Chào các bạn! Vì nhiều lý do từ nay Truyen2U chính thức đổi tên là Truyen247.Pro. Mong các bạn tiếp tục ủng hộ truy cập tên miền mới này nhé! Mãi yêu... ♥

41. Kapitel: Der Köder

Mir gefror das Blut in den Adern. James wollte mich benutzen, um Elion aus seiner Deckung zu locken – aus dem Sturm, der Elion zu ersticken drohte und in dem er offenbar immer noch feststeckte. Bei dem Gedanken daran, wie Elion seit Stunden um Luft rang und um sein Leben kämpfen musste, wurde mir übel.

James griff nach meinem Arm und wollte mich hochreißen, doch er stockte mitten in seiner Bewegung und schwankte. Ein ungläubiges »Was zum ...« entfuhr ihm, bevor er losbrüllte: »Das ist Treibsand!« Er verlor das Gleichgewicht und kippte nach hinten, wobei er mich mit sich riss und ich neben ihm im Schlamm landete.

Der Schmerz schoss augenblicklich in mein Bein, den Oberkörper und hinauf zum Hals auf und überlagerte das Pochen in meinem Kiefer.

Rotes Licht flackerte hektisch über den Grund des Toteiskessels und ich sah schwarzen Schlamm um mich herum, der zähe Blasen schlug. James steckte bis zu den Oberschenkeln im Schlick, während ich selbst nur wenige Zentimeter in ihm versunken war. Hastig rappelte ich mich auf und kroch halb blind vor Tränen und Schmerz auf Lay zu. Sie kniete keinen Meter von mir entfernt und versuchte vergeblich, ihre Hände aus dem Schlamm zu ziehen.

»Holt mich hier raus!«, kreischte James hysterisch. Die Nephilim eilten zu ihm hinab auf den Grund des Toteiskessels. Dabei achteten sie weder auf mich, noch auf Lay, denn kaum hatten sie die Senke erreicht, blieben sie wie James stecken und versanken im Schlamm.

»Komm!« Ich umfing Lays Taille mit beiden Armen und zog an ihr. Ohne jedweden Widerstand glitten ihre Hände aus dem Schlick und als einer der Nephilim unsere Flucht bemerkte, waren wir schon auf den Beinen und wateten durch knöcheltiefen Matsch.

»Sie hauen ab!«, rief Proklos alarmiert. Das rote Licht seiner Helmlampe huschte unentschlossen zwischen uns und James hin und her, der wild mit den Armen ruderte, als hoffte er, wie ein menschgewordener Kolibri davonfliegen zu können.

Einer meiner Füße ertastete festen Untergrund, als sich mein anderer Fuß in einer Ranke verfing und ich der Länge nach hinschlug. Diesmal war es Lay, die mir aufhalf und an mir zog, bis sich mein Fuß aus dem festgesteckenden Schuh löste und ich frei war.

Hinter uns wurden die Schreie immer lauter und schraubten sich schrill in die Höhe, doch ich war mir sicher, dass die Nephilim uns nicht so schnell folgen würden.

Viel dichter als ich nach unserer Flucht vermutet hatte, erhob sich links von uns die Sturmwand, deren unterer Rand gleißend hell angestrahlt wurde, als hätte man mehrere Scheinwerfer auf ihn gerichtet. Der Rest der Umgebung versank in Dunkelheit.

Lay hielt meine rechte Hand fest umklammert und ich stolperte hinter ihr her, buchstäblich zerschlagen und nur noch mit einem Schuh, mich darauf verlassend, dass ihre übernatürliche Sehkraft uns auch in tiefster Nacht nicht im Stich lassen würde. Wir befanden uns auf offenem Feld und unsere einzige Hoffnung auf Flucht bestand darin, dass James und sein Team im Schlamm versanken, ehe sie Unterstützung rufen konnten. Im modrigen Schlamm, der sich wie aus dem Nichts in einer staubtrockenen Tümpelmulde gebildet hatte ... Hatte ich den Toteiskessel in eine Todesfalle verwandelt? Warum hatte dann die Samadu nicht reagiert? War sie womöglich defekt oder hatte ihre Wirkung verloren? So oder so, zum ersten Mal in meinem Leben war ich froh, dass etwas mit mir nicht stimmte und dieses Etwas Menschen um mich herum in den Tod riss. Oder Halbgötter.

Doch die Falle sollte nicht von Dauer sein, das wurde mir in dem Moment klar, als sich Lays Schritte verlangsamten.

»Ich spüre James. Er nähert sich und greift nach meinem Geist.« Sie sprach gelassen, als fürchtete sie nicht die Qualen, die ihr erneut drohten. »Ich bleibe zurück und versuche, James auszuschalten. Du läufst weiter, so lange und so schnell du kannst.«

Ich stieß einen Laut aus, halb trostloses Lachen, halb angestrengtes Luftschnappen, bei dem meine Rippen knackend protestierten. »Also noch ganze fünf Meter?«

»Das ist definitiv zu wenig, du musst – « Der Satz riss ab und ich hörte, wie Lay hinter mir in die Knie ging. Scharf umrissen vor dem Sturm hinter ihr sah ich die Silhouette ihres vor Schmerz gekrümmten Körpers und wollte ihr aufhelfen. Lay wehrte mich mit kraftlosen Bewegungen ab. »Lauf weiter!«, stieß sie hervor.

»Nicht ohne dich!« Ich tastete nach ihrer Hand. Sie zitterte unkontrolliert. Lay wollte mich zurückstoßen, doch selbst eine lästige Mücke wäre von ihrer Bewegung unbeeindruckt geblieben. Dann sackte sie wimmernd neben mir zusammen.

Es war vorbei. Selbst wenn ich skrupellos genug gewesen wäre, Lay zurückzulassen, würde ich nicht weit kommen. Also wartete ich hilflos auf das, was kommen mochte. Wenn die Nephilim sahen, dass wir keinen Widerstand leisten, würde James wenigstens von Lay ablassen.

Ich roch sie, ehe ich ihre Umrisse sich nähern sah: Fäulnis und Moder eilten ihnen voraus. Als sie uns erreichten, war der Gestank, der an den bis zu ihren Hälsen schlammverkrusteten Nephilim haftete, so durchdringend, dass ich vor Abscheu würgte.

»Netter kleiner Trick«, knurrte James und riss Lay auf die Beine. »Scheint aber nicht auf Distanz zu funktionieren.«

Sie wissen es nicht, erkannte ich. Sie wissen nicht, dass ich den Toteiskessel in Treibsand verwandelt habe, und machen Lay für ihr unfreiwilliges Schlammbad verantwortlich. So lange die Nephilim nicht herausfanden, dass ich es war, die Tod und Verderben brachte, würde ich meinen Kopf mit etwas Glück und Verstand noch eine Weile behalten. Ich musste nur die Klappe halten und dafür sorgen, dass sie die Samadu nicht entdeckten ...

Lay schrie gequält und James lachte boshaft auf. Dieser Sadist folterte sie, obwohl wir keinerlei Widerstand leisteten.

Jemand griff meinen Oberarm und zog mich hoch, während Lays unerträgliche Schmerzensschreie in meinen Ohren schrillten. Uns zu ergeben hatte es nicht besser gemacht: Nicht, so lange wir uns in den Händen eines Irren befanden.

Ich rammte dem Naphil an meiner Seite den Ellenbogen in dem Magen und stürzte mich auf James. Sei es, weil er davon abgelenkt war, Lay zu quälen, oder weil sein elender Gestank ihn ebenso benommen machte wie mich – es gelang mir jedenfalls gegen jedwede Wahrscheinlichkeit, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und zu Boden zu reißen. Erleichtert nahm ich wahr, wie Lays Schrei augenblicklich erstarb.

Dann wurde mir der Helm vom Kopf gerissen, jemand rammte einen Rammbock gegen meinen Schädel und ich hörte nichts mehr.

*******

Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich zwischen zwei Nephilim wieder, die mich unter den Achseln gepackt hatten und auf die Sturmwand zuschleifend. Mein rechtes Auge schwoll zu. Ein Rinnsal warmen Blutes lief über meine Schläfe und sammelte sich in meinem Mundwinkel. Der Helm, den Elion mir überlassen hatte, war verschwunden. Ich hatte versucht zu kämpfen, war innerhalb von Sekunden gescheitert und hasste mich für meine eigene Schwäche.

»Setzt den Hörschutz wieder auf, sobald wir da sind.« James klang euphorisch. Er hatte, was er wollte – und bald noch mehr. »Ich will nicht, dass Copettius noch mehr Schaden anrichten kann, bevor wir ihn kriegen.«

Ein Hörschutz, dachte ich benommen. Elion wird sie nicht aufhalten können, weil sie seine Befehle nicht hören werden. Nutzlose Tränen der Wut, Hilflosigkeit und des Schmerzes brannten in meinen Augen, während die Sturmwand sich unaufhaltsam näherte.

»Sullivan!«, rief eine Frau uns entgegen. Ich versuchte, meinen Kopf zu heben, doch durch James brutalen Griff in meinem Nacken wollten mir meine verkrampften Muskeln nicht gehorchen. Die Nephilim, die mich halb trugen, halb schleiften, blieben stehen.

»Theta-fünf ist weiterhin im Sturm verschollen«, meldete die Frau. »Drei von fünf Signaturen haben wir verloren. Wir sollten Theta-Dreizehn auf die Suche nach ihnen – «

»Wir geben sie offiziell auf«, unterbrach James sie ungeduldig. »Jedes Team, das uns verloren geht, habe ich zu verantworten. Ich habe keine Lust, die ersten Tage in meiner neuen Position mit lästigem Papierkram verschwenden zu müssen.«

»Aber Sullivan, du kannst doch nicht – «

»Ich kann!«, blaffte James. »Und ich werde, denn nun bin ich der Primus – oder so gut wie. Wenn du meine Befehle also weiterhin in Frage stellst, werde ich mit Freude mein erstes Disziplinarverfahren an dir durchführen!«

»Verstanden, Sir!«, stammelte die Frau. Ich hörte, wie sie dabei die Hacken ihrer Stiefel zusammenschlug und verzog angesichts ihrer bedingungslosen Hörigkeit angewidert den Mund. »Da gibt es noch etwas, was du ... Sie«, verbesserte sich die Frau hastig, »was Sie wissen sollten, Sir: Die Magus von Theta-Drei-Drei-Acht hat eine Theorie bezüglich des Sturms.«

»Dreihundertachtunddreißig«, sagte James verächtlich. »Denen würde ich nicht einmal eine Theorie abkaufen, in der es darum geht, wie man Nudeln kocht.« Er lachte laut über seinen eigenen miserablen Scherz. Niemand lachte mit. Die Frau räusperte sich vernehmlich. »Wie lautet die Theorie?«, fragte James verärgert.

»Sie sagt, Ashrai wären in der Lage, solch einen Sturm heraufzubeschwören.«

»Ashrai? Nie davon gehört. Du, Jasper?«

»Ja, Sir«, bellte Jasper, der Naphil zu meiner Linken, dessen Hand sich in meine Achsel grub. »So nannte man Windgeister in den Mythen und Folkloren der wilden Wüstestämme zur Zeit der ersten Quradim.«

»Also Märchenfiguren, mit denen man Kindern vor achttausend Jahren Angst eingejagt hat«, sagte James verächtlich. »Einigen wir uns darauf, dass wir es schlicht und einfach mit Wetter zu tun haben. So etwas soll ja vorkommen. Sag Theta-Drei-Drei-Acht, sie werden morgen früh in den Tschad versetzt. Da können sie ihrer Magus dabei helfen, den Unterschied zwischen Märchen und Wirklichkeit zu lernen.«

»Ja, Sir«, sagte die Frau. »Es war mein Fehler, Sie damit zu behelligen, Sir, ich entschuldige mich vielmals, Sir. Darf ich stattdessen fragen, Sir, warum Sie und Ihr Team voller Schlamm sind, Sir?«

Ich spuckte aus. Wenn ich noch einmal das Wort Sir hören musste, würde ich anfangen, im Strahl zu kotzen. »Weil James-Arschloch-Sullivan ein stinkendes Schwein ist«, sagte ich undeutlich, weil ich meinen lädierten Kiefer kaum auseinander bekam.

Diesmal traf mich die Faust im Magen. Bittere Säure schoss meine Kehle hinauf und vermischte sich dort mit dem Geschmack von Blut.

»Gebt mir den Hörschutz«, befahl James. »Es wird Zeit, dass ich den Fuchs aus seinem Bau locke, ehe ich seinen aufsässigen Köder in seine Einzelteile zerlege.«

Ich verzog den Mund zu einem verächtlichen Grinsen. »Deine Metaphern sind so langweilig wie deine Machtfantasien.«

James knurrte. »Oh, du hast ja keine Ahnung, wie vielfältig meine Fantasien sein können, Nammashtu.« Seine Hand griff brutal in mein Haar und zog mich hinter sich her. »Also gebe ich dir einen kleinen Vorgeschmack.«

Ich brüllte meinen Schmerz hinaus, versuchte, mit meinen austretenden Füßen Halt zu finden, und klammerte mich an James Hand, damit er mir nicht die Kopfhaut abriss. Dann blieb er stehen, umfasste mit einem Arm meine Mitte, hievte mich auf die Füße und drückte mich an sich. Mit der freien Hand umfasste er grob meinen pochenden Kiefer und hob meinen Kopf, bis ich durch den Tränenschleier hindurch auf die wirbelnde Sturmwand wenige Meter vor uns blickte.

»Ruf ihn«, sagte James direkt an meinem Ohr, »damit er weiß, dass du da bist.«

»Fick dich«, stieß ich so laut wie möglich zwischen den Zähnen hervor, damit James mich trotz seines Hörschutzes klar und deutlich verstand.

»Später«, säuselte James. »Und dabei werde ich daran denken, wie ich deine hässliche Visage zu Brei zerschlagen habe, bis mir einer abgeht.« Er drückte mich fester an sich und ich erstarrte. Etwas eindeutig Hartes drückte in mein Kreuz. Nicht nur, dass ich Elion herauslocken sollte; das hier erregte diesen Drecksack auch noch.

Der Griff um meinen Kiefer löste sich, dann drückte James Oberarm auf meinen Kehlkopf. Dabei legte er eine Hand auf meinen Hinterkopf und übte dabei genug Kraft aus, um meine Nackenwirbel knirschen zu lassen. »Copettius!«, brüllte James in den Sturm hinein. »Gib mir nur einen guten Grund, deiner kleinen Nammashtu nicht das Genick zu brechen!« Nichts rührte sich. Das Fauchen des Windes war leiser geworden, als lauschte der Sturm gespannt auf das, was kommen mochte. »Oder ich finde heraus, warum du dein Team für dieses Tier opferst«, fuhr James fort. »Wie ich gehört habe, hatte dein Vater ja ein reges Interesse an ihr: Was für den mächtigsten Primus in der Geschichte und seinen Bastard gut genug ist, gefällt ja womöglich auch mir, was meinst du? Ich werde so lange meinen Spaß mit ihr haben, bis sie mich anfleht, ihr das Genick zu brechen!«

Ich zweifelte keine Sekunde lang am Wahrheitsgehalt von James' Drohungen. Mein bisheriger Eindruck von ihm reichte vollkommen aus um mir auszumalen, wie er mich quälen und missbrauchen würde, ehe er mich umbrachte. Nackte Angst vor dem, was mich erwartete, flutete mein Gehirn. Etwas Warmes lief meine Beine hinab. Es blieb nicht unbemerkt.

»Sie hat sich vollgepisst«, höhnte James schadenfroh. »Hörst du, Copettius? Dein Haustier ist nicht stubenrein! Aber das ist nichts, was eine richtige Erziehung mit harter Hand nicht richten könnte!«

Ich brüllte vor Wut, Scham und Verzweiflung auf und trat nach hinten aus. Damit bezweckte ich nichts, außer dass James den Druck auf meine Kehle verstärkte und mein Brüllen zu einem erbärmlichen Gurgeln abgewürgte.

Schwarze Blitze zuckten zunehmend über mein Sichtfeld und ich betete stumm und der Ohnmacht nahe, dass der Schatten, der sich viel zu schnell durch die angestrahlte Aschewand näherte, nur eine durch Sauerstoffmangel hervorgerufene Halluzination war. Doch dann entspannte sich James Arm um meinen Hals etwas, kalte Luft strömte in meine Lungen und ich wusste: Er sah, was ich sah.

Elion trat wie eine Erscheinung aus dem Sturm, im gleißenden Scheinwerferlicht bleich wie der Tod, den Blick unverwandt auf mich gerichtet.

»Bleib dort stehen!«, bellte James und zog mich höher, als wollte er mich als lebenden Schutzschild benutzen. Ich war also nicht die Einzige, die Angst hatte. Dabei war James Furcht vor Elion vollkommen unbegründet.

Elion war unbewaffnet und hielt die Hände auf Schulterhöhe erhoben. Er hatte nicht einmal vor zu kämpfen. Ohne den Blick von mir abzuwenden sank Elion auf die Knie und verschränkte die Hände hinter dem Kopf.

»Proklos!«, sagte James direkt an meinem Ohr.

»Hab' ihn im Visier!«, kam die blechern rauschende Antwort leise und direkt hinter mir zurück. Sie mussten über Mikrofone und die Kopfhörer miteinander kommunizieren.

»Jasper, die Ketten!«, befahl James daraufhin.

Ein Naphil in schwarzer Kampfausrüstung – Jasper – näherte sich Elion langsam von der Seite, eine Pistole auf dessen Kopf gerichtet. In der anderen Hand hielt er eine schwere Kette aus Metall mit faustdicken Gliedern. Selbst als Jasper Elion die Kette um den Hals schlang, ihm die Arme auf den Rücken bog und dort mit der Kette fesselte, hielt Elion seinen Blick unentwegt auf mich gerichtet, bis ich seinen Anblick nicht mehr ertragen konnte und die Augen schloss.

»Dann wäre das also erledigt.« James ließ mich achtlos fallen.

Hustend und um Luft ringend rieb ich meinen Hals.

»Wenn du wüsstest, wie lange ich das hier schon einmal tun wollte, Copettius«, hörte ich James siegesgewiss sagen.

Panisch sah ich auf, gerade als James Elion erreichte, seine linke Hand ausstreckte und ihm an die Schläfe legte. Ich wusste, was er vorhatte.

»Nein!«, rief ich und wollte auf sie zukriechen, da packte mich jemand von hinten am Shirt und zog mich zurück.

»Nicht! Du machst es nur schlimmer!«, zischte Aylar über mir.

Ich wusste nicht, wie zum Teufel das möglich sein sollte, doch ich rührte mich vor Furcht um Elion nicht vom Fleck und wartete zitternd auf die Schmerzensschreie.

Doch Elion blieb stumm.

Und mit ihm waren alle anderen verstummt, so dass man nur den pfeifenden Wind und James ungehaltenes Knurren hörte.

Sekunden vergingen, in denen ich lautlos weinte.

Aus den Sekunden wurden Minuten.

»Gib auf!«, brüllte James Elion an, hob nun auch seine rechte Hand und legte sie Elion auf die andere Schläfe.

Diesmal bekam James seinen Willen.

Elion ächzte leise. Es war der einzige Laut, den er ausstieß, ehe seine Augen nach hinten rollten, bis nur noch das Weiße zu sehen war. Dann kippte Elion zur Seite, am ganzen Körper unkontrolliert zuckend. Kleine weiße Schaumblasen bildeten sich vor seinem Mund.

Zufrieden mit seinem grausamen Werk klopfte James sich die Hände ab.

Ich sprang auf, wollte zu Elion und mich gleichzeitig auf James stürzen, um ihm sein sadistisches schwarzes Herz aus der Brust zu reißen, doch Arme umfingen mich und hielten mich fest. Ich schrie und brüllte, trat, kratzte und schlug um mich, als sie mich fortzerrten.

Ich verlor Elion aus meinem Blickfeld, sah stattdessen Salma, vollkommen aufgelöst und nur mit Not von einem baumhohen Naphil festgehalten, dann Simon, der regungslos und unbeachtet in der Asche lag. Dann verschwanden sie und ich erkannte vor dem dunklen Hintergrund der Nacht die Umrisse eines wuchtigen grauen Helikopters, bevor mir jemand von hinten einen schwarzen Sack über den Kopf stülpte.

Sein fester Stoff fing meinen panischen Atem ein, warf ihn als dumpfes Echo zurück und löschte alle anderen Geräusche aus. Jemand drehte mir trotz meiner heftigen Gegenwehr die Arme auf den Rücken, fesselte meine Hände und hob mich dann spielend leicht hoch, nur um mich gleich darauf wieder fallen zu lassen. Ich schlug hart auf. Als die Sterne vor meinen blinden Augen verschwanden, hatte man mir die Füße gebunden.

Zusammen mit dem dunklen, rhythmisch pulsierenden Surren eines startenden Rotors begann der Untergrund unter mir zu vibrieren. Bevor ich begriff, dass ich auf dem Boden eines Helikopters lag, schwoll das Geräusch des Rotors an, der Boden kippte und ich drohte, zur Seite zu rutschen.

Ein Fuß stemmte sich fest auf meinen Oberschenkel und hielt mich in meiner Position, als sei ich ein lästiges davonrollendes Gepäckstück.

Das Ende unserer Flucht war besiegelt.

Es war alles umsonst gewesen: unser Versteckspiel in Delta-Drei. Der Streit zwischen Elion, mir und seinem Team.

Elions Versprechen.

Während ich an meinen Tränen, Rotz und zunehmenden Sauerstoffmangel zu ersticken drohte, dachte ich nicht daran, was der Orden mit mir tun würde, sobald er mein Geheimnis entdeckte.

Ich dachte einzig an den unerschütterlichen Ausdruck in Elions Augen, kurz bevor James ihm seine Hand an die Schläfe gelegt hatte.

Der Lärm des abhebenden Helikopters schluckte mein Schluchzen.

Elion hatte mich angesehen, als wüsste er, dass alles gut werden würde. Als gäbe er mir das stumme Versprechen, keine Angst haben zu müssen.

Dabei musste er gewusst haben, was ihm bevorstand: Dass James ihn foltern und niemand einschreiten würde, um den Henker aufzuhalten, der das Todesurteil des Ordens vollstrecken sollte.

Elion hatte sich für mich geopfert, so wie er es von Anfang an vorgehabt hatte. Und statt seinen Blick zu erwidern, ihm etwas zu geben, woran er sich vor seinem Tod hätte festhalten können, hatte ich mich feige und selbstsüchtig von ihm abgewandt.

Der reißende Stich in meinem Herzen war das Letzte, was ich für eine lange Zeit fühlen sollte.

Bạn đang đọc truyện trên: Truyen247.Pro