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Achtunddreißig

Am nächsten Tag ist es gerappelt voll im Sekretariat und im Flur davor. Khan und ich stehen mit Mariah etwas abseits und lassen die anderen aus unserer Theater-AG vor. Zwar behaupten wir, wir täten es, weil es uns zu voll ist, aber ich bin mir sicher, dass Khan ebenso wie ich von Zweifeln erfüllt wird. Was, wenn ich die Rolle nicht bekommen habe? Dann habe ich mir die Mühe umsonst gemacht, dann... bin ich gescheitert. Dann habe ich wieder nichts, worauf ich mich freuen kann und werde Regieanweisungen geben müssen.

„Du zitterst ja", sagt Mariah. Ihre Pony wippt dabei auf und ab. Anders als ich sieht sie heute ziemlich müde aus. Ihre Klamotten sind zerknittert, ihre Haare in einem unordentlichen Messy-Bun. Wenn man sie nicht kennt, wie ich es tue, könnte man annehmen, sie hätte sich absichtlich so zurecht gemacht.

„Kannst du es mir verdenken?" Ich reibe mir über die Arme, die sicher in einem hellblauen Strickpullover stecken. Dennoch habe ich eine Gänsehaut und friere. Über Mariahs Aussehen reden wir später – ich möchte wissen, was mit ihr los ist. Wir haben seit Ewigkeiten nicht mehr richtig mit einander gesprochen. Ich war zu beschäftigt mit mir selbst. Beschämt kneife ich mich in den Unterarm. Eine tolle Freundin bin ich!

„Mrs. Bonnefelder liebt dich! Es würde ihr nicht im Traum einfallen, die Rolle jemand anderem zu geben!" Sie rückt ihre Brille zurecht.

„Weißt du nicht mehr, wie sie dich damals für Desiree gelobt hat?" Ich zucke bloß mit dem Achseln.

„Sie hat damals jeden gelobt, der irgendwie beim Stück mitgeholfen hat." Aber Mariah hat recht. Mrs. Bonnefelder mag mich. Ob dieses Mögen reicht, um mir die Rolle der Cinderella zu geben?

„Desiree?", fragt Khan. Stimmt, er ist auch hier. Über die ganzen Selbstzweifel habe ich seine Anwesenheit ausgeblendet. Verrückt, dass ich es schaffe Khan auszublenden.

„Vor zwei Jahren habe ich Desiree gespielt, wir haben ihre und Napoleons Geschichte aufgeführt." Anerkennend nickt er.

„Dann solltest du nicht so aufgeregt sein, Blondie. Klingt viel anspruchsvoller als Cinderella." War es nicht. Selbst als Hauptrolle hatte ich nicht so viele Auftritte wie sie Cinderella in diesem Stück hat. Lag vielleicht daran, dass es in erster Linie um Napoleon ging. Ich habe im Hintergrund dafür viel von der Geschichte gesprochen.

Allmählich lösen sich die Schülermassen und wir nähern uns dem Sekretariat. An einer Wand hängen zwei Listen. Noch stehen zu viele vor uns, als dass ich auch nur einen Namen ausmachen könnte.

„Hast du...", setze ich an, werde aber unterbrochen, als sich jemand in die Seite rammt, um vorbei zu kommen. Anne. Ich werde in Khan geschoben, der mich prompt festhält.

„Autsch", mache ich leise und reibe mir meine Seite.

„Anne", es ist Darrens drohende Stimme, die folgt.

„Ups", sagt diese bloß, während sie versucht, einen Blick auf die Liste zu erhaschen. Als wäre es ein Versehen gewesen. Wir wissen alle, dass es keines war.

Khan stellt mich auf die Füße, lässt seine Hand allerdings auf meinem Rücken liegen. Dankbar blicke ich zu ihm auf. Seine Wärme ist genau das, was ich jetzt brauche.

„Das kann nicht sein!" Annes ohrenbetäubender Ausruf klingt in der Halle wider. Khans Aufmerksamkeit liegt weiterhin auf mir, ich allerdings reiße mich aus der Starre. Plötzlich ist mir viel zu warm.

Anne steht jetzt direkt vor den Listen, bewegt sich nicht. Endlich schaffen auch wir es, uns unseren Weg nach vorne zu bahnen.

Erneut: „Da muss ein Fehler vorliegen."

„Anne?", fragt Darren und legt ihr eine Hand auf die Schulter. Diese Geste wirkt vertraut. Ich beiße mir auf die Lippe, und bevor ich Annes und Darrens Vertrautheit überdenken kann, schiebt mich Khan vorwärts. Er verzieht den Mund zu einem wissenden Grinsen. Ich hingegen reiße die Augen auf.

Cinderella: Stew Dexter

Zweitbesetzung: Anne Melody Boir

Nein. Träume ich?

„Oh mein Gott", hauche ich. Einige Zeilen darunter dann die zweite gute Neuigkeit.

Prinz Charming: Khan Mayfield

Zweitbesetzung: Darren Aden

Ich drehe mich zu Mariah und Khan um, vergesse Anne und Darrens Anwesenheit. Dann falle ich Khan um den Hals. Er taumelt zurück, offenbar überrascht von meiner Reaktion, dennoch weiterhin ein Grinsen auf den Lippen. Fast schon automatisch legen sich meine Beine um seine Hüfte. Wir taumeln gemeinsam ein weiteres Stück zurück.

„Wie im Märchen", murmelt Mariah hinter uns, eine Spur Sarkasmus im Ton. Ich bin zu beschäftigt damit, Khan die Luft abzupressen, als darauf zu antworten. Sein Duft nach Weihnachten hüllt mich ein und für einen Moment fühle ich mich so geborgen und sicher wie lange nicht mehr. Wir haben es geschafft. Wir haben tatsächlich die Hauptrollen bekommen.

Khan drückt mich an sich, seine Hände warm auf meinem Rücken.

„Du rückst dem Broadway näher, Charming", flüstere ich, sodass es außer uns keiner hören kann. Eine Sekunde versteift er sich, dann drückt er mich noch fester.

„Was soll ich sagen, Blondie? Ich hatte eben einen guten Übungspartner." Mir wird sofort warm ums Herz. Aber bevor wir uns weiter necken können, macht Anne erneut einen Ausruf.

„Das ist ein Fehler." Nicht mal ihre Worte und ihre Ungläubigkeit können mich von diesem Hoch runter holen. Khan und ich lösen uns voneinander, bleiben aber weiterhin dicht beisammen. Mariah schenkt mir ein Lächeln, das vermitteln soll Ignorier sie, sie ist neidisch. Gleichzeitig flackert ihr Blick, eine weitere Botschaft, die ich nicht ganz deuten kann.

Ich hebe die Augenbrauen, schenke ihr eine genauso stumme Antwort. Das habe ich vor.

Ich nehme Khan beim Unterarm und ziehe ihn aus der Menge. Dasselbe mache ich mit Mariah.

„Miss Boir?" Es ist Mrs. Bonnefelder, die uns entgegen eilt. Als sie Khan und mich entdeckt, grinsend und voller Vorfreude, lächelt sie uns an.

Sie eilt auf die bleibende Menschenmenge zu, die wir eigentlich hinter uns lassen wollten. Stattdessen bleibt Mariah jetzt stehen, blickt zurück und wartet. Seufzend tue ich es ihr gleich, meine Hand weiterhin um Khans Unterarm. Ein Stückchen tiefer und ich könnte seinen Puls fühlen.

„Thank god, Mrs. Bonnefelder. Sie können uns bestimmt helfen und sagen, dass das ein Tippfehler ist." Anne klingt ehrlich bestürzt. Wow. Sie wollte diese Rolle anscheinend mindestens genauso dringend wie ich. Ich spüre einen Stich in meinem Herzen. Vielleicht hätte ich ihr den Vortritt lassen sollen. Anne ist kein schlechter Mensch, auch wenn sie mich schlimm verletzt hat. Vielleicht verdient sie es genauso wie ich...

„Ich fürchte, es handelt sich hierbei um keinen Tippfehler. Stew wird Cinderella spielen." Die Menge löst sich auf und ich kann Annes wütenden Blick ausmachen. Sie sieht mich jetzt direkt an.

„Das ist nicht fair." Sie zieht einen Schmollmund.

„Sie durfte schon Desiree spielen. Mrs. Bonnefelder, bitte." Der Gesichtsausdruck unserer Lehrerin wird hart. Sie runzelt die Stirn.

„Miss Boir, sie müssen lernen, mit einer Niederlage klarzukommen. Es ist nicht der Weltuntergang, reißen sie sich zusammen. Sonst verteile ich die Zweitbesetzung an Delilah." Und mit diesen Worten hängt sie einen weiteren Zettel zu den Listen. Dann richtet sie sich an uns übrige.

„Richten sie ihren Mitschülern aus, dass wir nächste Woche mit den Proben anfangen – daher der Zettel. Ich möchte dazu nicht nur den Montag nutzen, sondern auch den Donnerstag, an dem sie bekanntlich alle keinen Nachmittagsunterricht haben. Zuhause üben sie am besten schon mal ihre Passagen." Sie holt tief Luft. Den Donnerstag. Verdammt. Meine Sitzung mit Miss Nadine.

„Das Stück wird zwei Wochen nach den Weihnachtsferien aufgeführt. Da die meisten von ihnen im Abschlussjahrgang sind, denke ich, es ist von ihrer aller Belangen, dieses Stück gut zu präsentieren. Enttäuschen sie mich nicht."

Und so rauscht sie auch schon wieder an uns vorbei, nicht aber ohne mir ein: „Gut gemacht", zuzuraunen.

Anne sieht das allerdings anders, bekommt unglücklicherweise unseren Wortwechsel auch mit. Sobald Mrs. Bonnefelder um die nächste Ecke verschwunden ist, kommt sie auf unser kleines Grüppchen zu. Die restlichen Umstehenden lösen sich indessen auf und verduften. Es wird still im Flur.

„Was hast du ihr gegeben, um die Rolle zu bekommen?" Ich zucke zusammen, als hätte sie mich geschlagen. Sie kommt näher, deutet anklagend mit dem Zeigefinger auf mich. Mein Griff um Khans Unterarm wird fester.

„Unterstellst du mir, betrogen zu haben?" Unglaublich. Was ist bloß los mit ihr? Sie schnaubt nur. Habe ich wirklich gesagt, sie verdiene diese Rolle? Sie sei kein schlechter Mensch?

„Natürlich hast du sie bestochen! Ansonsten hätte ich die Rolle bekommen."

„Vorletztes Jahr hat es dich doch auch nicht interessiert, die wievielte Kammerzofe du spielst", mischt sich Mariah ein und stellt sich schützend vor mich. Es stimmt. Anne war es schlichtweg egal. Ich war das Theater-Mädchen. Ich bin es immer noch. Kopfschüttelnd drehe ich mich um und lasse Khans Arm los. Das gebe ich mir nicht länger. Sie soll mich verdammt noch mal in Ruhe lassen. Sollen sie und Darren doch machen, was sie wollen. Dieser steht bloß stumm daneben, beinahe als wäre er gar nicht hier. Was denn, fungiert er jetzt auf einmal als ihre Marionette?

„Von mir aus", schnaubt Anne, Selbstgefälligkeit präsent in ihrer Stimme.

„Kotz dir weiter die Seele aus dem Leib. Vielleicht passt du dann auch in Cinderellas Kostüm!" Vor Schreck stolpere ich über meine eigene Füße. Mir wird kurz schwarz vor Augen, aber bevor irgendwem einfallen kann, mich aufzufangen, habe ich mich selbst wieder gefangen. Mit brennenden Wangen und Augen richte ich mich auf.

„Neid steht dir nicht, Anne." Meine Stimme ist leise und kommt bloß in Form eines Krächzens aus meinem Mund. Ich weiß nicht mal, ob sie meine Worte überhaupt hört. Was ich weiß, ist, dass ich drohe, hier und jetzt einen Nervenzusammenbruch zu erleiden. Eben noch dachte ich, nichts würde mich von meinem Hoch herunter holen.

Vielleicht passt du dann auch in Cinderellas Kostüm.

Demonstrativ rebelliert mein Magen. Ich habe noch nichts gegessen. Die Aufregung war zu groß, als dass ich heute Morgen auch nur eine Banane hätte verdauen können. Anne nimmt Fakten und verdreht sie so lange, bis sie überhaupt keinen Sinn mehr ergeben.

Mein Herz schlägt schneller, als ich mit hocherhobenem Kopf davon laufe – erst langsam, dann renne ich. Ich beiße mir so fest in die Innenseite meiner Wange, dass ich Blut schmecke. Bloß nicht weinen. Keine Träne. Die Menschen hier dürfen mich nicht weinen sehen. Ich weiß, dass Mariah und Khan mir folgen.

„Ich brauche etwas Zeit für mich", sage ich kurz angebunden zu ihnen.

Vielleicht passt du dann auch in Cinderellas Kostüm.

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