
01
Jedermanns Geschichte beginnt irgendwo.
August 1950
„Es wird merkwürdig sein",murmelte die jüngste der drei Schwester, den Kopf zwischen den Schultern eingezogen. Sie versuchte verzweifelt den Verschluss ihres Koffers zu schließen, während sie sich zusammenreißen musste, um nicht in Tränen auszubrechen. Ob es an der Verabschiedung lag oder daran, dass der verdammte Koffer sich nicht schließen lassen wollte, war nicht mit Gewissheit zu sagen. „Mir gefällt der Gedanke einfach nicht, wisst ihr? Es fühlt sich nicht richtig an."
"Bitte fang nicht an zu weinen",ermahnte die Älteste sie und sah mit strengen Blick auf die Kleine herunter. "Sonst muss ich Dippet doch noch bitten, mich wieder in die Schule zu lassen."
"Dippet würde das gefallen. Er sammelt die Gaunts ja förmlich in der Schule, als wären wir Sammelkarten",die Zweitälteste, die noch immer auf ihrem Bett lag und nicht Anstalt machte aufzustehen, begann in ein schallendes Gelächter auszubrechen. Ihre ältere Schwester sah sie tadelnd an, die Jüngere begann nun wirklich zu weinen. Die beiden Älteren rissen sofort die Köpfe herum und betrachteten die Jüngste. Genervt, ohne sich aufzusetzen, schüttelte die Mittlere den Kopf. "Du bist zu empfindlich, Asteria."
"Ich will einfach nicht ohne Theodosia nach Hogwarts",entgegnete Asteria mit bebender Unterlippe, während sie nur noch wütender an ihrem Koffer zu zerren begann.
"Bei Merlin, mach nicht den Koffer kaputt. Lass los, ich mach das",Theodosia, die Älteste, zog ihren Zauberstab und schwang ihn. Sie genoss es, dass sie ihn jetzt endlich außerhalb der Schule benutzen durfte, weshalb sie es so oft wie möglich tat. Asteria ließ sofort von ihrem Koffer ab und beobachtete, wie er sie ganz von alleine verschloss. Trotz der Hilfe sah er so aus, als wäre er kurz vorm Platzen. Theodosia schüttelte erneut den Kopf. "Du musst in Zukunft weniger einpacken, Asteria. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken du hättest dein Bett eingepackt."
Doch das hatte sie nicht. Nein, Asterias Bett stand gleich neben ihr. Sie und Marilla, die mittlere Schwester, mussten sich ein Zimmer teilen. Einst hatte auch Theodosia darin gelebt, doch inzwischen war sie aus dem Raum ausgezogen und hatte ihren eigenen bekommen. Schließlich war sie nun offiziell erwachsen und hatte ihren Abschluss gemacht.
Asteria erhob sich schwankend vom Boden und schüttelte den Kopf, während sie sich die tränennassen Wangen trocken strich und schniefte.
"Aber was willst du denn überhaupt machen, wenn wir weg sind?",fragte Asteria, wobei sie sich auf ihr Bett fallen ließ, dass gegenüber von dem ihrer Schwester Marilla stand. Theodosia begann zu lächeln, steckte ihren Zauberstab weg und setzte sich dann ans Bettende des großen Betts, um nach Asterias Hand zu greifen und sie zu drücken.
"Mach dir um mich keine Sorgen. Ich werde schon einen Beschäftigung finden",erklärte Theodosia mit sanfter Stimme, ehe sie die Miene verzog. "Kümmere du dich in Hogwarts lieber um Marilla, damit sie auch schön brav lernt und ihre UTZs besteht."
"Ich bitte dich!",empört schnappte Marilla nach Luft, ehe sie sich stocksteif aufsetzte und ihrer älteren Schwester einen bösen Blick zuwarf. "Gibt es deines Erachtens nach einen Grund zur Annahme, dass meine UTZs in irgendeiner Weise in Gefahr schweben?"
"Natürlich nicht",entgegnete Theodosia mit einem gekonnt besänftigenden Lächeln, wobei sie sich zu ihrer Schwester umdrehte. "Ich glaube nur, dass dir deine Faulheit ein Nachteil sein wird. Wenn du mehr lernen würdest, wären deine Noten, die nicht schlecht sind, noch besser und-"
"Faulheit? Hast du Faulheit gesagt?"
"Du musst gestehen, dass du ziemlich-"
"Faul? Dass ich faul bin? Willst du das sagen?"
"Bitte nicht streiten",flehte Asteria ihre Schwestern an, bevor sie überhaupt hätten anfangen können. Marillas Stimme war nur so laut und hoch, während Theodosias Stimme beruhigend und ruhig war. Diese ständige hin und her sorgte für Kopfschmerzen aller Anwesenden. Außerdem war Asteria gar nicht auf eine Diskussion aus. "Ich mach mir trotzdem Sorgen um dich, Theo. Was willst du ohne uns tun?"
"Sie wird sich einen netten Kerl suchen, um sich die Zeit zu vertreiben und in Klubs wird sie gehen und feiern und tanzen. Jetzt wo der Krieg vorbei ist, sind die Leute andauernd betrunken",mischte sich Marilla mit einem spitzbübischen Grinsen ein. "Und wenn sie keinen Jungen finden, dann wird sie sich mit Poppy rumschlagen."
Poppy war die Hauselfin.
"Sehr witzig, Mary",Theodosia verdrehte mit einem Lächeln auf den Lippen die Augen. Sie ließ sich nicht von ihrer jüngeren Schwester provozieren, so lief das nicht. Stattdessen drehte sie sich wieder zu der Jüngsten im Bunde. "Ich werde schon eine Beschäftigung finden, mach dir bitte keine Sorgen. Genieße deine Zeit in Hogwarts, du bist auch nur noch zwei Jahre da. Du wirst es bereuen wenn du mit den Gedanken die ganze Zeit nur bei mir bist."
"Ich würde es nie bereuen, an dich zu denken",erwiderte Asteria mit einem kleinen Lächeln, dann gab sie sich jedoch geschlagen. Ihre Schwester hatte recht und das wusste sie auch. "Na gut, wenn du meinst. Aber zurück zu dem Thema mit den Kerlen."
Aufmüpfig begann sie mit den Augenbrauen zu wackeln und sich nach vorne zu lehnen. "Jemanden im Auge?"
"Abraxas Malfoy",witzelte Marilla von ihrem Bett aus mit einem frechen Grinsen auf den Lippen. "Der ist doch auf der Suche oder nicht?"
"Merlin, Abraxas ist fast zehn Jahre älter als Theo",entgegnete Asteria und schüttelte den Kopf unzufrieden. "Sie kann ihn doch nicht heiraten."
"Zehn Jahre sind nichts schlechtes. Er hat Geld, ist der einzige Malfoy in der Linie und sieht ziemlich gut aus",Marillas Grinsen wurde nur noch breiter. "Und ein älterer Kerl hat schon Erfahrung, wenn du weißt was ich-"
"Marilla!",unterbrach Theodora ihre Schwester mit einem strengen Blick. "Hör auf über so unschickliche Themen zu reden."
"Ich mein ja nur",grinste Marilla und zuckte mit den Schultern. "Du weißt, dass ich recht habe. Es gibt schlechtere Kerle als Abraxas Malfoy."
"Na wenn du der Überzeugung bist, dann kannst du ihm ja nächstes Jahr heiraten",murmelte Asteria vor sich hin und begann zu kichern wie ein kleines Mädchen. Sie setzte gerade dazu an weiterzusprechen, als sich die Tür zum Zimmer mit einem Mal öffnete. Poppy sah alle drei Mädchen durch ihre großen Augen an und schüttelte den Kopf ungläubig.
"Miss Theodosia! Miss Marilla! Miss Asteria!",rief sie erschrocken auf. "Was machen Sie denn noch hier? Sie sollten alle schon in ihren Betten liegen und schlafen, es ist schon lange nach Mitternacht."
"Ach wirklich? Wir müssen wohl die Zeit vergessen haben",Theodosia lachte gekonnt auf und klang dabei wie ein Engel. Sie drückte Asterias Hand ein letztes Mal, ehe sie sich von dem Bett erhob. "Ihr geht lieber direkt schlafen. Morgen müsst ihr schließlich früh aufstehen, wenn ihr den Zug nicht verpassen wollt."
"Kommst du morgen früh mit zum Bahnhof?",fragte Asteria fast bettelnd und blickte dabei drein, wie ein Welpe mit großen, süßen Augen.
"Versprochen",antwortete Theodosia mit einem Lächeln. Marilla verdrehte die Augen murmelte irgendwas von wegen "Klammeraffe", obwohl selbst sie in Wahrheit froh war, dass Theodosia mitkam. Asteria atmete erleichtert auf. Theodosia lächelte beide an. "Gute Nacht."
Beide erwiderten den Gruß ebenfalls lächelnd. Bald legten sich alle drei Schwestern schlafen und verfielen ihren Träumen. Theodosia in ihren eigenem, Marilla und Astoria in einem gemeinsamen Zimmer.
Die drei Schwestern waren enger miteinander verbunden, als jemals zuvor in ihrem Leben. Seit dem "Vorfall", so bezeichneten sie ihn liebevoll, waren zwar inzwischen bereits 7 Jahre vergangen, doch er hatte sie so zusammengeschweißt, dass es fast so schien, als gäbe es nicht, was die drei noch voneinander trennen konnte.
Das stimmte natürlich nicht. Früher oder später endet alles. So auch die enge Bindung zwischen den drei Schwestern des Hauses Gaunt. Das Jahr 1950 war dafür der Anfang.
Doch so weit sind wir nicht.
Noch nicht.
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louiseamalie
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