
Biss
Ace
„Verdammt Lark! Was machst du da?!", entsetzt sah ich wie Lark, der Wolf von Eason, dem Menschen in die Schulter biss. Dieser hatte bereits das Bewusstsein verloren und hing schlaff im Maul des großen Wolfs. Lark zuckte auf mein Gebrüll hin zusammen und ließ den bewusstlosen Menschen einfach fallen. Was hatte ich mir auch dabei gedacht einen so unerfahrenen jungen Beta wie ihn mit zu den Menschen zu nehmen? Angespannt schritt ich auf ihn zu und schob seinen Körper beiseite, um einen besseren Blick auf den Menschen zu bekommen. Er war ein junger aber doch recht schmaler Mann. Seine Schulter blutete stark, was bei einem solchen Biss leider kein Wunder war.
„Ben, komm mal her.", mein erster Beta kam von draußen direkt auf mich zu gelaufen und bei dem Anblick der sich ihm hier bot, stockte er kurz. Er schien sich einen Überblick zu verschaffen und schließlich landete sein Blick auf Lark. Dieser hatte sich mittlerweile in eine Ecke des Wohnzimmers zurückgezogen und wartete auf weitere Anweisungen von mir. Zweifelnd schwenkte Bens Blick nun zu mir und ich zuckte nur kurz mit den Schultern. Über Lark und Eason konnten wir auch später noch reden. Jetzt mussten wir erst einmal überlegen was wir mit dem Menschen taten. Einfach liegen lassen konnten wir ihn nicht.
„Okay... Ben, du schnappst dir Lark. Ihr sucht weiter nach dem kleinen Bastard. Ich werde solange zusammen mit Gideon den Menschen von hier wegbringen.", nach einem kurzen Nicken machten sich meine beiden Betas auch schon auf den Weg.
„Der ganze Stress und dann ist uns Jason auch noch entkommen..", murmelte Gideon, der gerade aus der Küche gekommen war, neben mir leise. Brummend stimmte ich ihm zu. Wer hätte vor ein paar Stunden schon daran denken können wie schief die ganze Sache gehen würde. Es war geplant gewesen Jason zu schnappen und dann so schnell wie möglich wieder zu verschwinden. Aber der Typ war uns mal wieder voraus gewesen. Wochenlange Suche nur damit er uns im letzten Moment wieder entwischen konnte! Wenn wir das nicht bald beendeten, dann war mein Rudel bald in ernsthafter Gefahr! Allein der Gedanke daran ließ mein Herz aus Wut und Verzweiflung höher schlagen. Es durfte nicht alles nur wegen einem einzigen dummen Wolf in die Brüche gehen!
„Ich will dich ja nicht in deinen Gedanken unterbrechen, aber wenn der Kleine hier nicht bald mal versorgt wird, dann steht es glaube ich nicht so gut um ihn...", Gideon hatte sich neben den Menschen gekniet und sah etwas besorgt zu mir auf. Ich beugte mich zu ihm und sah mir die Bisswunde etwas genauer an. Lark hatte echt gut zugebissen. So schnell würde das nicht verheilen. Aber in ein Krankenhaus konnten wir ihn auch nicht bringen. Eine solche Wunde würde nur unerwünschte Aufmerksamkeit auf uns lenken. Die Menschen im Großteil wussten zwar nichts von uns aber es gab doch immer wieder vereinzelte, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten uns zu jagen. Ob nun zum Spaß oder aus welchen Gründen auch immer. Ich konnte jedenfalls nicht noch mehr Risiken für mein Rudel in kauf nehmen! Ich stand auf und Gideon tat es mir gleich. „Es ist ja kein so großes Chaos entstanden. Kümmere du dich aber trotzdem darum, dass es aussieht als wäre hier nicht gewesen. Und vor allem das Blut muss hier weg! Ich werde mich schon mal auf den Weg machen.", damit hob ich den jungen Mann auf meine Arme und verließ das kleine Haus. Zu unserem Glück schliefen die Menschen um diese Uhrzeit noch und dunkel war es auch, da der Mond zum Großteil von Wolken verdeckt war. Somit konnte ich mich unbemerkt mit meinen überraschend leichten Gepäck auf den Weg zurück zum Rudel machen.
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Er war auf dem gesamten Weg nicht aufgewacht. Er hatte sich nicht einmal bewegt und so langsam fing ich doch an mir ein bisschen Sorgen zu machen. Die Menschen an sich kümmerten mich nicht. Ich hielt das Rudel und mich selbst so gut es ging von ihnen fern. Wir kamen sehr gut ohne ihre Techniken klar. Und da wir als Wölfe den Menschen körperlich so weit überlegen waren, dass wir nicht so schnell krank wurden oder an Verletzungen starben, brauchten wir auch keine Krankenhäuser oder Ärzte. Zumindest keine menschlichen. Wir hatten unsere Heiler. Wenn wir wirklich mal schwer verletzt wurden, dann kümmerten sie sich um das nötigste und unser Körper erledigte den Rest. Ich war gerade über die Rudelgrenze getreten, da kamen auch schon Noah und Eddie auf mich zugelaufen. Sie beide waren die Omega meines Rudels und jedes Mal, wenn ich von einer Reise oder Ähnlichem zurückkam begrüßten sie mich gleich an der Grenze. Es war für sie eine enorme Erleichterung, wenn der Alpha wieder zum Rudel zurückkehrte. Ohne ihren Alpha fühlten Omega sich zum Teil schutzlos. Deswegen ließ ich auch zu, dass ihre Wölfe um mich herum trabten und gar nicht zu bremsen waren. Erst danach bemerkten sie das Bündel welches ich herumtrug. Beide wichen etwas Misstrauisch zurück und ich nutzte die Chance den Menschen kurz abzulegen. Dabei fiel mir das viele Blut auf meiner Kleidung auf. Er hatte noch mehr geblutet als ich es zu Anfang erwartet hätte. Die beiden jungen Wölfe schlichen sich nun vorsichtig näher und beschnupperten den jungen Mann. Eddie war es, der sich verwandelte und nun neben dem Menschen saß. Omega waren im allgemeinen zwar eher Schüchtern und zurückhaltend, dennoch waren sie diejenigen Wölfe, die sich am ehesten mit den Menschen verstehen würden. Sie hatten, solange sie sich sicher genug fühlten, die Fähigkeit sich mit jedem zu verstehen. Sie waren einfach Empathiefähiger als andere Wölfe. So wunderte es mich auch nicht als Eddie seine Hand auf die Stirn des bewusstlosen Menschen legte. Doch schreckte er plötzlich zurück und sah sich die Schulter des Mannes an. Er zog die Stirn kraus.
„Ace, wie lange ist es her seitdem er gebissen wurde? Er glüht regelrecht!", fragend sah er zu mir auf und nun fiel mir auch auf wie sehr der junge Mann schwitzte. Auf den Weg hatte er wohl angefangen zu fiebern. „Egal! Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass der Biss gereinigt wird und wir das Fieber senken, sonst hat, wer auch immer ein Leben auf dem Gewissen!", gehetzt sprang Eddie auf, verwandelte sich und rannte Richtung Rudelplatz. Noah ihm gleich hinterher. Von den beiden war er der schüchternere .Ich schnappte mir gleich darauf den Menschen und lief ihnen hinterher.
Gerade am Rudelplatz angekommen kam mir Eddie auch schon wieder entgegen. Mit dabei hatte er seinen Vater. Mitch war unser Heiler. Sein schon recht graues Haar wand sich wirr um seinen Kopf und er schien wohl gerade aus seinem Schlaf gerissen worden zu sein. Es war ja auch noch recht früh am Morgen. Jedenfalls eilte er auf mich zu und besah sich sogleich den jungen Mann. „Alpha, folge mir bitte.", meinte er dann nach einer kurzen Stille etwas gehetzt und so gingen wir in seine kleine Hütte. Der Rudelplatz befand sich auf einer kleinen Lichtung im Wald und darum herum befanden sich mehrere kleine Hütten. Sie waren alt und heruntergekommen und sahen so auch nicht sonderlich ansehnlich aus. Aber sie schützten vor Wind und Regen. Mehr brauchten wir nicht.
„Leg ihn bitte hier drauf.", Mitch zeigte auf einen Platz mit ein paar ausgebreiteten Decken und so legte ich ihn dort ab. Er hatte sich noch immer nicht gerührt, nur sein Körper hatte leicht zu zittern begonnen. „Wie Eddie gesagt hatte scheint der Kleine hohes Fieber zu haben.", stellte nun auch Mitch fest. Er hatte sich ein paar Lappen zusammengesucht und diese in einer Schüssel mit kaltem Wasser aus dem See in der nähe nass gemacht. Diese legte er nun auf die Stirn des Menschen. Danach fing er an den Biss zu reinigen. Nachdem er damit fertig war drehte er sich seufzend zu mir um. „Um ehrlich zu sein Alpha, denke ich nicht, dass der Junge das überleben wird. Er ist ein Mensch und hat deshalb nicht die gleichen Heilkräfte wie wir. Dazu kommt, dass der Biss doch eine ganze Zeit lang unbehandelt geblieben ist. Viel mehr als das Fieber leicht zu senken und die Wunde sauber zu halten können wir nicht tun.", seufzend sah Mitch nochmal auf den Menschen. „Derjenige der ihn gebissen hat sollte sich zumindest bei ihm entschuldigen. Auch wenn der Kleine das wahrscheinlich nicht mal hören wird.", murmelte er noch bevor er sich wieder daran machte die kühlen Tücher zu wechseln. Eddie half ihm dabei und Noah setzte sich gleich dazu. Ich blieb noch einen Moment bis ich dann schließlich zurück zum Rudelplatz lief. Eason sollte sich beeilen. Ich wusste, dass er das nicht hatte tun wollen und wirklich böse sein konnte ich auch nicht. Er war nun mal ein junger Wolf und diese verloren manchmal die Kontrolle. Ich hätte einfach wissen müssen, dass es für ihn noch zu früh gewesen war das Rudel zu verlassen. Gerade für ihn als Beta konnte es schwer sein sich außerhalb der Rudelgrenzen zu beherrschen. Erschöpft schloss ich die Augen und überlegte wie ich ihm beibringen sollte, dass er bald einen Menschen auf dem Gewissen haben würde, als er auch schon mit Ben und Gideon auf den Platz trat. Sie waren alle drei in ihrer menschlichen Form und man konnte ihnen die Erschöpfung ansehen. Dennoch kamen sie gleich auf mich zu und erstatteten mir Bericht. „Wir haben die Spur von Jason leider nicht wieder finden können. Er ist uns auch dieses mal entwischt...", wütend sah Ben zu mir auf. Als mein erster Beta war er der Einzige der es sich traute mir so in die Augen zu sehen. Sein schwarzes Haar fiel ihm verschwitzt in die Stirn und in seinen ebenfalls schwarzen Augen brannte ein Hass von dem ich wusste, dass er nicht mir galt. Er war einzig und allein gegen den Mann gerichtet, der den Tod seiner Gefährtin zu verantworten hatte. Demjenigen der uns mal wieder entkommen war. Die anderen beiden schwiegen ebenso wie ich selbst. Egal was wir jetzt gesagt hätten, es hätte nichts verändert. Für heute konnten wir nicht mehr viel tun um Jason aufzuspüren und dafür waren sowieso alle zu erschöpft. Nachdem Ben sich wieder etwas gefangen hatte kam er auf den Menschen zu sprechen. „Wie geht es ihm? Und wie schlimm war der Biss?", er schielte vorsichtig zu Eason, der bei dem Wort Biss zusammenzuckte. „Mitch meint, dass wir nicht mehr viel tun können. Er hat Fieber und ist seit dem Vorfall nicht einmal wieder erwacht...", ich drehte mich zu Eason und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Du solltest dich zumindest bei ihm entschuldigen. Er ist bei Mitch und Eddie zuhause.", er nickte nur mit gesenkten Kopf und machte sich sogleich auf den Weg. Ich konnte nur hoffen, dass es ihn nicht zu schwer treffen würde. Denn sonst hätte ich einen Beta weniger, der das Rudel beschützen konnte und das war das letzte was wir jetzt gebrauchen konnten.
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