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Sechsundfünfzig

„Paul und ich sind uns letztes Jahr schon einmal begegnet. An der Bushaltestelle bei eurer Straße." Ich sehe ihn an, um ihm die Möglichkeit zu geben, selbst weiter zu erzählen. Er deutet ein weiteres Nicken an. Der Stuhl, auf dem Kerstin sitzt, knarzt leicht, als sie sich zurück lehnt.

„Er bat mich um Kleingeld, damit er den Bus nach Hause nehmen konnte." Kerstin möchte etwas sagen, aber ich hebe eine Hand und fahre fort. Sofort fängt sich an an ihren Fingernägeln zu knabbern.

„Er hat mir erzählt, er hätte einen Herzinfarkt gehabt und nicht genug Geld. Er sah unglaublich verzweifelt aus – tut mir leid – und ziemlich krank. Also habe ich ihm das Geld gegeben. Und dann bin ich bei einem meiner ersten Babysittingtermine bei euch Paul begegnet, wie er leibt und lebt." Ich beiße mir auf die Lippe.

„Ich wusste genau, dass er derjenige war, dem ich begegnet bin. Auch wenn er zu diesem Zeitpunkt weder verzweifelt noch krank aussah. Aber er schien sich nicht an mich zu erinnern. Also habe ich die Sache für mich behalten – bis ich dieses Gespräch zwischen ihnen beiden mitbekommen habe", ich deute auf Claude, „und dann – den Rest kennt ihr." Voll schlechtem Gewissen, weil ich niemandem davon erzählt hatte, neige ich den Kopf.

„Du solltest dich schämen", sagt Claude. Mein Herz krampft sich zusammen.

„Einem jungen Mädchen solchen Stress aufzubürden. So haben wir dich nicht erzogen." Moment. Ich hebe ein Augenlid. Claude steht immer noch neben ihrem Sohn, ihr Blick anklagend. Aber sie sieht nicht mich an, sondern ihren Sohn.

„Ich konnte nicht ahnen, dass Stew diese Geschichte mit sich herum getragen hat. Ich dachte, sie hätte mich längst vergessen."

An mich gewandt fügt er hinzu: „Es tut mir leid, dass ich dich damals um Geld gebeten habe." Lange schweige ich. Dann schüttle ich den Kopf. Mir fällt etwas auf.

„Mir tut es nicht leid", sage ich. Weil es die Wahrheit ist.

„Ich würde nur ganz gerne wissen, was vorgefallen ist." Paul presst die Lippen zusammen. Fast schon denke ich, er würde es mir nicht sagen, uns nicht sagen. Doch dann endlich dringt Licht in das Dunkel.

„Meinen ersten Herzinfarkt hatte ich auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. Es hat geregnet, ich wollte eigentlich nur schnell ein paar Besorgungen für meine Mutter erledigen und dann – bin ich wohl umgefallen. Nachdem ich entlassen wurde, hatte ich natürlich nur diese Klamotten bei mir. Ich bin... auf dem erstem Weg zu meiner Mutter gefahren, um sie wissen zu lassen, dass es mir gut ging, nachdem ich mich ewig nicht bei ihr gemeldet hatte. Damals wohnte sie noch in unserem Haus."

„Und er war sich natürlich zu stolz, seine eigene Mutter um Geld zu bitten", Claude schnalzt mit der Zunge.

„In der Tat", gibt Paul zu, schüttelt über sich selbst den Kopf.

„Vielleicht wollte ich dir aber auch einfach nicht noch mehr aufbürden", flüstert er und ich bin mir sicher, wir haben es alle gehört, obwohl er es absichtlich leise gesagt hat.

„Und... zuhause? Wie hast du die dreckigen Klamotten erklärt? Oder dass du Tage weg warst?", frage ich.

„Das würde ich auch gerne wissen", bemerkt Khan.

„Du hast es nicht mitbekommen, Khan, weil du nicht zuhause warst. Du warst im Footballcamp." Khan blickt drein wie ein geschlagener Welpe. Er zieht die Stirn kraus. Die Worte sickern langsam ein und als sie es tun, scheint er wie in Zeitlupe auf den Stuhl neben seiner Mutter zu sinken. Ich gehe an Claude vorbei zu ihm und lege ihm eine Hand auf die Schulter.

„Den Herzinfarkt hatte ich bekommen, als ich allein einkaufen gegangen bin. Kerstin bombardierte mich mit zig Nachrichten, während ich bewusstlos ins Krankenhaus kutschiert wurde. Mum hat als erste erfahren, wo ich war und Kerstin genau das gesagt. Dass ich mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus lag. Ohne dass ich sie davon hätte abhalten können."

„Ich fühle mich noch heute schlecht, weil ich dich nicht abholen oder besuchen kommen konnte", sagt diese. Khan zieht die Schultern hoch.

„Aiden war ebenfalls furchtbar krank. Ich konnte ihn nicht allein lassen und...", sie schnieft und schüttelt den Kopf, offenbar hält sie sich selbst verantwortlich. Ich will ihr sagen, dass es nicht ihr Schuld ist. Nichts von alledem. Aber Khan kommt mir zuvor. Auf seiner Stirn erscheint eine Ader, die aussieht, als ob sie gleich platzen könnte.

„Ihr habt mir nichts erzählt", ich sehe, wie er den Kiefer anspannt, tief durchatmet.

„Dachtet ihr, ihr würdet mich beschützen? Ich wäre zu jung?" Wenn ich dachte, die Prügelei mit Ashton sei ungewöhnlich für Khans ruhiges Gemüt gewesen, so bin ich nun überzeugt, dies hier ist sehr viel ungewöhnlicher. Stünde ich nicht neben ihm und hätte meine Hand auf seiner Schulter, er würde sicher aufspringen. Und weiß Gott was tun. Unter meiner Hand krampft er die Schultern zusammen.

„Was ist bloß los mit euch?", flüstert er. Schlimmer als Wutausbrüche sind die Ausbrüche, die sich langsam anschleichen. Mit leiser Stimme. Sie sammeln sich an, bündeln sich und dann brechen sie aus. Wie aus einem Vulkan. Ich zähle die Sekunden, dann springt Khan doch auf. Sein Körper bebt praktisch vor Wut.

„Verdammt, Dad! Ich bin kein kleines Kind. So etwas nicht zu wissen-", er presst sich die Handflächen gegen die Stirn. Dann rauscht er aus dem Raum, dessen Tür sich soeben geöffnet hat, um den Arzt hineinzulassen. Dieser weicht sofort zur Seite, als er den aufbrausenden Khan erblickt, der ihn mit Sicherheit von den Füßen gefegt hätte. Die Tür fliegt gegen die Wand.

Der noch recht junge Arzt fährt sich mit der Hand über den kahlen Hinterkopf.

„Ich kann später wieder kommen, wenn ihnen das besser passt-", setzt er an, doch niemand achtet auf ihn.

„Wo geht Khan hin?", will Aiden wissen. Ich beiße mir auf die Lippe.

„Tut mir leid", sage ich zu niemand bestimmten, ehe ich mich umdrehe und ebenfalls aus dem Raum rausche, um Khan zu folgen. Ich weiß nicht mal, wofür ich mich entschuldigt habe.

Wie vorhin den Kaffeeautomaten finde ich auch Khan nicht sofort. Am Eingangstresen frage ich mit zitternden Fingern nach einem durchschnittlich großen, attraktiven jungen Mann mit kurzgeschorenen Haaren und atme mit Erleichterung aus, als die Dame nach draußen zeigt. Dort sitzt Khan auf einer Bank im Innenhof des Krankenhauses, starrt gebannt auf sein Handy, als sei es das interessanteste auf diesem Planeten.

Ich gehe auf ihn zu, stolpere, als ich sehe, dass ihm Tränen über die Wangen laufen. Mit einem lauten Knack-Geräusch bricht der Heel meines Highheels. Khan hebt den Kopf. Das Grinsen, das daraufhin auf seinen Lippen erscheint, erreicht seine Augen nicht. Ich humple weiter auf ihn zu, lasse mich dann neben ihm auf die Bank fallen.

„Das Bild haben wir damals aufgenommen – an dem Morgen, bevor ich ins Footballcamp gefahren bin." Er zeigt mir ein etwas älteres Bild von ihm, seinem Dad und Aiden. Wäre es ein anderer Tag und eine andere Situation, ich würde mich selbst abklatschen, weil meine Vermutung, er könne mal lange Haare gehabt haben, tatsächlich zutrifft. Er sah gut aus. Nicht so gut wie jetzt, aber dennoch. Neben ihm strahlt Paul bis über beide Ohren. Stolz liegt in seinem Blick. Keine Vorahnung, dass er kurz darauf einen Herzinfarkt bekommen könne.

Alle drei tragen sie Fussballtrikots in blau-weiß. Aiden trägt eines von seinem Bruder, schätze ich, da es ihm bis über die Knie geht. Glück. Dieses Bild sprüht nur so vor Glück. Und Liebe.

„Alles war so normal", flüstert er, mehr zu sich selbst als zu mir. Für eine Weile sagt keiner von uns etwas, während ich aus meinem Highheel schlüpfe und versuche, nicht auch in Tränen auszubrechen. Es tut mir ja leid, aber ich bin unglaublich nah am Wasser gebaut.

„Hast du dir wehgetan?", fragt er schließlich. Perplex blinzle ich. Dann entfährt mir ein ungläubiges Schnauben.

„Du bist derjenige, der weint, und fragst mich, ob ich verletzt bin? Irgendwas passt hier nicht." Er sperrt sein Handy und richtet sich auf. Ein Schulterzucken.

„Irgend so ein komischer Typ hat mal zu mir gesagt, es sei okay, nicht okay zu sein", sage ich und lege meine Hand auf seine ineinander verschränkten zitternden Finger. Khan schnaubt nun seinerseits.

„Der Typ scheint die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben", kommentiert er.

„Charming", ich zögere. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man manchmal nicht über die Dinge reden möchte, die einen bedrücken.

„Gott, Stew, ich fühle mich pathetisch. Wir wissen noch nicht mal, was Dad hat und ich sitze hier draußen und verliere den Verstand." Hinter meinen Augen prickelt es verräterisch.

„Du verlierst nicht den Verstand, Khan. Du trauerst. Das ist normal. Es ist auch normal, dass du dich betrogen fühlst, weil man dich angelogen hat. Glaub mir, ich kenne mich mit sowas aus." Wieder ein Schulterzucken.

„Aber dein Dad ist nicht tot. Er ist krank. Und ohne den Typen zu imitieren, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, ich denke nicht, dass ihr die Zeit, die ihr mit einander habt, egal wie lang oder kurz sie ist, verschwenden solltet, indem ihr mit Wut und Schuldgefühlen auf einander wartet." Der Blick aus seinen saphir-blauen Augen, der daraufhin folgt, trifft mich tief ins Herz. So tief, dass mir doch tatsächlich eine Träne über die Wange rinnt. Ich wundere mich über meine eigenen Worte, weil sie sich so sehr von dem unterscheiden, was ich selbst bezüglich meiner Eltern oder der anderen Menschen, die mir wichtig sind, unternehme.

Khan löst seine Hände aus meiner, wischt mir die Träne elegant mit einem Finger weg. Dann drückt er mir einen Kuss auf die Stirn und zieht mich in einer halben Umarmung an sich. Einer halben Umarmung, die eine halbe Ewigkeit anhält. Wunderschön und friedlich. Als wäre nichts von dem, was im Moment um uns herum passiert, Realität. Als gebe es die Realität gar nicht.

„Wie sind wir bloß hier gelandet?", murmelt er irgendwann. Ich kann sein Gesicht nicht sehen, aber ich spüre, dass er wieder weint.

„Alles begann mit einem Paar Highheels", nuschle ich an seine Schulter.

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