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Fünfzehn

In Büchern liest man immer von Mädchen mit gebrochenen Herzen. Gebrochene Herzen, die schlimmste Form von Liebeskummer. Herzschmerz. Aber nicht viel besser fühlt es sich an, wenn sich das Herz einfach auflöst. Als wäre es nicht mehr da. Nachdem Darren davongelaufen ist, habe ich meine Beine angezogen und den Kopf nach hinten gelegt. Mir ist so verdammt kalt, dass ich schon bald zu zittern beginne. Vielleicht liegt das Zittern aber auch an Müdigkeit. Oder an Stress. An Trauer?

Darren hat mich verlassen. Diese Information braucht eine Weile, um einzusinken. Was morgens wie ein ganz gewöhnlicher Tag angefangen hat, endet in einem Desaster. Ich kann nicht anders als die letzten beiden Wochen in meinem Kopf Revue passieren zu lassen. Und die Wochen davor, in denen wir uns beinahe täglich sahen. Entweder ich besuchte ihn beim Training oder er mich zuhause. Verdammt, wie kann er das einfach wegwerfen? Zwischen uns hat sich nichts verändert, und doch alles.

Irgendwann muss ich eingeschlafen sein, denn als ich die verklebten Augen wieder öffne, sitze ich auf dem Beifahrersitz eines fremden Autos. Jemand hat eine Decke über mich ausgebreitet und fährt durch die dunkle Nacht. Ich will schon anfangen zu schreien, da stelle ich fest, dass es Khan ist, der neben mir sitzt. Ich sehe ihn von der Seite an und die vergangenen Stunden kehren zurück in mein Gedächtnis. Oh Gott. Darren und ich.

Sein Kopf fährt in meine Richtung. Ich verberge das Gesicht in der Decke, kann Khan nicht mal böse sein, dass er mich entführt hat.

„Wohin fährst du?", nuschle ich in die Decke und hoffe, er hat es trotzdem gehört. Mein Hals tut weh. Eigentlich tut mir alles weh. Bis auf den Teil meiner Brust, der gleichmäßig schlägt. Dort spüre ich gar nichts mehr, seit Darren gegangen ist.

„Ich bringe dich heim", sagt Khan zögernd. Seine Stimme kommt mir so weit weg vor. Wie von einem anderen Planeten.

„Woher weißt du, wo ich wohne?" Und warum rettet er mich immer wieder?

„Lange Geschichte. Das kann ich dir auch wann anders erzählen." Ich schüttle den Kopf. Das klingt mir nach der perfekten Ablenkung.

„Erzähl es mir lieber jetzt." Für einen Moment hebe ich den Kopf von der Decke, die wunderbar nach Khan riecht. Als ich seinen besorgten Blick sehe, lasse ich den Kopf mit einem Stöhnen wieder fallen. Ich hasse Mitleid. Ich hasse Sorgen.

„Na gut. Nachdem ich dich in mein Auto gesetzt habe, hab ich Ash eine Nachricht geschrieben und nach deiner Adresse gefragt. Er wusste sie nicht, also hat er mir Mariahs Nummer gegeben, die mir dann deine Adresse geschickt hat. Dann hat sie mich gefragt, was passiert ist..." Er stockt. Ich halte die Luft an. Schweigen. Das altbekannte Schweigen, das mich gerade nicht im geringsten beruhigt.

„Khan", flüstere ich.

„Stew?" Tränen füllen meine Augen. Er hat mich noch nie bei meinem richtigen Namen genannt. Das zeigt mir nur noch einmal, wie verquer diese Situation ist. Zum Glück sieht er nicht, dass ich wieder weine.

„Was hast du Mariah gesagt?", will ich wissen, während mir die Tränen über die Wangen laufen und die Oberfläche der Decke nass machen. Sein Wagen lehnt sich nach links, woraus ich schließe, dass wir demnächst bei mir zuhause ankommen. Noch zweimal rechts, einmal links und wir werden da sein. Bei meinem Haus, das nicht mal annähernd so spektakulär ist wie Khans Reich.

„Ich habe nur geschrieben, dass ich Darren und dich habe streiten sehen. Der Rest ist schließlich deine Sache."

„Danke", wispere ich. Er stellt keine Fragen, als wir bei mir zuhause halten. In Mikaels Zimmer brennt Licht. Bitte nicht. Ich reibe mir über die Stirn. Dann entdecke ich einen Schatten, der auf dem Treppenvorsprung unseres Hauses sitzt. Mariah. Oh mein Gott. Sie ist hier. Ohne länger darüber nachzudenken, bin ich aus dem Wagen gesprungen. Die Decke werfe ich achtlos auf den Beifahrersitz. Sie rennt mir entgegen, sieht mein verheultes Gesicht und fragt nicht mal, was passiert ist, ehe sie mir die Arme um den Hals schlingt.

Wir umarmen uns und ich klammere mich so sehr an sie, dass ich Angst habe, sie zu zerbrechen. Aber es tut so weh.

„Er hat... er..." Ich stoße einen rauen Schrei aus, von dem bestimmt meine Eltern geweckt werden.

„Er hat mich verlassen." Meine Knie geben unter mir nach. Mariah streichelt mir über den Rücken und wüsste ich es nicht besser, würde ich denken, sie weint mit mir mit.

„Alles gut. Alles wird gut." Aber nichts würde wieder gut werden. Er hat mein Herz zerstört.

„Drei Jahre, Mariah. Drei verdammte Jahre." Ich schniefe und presse die Augen zusammen, weil ich nicht mehr weinen will. Khan, der hinter uns mit seinem Auto steht, habe ich längst vergessen.

„Ich verstehe nicht mal, warum. Das ist das schlimmste. In einem Moment will er... Im einen Moment will er mich ausziehen und im nächsten schlägt er vor eine Pause einzulegen, nur weil ich ihn gestoppt habe, weil ich mit ihm über unseren Streit reden will." Ich kneife mich in die Innenflächen meiner Hand, weil ich aufwachen will. Aufwachen aus diesem Alptraum.

„Arschloch", höre ich Mariah sagen. Khan hinter uns scheint gerade gegen sein Auto getreten zu haben.

„Und dann wirft er mir die derbsten Sachen vor. Himmel. Dabei will er doch hauptsächlich rummachen. Ich verstehe ihn einfach nicht." Meine Lippe bebt.

„Ich hätte ja nie gedacht, dass Darren so dermaßen schwanzgesteuert ist", meint Mariah. Sie drückt mich fester.

„Komm", sie legt mir die Decke neu um die Schultern.

„Wir bringen dich ins Bett." Über meine Schulter wirft sie Khan einen dankbaren Blick zu, ich habe nicht die Kraft ihn nochmal anzusehen. Stattdessen senke ich den Blick und bete, dass uns mein Bruder nicht begegnen wird. Oder meine Eltern.

Gott erhört mein Gebet, Mikael bleibt in seinem Zimmer und meine Eltern habe ich anscheinend nicht geweckt. Der Schrei, den ich ausgestoßen habe, muss mir lauter vorgekommen sein als er es tatsächlich war. Ich lasse mich von Mariah ins Bett bringen, dort zieht sie mir die Hose aus, deckt mich zu und macht das Licht aus.

„Ich bin hier, falls du reden willst", sagt sie leise und lässt sich mit einer Fließdecke in den Sessel neben meinem Bett fallen.

„Danke", flüstere ich. Ich kann meine Dankbarkeit nicht annähernd in dieses kleine Wort packen. Sie zu haben ist ein Geschenk. Genauso wie Khan zu haben, fällt mir plötzlich auf. Ohne ihn säße ich einsam und allein an der Bushaltestelle in meinem eigenen Tränenbad. Mariah sagt nichts weiter und irgendwann wird mein Atem gleichmäßiger, ich schlafe ein, höre nur noch, wie draußen ein Motor angeht und jemand davon düst.

Am nächsten Tag werde ich nicht vom Wecker geweckt. Eigentlich werde ich gar nicht geweckt. Ich wache auf und bemühe mich darum, schnell wieder einzuschlafen. Schnell wieder in diese Leere abzutauchen, die mich vergessen lässt, was gestern passiert ist. Denn wenn ich auch nur eine Sekunde länger darüber nachdenke, werde ich nicht mehr aufhören können. Dann werde ich mich in ein Wrack verwandeln, meine Seele wird Risse bekommen bis sie irgendwann zerreißt. Bis ich wieder kaputt bin. Und ich will nie wieder kaputt sein.

Irgendwann werde ich dann doch aus meinem angenehmen Halbschlaf gerissen, als sich jemand mit einer riesigen Tasse Kaffee neben mich sinken lässt. Mariah. Sie ist geblieben.

„Ich dachte mir, du willst vielleicht mal etwas zu dir nehmen." Widerwillig nicke ich und lasse mir den Kaffee reichen. Sie fragt, ob ich etwas essen will. Ich verneine, spüre nicht mal, ob ich überhaupt Hunger habe.

„Wie viel Uhr haben wir?"

„Elf Uhr mittags. Mikael ist eben zur Arbeit gefahren." Das ist gut. Dann werde ich ihm frühstens morgen über den Weg laufen müssen. Ich trinke die Hälfte meines Kaffees, ohne etwas zu sagen. Auch Mariah bleibt still.

„Hat er..." Ich stocke und senke beschämt den Blick.

„Ob er es schon offiziell gemacht hat? An die große Glocke gehängt?" Sie seufzt, weil sie genau weiß, was mir gerade durch den Kopf geht.

„Nein. Ich glaube, bis jetzt weiß es niemand." Immerhin das muss man Darren lassen.

„Ich habe Rina gefragt, ob er in der Schule ist, aber sie hat verneint."

„Angeblich hatte er ja die Magendarmgrippe", murmle ich und nehme noch einen Schluck Kaffee. Ob das von Anfang an eine Lüge war? Ich fühle mich auch als hätte ich die Magendarmgrippe. Am liebsten würde ich mich übergeben. All die Erinnerungen an Darren aus meinem Gedächtnis kotzen.

„Rina weiß auch nichts davon. Ich habe ihr nicht weiter gesagt, warum ich sie das frage", sagt Mariah dann.

„Alles gut. Sie ist schließlich meine Freundin. Spätestens nächste Woche weiß es sowieso die ganze Schule." Ich schnaube.

„Schon komisch, wie sowohl Ash als auch Darren ihre Beziehungen in den Sand gesetzt haben, kaum dass die Schule anfing", spotte ich.

„Männer sind eben Schweine." Mariah zuckt mit den Achseln. Ich lache leise.

„Du hattest noch nie einen Mann", schmunzle ich. Weil mir langsam warm wird, streiche ich die Decke zurück und ziehe meine Socken aus. Ich trage immer noch Khans Tshirt und atme jetzt tief ein, um seine Wärme zu spüren. Leugnen ist zwecklos, sein Geruch ist einfach berauschend. Zum Glück scheint Mariah das gar nicht zu registrieren.

„Das stimmt. Aber Noah ist doch genauso bescheuert." Stimmt. Sie hat mir gar nicht mehr erzählt, was mit Noah passiert ist, nachdem sie sich am Wochenende geküsst haben. Urplötzlich fühle ich mich schlecht.

„Tut mir leid, dass ich so beschäftigt war", sage ich.

„Was ist denn nun mit Noah?" Ich verdränge alle Gedanken an Darren, auch die Übelkeit, die sich in mir ausbreitet. Freundschaft ist doch sowieso viel wichtiger.

„Der Typ küsst unglaublich." Sie schüttelt genervt den Kopf.

„Das ist aber auch das einzige, was ihn unglaublich macht. Abgesehen von seinem Aussehen. Und seiner Ausstrahlung. Und-", ich unterbreche sie.

„Bleib beim Thema." Gut zu wissen, dass es nicht nur mir mit Jungs so geht.

„Naja, er behauptet, er würde sich nicht erinnern. Das musst du dir mal reinziehen. Da sammle ich all meinen Mut zusammen, ihn anzusprechen und er streitet ab, mich geküsst zu haben." Das, was ich mal mein Herz genannt habe, krampft sich aus Mitleid mit ihr schmerzhaft zusammen.

„Was für ein Idiot." Und so verbringen wir den restlichen Tag damit, uns gegenseitig aufzuheitern. Nachdem wir gemeinsam über Noah hergezogen sind, beschließen wir, einen Disney-Filme-Marathon zu veranstalten.

Auch wenn die Zeit mit Mariah Darrens und meine Beziehung nicht wieder herstellt, fühle ich mich am Abend doch besser. Bevor sie geht, schenkt sie mir ein aufheiterndes Lächeln und die Worte: „Wenn er nicht einsieht, was er mit dir hat, dann verdient er dich nicht."

Ehrlich? Danach heule ich erst mal eine weitere halbe Stunde, froh darüber, dass Mum und Dad eigentlich nie mein Zimmer betreten und Mikael bei der Arbeit ist. Morgen ist Freitag und ich habe keine Mitfahrgelegenheit, was bedeutet, dass ich mal wieder den Bus nehmen darf. Es kommt mir unfair vor, dass ich unter Darrens Entscheidungen leiden muss.

In dem Moment, in dem ich zu Bett gehen möchte, klingelt es. Und weil ich die einzige zuhause bin, die gerade nichts wichtiges zu tun hat, öffne ich die Haustür – würde sie im nächsten Augenblick aber am liebsten wieder zu werfen. Besonders heftig, damit sie Darrens wunderschöne Nase in Trümmer legt.

Doch ehe ich reagieren kann, hat er eine Hand an die Tür gelegt. In der anderen hält er einen Strauß rote Rosen.

„Spinnst du?", spreche ich meine Gedanken laut aus. Dreistigkeit trägt einen neuen Namen. Darren Aden.

„Stew, bitte", seine Stimme ist ebenfalls ganz heiser, dabei hat er doch gar nicht so viel geschrien wie ich.

„Was heißt hier Stew, bitte? Du hast doch mit mir Schluss gemacht." Erneut probiere ich die Tür zuzuwerfen. Aber er hält standhaft dagegen. Hätte er doch nur standhaft gegen das Ende unserer Beziehung gehalten.

„Nur eine Pause-" Unter meinem Blick hört er auf zu reden. Sein Anblick macht mich unfassbar wütend.

„Ich bereue es, Stew. Ich habe voreilig gehandelt. Es tut mir leid." Seine Augen schimmern verräterisch.

„Ich wusste gar nicht, dass du so gut schauspielern kannst, Darren", entgegne ich. Mein Herz, das wieder da ist, seit Darren angekommen ist, klopft mir heftig gegen den Brustkorb. Ich bin so sauer, dass ich ihm am liebsten nicht nur seine Nase sondern alle anderen Knochen dazu brechen würde.

„Ich lüge dich nicht an, Stew. Es tut mir ehrlich leid. Ich weiß nicht, was im Moment mit mir los ist. Erst das Spiel und jetzt du. Ich wollte dich nie verletzen."

Die Hand um den Blumenstrauß zittert.

„Hast du aber." Mit diesen Worten schnappe ich mir den Blumenstrauß aus seiner Hand und schlage die Tür hinter mir zu. Sobald das Klicken der geschlossenen Tür ertönt, lasse ich mich am Glas hinab rutschen. Ich ziehe die Beine an meine Brust und lasse meinen Tränen freien Lauf.

Er kann doch nicht erwarten, dass ich ihm jetzt mir nichts dir nichts verzeihe. Ich sitze einige Minuten leise weinend vor der geschlossenen Tür und kann nicht glauben, wie verzwickt das alles geworden ist.

„Darren? Was tust du denn hier vor der Tür?" Draußen höre ich die Stimme meines Bruders. Und Darren muss dann wohl auch noch hier sein. Mir wird kurz schwarz vor Augen, als ich aufstehe, damit mein Bruder mich nicht so verloren am Boden hocken sieht. Dann wandere ich in die Küche, wo ich die Rosen in eine Vase stelle. Ich möchte nicht hören, was die beiden draußen bereden. Ob Darren versucht, meinen Bruder auf seine Seite zu bringen. Ob mein Bruder ihn womöglich rein lässt.

Würde ich das wollen? Ich weiß nicht, was ich will. Gerade weiß ich nur, dass ich nicht noch mehr leiden will. Darren hat mich verletzt. Ohne mir überhaupt zu sagen, was mit ihm los ist. Dafür können wir doch sprechen. Um einander zu vermitteln, was nicht stimmt. Mir wird heiß. Ich bin eine Heuchlerin. Erzähle ihm ja selbst nie, was ich für Probleme mit mir herum schleppe.

„Stew?" Mikael steht jetzt neben der Küchentür und unterbricht meine selbstzerstörerischen Gedanken. Er trägt eine Jogginghose und ein T-Shirt, das auch schon mal bessere Tage gesehen hat. Seine Haare sind noch feucht vom Duschen, wie immer, wenn er von der Arbeit kommt.

Ich wage es nicht, ihm in die Augen zu sehen, kann nicht noch mehr Mitleid ertragen und schon gar nicht den Blick, mit dem er mich bedenkt, wenn er das Gefühl hat, ich könnte die Abwärtsspirale hinab rutschen.

„Möchtest du darüber reden?", fragt er, während er sich eine Tasse aus dem Küchenschrank holt und die Kaffeemaschine anstellt. Das tut er nicht, weil er Appetit auf Kaffee hat, sondern weil er mit mir reden möchte. Ich kenne seine Maschen mittlerweile in und auswendig.

„Es gibt nichts, worüber ich reden könnte", lüge ich, obwohl es der Wahrheit entspricht. Ich habe heute so viel geredet. So viel habe ich vermutlich noch nie an einem Stück geredet. Schon gar nicht mit Mariah. Versteht das nicht falsch. Wir sind beste Freundinnen seit gut drei Jahren.

Aber unsere Freundschaft reicht normalerweise nicht über dämliches Geplänkel hinaus. Das liegt zu großen Teilen an mir. Weil ich nicht gerne über meine Gefühle rede. Ich habe es damals bitter bereut, mich anderen zu öffnen.

Ohne darauf einzugehen, holt Mikael zwei Teller aus dem Wandschrank, noch dazu eine Packung Toast und Butter. Er steckt den Toast in den Toaster und setzt sich dann an den Tisch.

„Ich habe ihn weggeschickt. Auch wenn er einen ziemlich niedergeschlagenen Eindruck auf mich machte." Ich atme erleichtert aus, habe gar nicht bemerkt, dass ich bis gerade die Luft angehalten habe.

„Das hat er sich selbst zuzuschreiben", murmle ich, keine Lust, wütend zu klingen. Denn das ist das schlimmste. Ich kann nicht mehr wütend sein. Egal, wie oft ich es drehe oder wende, die Wut ist verpufft.

Was nicht bedeutet, dass ich nicht mehr verletzt bin – mir ist elend zumute. Dennoch habe ich kein Verlangen mehr ihm eine Tür ins Gesicht zu rammen.

„Was ist passiert?", fragt Mikael, während er uns beiden eine Scheibe gesprungenen Toast auf den Teller legt. Ich habe mich immer noch nicht gesetzt, als er mich dazu anweist. Erst druckse ich eine Weile um die Sache mit unserer Beziehung herum, dann allerdings formen sich die Wörter wie von selbst und plötzlich erzähle ich Mikael alles, was zwischen Darren und mir vorgefallen ist. Also mal abgesehen von der Sex-Geschichte. Irgendwann nehme ich auch platz, rühre den Toast aber nicht an.

Als ich ende, runzelt Mikael die Stirn. Er steckt zwei weitere Toasts in den Toaster und fordert mich mit Blicken dazu auf, endlich zu essen. Er würde mir nicht glauben, erklärte ich ihm, diese Maßnahme sei Bullshit(genau das habe ich ungefähr eine Million Mal schon gemacht, aber im Internet steht überall, man müsse acht darauf geben, dass Menschen wie ich essen und mein Bruder nimmt das als Aufforderung, mich zum Essen zu zwingen). Ich beiße also einmal von meinem trockenen Toast ab, der mir, nebenbei bemerkt, den Rachen verklebt, der so furchtbar trocken ist. Mit dem Weinen scheine ich jegliche Feuchtigkeit aus meinem Körper verbannt zu haben.

„Darren will also eine Pause?", fasst Mikael meine Geschichte zusammen. Ich zucke mit den Schultern.

„Er weiß wohl selbst nicht so recht, was er will." Es macht mich müde, so oft über diese Sache zu reden. Ich gähne und erinnere mich wage, dass ich vor einer Stunde zu Bett gehen wollte. Einer Eingebung folgend, frage ich Mikael, ob er weiß, wo Dad steckt.

„Ich schätze, er arbeitet", meint Mikael mit einem nachdenklichen Blick. Nickend stehe ich auf, den Toast habe ich widerwillig verdrückt und spüre jetzt, wie er in Klumpen in meinem Magen herum schwimmt. Mein Magen fühlt sich an wie ein Ballon, der bei der kleinsten Berührung platzen könnte.

Bevor ich also endlich zu Bett gehe, laufe ich einen Treppenabsatz nach oben, wo Dads Arbeitszimmer als einziges Zimmer in einem winzigen Flur liegt. Ursprünglich war das Zimmer der Dachboden, der bereits schimmelte und ein so großes Loch in der Wand aufwies, dass die Heizung noch so warm werden konnte – man gefror zu Eis. Ich klopfe angespannt und warte auf seine tiefe Stimme, die mich einlädt einzutreten.

„Ja?", macht es da auch sofort. Ich öffne die dunkelbraun gestrichene Tür und schiebe mich in sein Arbeitszimmer. Mittlerweile gibt es da kein Loch mehr, der Schimmel wurde beseitigt und an der Decke hängt eine Lampe, die den Dachboden so beleuchtet, dass er kein bisschen beängstigend wirkt, sondern heimelig.

„Du müsstest mir eine Entschuldigung für die Schule schreiben", sage ich leichthin und knete meine Hände. Erst da blickt er zu mir auf und mustert mich kurz.

„Geht es dir nicht gut?", will er wissen und mustert mich über den Rand seiner Brille hinweg. Er hat dieselben schwarzen Haare wie Mikael, nur dass sie bereits angefangen haben zu ergrauen. Auch seine Gesichtszüge lassen einen Außenstehenden sofort darauf schließen, dass Mikael und er verwandt sind. Er trägt ein ordentliches Hemd, auch wenn er genauso gut eine Jogginghose und T-Shirt tragen könnte, immerhin arbeitet er alleine und zuhause.

„Doch. Ich hatte nur heute morgen Bauchkrämpfe und konnte nicht gehen", lüge ich. Nur für einen kurzen Moment habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich ihn anlüge. Dann öffnet er den Mund und die Gewissensbisse verschwinden von einer auf die nächste Sekunde.

„Oh. Aber na klar." Er fischt einen Zettel aus einer seiner Schubladen hervor und beginnt darauf herum zu kritzeln. Ich beobachte, wie seine rechte Hand schnell über das Papier fährt und komme nicht umhin zu seufzen. Eine Eigenschaft, die uns verbindet. Außer Dad und mir besteht die Familie aus Linkshändern, verrückt, ich weiß. Irgendwann setzt er seine Unterschrift und stempelt das Stück Papier mit seinem persönlichen Stempel. Das lässt ihn seriös wirken, hat er mir mal erzählt, als ich zehn war.

„Danke." Damit drehe ich mich um und will sein Arbeitszimmer schon wieder verlassen. Dad mag es eigentlich nicht, wenn man ihn beim Arbeiten stört.

„Gibt es was neues in der Schule?", fragt er da und lässt mich inne halten. Ich drehe mich wieder um, sehe, dass er den Laptop zuklappt und mit verschränkten Fingern auf eine Antwort von mir wartet.

„Alles wie immer." Er spannt die Kiefermuskulatur an, sucht vermutlich verzweifelt nach einem Gesprächsthema. Am liebsten würde ich sagen: „Wir müssen uns nicht unterhalten, ich wollte sowieso ins Bett." Aber das tue ich nicht, in der Annahme, unserer Vater-Tochter-Beziehung damit den Gar aus zu machen.

„Du hast einen neuen Job", sagt er und auf meinen fragenden Blick hin, fügt er hinzu: „Mikael hat es mir erzählt." Oh.

„Ja, ich babysitte." Mehr weiß ich nicht zu sagen. Diese Situation wird mir allmählich echt unangenehm. Gähnend trete ich einen Schritt näher zur Tür.

„Ich gehe schlafen, Dad." Er nickt nur, wirkt irgendwie niedergeschlagen. Dann winkt er und wünscht mir eine gute Nacht. Ich schließe die Tür hinter mir und eile dann die Treppe hinab zu meinem eigenen Zimmer. Unsere Beziehung war nicht immer so verklemmt. Früher habe ich es geliebt, ihm beim Arbeiten zuzugucken.

Es hatte etwas Entspanntes an sich, wie er abwechselnd zum Kaffee griff und in die Tasten schlug. Er erzählte mir von seinen neuen Ideen und ich hörte zu. Irgendwann hörte Mum auf zu arbeiten, er musste allein für den Erhalt unserer Familie sorgen.

Von da an saß ich kaum noch bei ihm oben, der Kaffee wurde zu Whiskey und seine Ideen landeten auf den Bestsellerlisten. Ich bin mir nicht mal sicher, ob er abgesehen von Vorlesungen das Haus geschweige denn sein Arbeitszimmer überhaupt verlässt. Nicht mal sicher, ob er das aus einem bestimmten Grund tut oder einfach weil ihm nichts anderes übrig bleibt.



// surprise, surprise, it's long again

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