+Never Give Up Without Hoping [Richard Freitag]+
Richard Freitag
Stil: Erzählersicht
Wörter: 3099
Song: Jasmine Thompson - Run
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Deutlich waren die rennenden Schritte einer schnellen Person zu hören und hinter ihm ein Rollkoffer, der noch knapp mithalten konnte. Den Blick immer wieder auf die Uhr seines Smartphones gerichtet, rannte Richie so schnell wie er nur irgendwie konnte. Er war zu spät, das wusste er, aber er wusste auch, dass dieser Zug nicht immer pünktlich auf die Minute abfuhr, da der Zugführer selbst mit Gähnen beschäftigt war, für das Freitag nun unmöglich Zeit hatte. Er konnte diesen Zug einfach nicht verpassen, sonst würde ihn Werner Schuster, ihr Trainer, das letzte Mal nachhause fahren lassen, wenn sie während der Vierschanzentournee in Oberstdorf waren.
Mit einem Griff war der Koffer gepackt und er stürmte die Treppe hinauf. Als er das Pfeifen des Schaffners hörte, hauchte er ein leises Nein, was wohl niemand verstand und wurde schneller, obwohl er sowieso nicht mehr konnte.
Nun stand er da, sah verdattert dem Zug nach, wie er aus dem Bahnhof rollte und beschleunigte. Nachlaufen würde sich nichts mehr bringen. Es war vorbei. Er ließ den Koffer los, der krachend auf den Boden fiel. Ein Aufschrei in den Himmel folgte danach und dieser hallte noch Meter weit nach. Richie warf seine Hände in den Nacken und stöhnte verzweifelt und zugleich genervt, da er es noch nicht glauben konnte.
Den Koffer einfach liegen gelassen, ließ er sich auf einen der Sitzplätze nieder und rieb sich über das Gesicht. Hinter ihm waren nun auch Schritte zu hören.
"War das der Zug...", begann eine junge Frau, deren Satz er beendete.
"...nach Garmisch-Partenkirchen."
Er sah ihren Blick nicht, doch der sprach für sich. Das konnte nur ein schlechter Scherz sein. Sie musste nach Garmisch, anders würde es schlecht aussehen. Sie musterte kurz den Koffer, der noch herrenlos war und ließ sich dann neben dem jungen Mann nieder, der sich nun seine Mütze vom Kopf zog. Er durchfuhr die dunkelbraunen Haare und zuckte kurz nach ihrem Schrei zusammen, der die Welt erfüllte.
Aber auch ein Schmunzeln kam über seine Lippen, da er ähnlich reagiert hatte und sie nun ihre Umhängetasche fallen ließ. Ihr Blick zu ihm verriet schon viel, aber dennoch sprach sie ihre Frage aus: "Das war der letzte für heute, oder?"
Richard nickte und hielt ihr nun die Hand entgegen. Keine Menschenseele war auf dem Bahnsteig, geschweige denn am Bahnhof, da es kurz vor 11 Uhr abends war.
"Ich will ungern hier sitzen und schweigend bis 6 Uhr früh warten. Ich bin Richard."
"Susanne.", lächelte sie erfreut und reichte ihm ohne zu zögern die Hand. Sie machte einen wirklich netten Eindruck. Unter der grauen Mütze lugten braune Haare hervor, die auf Schulterhöhe endeten. Hinter der großen, weinroten Brille sahen ihn braune Augen neugierig an. Nein, sie verzauberten ihn.
Er war wirklich ein komischer Typ, sich einfach vorzustellen. Doch sie fand es auch irgendwie süß, da sie irgendwie das Gefühl hatte, er würde sie beschützen, da es um diese Uhrzeit doch recht unheimlich hier war. Die Gänsehaut war kaum zu überspüren. Von seinen braunen, zur Seite gekämmten, eigentlich gestrichenen Haaren, abgesehen, hatte er glitzernde, braune Augen und eine schlanke Statur. Er strahlte seine Freundlichkeit aus, die sie wiederum zum Lächeln brachte.
"Gut", rieb sie sich nun die Hände, "wenn ich es zugeben darf, hab ich auch ein wenig Angst."
Er schüttelte nur den Kopf und verzog seinen Mund leicht: "Brauchen Sie nicht. Ich bin ja da."
Sie lachte kurz und beruhigte sich gleich wieder, als sie nachdachte. Es konnte und durfte nicht der letzte Zug gewesen sein.
"War das wirklich der letzte?", kam es schon fast genervt raunend, worauf er sein Smartphone aus der Jackentasche zog. Seine Finger flogen schnell über das Display, bis er sie ansah und sie wusste, dass es wirklich so war.
Verzweifelt legte sie den Kopf in die Hände und stöhnte kurz, worauf Richard sich nach dem Grund erkundigte.
"Noch ein wichtiges Treffen?"
Sie sah auf und lächelte ihn an, als wäre diese Frage irrelevant. Das einzige, was sie nun noch fröhlich machte, war seine Gegenwart. Überraschenderweise. Dass er mit ihr sprach, war schon ein Wunder für sich. Nein. Dass sie mit ihm sprach, da ihre Schüchternheit meistens die schweigende Überhand nahm. Es war keine wichtige Person in ihrem Leben, weswegen sie sich nun entschließen sollte, zu Fuß nach Garmisch zu gehen. Es gab einen ganz anderen Grund.
"Nein", kam es halb lachend, "ich werde meinen Job verlieren. Keine große Sache."
Freitag lächelte nun noch mehr, aber mit einem ticken Verwunderung: "Ich werde meinen auch verlieren."
"Willkommen im Club.", reichte sie ihm die Hand. Jetzt war es soweit, dass er zu lachen begann, was sein Smartphone aber unterbrach.
Er sah kurz auf die eingegangene Nachricht und seine Gesichtszüge fielen. Es waren ja noch ein paar Personen übrig, die wahrscheinlich wissen sollten, dass Richie wieder einmal nicht pünktlich gewesen war. Besonders Severin, der ja versprochen hatte, ihn am Bahnhof in Garmisch abzuholen.
"Einen Moment bitte", entschuldigte er sich kurz und wählte die Nummer von Severin Freund. Er hörte schon seine predigenden Standpaucken im Kopf.
"Hey Severin", begann er vorsichtig und rannte nun nervös den Bahnsteig auf und ab. Sein Freund wusste genau, an Freitags Tonfall, wo er war. Nämlich nicht im Zug nach Garmisch.
"Ich sag jetz nix dazu. Und abholen werde ich dich auch nicht. Heute lieg' ich mal wieder flach."
Richie war kurz erstarrt. Überhaupt nicht mit dieser Ansprache gerechnet. Sonst hätte er jetzt fünf Minuten mit Severin über seine Pünktlichkeits- und Organisationsprobleme diskutiert, doch er hörte und spürte, dass Severin heute nicht wirklich fit war. Seit er diese Hüft-OP hinter sich hatte, waren so Tage drinnen, in denen er kaum einen Füße vor den anderen setzen konnte, ohne laut vor Schmerz zu schreien. Für Richie als seinen Zimmerkollegen, war es manchmal schon hart, mitansehen zu müssen, wie Severin kämpfte und an wichtigen Wettbewerben, schlechte Sprünge zeigte. Doch eine Sache, die es niemals gab bei Freund, war aufzugeben. Egal wie sinnlos die ganze Sache zu sein scheint, Severin gibt nicht auf.
"Ok, dann gute Besserung", kam es knapp hervor.
Severin lachte nur. Wie klischeehaft diese Situation gerade war. Soweit Severin zurückdenken konnte, hatte Richie seinen Zug versäumt. Er hatte noch nie ganz verstanden, wie man so etwas schaffte. Immer da zu spät zu kommen, wo Richard sonst immer der erste war, der von der deutschen Nationalmannschaft durch das Hotel am Morgen geisterte oder schon im Mannschaftsbus saß, während die Hälfte gerade mal vom Frühstück in die Zimmer wandelten. Kaum wach. Dies wird ein immer währendes Geheimnis in Richies Kopf bleiben, hinter dies niemand kommen wird.
Soviel Richard wusste, war er nicht der einzige, der einen kurzen Zwischenstopp zuhause eingelegt hatte. Auch Andreas Wellinger war nachhause gefahren. Vielleicht hatte der noch ein Ass im Ärmel.
"Wo musst du hin?", deutete er auf Susanne, die nun etwas erschrocken zusammenzuckte.
"Ins Hotel der österreichischen Skispringer. Das ist gleich mitten im Ort", lächelte sie leicht und hatte aber noch eine Frage, "und sind wir jetzt schon bei du?"
Richard hob nur einen Finger, da er wieder zu telefonieren begann. Susanne lachte über sein nachdenkliches Gesicht. Der heutige Tag wird ein paar Sorgenfalten bringen. Sie hatte nichts gegen das persönliche Du, doch etwas in ihr sagte, dass Richard weit mehr als Susanne war und dass sie bei ihm die Höflichkeitsform benötigen wird.
Lächelnd hielt er nun sein Smartphone in beiden Händen und hatte anscheinend Glück gehabt.
Andreas war gerade mit dem Auto seiner Eltern unterwegs, die sich entschlossen hatten, beim Bewerb in Garmisch mit dabei zu sein. Deswegen hat auch, zu Richards Überraschung, seine Mutter abgehoben und Freitag zuerst gedacht hat, sich verwählt zu haben. Andreas hatte sich dann entschuldigt, da seine Mutter mit der Freisprechanlage noch nicht ganz klar kam und er zu langsam war, sie noch knapp vom Abheben abzuhalten.
Als er dann davon gehört hatte, dass der liebe Richie mal wieder den Zug versäumt hatte, waren ihm alte Bilder in den Kopf gekommen, die ihm gelehrt hatten, mit dem Zug nachhause und nach Garmisch mit dem Auto zu fahren, wenn es irgendwie möglich war.
Die Mama Wellinger hat ihren Sohnemann dann so lange vollgetextet, bis er umgedreht hatte und nun auf dem Weg zum Bahnhof war.
Nach Andreas' Erachtens, hatte er manchmal das Gefühl, seine Mutter würde mehr für Richard die Daumen halten, als für ihn. Alles aber nur reines Wunschdenken.
"Was ist denn los?", fragte Susanne nun, da ihr Richard immer noch keine Antwort gegeben hatte.
Er schüttelte sich selbst aus seinem Kopf: "Mein Freund hat noch einmal umgedreht. Der ist mit dem Auto unterwegs."
Die Freude war kaum zu übersehen. Richie war nun ein Stein vom Herzen gefallen, auch wenn er wusste, dass er Andreas nun etwas schuldig war. Und dies wird wohl im Sommer eingelöst werden. Konzertbegleitung. Mehr sagte er nicht. Er schnappte sich den Koffer, der ja immer noch so da lag und ging Richtung Treppe, die in den Untergrund führte, als er spürte, dass Susanne noch nicht ganz zog.
Er schüttelte kurz den Kopf wegen seiner eigenen Dummheit und ging nochmal zurück.
"Natürlich nimmt er uns beide mit", lachte er kurz und hielt ihr die Hand entgegen. Sie glaubte nicht wirklich, was Richard ihr erzählte. Sie kannten sich kaum eine Stunde und schon war er der rettende Held in schimmernder Rüstung.
Ganz vorsichtig legte sie ihre Hand in seine und wurde von ihm aufgezogen. Nach ein paar Sekunden in die Augen starren, schnappte er sich ihre Tasche und hing sie sich um, bevor er sie an der Hand lachend nach unten zog.
"Du brauchst meine Tasche nicht tragen", wollte sie ihm ihr Reiseinventar abnehmen, doch er wehrte sich.
Richie schüttelte den Kopf: "Kommt nicht in Frage."
Andreas wartete schon und Richard deutete ihr, sogleich einzusteigen, während er das Gepäck im Kofferraum verstaute. Sie stellte sich kurz vor und rutschte in die Mitte der Rückbank, gleich neben dem Vater. Ein großes Hallo und ein kurzes Lachen galt Richard, dem es recht peinlich war. Er wusste ja, das Andreas nicht anders reagieren würde.
Als sie nun vor dem Hotel der deutschen Mannschaft standen, stiegen alle aus und Susanne hatte sich nun ihre Tasche umgeschnallt. Sie sah Richard mit nur einem Blick an und er wusste, dass er noch warten soll. Andreas sah Freitag leicht verwirrt an, der ihm aber dann mit einer Handbewegung deutete, schon nach drinnen zu gehen. Wellinger nickte kurz und Richard wandte sich nun an Susanne, die leicht nervös mit ihren Fingern spielte.
"Richard, danke nochmal. Du hast mich wirklich gerettet", lächelte sie zu ihm hinauf.
"Soll ich dich noch begleiten?", fragte er und begann ebenfalls zu lächeln.
"Nein danke."
Nach diesen zwei Worten, drückte sie ihm einen leichten Kuss auf die Wange und er erstarrte. Sein Lächeln war wie weggefegt. Sein Verstand überschlug sich und die Zeit, die lief sowieso seit dem Bahnhof nicht mehr. Genau wie sich die Weltkugel heute entschieden hat, einen Tag frei zu machen. So fühlte es sich nach. Kaum mit einem Sieg zu vergleichen. Einem geknackten Schanzenrekord. Nichts konnte dieses Höhegefühl ersetzen.
Sie war schon einige Meter von ihm entfernt, was er jetzt erst realisierte, als er ihr noch nachrief: "Soll ich dich wirklich nicht begleiten?!"
"Nein", lachte sie zurück und war nun um die Ecke verschwunden.
Mit leicht gesenktem und nachdenklichen Blick, ging er in das Hotel. Schnurstracks in den zweiten Stock. Auf sein Zimmer zu und als er drinnen stand, sah ihn Wellinger an, als hätte er ihn ertappt, bei was auch immer er gerade getan hatte. Flüchtig war dieser verschwunden und fing sich noch einen allerletzten Blick der Verwirrung von Richie ein, bis er sich glücklich und zufrieden auf seinem Bett niederließ. Er sah zu Freund, der mitten im Raum stand, dem Richard eigentlich den Rücken zukehrte.
Severin sah ihn auffordernd an und nun wusste Freitag, was Andreas im Zimmer gesucht hatte. Richard war der Pechvogel der Mannschaft, was Beziehungen anbelangt. Deswegen war es dann schnell interessant, wenn er einer Frau, die noch keine Anzeichen zeigte, vergeben zu sein, einen leicht verträumten Blick schenkte. Bei Susanne musste es der Fall gewesen sein, was er ja nicht abstritt. Ihre Anwesenheit hatte ihn sichtlich beruhigter reagieren lassen, was das Versäumen des Zuges betrifft und er war erschreckend gut klar gekommen, mit der ihn sonst ach so stressenden Situation.
"War sie", überlegte Freund kurze seine Wortwahl, der nun auf der Bettkante seiner Schlafgelegenheit saß und zu seinem Freund sah, der ihm immer noch den Rücken zeigte, "hübsch?"
Richie entkam nur ein kurzes Lachen und er schälte sich nun aus seiner Jacke, während er zu erzählen begann: "Hübsch alle mal, ja. So bezaubernd und ehrlich."
Severin ging nun, wirklich langsam und mit zusammengebissenen Zähnen auf das zweite Bett im Raum zu und setzte sich vorsichtig neben Richard, der ihm nur einen mitleidenden Blick schenkte.
"Das Spätkommer-Syndrom hat sie alle mal", schmunzelte er kurz und zuckte mit den Augenbrauen, doch ihm fiel auch der leicht traurige Hauch in Richards Augen auf, "aber warum so niedergeschlagen?"
"Auch wenn sie perfekt war", atmete Freitag tief durch und stand auf, "sehen werde ich sie nie mehr."
Severin sah ihm nach. Nur war er es, der mit ihm mitleidete. Es war grauenvoll, mitansehen zu müssen, wie durch nichts das Herz seines Freundes Risse bekam. Er konnte es nicht glauben. Severin gab nie auf, doch ob er sie finden würde, war eine Sache, in der er sehr wohl aufgab. In seinem Verstand. Richie wusste es nicht, aber wenn Freitag seine Waffe hinwarf, tat Severin es gleich, denn Richard war es, der Severin immer wieder gegen die Schmerzen und das depressive Gefühl in ihm ankämpfen ließ. Er war es, der Severin so stark machte.
»Und was für ein fantastischer Sprung von Richard Freitag. Mit 144 Metern und traumhaften Noten gelingt es ihm, die Führung vor Michael Hayböck und Vincent Descombes Sevoie einzunehmen. Und damit knapp einen Meter vom Schanzenrekord entfernt. Garmisch-Partenkirchen, lasst mal was hören!«
Das kam vom Lautsprecher in die versammelten Skisprungfans, die alle mit schwarz-rot-goldenen Flaggen die Athleten weiterzutragen versuchten. Freitag streckte die Fäuste dem Himmel entgegen und ließ einen Freundesschrei los, bevor er aus dem Schanzenauslauf verschwand. Er machte mit Michael den üblichen Handschlag, der eigentlich bei jedem K.O.-Duell oder der übernommenen Führung gemacht wird und bedankte sich bei dem Lob und der Gratulation. Sofort hatte er seine Ski an die Wand gelehnt, zog eine überglückliche Fratze in die Kamera und begann sich dann aus den Schuhen zu befreien. Sein Lächeln war kaum zu unterdrücken, was Severin nicht gerade teilen konnte. Dafür aber Andreas. Und zwar mehr als das.
Severin saß auf der Bank und beobachtete mit Neugier den Monitor, um die Sprünge seiner Konkurrenten zu verfolgen, die wie immer in guter Form waren. Ein Platz unter der 30 war für ihn heute drinnen, aber nicht viel mehr. Als Wellinger nun auf ihn zulief, den er in der Ferne schon erkannt hatte, machte er sich schon ein wenig bereit, auf das was auch immer kommen mag. Nervös verlagerte Andreas sein Gewicht von dem einen auf das andere Bein, als er vor Freund stand und rang nach Luft, bevor er überhaupt zu Wort kam.
"Ich hab sie", keuchte er letztendlich hervor und Severin verzog sein Gesicht. Er verstand nicht wirklich, worauf Andreas nun anspielte.
"Was meinst du? Wenn hast du?"
"Na, sie. Susanne", lächelte er noch mehr und Freund sprang förmlich auf.
"Wo? Wie?", kam es etwas lauter als gewollt und Freund wurde sofort leiser. Es sollte ja niemand so wirklich mitbekommen.
"Naja, ich sollte halt zum ORF auf ein Interview und ich habe sie getroffen. Sie ist Moderatorin."
"Wow", fasste Severin das Glück kaum, "komm mit."
Der Weg führte sie zum derzeit Führenden. Beide gratulierten ihm sofort und kamen aus dem Lächeln nicht mehr heraus, was Richard bemerkte.
"Was ist los mit euch?"
"Wie freuen uns für dich", schnitt Severin Andreas das Wort ab und fuhr vor, "du sollst zum ORF, die wollen dich unbedingt interviewen. Jetzt sofort."
"Wie, jetzt?", schlüpfte Richie nun in die grüne Jacke des DSV und zog sich darüber die Startnummer an.
Severin schüttelte kurz den Kopf und sah zu Wellinger, der nun zu handeln begann. Er schnappte die Ski seines Kollegen und drückte ihn den Weg zu den verschiedenen Senderstationen entlang, da er sich etwas wehrte.
Als sie nun knapp vor dem ORF standen und der ARD Wellinger verlangte, drückte er Richard seine Ski in die Hand und sah ihm tief in die Augen.
"Nimm' deine Ski und geh' jetzt zu dem Interview. Ich glaube, du wirst es sonst bereuen."
Eifrig, wie ein kleiner Schuljunge und leicht eingeschüchtert von dem Blick, nickte Freitag und umklammerte die Ski, die ihm nun in die Hand gedrückt wurden. Er war verwirrt, keine Frage, aber er entschloss sich, dort dennoch hinzugehen. Ein Interview schmeißen war keine gute Sache.
Im gemütlichen Tempo, ging er die paar Schritte noch und bekam nur den Rücken des Moderators zu sehen, der heute eine blaue Jacke trug.
"Entschuldigen Sie", machte Richie auf sich aufmerksam und die Person fuhr herum. Als die Blicke sich trafen, stand wieder einmal alles still und Richard hätte fast die Ski fallen gelassen, als er dann endlich sich dazu brachte, ein kurzes und knappes Hey herauszubringen. Von ihr kam es nicht anders und schon zog sie ihn näher, als ihr der Kameramann deutete, dass es losging. Richard war etwas überrumpelt von der ganzen Situation, ließ es sich aber nicht ankennen. Er versuchte es zumindest.
Das Interview, wie soll man sagen, war eines der entspanntesten die er je geführt hatte. Mit einer wirklichen Lockerheit, hat er seine Antworten rausgeworfen und nun legte sie das rote Mikrofon auf den Tisch nieder. Sie atmete tief durch, stützte sich mit beiden Armen an der Tischkante ab und sah zu Richard, der nur eine Frage parat hatte. Die war aber nicht an Susanne gerichtet.
"Ist die Kamera aus?"
Der Mann hinter dem monströsen Gerät nickte und wusste nicht ganz, worauf der Skispringer hinaus wollte, doch zu einer weiteren Frage kam er nicht. Schon hatte Freitag auch schon die Ski niedergelegt und war dabei, Susanne zu küssen. Nicht nur oberflächlich. Wirklich lang. Andreas, der nur wenige Meter neben ihnen stand, musste sich das Lachen verkneifen.
Der Platzsprecher rief wieder eine neue Bestweite auf und sie drückte sich leicht von Richard.
"Daniel André Tande hat dich gerade überholt", sagte sie mir einer leichten Empörung, als würde es Richard gleichgültig sein, den ersten Platz gerade verloren zu haben. Doch er lächelte nur. Strahlte seine Freude nach draußen, die er nie für möglich glaubt hätte, sie wiederzufinden. Susanne wiederzufinden.
"Das hab ich vorher schon gewusst", lachte er kurz und verstummte, als sie nun ihm einen Kuss auf die Lippen drückte...
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