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Fünfzig

Achtzehn. Eine Zahl, auf die ich seit meinem zehnten Geburtstag hin fiebere. Ich kann nicht in Worte fassen, warum das so ist. Immerhin werde ich erst in drei Jahren legal trinken und Autofahren theoretisch seit zwei Jahren dürfen. Am nächsten Mittwoch klingelt mein Wecker pünktlich um 6.18Uhr. Nennt mich meinetwegen verrückt, aber das ist die einzige Tradition, die ich seit knapp vier Jahren pflege. Jedes Jahr eine Minute länger.

Ich mache mich fertig, gebe mir genauso viel Mühe wie sonst auch und trete dann nach draußen, um mir in der Küche einen Kaffee einzulassen. Mikael und Dad sitzen am Esstisch. Zwischen ihnen eine riesige Torte. Darauf eine 18. Leuchtend. Brennend.

„Was zum...", fange ich an, werde aber von Mikael unterbrochen. Er hält mir eine volle Kaffeetasse hin.

„Alles Gute zum Geburtstag, kleine Schwester." Er drückt mir einen Kuss auf den Scheitel. Ich kann ihn und Dad nur weiter anstarren. Letzterer steht natürlich auch auf, schenkt mir eine super seltsame Umarmung und wünscht mir einen fröhlichen Geburtstag, jetzt sei ich endlich volljährig und die ganze Leier. Die Tasse, die nun in meiner Hand ist, zittert, laufe ich doch wieder Gefahr sie fallen zu lassen. Ich lasse das über mir ergehen, reagiere kaum, bringe nicht mal ein Lächeln zustande.

„Ihr seid wach", ist alles, was ich irgendwann sage. Schallendes Gelächter auf Seiten meines Bruders. Mikael hatte gestern Spätschicht, normalerweise läge er um diese Zeit noch in den Federn. Und Dad ja sowieso.

„Man wird nicht jeden Tag 18, wie?" Ich nehme einen Schluck Kaffee und verziehe kein Gesicht, als mir die heiße Flüssigkeit den Gaumen verätzt. Angenehm. Als dann auch noch Mum zur Tür herein kommt, bleibt mir der Kaffee in der Luftröhre hängen. Ich schwöre. Die Flüssigkeit wird fest und bewegt sich keinen Zentimeter.

„Ich habe jemanden Lachen gehört", sagt sie, wirft einen Blick auf den Tisch und die Torte, dann auf den Kalender. Letztlich auf mich. Sie runzelt die Stirn, als frage sie sich, seit wann ich nicht mehr 15 und ein kleines Mädchen bin. Schließlich schließt auch sie mich in eine Umarmung. Jedenfalls keine enge Umarmung, aber allein die Tatsache, dass sie mich berührt, spricht schon für sich.

„Alles Gute", flüstert sie. Und auch wenn ich im Moment reichlich wütend und frustriert wegen meiner Familie bin, so treten mir doch die Tränen in die Augen. Sie haben meinen Geburtstag nicht vergessen. Sie sind hier. Endlich kann ich meinen Mund schließen. Endlich habe ich den Schock überwunden. Über Mums Schulter hinweg werfe ich Mikael ein dankbares Lächeln zu und bewege die Lippen zu einem: „Danke". Er grinst zurück.

Danach trinke ich meinen Kaffee, puste die bunte 18 aus und lasse mich von Andrea in die Schule fahren. Mariah schenkt mir eine Blümchen-Brosche, die unglaublich hübsch ist, weswegen ich sie mir sofort an die Brusttasche meiner Jeansjacke hefte, und eines ihrer Lieblingsbücher, das ich mir sowieso längst ausleihen wollte. Der Rest des Tages verläuft durchschnittlich, während dem Unterricht schreibe ich Khan einige Nachrichten(der nicht weiß, dass heute mein Geburtstag ist, was aber auch nicht schlimm ist) und es entsteht angenehmes Geplänkel. Sehr durchschnittlich.

Miss Nadine erinnert sich ebenfalls an meinen Geburtstag, lässt mich einen weiteren Kuchen auspusten und bietet mir dann ein kleines Stück an.

„Zur Feier des Tages?", schlägt sie vor, während sie sich selbst eines auf einen Teller schiebt.

„Wenn sie das mit jedem ihrer Patienten tun, dann essen sie doch bestimmt jeden Tag mindestens einen Kuchen", überlege ich laut. Miss Nadine hebt beide Augenbrauen.

„Erstens habe ich nicht 365 Patienten, meine Liebe. Und zweitens, damit das klar ist, wenn ich jeden Tag Kuchen essen möchte, dann tue ich das." Demonstrativ nimmt sie einen riesigen Bissen von ihrem Kuchen.

„And so should you!" Unter ihrem vorwurfsvollen Blick knicke ich ein, genehmige mir ebenfalls ein Stück. Danach fühlt sich mein Magen an, als ob er jeden Moment explodieren könnte.

„Das ist ein schöne Brosche", meint Miss Nadine.

„Möchtest du mir erzählen, woher du sie hast?"

„Meine beste Freundin hat sie mir geschenkt." Jetzt bin ich an der Reihe, eine Augenbraue zu heben.

„Es sei denn... Du wolltest etwas anderes hören", bemerke ich. Miss Nadine lehnt sich zurück.

„Was könnte ich denn hören wollen?", fragt sie scheinheilig.

„Sag du es mir." Kurz blicken wir einander stur an. Keiner rührt sich. Dann holt sie rasselnd Luft.

„Deine Mutter hat mich letztens über ein paar interessante Dinge aus deinem Leben aufgeklärt."

„Dürfen sie das? Mir einfach so von ihren Sitzungen mit meiner Mum erzählen?" Ich spiele mit meiner Gabel. Dann kommt mir ein Einfall.

„Oh nein. Sie sagen meiner Mutter doch nichts, was ich ihnen sage! Schweigeklausel?" Miss Nadine legt mir eine warme Hand auf den Unterarm.

„Beruhige dich, Stew. Die Gabel hat dir nichts getan." Ich entreiße ihr meinen Arm.

„Sie dürfen meiner Mum nichts erzählen!", rufe ich aus.

„Das tue ich auch nicht."

„Warum erzählen sie mir dann von ihr?" Weiterhin ist meine Stimme erhoben, allerdings nicht mehr ganz so hoch.

„Sie hat mich darum gebeten. Am Telefon. Nicht als meine Patientin sondern als... sich sorgende Mutter, schätze ich." Bum. Das sitzt. Es klingelt in meinen Ohren.

„Mum darf also Ansagen machen", bemerke ich, sinke in meinem Stuhl ein Stück tiefer. Am liebsten würde ich das Stück Kuchen direkt hier auskotzen. Diese Sitzung beenden. Mum hat sie konstruiert, Miss Nadine unter ihrer Kontrolle.

„Sie hat lediglich ihre Sorgen laut ausgesprochen und mich um Hilfe gebeten."

„Warum kann sie nicht mit mir reden?", frage ich.

„Sie sagte, das hätte sie versucht." Ein Schnauben entgleitet mir.

„Du meinst damals, als sie sagte, ich solle Darren den Betrug verzeihen. Was hat das mit der Brosche zu tun? Worum geht es hier überhaupt?" Miss Nadine greift wieder nach meinen Händen, schließt sie mit ihren eigenen ein und sieht mir dann tief in die Augen.

„Ganz von vorne, Stew. Ich will dir hier nichts böses."

„Du tust so, als hätte ich was verbrochen, als wäre ich selbst gebrochen, und als müsstest du mich gerade rücken", ich beiße mir auf die Unterlippe. Da zuckt sogar Miss Nadine zusammen.

„Ich rücke niemanden gerade. Das ist nicht mein Job. Ich möchte dir helfen." Einmal atmet sie tief durch. Zweimal.

„Als ich deine Brosche gesehen habe, habe ich mich gefragt, ob du sie von einem Jungen bekommen haben könntest. Möchtest du mir von irgendeinem Jungen erzählen?" Ich weiche ihrem Blick aus. Mum hat ihr von Khan erzählt. Was sie wohl gesagt hat? Welchen Eindruck hatte sie von Khan? Ob sie ihn mag? Sie mag Darren, schießt es mir durch den Kopf. Für Mum stand von Anfang an fest, dass ich Darren irgendwann heiraten würde. Der erste Freund scheint wohl auch bei den Eltern unvergesslich und die Nummer eins zu sein.

„Erde an Stew?" Ich verdrehe die Augen. Ausnahmsweise einmal waren meine Gedanken nicht allzu schlecht und sie muss mich in die Gegenwart zurück holen.

„Ich weiß nicht, was ich dir erzählen soll. Mein Liebesleben hat so ziemlich gar nichts mit unseren Sitzungen zu tun."

„Das stimmt nicht ganz", behauptet sie.

„Ich bin hier, damit du mir meine Essstörung, den Teufel, wie auch immer du es nennen willst, austreibst." Mir wird heiß und kalt gleichzeitig. Es hat ja auch nur eine Ewigkeit gedauert bis ich das Wort laut aussprechen konnte. Dass ich es jetzt tue, ohne einmal darüber nachzudenken, soll was heißen.

„Ich bin nicht Gott. Du beichtest nicht bei mir", hält sie dagegen. Jetzt ist es an ihr die Augen zu verdrehen.

„Ich möchte weder mit dir noch mit meiner Mum über Khan reden."

„Khan?", macht sie.

„Interessanter Name." Ich hebe beide Augenbrauen. Diese Frau weiß nicht, was nein heißt.

„Lass mich raten, Mum hatte seinen Namen längst vergessen, als er euer Gesprächsthema war", höhne ich. Klingt nach ihr. Wenn ich ehrlich bin, ich erwarte längst nicht mehr, dass sie sich die Namen meiner Freunde merkt. Sie hat eine Krankheit, eine Beeinträchtigung, sie hat mich verlassen. Manchmal, ja manchmal, da agiert sie wie meine Mutter. Meistens allerdings erkenne ich sie kaum wieder.

„Sie nannte ihn beim Namen, das schon. Aber er hieß nicht Khan", meint Miss Nadine. Nun werde ich doch hellhörig.

„Um Himmelswillen, sie hat doch nicht wieder mit Darren angefangen?" Ein neutraler Gesichtsausdruck seitens Miss Nadine.

„Und lass mich raten. Du sollst mir nun den Teufel, also Khan, austreiben und mich dazu bringen, dass ich Darren zurück nehme." Ich runzle die Stirn. In meinen Ohren klingt das so falsch. Darren und mich verbindet eine schöne Zeit. Aber diese Zeit ist vorbei. Aus und vorbei. Wenn ich noch ein Gefühl für ihn in mir hatte, so hat diese Party vor ein paar Wochen diesem Gefühl den Gar aus gemacht.

„Als Außenstehende würde ich sagen, dass sich deine Mutter bloß um dich sorgt und es gut meint. Als deine Therapeutin frage ich dich; was empfindest du, wenn du an Darren denkst?" Meine Mutter soll sich also bloß um mich sorgen. Sie soll es gut meinen. Vielleicht sollte sie sich erst mal um sich selbst kümmern, bevor sie versucht jemand anderem zu helfen.

„Was ich empfinde, wenn ich an Darren denke?", flüstere ich. Es ist jetzt mehrere Wochen her, vielleicht Monate, seit Darren mich mit Anne betrogen hat. Beide verfolgen sie mich, ob nachts in meinen Träumen oder tagsüber auf dem Schulgelände. Doch mein Herz schlägt nicht mehr für ihn. Natürlich dauerte es eine Weile bis ich das so feststellen konnte. Bis ich den Unterschied zwischen den Dingen, wie sie waren und den Dingen, wie sie jetzt sind, verstanden habe. Den Unterschied zwischen Verliebt-sein und Glauben-dass-man-in-jemanden-verliebt-ist.

„Ich empfinde Wut. Vielleicht Trauer, Enttäuschung. Eine Weile wollte ich Rache, aber ich bin kein rachsüchtiger Mensch. Reue? Ungerechtigkeit. Letztens hat er mir vorgeworfen, es wäre meine Schuld gewesen, dass es überhaupt zu seinem Betrug kam." Ein Schauer fährt mir über den Rücken bei der Erinnerung an die Halloweenparty.

„Wie soll ich mich noch einmal in so einen Menschen verlieben können? Ich frage mich mittlerweile, wie ich je in ihn verliebt sein konnte", sage ich. Ob ich es je war. Miss Nadine macht sich fleißig Notizen auf einem leeren Block. Zu gerne würde ich nachschauen, was sie aufschreibt. So etwas wie hoffnungsloser Fall. Armes Mädchen. Zu Jung, um Liebe zu verstehen.

„Warum bist du enttäuscht?"

„Klar, dass das die Stelle sein würde, die dir auffällt", frotzle ich. Sie macht eine auffordernde Handbewegung.

„Schätze ich bin enttäuscht, weil wir ganz schön viel Zeit zusammen verbracht haben, Erinnerungen gesammelt haben. Er hat mir das Gefühl gegeben, ich sei etwas besonderes, weißt du? Und..", ich seufze.

„Dann fing er an, sich von mir zu distanzieren. Er wollte... eh naja nur noch das eine und hat daraus keinen Hehl gemacht. Vielleicht bin ich nicht mal enttäuscht von ihm, sondern von mir selbst? Weil ich zu spät gemerkt habe, dass unsere Zeit vorbei war. Dass wir einen Schlussstrich hätten ziehen sollen. Bevor er mich mit Anne betrog. Und ich habe es eben zu spät gemerkt." Ich knote meine Finger, die anfangen zu zittern. Nein, heute werde ich nicht weinen. Nicht wegen Darren. Die Tränen wurden bereits geweint. Viel zu oft.

„I see." Miss Nadine legt ihren Stift beiseite und nimmt sich noch ein Stück Kuchen. Ich schlucke. Sie isst drei Stück?

„Auch noch eins?", fragt sie, als sie meinen Blick bemerkt. Peinlich berührt schaue ich an ihr vorbei aus dem Fenster und schüttle den Kopf.

„Ich habe eine Hausaufgabe für dich." Oh nein.

„Nicht das schon wieder", stöhne ich. Sie lächelt wissend.

„Rede mit deiner Mutter."

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