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Mo

Mo hustete den Staub aus seinen Lungen, der ihn daran hinderte tief einzuatmen. Er fühlte sich, als würde er jeden Moment ersticken, so schwer war die Luft. Was würde er für einen der Mundschütze geben, die manche seiner Mitarbeiter trugen. Einen dieser Mundschütze, die man an den Ständen vor den Mienen erwerben konnte. »Nur drei Münzen«, lauteten die Worte, mit denen geworben wurde. Drei Münzen, die die meisten Männer unter keinen Umständen entbehren konnten.

Und dabei konnten sich die Arbeiter hier in den Mienen noch glücklich schätzen. Immerhin waren sie bis jetzt immer bezahlt worden, was man keineswegs von allen Mienen behaupten konnte. Nicht selten erfuhr man von Mienen, die plötzlich geschlossen werden mussten, weil sie einzustürzen drohten. Mienen, dessen Arbeiter mit keiner Münze entlohnt wurden, da man die Schuld für die Erdrutsche bei den Arbeitern sah und nicht in den kaum durchdachten Plänen, dem zerbröckelndem Fels oder gar bei den Arbeitsutensilien, die schon in einem schäbigen Zustand waren, wenn sie von den Verantwortlichen bereitgestellt wurden.

Sehnlichst wünschte sich Mo zurück an die Erdoberfläche, wo sich über ihm der weite Himmel erstreckte. Wo er die Sträucher im Wind rascheln hörte und nicht nur das stetige Geräusch von auf Stein kratzendem Metall. Wo er nicht von allen Seiten von einer dicken Schicht Schlamm, Erde und Stein umgeben war. Wo sein Ruf nicht von allen Seiten nach ihm schrie. Wo sein Inneres nicht tobte und ihn anflehte seine Kraft nach der Erde auszustrecken.

Mo liebte die Erde. Liebte es Klumpen umzudrehen, ohne sie zu berühren, liebte es seine Zehen tief darin zu vergraben, bis er sie nur noch mithilfe seines Rufes befreien konnte, liebte es die Erde beben zu lassen, bis die Bäume wackelten und die Vögel sich von ihren Ästen in die Lüfte hoben. Mo liebte die Erde. Und die Erde liebte ihn.

Doch die Erde wurde ungeduldig, wenn er sie ignorierte, wie er es in den Mienen tun musste. Sie lechzte nach seiner Energie, wand sich unter seinen nackten Füssen, bat ihn, mit ihr zu spielen. Wie gerne hätte Mo dem Drang nachgegeben. Wie viel schneller er seine Arbeit hätte erledigen können, wenn er doch nur seinen Ruf hätte einsetzten können. Er hätte die Augen geschlossen, sich vorgestellt, wie die Erde sich teilte, wie der Felsen sich spaltete, der Schlamm wich. Einen Funken Magie und schon hätte sich ein Stollen vor ihm aufgetan. Und im Gegensatz zu den unstabilen Löchern, welche die Arbeiter mit ihren verrosteten Schaufeln gruben, hätte Mo für die Sicherheit seiner Stollen garantieren können.

Nur durfte niemand von seinem Ruf erfahren. Noch lieber ließ man einen Einbeinigen in die Mienen als einen Gerufenen. Gerufene waren gefährlich, sie waren unberechenbar. Jemandem, den man nicht kontrollieren konnte, gab man weder Arbeit noch Münzen.

Unter anderen Umständen hätte Mo vielleicht versucht, sein Schicksal zu ändern. Hätte versucht, sich zur Akademie der Gerufenen durchzuschlagen und gehofft, dass sein Ruf ihn für eine Ausbildung qualifizierte. Gerufene wurden landesweit verlacht und doch konnte Mo nicht umhin, die Gestalten aus den Geschichten zu bewundern, die mit einem Fingerschnippen Kriege entschieden, mit einem Blinzeln Bäume aus dem Boden schießen ließen und mit einer Berührung sanft wie ein Kuss ein Leben nahmen.

Mo wusste, dass sein Ruf kein ausgeprägter sein konnte, kein Ruf mit dem er zu einer Legende werden konnte, kein Ruf, der ihm einen sicheren Platz an der Akademie garantierte. Und keineswegs ein Ruf, der Münzen einbrachte.

In einem anderen Leben, einem Leben in dem nichts eine Rolle spielte außer sein eigenes Streben nach Glück, ja, in einem solchen Leben hätte Mo es vielleicht darauf ankommen lassen, ob er es mit seinem Ruf irgendwo hin brachte, aber in diesem Leben, in dem es für den jungen Mann nichts wichtigeres gab, als das Wohl seiner Brüder und Schwestern, in diesem Leben atmete Mo die Staub der Felsen, schlug tapfer Löcher in die Wände und beklagte sich nicht, wenn die Münzen, die er am Ende des Tages zugesteckt bekommen würde, nur knapp ausreichte, um ein Abendessen auf den Tisch zu bringen.

Es war ein Leichtes, in den Mienen das Zeitgefühl zu verlieren. Wie sollte man auch am Himmel die vier Sonnen beobachten, an deren Stand man die Tageszeiten maß? Wie immer blieb den Arbeitern nichts anderes übrig, als sehnlichst auf den hellen Glockenschlag zu warten, der das Ende eines Arbeitstages verkündete.

Mit müden Gliedern und zerschundenen Händen kletterte Mo aus den Stollen ins Freie. Er spürte die Erschöpfung in jedem Muskel, fühlte den Dreck auf seiner Haut. Die letzten Sonnenstrahlen von Pulz verschwanden hinter den Unüberwindbaren Bergen, ließen ihr goldenes Licht über den kargen Marktplatz fallen. Die meisten Stände hatten geschlossen und die, die noch geöffnet waren, hatten beinahe alle ihre Ware verkauft. Manche bettelten einen Verkäufer um ein kleines Stück Brot an, die Verkäufer blieben unnachgiebig. Nicht weil sie von Natur aus böswillig waren, nein, aber es ging ihn kaum besser als dem restlichen Volk neben den Mienen. Gutherzigkeit war ein Luxus, den man sich nicht leisten konnte.

Wie jeden Tag schritt Mo zielstrebig auf einen Stand am hinteren Ende des Platzes zu. Der Wagen war leicht zu erkennen, er stach bunt hervor neben den kahlen Stadtmauern. Die Stadt Heli – vielleicht sollte man sie auch besser als Dorf bezeichnen – war einst das Zuhause wohlhabender Kaufmänner gewesen. Jede Woche hatte man Fester veranstaltet, man hatte die Mauern mit farbigen Tüchern geschmückt, Laternen von Turm zu Turm gespannt und auf dem Markplatz getanzt, bis die Füße mit Blasen gesprenkelt waren.

Mo erinnerte sich an diese Zeiten. Wie oft hatte er durch die Torbögen gespienzelt und prächtigen Gewänder der Männer und Frauen bewundert. Besonders lieb waren ihm Feste der Götter gewesen, auch wenn er bis heute nicht wusste, warum man sie Feste der Götter nannte. Niemand in Heli hatte an die Götter geglaubt; man glaubte an die Münzen in den Taschen, die Perlen an einem zierlichen Hals und die Rubine, die in ein Kleid eingenäht waren.

Immer wenn ein Fester der Götter gefeiert worden war, hatte Mo sich hoch auf die Stadtmauern geschlichen, um die Lichter zu sehen, die man in hohem Bogen in den Himmel schoss. »Den Göttern entgegen«, sagte man stets. Mo verstand die Redewendung nicht.

Von dem damaligen Prunk war nichts übrig geblieben außer Erinnerungen. Bald waren fünfzehn Jahre vergangen, seit in Heli zum letzten Mal ein Fest abgehalten wurde. Was sollte man auch feiern? Den Untergang der Stadt? Den Hunger seiner Bürger? Niemand ließ Münzen springen, um sich ein festliches Gewand zu kaufen, wenn Zuhause hungrige Müder warteten.

Sich aus seiner Träumerei befreiend trat Mo auf einen der wenigen Stände zu, die er noch aus seiner Kindheit kannte. Er lächelte der Frau im Inneren des Wagens zu, hoffte wie an jedem anderen Tag auch, dass sie etwas für ihn beiseitegelegt hatte. Die Münzen, die er sich heute verdient hatte, legte Mo auf den Tresen. Er wusste nicht, wie viel seine Münzen in den vergangenen Zeiten wert gewesen wäre, vielleicht hätte er sich dafür einen exotischen Vogel leisten können, vielleicht nicht mal eine kühle Erfrischung. Was Mo dafür genau wusste, war, dass ihm seine Münzen jetzt einen großen Laib Brot, ein Stück Käse und mit ein bisschen Glück sogar ein paar frische Tomaten einbrachten. Falls es noch Tomaten gab.

Die Verkäuferin zählte mit grimmigem Gesicht seine Münzen. Als würde Mo nicht täglich mit derselben Anzahl davon bei ihr auftauchen. Sie nickte, bemühte sich nicht um eine Konversation und händigte ihm ein kleines Paket, das sie ganz unten in ihrem Regal aufbewahrt hatte. Er blickte hinein. Keine Tomaten. Er dankte ihr trotzdem.

Mo kehrte dem Stand den Rücken und trat den Weg nachhause an. Durch das halb eingebrochene Tor vom Marktplatz weg, durch die Gasse, die so schmal war, dass man sie kaum noch Gasse nennen konnte, vorbei an den vielen Steinhütten, in denen mehr Menschen wohnten, als auf so kleiner Fläche wohnen sollten, und dann hinein die kleine Nebenstraße, an der die Hütte stand, die Mo mit seinen Geschwistern bewohnte.

Noch bevor er ganz durch den Türrahmen getreten war, sprang ein kleiner Junge in seine Arme, der mit großen Augen nach Tomaten fragte. »Heute nicht, aber wer weiß, vielleicht ja morgen«, tröstete ihn Mo.

»Vielleicht morgen«, wiederholte der Kleine und wand sich in Mos Armen, bis ihn dieser auf dem Boden absetzte, was aber nur dazu führte, dass sich der Junge mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht an das Bein seines Bruders klammerte und darauf beharrte, durch den Wohnraum geschleift zu werden. Die Schwester lächelte, die Sorgenfalten, die auf einem so jungen Gesicht noch nicht hätten sein sollen, verschwanden für einen kurzen Augenblick.

In diesem Leben war Mo kein Held, der die Welt rettete und dessen Name auf Markplätzen gewispert wurde. Aber er war der Held seines jüngsten Bruders, wenn er diesen auf seinen Knien auf und ab wippte. Der Held seiner Schwester, wenn er ihr Blumen brachte, die sie in ihr Haar flechten konnte. Der Held seines zweiten Bruders, wenn er diesem beibrachte, wie man die Steine über den See schlitterte. Er war kein Held, zu dessen Andenken man Statuen aus Stein meißelte, aber er war genau der Held, den er sein wollte.

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