter nicht bestimmt. Niemals.

"Darf man nicht einmal hoffen!", rief Cene schon fast zurück und Peter verstärkte seinen Griff.

Er schüttelte den Kopf: "Das hat mit hoffen nichts mehr zu tun!"

"Und warum schreist du mich dann an?!", konterte Cene und spürte, wie sich die Tränen seinen Weg bahnten, die er nicht mehr zurückhalten konnte.

Er riss sich von Peter los und schenkte ihm einen kurzen Blick, der für sich sprach, bevor der mittlere ihn nur stehen ließ. Stur und für seine Art wild, schnappte Cene Ski und Ausrüstung und stapfte den Weg zum Aufzug entlang, während immer wieder eine Tränen vor seinen Füßen in den Schnee tropfte.

Als er nun den Aufzug noch im letzten Moment betrat, umklammerte er seine Ski noch fester und starrte beim Fenster hinaus. Besser gesagt, war es eine Glaswand. Im reflektierenden Spiegelbild konnte er erkennen, wie die Blicke von Stefan Kraft, Michael Hayböck und Robert Johansson auf ihn gerichtet war, worauf er nun leicht über die Schulter sah und dies beendete.

Cene saß nun im Aufwärmraum. Viel zu früh eigentlich. Doch das war ihm egal. Er wollte nur vor Peter fliehen, der ihn in seinem ganzen Leben noch nie so verletzend behandelt hatte.

Er wusste nicht, wie viele Sicherungen in ihm nun durchgebrannt waren, doch sein Magengrubengefühl sagte Peter, dass er gerade den großen Fehler seines Lebens gemacht und es sich gerade mit Cene verscherzt hatte.

Was war er nur für ein Monster seinen Bruder dermaßen anzuschreien, nur wegen einem Stück Papier welches sie sowieso um sonst bekamen. Ein Stück Papier mit Plastikhülle, Aufschrift und Umhängeschlaufe.

Nervös sprang Peter auf und sah auf seine Armbanduhr. Lange hatte er nicht mehr Zeit. Er musste da hoch, um nicht auch noch disqualifiziert zu werden wegen Nichterscheinen.

Er wusste sich kaum zu helfen, um dieses Lage zu retten, worauf er eine Entscheidung schloss, die man nicht erwartet hätte. Cene zumindest nicht.

"Jetzt komm", strahlte Peter über das Gesicht und hatte es bereits aufgegeben, heute ganz oben zu stehen, "Cene wird einen Luftsprung machen."

Er hatte Sisi an seiner Seite. Mit Krücken. Es war nicht ganz das Bild, welches er sich erwartet hatte. Anscheinend war er mit seiner Theorie, des fehlenden Schulbesuches damals nicht so falsch gewesen.

Sie schnaubte nur kurz angestrengt, da sie wirklich Handel hatte, mit dem großen Peter mitzuhalten, der keine kleinen Schritte machte: "Glaubst du?"

Ihr Blick zu ihm hinauf versprach eine kleine Angst vor dem Wiedersehen, die Peter mit einem Kopfschütteln zunichte machte.

"Cene freut sich bestimmt. Wenn nicht, dann kratze ich den Belag von den Skiern und essen ihn zum Abendessen", kam überraschenderweise die sarkastische Seite von Peter zum Vorschein, mit der Sisi noch nie so Bekanntschaft gemacht hatte und konnte sich ein kurzes Lachen nicht verkneifen.

"Also glaube ich dir."

Eine Schar aus Personen hatte sich im Schanzenauslauf gebildet und wartete gespannt vor der roten Sponsorenwand, mit den drei Treppen auf verschiedenen Höhen. Peter zog sie, so gut es ging, durch die Mitte nach vorne auf die grünen zu. Auf dem Rücken der jeweiligen Personen, konnte sie in schwarz Slovenia erkennen und wusste nun Bescheid.

Nur mit wagem Interesse, hörte sie dem Sprecher zu, den sie sowieso teilweise nicht wegen des Gemurmel verstand und schwelgte in Gedanken. Malte sich das Zusammentreffen mit Cene aus. Wie sie ihm in die Augen schauen wird. Ihm durch die dunkeln, fast schon schwarzen Haare fahren wird.
Doch als Cene von der jubelnden Menge schon fast zum Podium getragen wurde, versteckte sich Sisi hinter Peter. Er war groß genug, damit sie ganz verschwand, was ihm etwas seltsam vorkam. Sie hatte anscheinend Angst.

Schweigend wartete er die Nationalhymne Sloweniens ab und spürte, wie Cene Peters Blick absichtlich aus dem Weg ging. Doch nun fokussierte er ihn. Sprang nach der vor kurzem beendeten Hymne vom Treppchen und ließ seine Ski fallen. Krachend landeten sie im Schnee und die Trophäe stand herrenlos auf dem Treppchen. Die slowenische Flagge hatte er wie ein Superheldencap mit zwei Enden vor seinem Hals zusammengeknüpft und wehte im leichten Wind, den er erzeugte. Nun trat auch Sisi in Peters Blickfeld, die eher langsam voran kam.
Abrupt ließ sie die Krücken fallen und fiel förmlich in Cenes Arme. Er schlang beide um ihren Oberkörper, als würde man ihm Sisi in den nächsten Sekunden wegnehmen. Als müsste er sie beschützen, vor allem möglichen.

Auch Sisi schlang ihre Arme um ihn und krallte die Finger im Stoff seiner Startnummer fest.

"Du hast mir gefehlt", hauchte er sanft in ihr Ohr und sie löste sich leicht. Ihr Blick war tief in seine Augen gerichtet und war unglaublich schön. Wieder zu ihm aufsehen zu können. Jeden seiner Atemzüge zu hören. Seine warmen Hände an ihr zu spüren.
Sie hatte gelesen, dass man nach einer Person süchtig sein kann und Sisi war mehr als nur süchtig nach Cene. War er nicht da, war sie wie in einem tödlichen Zustand und stand kurz davor aus dem Leben zu verschwinden. Das Rauschgift für ihr Herz.

Cene öffnete seinen Mund, doch nichts kam über seine Lippen. Er begann bis über beide Ohren zu lächeln und Sisi folgte dem Beispiel. Danach nahm er die überdurchschnittlich große Flagge aus den Farben Rot-Weiß-Blau bestehend und legte sie über beide. Nun waren sie bis zu den Schultern darunter versteckt und Sisi wartete auf den Grund für das Versteckspiel vor Trainer, Teamkollegen, Freunden und Fans.

"Weil ich dich liebe und es auch immer tun werde", hauchte er kaum hörbar und auch draußen wurden die lauten Geräusche der Menge still.

Vorsichtig, wie sie es nie für möglich gehalten hatte, legte Cene seine Lippen auf ihre.

Peter stand nur da und stützte sich leicht an seinen Skiern ab, die er aus unerklärlichem Grund immer noch mit sich trug. Seit die Fahne seinem Bruder und der schon fast in Peters Augen als Schwester zu bezeichnenden Schulfreundin Unterschlupf bietete, war es ruhig geworden im ganzen Stadion. Peter gab seine Ski an den Servicemann weiter, der gerade neben ihm gestanden war und begann mal die Ski von Cene vom Boden zu klauben. Säuberlich Belag auf Belag gelegt, lehnte er sie neben die Trophäe des Bruders, an die Sponsorenwand. Danach setzte er sich an die Kante des leeren Podesttreppchens und sah zuerst zu Stefan Kraft und dann zu Robert Johansson, die nur einen verwunderten Blick übrig hatten. Die Preisverleihung war vorbei, dennoch standen sie wie angewurzelte Marionetten da, die darauf warteten, von dem Meister bewegt zu werden, der an den Schnüren sie zum Tanzen brachte.

Peter drückte sich mit beiden Händen von der Kante ab und seufzte. Die zwei werden doch kein Gespräch unter der Flagge führen. Soweit konnte Peter wohl denken, dass er ein verliebtes Paar vor sich hatte, welches es nie über das Herz gebracht hat, sich dies gegenseitig zu sagen, weswegen er auch höflicherweise nun auf den Rücken von Cene tippte.

"Ich glaube an der Hotelbar ist es gemütlicher, als am Schanzenauslauf."

Stürmisch hob Cene seitlich die Flagge auf, um Peter in die Augen zu sehen.
"Was denn? Spürt das Knistern nicht?", hatte er einen schon fast spitzbübischen Unterton angenommen und ließ das Stück Stoff wieder in die vorherige Position sinken.

Peter tippte ihn wieder an, doch Cene reagierte nicht. Anscheinend war ihm nun alles egal, was Peter auch verstand, weshalb er mit zwei Paar Ski den Ort des Geschehens verließ. Er war sichtlich gekränkt nicht zu schweigen von der Enttäuschung von sich selbst.

"Peter!", rief jemand hinter ihm und er wollte sich beim besten Willen nicht umdrehen.

"Peter!", wurde die Stimme nun verdoppelt und er fühlte sich gezwungen eine Reaktion zu zeigen, worauf er stehen blieb, "danke", kam es nun einzeln und er wusste, dass Cene hinter ihm stand.

Peter drehte sich um und sah in die vor Freude strahlenden Augen Cenes. Er hatte Sisi auf seinem Rücken, die ihre Hände auf Cenes Brusthöhe aneinander klammerte, um nicht zu fallen. Sie lächelte ebenfalls.

Peter hielt Cene nur eine Hand hin und wartete, bis er den üblichen Handschlag vollübte. Zur Überraschung keinesfalls zögerlich. Cene konnte niemanden lange böse sein und das wusste Peter auch.

Langsam ging der Älteste des Prevc Nachwuchses davon und sagte noch: "Ich werde es Mum erzählen."

Cene sah kurz zu Sisi hinauf, die ihm nun durch die Haare wuschelte, was er vorerst ignorierte. Aber nur vorerst.

"Was meinst du?", rief er Peter nach und hörte ein kurzes Lachen.

"Dass ihr unter Flagge euch geküsst habt."

Schmunzelnd schüttelte Cene den Kopf und die Haare von Sisi kitzelte in seinem Nacken. Sie drückte ihre Wange leicht an seine und enthielt ihm keinen Kuss vor, den er ebenfalls auf die Wange bekam.

"Seit wann hast du Bartstoppeln", hob sie den Kopf zur Seite und strich mit dem Daumen kurz über seine Wange.

Cene entlockte dies nur ein kurzes Lachen, worauf er Sisi ansah und anscheinend auch nach etwas Neuem musterte, aber nichts fand.

"Seit wann bist du nur so schön geworden", hauchte er und fügte noch hinzu, "wäre ich doch zur Schule gegangen, anstatt im Weltcup einzusteigen."

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