
Prolog
Wellen türmen sich auf. Bis zu den Wolken reichen die Schaumkämme. Blitze jagen nieder, zerreißen Luft und Wasser, Funken und Gischt. Der Ozean brüllt. Er ist in einem Kampf gegen den Sturm und er droht ihn zu verlieren. Er bäumt sich auf, immer und immer wieder.
Da taucht eine Kante im Schwarz des Wassers auf. Sie reckt sich aus dem Nass und zieht eine Plattform hinter sich her. Ein Koloss aus Beton entwächst dem Ozean. Plattformen schieben sich wie Dornen aus dem Grau. Auf jeder von ihnen führt eine Tür ins Innere. Es sind schwere Eisentüren, mit runden, dicken Fenstern. Eine von ihnen, auf dem höchsten Dorn, öffnet sich. Nur einen Spalt, aber das reicht für die zierliche Gestalt aus, die sich durch ihn hindurch in das Freie drängelt.
Sie klammert sich an ein Rohr, muss sich bemühen, nicht vom Sturm weggeweht zu werden. Da jagt ihr eine Böe den Umhang vom Kopf. Goldene Locken und das Antlitz eines Mädchens kommen zum Vorschein. Ein Blitz schlägt ein, wenige Meter von ihr entfernt. Sie blickt zum Himmel und ruft etwas, doch ihre Stimme ist zu leise. Der Donner antwortet indes grölend.
Das Mädchen blickt sich um. Dann nickt sie und lässt los. Und obwohl der Wind sie eben noch zu zerreißen drohte, steht sie nun stabil, als wäre jede ihrer Zellen zu Eisen geworden. Das Mädchen geht zur Spitze der Plattform und blickt hinab. Sie sieht schwarze Wellen, Ungeheuer, die sich ihr gierig entgegenstrecken. Das Mädchen wünscht sich, sie hätte eine andere Möglichkeit, aber sie weiß, dass es keine andere Möglichkeit gibt. Sie holt tief Luft. Und sie schließt die Augen. Und sie springt.
Lange nachdem die See sie verschluckt hat, zerreißt ein neues Geräusch den Nachthimmel. Das Schreien einer Sirene.
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