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Sechsundzwanzig

Es gibt ein englisches Wort, für das ich jede Übersetzung zu schlecht finde. Passion. Als kleines Mädchen war meine Passion, Dad beim Schreiben zuzuschauen und später selbst damit anzufangen. Das Schreiben war mein Ausweg aus dem Alltag, eine Ablenkung. Es verkörperte meine Träume und Sehnsüchte. Selbst mit neun liebte ich es, mir neue Geschichten auszudenken.

Jeder Mensch hat eine Passion. Das, was er als sein Schicksal auserkoren hat, sein Lebenssinn, die höchste seiner Prioritäten. Das, was ihn ausmacht. Das, was er kann.

Dann gibt es die Menschen, die mehrere Passions haben. Khan zum Beispiel. So viel ich mitbekommen habe, kocht Khan gerne, er macht Musik und poetisch begabt ist er auch noch. Ach ja, nicht zu vergessen, er spielt gerne Theater.

Andere haben diese einzige Passion, die sie vollkommen zufrieden stellt. Mikael will den Menschen helfen. Er wusste schon, als er 15 war, dass er Feuerwehrmann werden würde. Das oder Arzt. Er sorgt sich um die Menschen, um Tiere, er sorgt sich sogar um die Umwelt. Seine Passion beinhaltet sein gutes Herz. Ohne das und ohne den Drang zu helfen, wäre er nicht Mikael sondern eine ganz andere fremde Version meines Bruders.

Und dann gibt es anscheinend die dritte Kategorie. Mich. Ich habe keine Passion. Seit ich das Schreiben aufgegeben habe, vertreibe ich mir meine Zeit mit anderen Dingen. Dinge, die eben keine Passion sind. Nicht mein Schicksal. Sicher, man könnte meinen das Theater sei meine Passion. Ich liebe es zu schauspielern. Aber ich habe nicht vor Schauspielerin zu werden. Ich tue es, weil es mir Spaß macht. Es ist nicht meine Persönlichkeit. Es lässt mich nicht vergessen, wer ich wirklich bin.

In die dritte Kategorie fallen die Leute, die wie ich, ihr Leben damit verbringen nach dieser einen Passion zu suchen. Und sie nicht finden.

Als ich am Montagmittag ins Sekretariat stolziere, denke ich an genau diese Dinge. Warum versuche ich überhaupt vorzusprechen? Andere, die das irgendwann machen wollen, um sich ihren Unterhalt zu verdienen, verdienen die Rolle viel eher als ich. Andere haben mehr das Zeug dazu. Andere-

Meine deprimierenden Gedanken kommen zu einem Stopp, als ich Anne hinter der geöffneten Tür stehen sehe. Sie hält dieselben Unterlagen in der Hand, die ich mir gleich nehmen werde und unterhält sich mit unserer Sekretärin.

„Dann viel Erfolg beim Vorsprechen", sagt diese und lächelt warm. Es ist nicht seltsam, dass die beiden vertraut miteinander umgehen. Immerhin ist Anne ihre Nichte. Ich straffe die Schultern und laufe an ihr vorbei, ignoriere ihre Existenz. Es war klar, dass ich ihr früher oder später über den Weg laufen würde. Bloß hatte ich gehofft, das würde eher später als früher passieren.

„Hallo, Stew." Auch ich schenke Annes Tante ein Lächeln.

„Ich nehme an, du willst dieselben Unterlagen wie Anne", sagt sie und kramt in einem riesigen Ordner nach einem Batzen Papier. Ich nicke, obwohl ich vor einer Woche nicht mal wusste, dass Anne eine große Rolle ergattern möchte.

„Wollt ihr beide dieselbe Rolle?", fragt sie Anne, die bereits auf dem Absatz kehrt gemacht hat. Anne dreht sich zu uns um. Abwartend hebe ich beide Augenbrauen, während ich den Papierstapel entgegen nehme und in meine Tasche stecke. Eine Woche habe ich Zeit, um meine Parts fürs Vorsprechen auswendig zu lernen.

„Ich spreche für Cinderella vor", sagt Anne in diesem Moment und zuckt die Achseln. Ich halte in der Bewegung inne, überspiele meine Überraschung aber mit einem unmerklichen Kopfschütteln. Anne besucht die Theater-AG nur, um eine zusätzliche gute Note in ihrem Zeugnis zu haben. Sie hat noch nie eine Hauptrolle spielen wollen. Ich wiederhole: noch nie.

Anne gehört meiner Meinung nach nämlich ebenfalls in die dritte Kategorie. Andererseits, vielleicht besteht ihre Passion aus Darren und viel nackter Haut.

„Und du, Stew?" Annes Blick ist undefinierbar. Sie hebt ebenfalls beide Augenbrauen, aber in ihren Augen steht so etwas wie Reue. Gleichzeitig Bitterkeit und... Arroganz. Whoa. Wie bin ich bitte zum Ziel ihrer Überheblichkeit geworden? Sie hat mich verletzt, nicht anders rum, schon vergessen?

„Ich auch", antworte ich und setze erneut ein Lächeln auf. Anne gegenüber werde ich nicht zeigen, wie sehr sie und Darren mich kaputt gemacht haben. Es war mein Vorschlag, Cinderella vorzuführen, schön dämlich wäre es von mir, nicht die Hauptrolle zu wollen. Oder?

„Vielleicht solltest du lieber eine andere Rolle übernehmen. Darren will den Prinzen spielen, ich denke, das wäre etwas überfordernd für dich." Darren will... was? Darren hasst Schauspielerei.

Ich gehe nicht weiter darauf ein, entgegne mit einem freundlichen Grinsen: „Vielleicht solltest du lieber die gute Fee spielen. Du kannst das ja so gut, allen anderen einen schönen Abend bescheren." Das sitzt. Sie rümpft die Nase, dann dreht sie sich um und geht. Ich ignoriere den fragenden Blick ihrer Tante. Annes Sache, ob sie ihr davon erzählt. So wie ich Anne allerdings kenne, wird sie es nicht tun.

Statt weiter darauf einzugehen, winke ich ihr zu und gehe dann in die entgegengesetzte Richtung davon. Darren will also den Prinzen spielen. Verrückt. Sind Anne und er jetzt etwa ein Paar? Sind sie sich nah? Ich zucke bei dem Gedanken an die beiden zusammen. Das wäre zu extrem, kaum dass wir offiziell Schluss gemacht haben. Sogar für Anne wäre das eine Nummer zu groß. Außerdem hatte sie meines Erachtens noch nie eine feste Beziehung...

Fassungslos, wie die beiden mich behandelt haben, aber vor allem, was er mir angetan hat, öffne ich meinen Spind und klatsche ein paar meiner Bücher hinein. Rums.

„Da ist aber jemand Sturm gebürstet", erklingt eine Stimme hinter mir. Meine Nackenhaare stellen sich auf, weil er so nah ist. Ich wirbele herum. Khan.

„Hast du dir auch das ‚Drehbuch' geholt?", frage ich, ohne auf mein rasendes Herz einzugehen. Ob es rast, weil er mich erschreckt hat oder weil er mir so nah ist, ich weiß es nicht. Er sieht genauso aus wie immer, mit einem klitzekleinen Unterschied. Sein Grinsen ist breiter.

Ich habe Mariah gestern am Telefon von Freitagabend erzählt. Ihr Kommentar war nur, ich solle aufpassen, dass ich mit Khan nicht in dieselbe Situation gerate. Dabei weiß sie genau, dass ich nicht vorhabe, in nächster Zeit eine weitere Beziehung anzufangen. Und dass ich nichts von Khan will, was sie nach einer fünfzehn-minütigen Diskussion schließlich akzeptiert hat.

„Echt klasse, was Frau Bonnefelder aus der Story gemacht hat", sagt er und hält einen zu meinem Papierbatzen identischen hoch. Ich trete einen Schritt beiseite, um eine gewisse Distanz aufzubauen. Wenn es ihn stört, so lässt er es sich nicht anmerken.

„Du hast es schon gelesen?" Überrascht trifft nicht im geringsten wie ich mich gerade fühle.

„Nein, Blondie. Ich habe bloß eine Szene gelesen und die war ganz gut." Er öffnet das Drehbuch und schlägt eine Szene in der Mitte auf. Ich lese, was er mir hinhält. Es handelt sich um die Stelle, an der Cinderella der guten Fee begegnet. Die gute Fee wird bei uns allerdings von einem männlichen Elf dargestellt. Er ist nur männlich, weil die Theater-AG zu zwei Dritteln aus Jungs besteht – und ich muss unwillkürlich an Khans Geschichte denken, die er mir vor kurzem erzählt hat, von dem Typen, der nur wegen der Mädchen in der AG war.

„Das wird wirklich ein cooles Projekt", sage ich und schließe die Tür zu meinem Spind. Dann lehne ich mich mit meinen Büchern im Arm dagegen und sehe ihn neugierig an.

„Sprichst du immer noch für den Prinz vor?"

„Aber sowas von!" Er öffnet das Manuskript auf einer willkürlichen Seite und klopft sich auf die Brust. Dann stellt er sich aufrechter hin und räuspert sich. Er will doch nicht...

„Entschuldigen sie, Miss. Ich suche ein Mädchen", liest er laut vor. Sein Blick nun flehend. Hier im Gang. Er steht einfach im Gang und beginnt zu schauspielern. So wenig Schamgefühl hätte ich auch gerne. Dann zieht er sich einen der Flipflops vom Fuß, die er immer noch aus Solidarität zu mir trägt, obwohl ich längst wieder in Highheels zur Schule komme.

„Diese Schuh dürfte ihr gehören, Madame. Seit Tagen suche ich verzweifelt nach diesem Mädchen." Er kniet sich hin, als würde er mir einen Antrag machen, blättert eine Seite weiter. Mittlerweile schauen ein paar unserer Mitschüler zu uns herüber. Nicht peinlich. Kein bisschen. Was sie wohl denken?

„Dürfte ich sie bitten, diesen Schuh anzuprobieren, Miss?" Alle Augen liegen auf mir, als ich ebenfalls einen Blick auf das Manuskript werfe. Und die gespielte Hoffnung in seinen Augen wirkt so echt, dass ich prompt über meinen eigenen Schatten springe und die Scham in den Hintergrund verdränge.

„Es wäre mir eine Ehre", lese auch ich laut vor, schlüpfe aus meinem rechten Highheel. Er schnappt nach Luft, als ich den Flip Flop über meinen Fuß streife, der ursprünglich sowieso mir gehörte.

„Er... Er passt", seine Stimme ist begeistert, fast ehrfürchtig. Ich schenke ihm eine kleines Lächeln.

„Er passt", bestätige ich. Und so bleiben wir für ein paar Sekunden stehen, starren einander an, grinsen über beide Backen. Irgendwann klingelt es und die Schüler um uns herum verschwinden. Schließlich halte ich Khan meine Hand hin und er ergreift sie, um aufzustehen.

„Das war cool", sage ich und lache leise. Sehr cool. Fast schon zu cool, um wahr zu sein. Wir wechseln unsere Schuhe, als das zweite Klingeln ertönt. Im Weggehen ruft Khan mir noch zu: „Nächstes Mal spielen wir die Szene zu ende." Ein Zwinkern, dann ist er nur noch ein Punkt im Schulflur. Ich schaue ihm nach, ehe ich zum Ende der eben gespielten Szene blättere.

CHARMING(steht auf, greift nach Cinderellas Händen): Du bist es! Du bist es wirklich!(lacht)

CINDERELLA: Ich...(stockt)

CHARMING(küsst sie)

GEDANKE C: Er küsst mich wirklich. Alles, was danach passiert, gleicht einem Traum, das könnt ihr mir glauben.

Schwestern und Stiefmutter schnappen nach Luft.

GEDANKE C: (wirft beiden einen Blick zu): Ihr wisst schon, und wenn wir nicht gestorben sind, dann leben wir glücklich bis ans Ende unserer Tage.

CINDERELLA: (erwidert Kuss)

Vorhang zu, Hochzeitsglocken.

ENDE

Unabsichtlich imitiere ich Stiefmutter und Schwestern. Ich schnappe nach Luft. Mich erfasst ein Zittern, ein Schauer läuft mir über den Rücken. Ich bin mir nicht sicher, ob ich sauer oder belustigt sein soll. Als ich mich umdrehe und am anderen Ende des Flurs Darrens Gesicht entdecke, wird mir die Entscheidung abgenommen. Sein rechtes Auge ist etwas dunkler als das andere, aber aus der Entfernung kann ich das, was von der Prügelei mit Khan herrührt, nicht genau ausmachen.

Er hat uns beobachtet. Seine Stirn liegt in Falten. Ein Schnauben, kopfschüttelnd läuft er davon.

Was denn, er darf mich betrügen, aber ich soll bis ans Ende meiner Tage heulen? Nichts da, Freundchen.

Dennoch erfüllt mich sein Blick mit einer Wehmut, die ich so noch nie empfunden habe. Mein Herz, dass sich nach Darrens Armen sehnt, macht einen Salto. Wie konnte sich mein Leben bloß so schnell verändern? Ich befehle meinem Herz, aufzuhören so schnell zu schlagen. Boys. Keine Ahnung, wegen wem es gerade heftiger schlägt.

So viel zum Thema Passion. Man sieht Khan in allen Bereichen des Alltags an, mit welcher Passion er an die Dinge geht, die er gerne tut. Mit welcher Passion er an das Leben geht. Sein schauspielerisches Talent ist ein weiteres Indiz dafür. Ich hingegen war eher die Nebenrolle in seiner kleinen Vorstellung. Ich bewundere Khan dafür, für dieses Talent, für seine Ausstrahlung, für sein Selbstvertrauen und die Leichtigkeit, die ihn erfüllt. Eigentlich bewundere ich ihn für alles. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich ihn anziehend finde.

Es hat etwas mit seiner Persönlichkeit und seiner Ausstrahlung zu tun. Und plötzlich freue ich mich tierisch auf das Vorspielen und alles, was danach kommt – vielleicht ist Passion ansteckend.

♤♤♤

So im Nachhinein frage ich mich gerade, was ich mit dieser Szene vorhatte hahah aber ich finde sie süß deswegen bleibt sie vorerst drinne xxx

Nachtrag: Sitze mal wieder im Zug, seid bereit für vermutlich noch ein Kapitel im Laufe der nächsten paar Stunden :)

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