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Kapitel 6

Die Prozedur war immer die gleiche. Mum kam gegen Mittag nach Hause und verließ das Haus gegen acht Uhr abends wieder. Eigentlich sah ich sie kaum noch, die wenigen Stunden die sie hier war verbrachte sie hinter den Vorhängen, wie um sich vor mir abzuschirmen. Ich nahm es nicht persönlich, wirklich, ich versuchte es. Aber sie fehlte mir, jemand fehlte mir, jemand mit dem ich reden konnte, der die Zeit mit mir verbracht und die endlos langen Tage etwas verkürzte. Die Schule wäre wohl eine Möglichkeit gewesen, aber das schlug ich mir schnell wieder aus dem Kopf. Ich konnte nicht und wollte auch nicht dorthin. Zum einen weil ich die Gesichter der anderen nicht ertragen konnte, ihre mitfühlenden Mienen die so falsch und durchschaubar waren. Zum anderen, weil ich einfach keinen Sinn mehr darin sah. Ich brauchte keine Ausbildung, wenn morgen mein letzter Tag sein konnte.

Mum erschien auch nicht mehr in der Arbeit, wie auch, wenn sie den ganzen Tag weg war oder sich hier versteckte. Aber von etwas mussten wir ja leben, denn ich bezweifelte dass ihr stetiges Einkommen weiter gezahlt werden würde wenn sie das Haus nicht verließ.

Deshalb übernahm ich das für sie, irgendwas musste ich ja tun denn ich war keine die einfach tatenlos dasitzen konnte und zusah wie wir dem Abgrund immer näher kamen. Ich wanderte jeden Tag zum Markt und kaufte Lebensmittel, etwas für uns und dann noch etwas für meine Idee. Milch, Eier, Mehl, soweit das aufzutreiben war. Daraus zauberte ich zu Hause süß schmeckende Köstlichkeiten, kleine Kuchen und Muffins, von dessen Verkauf wir wenigstens eine Weile leben könnten.

Wie auch gestern und vorgestern war ich heute wieder dorthin unterwegs. Es war früh morgens, die meisten Leute schliefen noch aber ich wusste, dass das die beste Zeit war um einzukaufen, so konnte ich sicher sein dass die Sachen frisch waren und brauchte mich nicht in die langen Schlangen vor den Ständen stellen.

Ich erreichte den Markt gerade als der erste Händler seinen Stand aufbaute, die aufgehende Sonne verströmte gerade so viel Helligkeit, dass ich die Produkte darauf ausmachen konnte. Alles was ich brauchte, perfekt. Aber ich war nicht die einzige die die Vorteile dieser frühen Uhrzeit schätzte und so tummelten sich schon mehr Leute als mir lieb waren auf dem Platz, der zwischen leerstehenden Häusern und der alten Kirche trostlos wirkte. Würde hier nicht jeden Tag der Markt stattfinden, könnte man denken die Stadt sei fast ausgestorben.

Ich drängelte mich an einem wartenden Mann vorbei und erreichte schließlich den Händler, bei dem ich sonst auch immer einkaufte. Ich war ihm schon wohlbekannt und er deutete sofort auf die Produkte die ich normalerweise immer mitnahm.

„Ja, bitte." Ein Nicken. Mit Jacob hatte ich mal eine Wette abgeschlossen, ob der Mann wohl stumm war oder nicht, denn seit ich klein war kamen wir mit meiner Mum hierher und hatten ihn noch kein einziges Wort sprechen hören. Das wäre nicht ungewöhnlich, es gab viele Infektionen bei denen Stummheit nur eine der geringeren Folgen war. Aber dann war ihm einmal eine Melone vom Stand gekullert und auf seinen Fuß gefallen. Er hatte geflucht wie verrückt und deshalb nahm ich an, dass er einfach keinen Kontakt suchte. Für manche war das ein Weg, den Schrecken auszublenden.

Ich öffnete gerade meine Tasche und wollte die Sachen verstauen, als mich jemand von hinten anrempelte.

„Hey, pass doch auf." Ich drehte mich um und blickte einem Jungen ins Gesicht, wohl nicht viel älter als ich, der sich ohne auf die anderen zu achten an mir vorbeidrängelte.

„Georgio, hast du die Lieferung?" Der Verkäufer nickte und griff hinter dem Stand. Ich war plötzlich nicht mehr wichtig, und meine Einkauf schon gar nicht.

„Geht's noch? Siehst du nicht dass ich vor dir hier war?" Wenn ich eines nicht abkonnte, dann war es die Herablässigkeit, mit der er sich wie selbstverständlich an mir vorbeigeschoben hatte. Aber ich wusste mich zu wehren, hatte das nur zu oft miterlebt und war es satt.

„Reg dich nicht, auf, bin gleich wieder weg." Er blickte mir nicht mal ins Gesicht und nahm die Tasche entgegen, die Georgio, wie ich nun erfahren hatte, für ihn vorbereitet hatte.

„Darum geht es nicht, hat dir deine Mutter nicht beigebracht dass man wenigstens ein bisschen Respekt vor anderen Leuten hat?" Abrupt drehte er sich zu mir um und ich stolperte vor Schreck einen Schritt nach hinten.

„Meine Mutter ist bei meiner Geburt gestorben, also nein. Mir hat keiner was beigebracht."

Ich wollte etwas sagen, konnte aber nicht. Jetzt sah er mir in die Augen und ich musste sagen, er sah wirklich nicht schlecht aus. Komisch, dass ich ihn hier noch nie gesehen hatte? Vielleicht kam er aus einem anderen Stadtviertel? Georgio schien ihn auf jeden Fall nicht zum ersten Mal zu sehen.

„Es tut mir Leid..." Aber er war schon weg, machte sich nicht die Mühe mich weiter anzuhören und schob sich durch die Leute, bis er aus meinem Blickfeld verschwunden war. Ich sah ihm wie hypnotisiert nach.

„Und? Kaufst du jetzt was?", fragte mich die Dame hinter mir während sie ungeduldig auf ihren Füßen auf und ab wippte. „Hier wollen auch noch andere einkaufen, weißt du?"

„Sorry, ja." Ich bezahlte bei Georgio und lief dann in die Richtung, in der der Junge verschwunden war. Ich wusste nicht, warum ich das tat, die Chance, ihn noch anzutreffen war verschwindend gering. Außerdem, was wollte ich überhaupt von ihm?

Es war eher ein intuitives Gefühl gewesen, das mich so überkommen hatte. Er hatte mich fasziniert, seine braunen Haare und die blauen Augen schienen partout nicht aus meinem Kopf verschwinden zu wollen.

Während ich in die völlig falsche Richtung lief, fragte ich mich, ob ich ihn wohl wieder sehen würde. Vielleicht auf dem Markt? Ich suchte die Straße ab, aber ich kam mir dabei ziemlich dumm vor. Ich sollte nach Hause, bevor Mum zurückkommen würde.

Schließlich machte ich mich auf den Heimweg und versuchte mich mit einem Rezept abzulenken, das mir gestern schon durch den Kopf gegangen war.

Die Sonne war inzwischen aufgegangen und ich war, trotz meines sonst so gut durchstrukturierten Zeitplans, zu spät dran. Die Muffins mussten bis heute Mittag fertig werden, sonst hatte ich schlechte Chancen auch nur das halbe dessen was ich sonst damit verdiente, einzunehmen.

Ich breitete die Zutaten auf unserem Tisch aus und mischte die Eier mit der Milch und dem Mehl zusammen. Das Backen war eine Art seelischer Ausgleich für mich, ich musste mich ganz auf das hier und jetzt konzentrieren und konnte keine negativen Gedanken zulassen. Das war beruhigend und gleichzeitig brachte es uns Geld ein, also die perfekte Lösung.

„Gaaaaby?" Mum. Sie kam durch das geöffnete Tor hereinspaziert und stolperte fast als sie die Garagenschwelle übersah.

„Huch", sie kicherte. Ich ließ den noch nicht fertigen Teig stehen und stützte sie, während sie sich wieder aufrappelte und ihre Schuhe auszog. Mum sah schlimm aus, sie hatte tiefe Schatten unter den Augen ihr Haar war völlig durcheinander.

„Was machst du denn hier, müsstest du nicht in der Schule sein?"

„Ich backe", ich deutete auf den Tisch. Ich hatte ihr nichts von unserer zusätzlichen Einkunft erzählt, weniger wegen ihres Zustands sondern weil ich einfach keine Gelegenheit gehabt hatte.

„Du müsstest doch bei Jacob sein, oder?" Ihre Wangen waren gerötet, ihre Aussprache nicht so klar wie sonst. Sie hatte getrunken.

„Mum, es ist acht Uhr morgens und du bist betrunken?"

„Gabs, du weißt doch wie schwer es für mich ist..." Anscheinend hatte sie doch noch genügen Gehirnkapazität, um sich daran zu erinnern, dass Jacob keinen Babysitter mehr brauchte.

„Nein, weißt du, die erste Woche habe ich es noch verstanden. Aber jetzt? Es ist..."

„-Vierunddreißig Tage.""

„Ja, vierunddreißig Tage her und ich kann nicht mehr zusehen, wie du dich in deiner Trauer ersäufst. Verdammt, mir geht es auch scheiße, okay? Aber wir müssen weiterleben und ich hätte dich die letzten Wochen so dringend gebraucht. Hast du ganz vergessen, dass es mich auch noch gibt?" Den letzten Satz flüsterte ich und war mir nicht ganz sicher, ob Mum ihn überhaupt verstanden hatte.

„Gaby, ich sehe einfach keinen Sinn mehr. Das Leben ist es nicht mehr wert, gelebt zu werden." Mir stiegen Tränen in die Augen, nicht wegen der Dramaturgie ihrer Worte sondern weil ich komplett gestrichen war, sie hatte mich vergessen.

„Aber wir sind doch bisher noch mit allem fertig geworden."

Sie antwortete nicht, sondern schwankte zum Tisch und versuchte sich festzuhalten, dabei stieß sie die Schüssel mit dem Teig um, der sich daraufhin großzügig auf dem Boden verteilte.

„Mum! Du bist gekündigt, siehst du das?" Ich wedelte mit dem Schreiben vor ihrer Nase herum, dass bereits gestern eingetroffen war. Von ihrer Schule, ich brauchte ihn nicht zu öffnen um zu wissen was darin stand.

„Leg das weg."

„Nein, nein, das werde ich nicht tun!" Aber es hatte keinen Sinn mit ihr in diesem Zustand zu diskutieren, das wusste ich genau. Ich musste wohl oder übel bis heute Abend warten und sie dann im nüchternen Zustand damit konfrontieren. Das Erschreckende war nur, dass ich daran zweifelte, ob sie anders reagieren würde. Ob sie dann nicht genau das selbe sagte.

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