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Eins

Die merkwürdigste Begegnung meines Lebens, die mich ein ganzes Jahr später noch nicht losgelassen hat, fand vor etwa einem Jahr statt. Es war ein Montag und ich philosophierte mal wieder über das Leben, das zu diesem Zeitpunkt endlich ziemlich erträglich geworden war.

„Was wäre, wenn wir uns unser Leben nur einbilden? Wenn du gar nicht du sondern das Ergebnis meiner Vorstellungskraft wärst? Und alles andere wäre auch bloß das Ergebnis meiner Vorstellungskraft..." Ich stützte mein Kinn auf meinem Ellenbogen ab.

„Das würde dann zumindest erklären, warum ich eine Niete in Chemie bin – weil sich mein Gehirn nicht die Mühe gemacht hat, sich genau zu überlegen, aus welchen Atomen sich die Welt zusammenstellt!" Genau so musste es sein. Verschwörungstheorien interessieren mich schon seit ich denken kann.

Triumphierend sah ich meinen Freund Darren an, der eine Augenbraue hob und mich mit einem seltsamen Gesichtsausdruck musterte. Wir saßen(beziehungsweise, ich lag)auf seinem Bett und lernten Chemie, obwohl das Wort Lernen vermutlich die Übertreibung des Jahrhunderts war.

„Selbst wenn sich dein Gehirn das alles hier ausgedacht hat, ändert das nichts an dem Test, den du übermorgen schreiben musst", sagte Darren und schmunzelte. Ich seufzte. Das Schuljahr hatte gerade erst angefangen und trotzdem befanden wir uns längst in der stressigsten Klausurenphase aller Zeiten.

Meine Idee war doch gar nicht so abwegig. Gedankenverloren fuhr ich über seine Hand, die auf meinem Oberschenkel lag. Wirkte echt. Aber vielleicht war ich es ja, die gar nicht echt war...

„Eine schlechte Note könnte ich mir womöglich erlauben", flüsterte ich, so leise, dass er es kaum hören konnte. Meine Finger wanderten seinen Arm zu seinen recht breiten Schultern hinauf, fuhren ihm durch die blonden Haare, die kreuz und quer lagen.

Darren und ich waren zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren ein Paar. Alles hatte mit einem klischeehaften ersten Schultag an meiner neuen Schule begonnen, den ich verpatzte, indem ich dem Kapitän der Footballmannschaft – also Darren – aus Versehen meinen Kaffee über das T-Shirt schüttete. Drei Wochen später gingen wir auf unser fünftes Date und mittlerweile sind wir unzertrennlich.

„Konzentrieren wir uns doch lieber auf Chemie." Ganz der vorbildliche Musterschüler, der er eben ist. Schon damals bemühte sich Darren hauptsächlich darum, später ein Sportstipendium fürs College zu bekommen. Er nahm meine Finger von seinem Kopf, gab mir einen kleinen Kuss auf die Hand, woraufhin ich eine angenehme Gänsehaut bekam und rückte seine Lesebrille zurecht, die ihn nicht im geringsten blöd aussehen lässt. Im Gegenteil. Ich fahre total darauf ab, wenn er sie trägt.

Seine blonden Haare fielen ihm lässig ins Gesicht, während er mich abfragte und immer wieder grinste, sobald die Worte, „Keine Ahnung", über meine Lippen traten.

Also genau genommen die ganze Zeit. Dabei bildeten sich diese total süßen Grübchen, die mich schon bei unserer ersten Begegnung magisch angezogen hatten, als er behauptet hatte, mir jetzt wohl einen neuen Kaffee kaufen zu müssen. Lächelnd erinnerte ich mich zurück, wie er mich nach draußen entführt und tatsächlich für einen zweiten Kaffee bezahlt hatte, nachdem ich ihn umgerannt hatte.

Seit diesem Moment war ich absolut und unwiderruflich in Darren verliebt. Seine liebevolle Geste, wo die meisten anderen Menschen mich doch eher zur Sau gemacht hätten, ließ mein Herz höher schlagen. Ich glaubte fest daran, dass wir eines Tages heiraten würden, unsere Gene in einem kleinen Mini-Darren vermischen würden. Dass wir zusammen alt und glücklich würden.

Irgendwann hatte ich dann genug vom Lernen, es war bereits spät und um nach Hause zu kommen, musste ich eine Stunde lang mit dem Bus fahren. Ich verabschiedete mich also mit einem innigen Kuss von Darren, wünschte ihm eine gute Nacht und eilte dann zur nächsten Bushaltestelle, die glücklicherweise nur zwei Straßen weiter war.

Ich frage mich jetzt seit etwa einem Jahr, warum ich nicht einfach bei Darren blieb. Ob es etwas geändert hätte? Ob alles anders gekommen wäre? Wäre ich heute derselbe Mensch, der ich geworden bin?

Ich konnte ja nicht ahnen, wie alles so verdammt verzwickt werden konnte, wo alles doch bloß mit einer unschuldigen Geste anfing. Ich fühlte mich beschwingt – Hormone, nennen sie das – die Chemieaufgaben hatte ich längst verdrängt und war in Gedanken ganz wo anders, als mich auf einmal jemand ansprach.

„Miss? Entschuldigen sie!" Ich reagierte erst nicht, war es schließlich nicht gewohnt auf offener Straße von Fremden angesprochen zu werden.

„Miss?" Nochmal. Da blickte ich dann doch auf und sah dem Mann, der in einer verblichenen Jeansjacke und mit zitternden Händen vor mir stand, direkt in die Augen. Sie waren rot gerändert und wirkten verzweifelt – ehrlich verzweifelt. Unwillkürlich lächelte ich ihn aufmunternd an.

„Kann ich ihnen helfen?", fragte ich und legte den Kopf schief. Seine roten Augen weiteten sich, aus Erleichterung oder Hoffnung, vermutlich beidem.

„Tatsächlich! Ich verspreche ihnen, dass ich kein Säufer bin, der um Geld bettelt und nachts auf der Parkbank schläft, weil er es für Alkohol ausgibt." Der Mann, der einen merkwürdigen Akzent hatte – heute weiß ich mit 100 prozentiger Sicherheit, dass es ein irischer Akzent war – fuhr sich durch die Haare, die im Licht der untergehenden Sonne dreckig glänzten. Ich zog die Augenbrauen zusammen.

„Ich lag gestern den ganzen Tag wegen Verdacht auf Herzinfarkt im Krankenhaus, wurde dann entlassen und jetzt muss ich unbedingt nach Hause fahren. Ich habe 15 Dollar, aber die Fahrt kostet 17. Nun bitte ich sie um zwei Doller, die ich ihnen gerne bei Gelegenheit zurück gebe." Er zeigte mir seine Geldscheine, wie zum Beweis und schenkte mir dann ein verzweifeltes Lächeln. Mir wurde kalt und warm gleichzeitig, so hilflos schien seine Bitte auf mich. Wie oft hatte ich schon mal nicht genug Geld für den Bus gehabt? Er tat mir unwillkürlich leid, selbstverständlich tat er das.

„Natürlich." In der Ferne sah ich, dass mein Bus sich näherte. Eilig fischte ich in meiner Tasche nach einer zwei Dollar Münze.

„Bitteschön." Erneut lächelte ich ihn an, konnte mir gar nicht vorstellen, wie er die letzte Nacht verbracht haben musste. Etwa wirklich auf einer Parkbank? Und dann auch noch mit Herzinfarktrisiko. Hatte er keine Familie, die ihn aus dem Krankenhaus hatte abholen kommen können? Kurz bevor der Bus vor uns anhielt, legte der Mann mir eine Hand auf die Schulter. Okay. Jetzt wurde mir doch mulmig zumute. Hatte ich einen Fehler gemacht? Diese Berührung spielte sich noch einige Tage, Wochen später hinter meinen Augen ab. Sie war eiskalt.

„Wie kann ich ihnen das zurückzahlen?", wollt er bloß wissen, seine Augen schimmerten merkwürdig. Tränen?

„Zahlen sie es nicht mir zurück, sondern sich selbst." Ich machte einen Schritt vorwärts, ehe ich mich noch mal zu ihm umdrehte. Ganz egal, ob dieser Mann mich angelogen hatte oder nicht, seine Verzweiflung war echt.

„Indem sie daran arbeiten, keinen Herzinfarkt zu bekommen." Seinem Aussehen nach zu urteilen konnte er nicht viel älter sein als mein Dad. So früh sollte ein Mensch nicht an einem Herzinfarkt sterben. Der Mann riss erschrocken die Augen auf. Ich winkte ihm noch zu, dann stieg ich in den Bus und erinnerte mich noch Tage später, während der Chemieklausur, die ich nebenbei bemerkt komplett verhaute, an ihn und seine Bitte.



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