1643
In ein schwarzes Kleid gehüllt und das Gesicht unter einem ebenso schwarzen Schleier verborgen stieg Anne hoheitsvoll aus der Kutsche. Sie musste trauernd wirken, jedoch nicht gebrochen. Also hob sie ihr Kinn an und schritt hoheitsvoll durch das Tor auf ihr verhasstes Zuhause zu.
Jeder einzelne Winkel des Louvre erinnerte die Königin an Constance. Wie sie mit einem neuen Kleid durch die Türe schneite. Wie sie beim Sticken herumalberte. Wie sie sich spätabends überreden liess leise flüsternd Gespräche über Aramis und d'Artagnan zu führen.
Doch Anne sollte nicht um ihre Zofe trauern, sondern um ihren Ehemann. Um ihren geliebten Ehemann, den König. Auch wenn es Anne noch so gleichgültig war, dass der König in der vergangenen Woche das Zeitliche gesegnet hatte, musste sie doch für die Öffentlichkeit die trauernde Königswitwe spielen.
Sie ekelte sich über die Worte, die sie sich für die Öffentlichkeit zu Recht gelegt hatte. Denn sie waren falsch. Falsch und erlogen. Doch sie würde sie aussprechen, diese falschen Worte, denn etwas Gutes hatte die ganze Angelegenheit schon. Mit dem Tod des Königs verfiel auch sein Befehl, dass sie dem Louvre fernbleiben musste. Sie konnte nun ihre Gemächer wieder bewohnen und ihren Sohn sehen. Er war nun viereinhalb Jahre alt und kannte seine Mutter nicht wirklich. Anne hatte sich fest vorgenommen, das zu ändern.
Umso niedergeschlagener war sie, als das Testament des Königs kundgetan wurde. Er verbrannte sie nicht aus dem Louvre — das hätte seinem Ruf zu fest geschadet — doch würde ein Regentschaftsrat mit der Regierung beauftragt werden, bis Louis genug alt war um das selbst zu übernehmen. Anne würde nichts zu sagen haben.
Das Schlimmste aber war, dass sie ihren Sohn nicht sehen durfte. Es war ihr strengstens verboten sich seinen Gemächern auch nur zu nähern oder gar mit ihm zu sprechen. Jede Verletzung dieses Befehls würde sie das Recht kosten im Louvre zu leben.
Nach ein paar Stunden der Verzweiflung und Ratlosigkeit hatte Anne sich ein Herz gefasst und beschlossen für ihren Sohn zu kämpfen. Es würde schwierig werden für sie als Frau Zustimmung im Rat zu finden, aber sie würde kämpfen. Und sie würde nicht aufgeben, solange es noch eine kleine Chance für sie gab.
Constance hatte gekämpft für ein gemeinsames Leben von Mutter und Kind. Sie hatte sich eingesetzt für das, was sie für richtig gehalten hatte bis zu ihrem tragischen Ende. Anne würde ihrem Beispiel folgen. Sie würde nicht aufgeben. Sie würde nicht aufhören zu kämpfen, bis sie entweder ihren Sohn treffen konnte oder ihrer Freundin in den Tod gefolgt war.
Die Königin lächelte. Constance wäre bestimmt stolz auf sie.
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