Chào các bạn! Vì nhiều lý do từ nay Truyen2U chính thức đổi tên là Truyen247.Pro. Mong các bạn tiếp tục ủng hộ truy cập tên miền mới này nhé! Mãi yêu... ♥

8 | Vom Müssen & Können

Das Haus meiner Eltern war ehemals das Haupthaus des alten Hofes, den sie zusammen mit meinen Großeltern zu einem Mehrgenerationenhaus ausgebaut haben. Während meine Eltern mit uns Kindern in dem größten Teil des Hauses wohnten, hatten meine Großeltern das Nebengebäude altersgerecht ausgebaut. Auch wenn in den letzten Jahren einige Modernisierungsarbeiten, wie die neue Heizung, durchgeführt worden waren, hatte das Haus von seinem alten Bauerncharme noch nichts verloren.

Als Jules und ich das gemütliche Wohnzimmer verlassen, kommen wir direkt in den großzügigen Flur, zu dessen rechter Seite die große alte Küche mit dem Blick in den Garten abgeht. Neben dem Flur ist eine Tür, die den Bereich zum Treppenaufgang abtrennt. Ich gehe darauf zu und beginne, die Stufen emporzusteigen. Sie sind sehr schmal und man muss sich am Geländer festhalten, um nicht abzurutschen. Als Kind fand ich diese steile Treppe großartig. Oft haben wir uns eine alte Turnmatte genommen und sind von oben nach unten einfach hinuntergerutscht. Das Poltern und die Freudenschreie haben meine Eltern irgendwann so sehr genervt, dass sie die Tür am unteren Treppenaufsatz eingebaut haben. Zum einen diente diese als Lärmschutz, zum anderen mussten wir nun viel vorsichtiger die Treppe runterrutschen, bis uns irgendwann die Lust daran verging.

„Halte dich gut fest", sage ich an Jules gewandt, der nun direkt hinter mir die Treppe hinaufsteigt. Als wir den oberen Treppenabsatz erreicht haben, wende ich mich zuerst nach rechts und gehe ein kurzes Stück den Gang runter. Am Ende zeige ich auf eine Tür auf der rechten Seite, die in das größte Zimmer führt, dessen Fenster auf den Hof hinaus gehen.
„Das Schlafzimmer meiner Eltern", kommentiere ich kurz, da ich die Tür verschlossen lasse. Dann drehe ich mich zur gegenüberliegenden Tür um und drücke die Klinke. Das Zimmer zeigt in den Garten und beherbergt neben einem Schreibtisch mit Computer ein großes Regal mit Büchern und Ordnern. Das Gästebett, auf dem Onkel Albert schlafen wird, steht auf der Längsseite des Raumes.

„Das war mal Arthurs Zimmer", erkläre ich. „Nun schläft Onkel Albert hier. Er lebt inzwischen in der Nähe von Hannover und muss ebenfalls wegen der Staus immer vorher anreisen." Jules nickt. Als ich den Raum wieder verlassen will, bleibt er im Türrahmen stehen und wir prallen kurz aneinander.
„Entschuldige", nuschelt er und geht dann in den engen Flur zurück, auf dem ich mich umständlich an ihm vorbeidrücke. Vielleicht genießen wir beide auch ein wenig, so einander näher zu sein.

„Komm, ich zeig dir, wo du heute Nacht schläfst!" Wir gehen den Gang wieder zurück, bis fast vor den Treppenabsatz und kommen an eine Tür auf der rechten Seite. Auch dieses Zimmer besitzt einen Blick auf den Garten. Ich bin ein wenig aufgeregt, als ich die Klinke herunterdrücke und die Tür in den Raum stoße. Wie ich vermutet habe, sitzen zwei meiner großen Teddys noch immer auf dem Kopfkissen meines Bettes und blicken uns interessiert an. Auch wenn ich lange Zeit nicht mehr mit ihnen gespielt habe, habe ich es nicht übers Herz gebracht, sie wegzugeben oder auf den Dachboden zu verbannen, wie all mein anderes Kinderspielzeug.

Natürlich fällt sein Blick sofort auf die verkuschelten Stofftiere und er lächelt ihnen freundlich zu. „Wer sind denn die zwei süßen Bären?", fragt er an mich gewandt und geht auf das Bett zu. „Das sind Tom und Jerry", nuschele ich ein wenig peinlich berührt und schließe die Tür hinter uns. Jules setzt sich wie selbstverständlich auf das Bett und nimmt Jerry auf den Schoß. „Ich hatte auch mal genauso einen Bären", gesteht er und streichelt ihm sanft über den abgegriffenen Kopf. „Meiner hieß ziemlich uninspiriert einfach nur Bruno", sagt er und ich gehe auf ihn zu, um mich neben ihm auf das Bett zu setzen.

„Du hattest einen?", frage ich nach. „Hast du ihn heute nicht mehr?" Jules streichelt erneut über den Kopf des Bären und sieht mich dann traurig an. „Meine Eltern, waren der Ansicht, dass man mit vierzehn Jahren nicht mehr mit Kuscheltieren zu spielen hat. Sie haben alle meine Lieblinge der Wohlfahrt gespendet. Mein einziger Trost war, dass nun vielleicht ein anderer kleiner Junge meinen Bruno genauso lieb hat, wie ich ihn hatte."

Ich schlucke. Der Gedanke, dass jemand meine Teddys einfach verschenken würde, macht mich traurig und wütend zugleich. Auch Jules scheint in diesem Moment mit den Tränen zu kämpfen. Instinktiv lege ich meine Hand auf seinen Rücken und beginne, ihn zu streicheln. Er zwingt sich zu einem Lächeln. „Ist schon okay", sagt er tapfer. „Ich bin nun wirklich zu alt für Kuscheltiere."

Vehement schüttele ich den Kopf. „Man ist niemals zu alt für Dinge, die man liebhat", sage ich bestimmt. Nachdenklich nickt er. „Vielleicht hast du recht. Wir konzentrieren uns im Leben manchmal viel zu sehr darauf was alles sein ‚müsste' und viel zu wenig darauf, was sein ‚könnte'. Obwohl uns das ‚müsste' meistens weniger glücklich macht als das ‚könnte'. Ergibt das Sinn?" Etwas ratlos sieht er mich an. „Das ergibt sehr viel Sinn." Besonders wenn ich daran denke, was ich nun mit Jules tun ‚könnte', mich aber für meine Schwester zurücknehmen ‚muss'.

„Wenn du doch mal wieder deine Familie in Süddeutschland besuchen solltest", fällt mir spontan ein, „komme mich doch auch mal besuchen. Wir könnten gemeinsam ausgehen, wenn du möchtest."
„Ein Date?" Jules zieht überrascht seine Augenbraue hoch. Dabei wippen seine blonden Locken lustig auf und ab. „Date, Besuch, Treffen... Nenn es wie du willst. Hauptsache, du kommst."
„So langsam habe ich das Gefühl, du willst mich deiner Schwester ausspannen", grinst er amüsiert.
„Ihr seid ja gar nicht richtig zusammen", korrigiere ich trocken.
„Richtig!", bestätigt er und rückt ein Stück näher an mich heran. Unsere Beine berühren sich leicht. Meine Hand, die seinen Rücken gestreichelt hat, landet frech auf seiner Schulter.

„Und was machen wir nun?", flüstere ich leise, als ob ich nach einem Geheimnis frage.
„Ich wüsste schon, was wir tun könnten", flüstert er zurück und legt seine Hand auf meinen Oberschenkel. Eine warme Welle durchflutet meinen Körper. Sein Gesicht ist mir auf einmal so nah, dass es nur ein Atemzug von meinem entfernt ist.
„Das könnten wir...", höre ich mich sagen, obwohl ich mit den Gedanken bereits beim nächsten Schritt bin. Vorsichtig lege ich meine freie Hand auf seine perfekte Wange und schließe die Augen.

Bạn đang đọc truyện trên: Truyen247.Pro