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11 - Wer hoch fliegt, fällt tief

Kapitel 11

Der Nebel, der sich in langen Schwaden über die Felder neben der Weide zog, wurde mit der Zeit immer dünner. Ich wusste nicht, wie lange ich hier schon im nassen Gras saß. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, welche schlimme Krankheit meine Mutter mir prophezeien würde, könnte sie diese Szene sehen. Vermutlich eine tödliche Form der Blasenentzündung. Marengo hatte inzwischen jedwedes Interesse an mir verloren und graste bei seinen Artgenossen am Tor.

Trotzdem wollte ich einfach noch nicht gehen. Luke hatte ein Geheimnis vor mir. Wieso hatte er nicht erzählt, in welcher Verbindung er mit Rajan stand? Was hatte er überhaupt mit Rajan zu tun? Und wer war dieses Mädchen? Hatte er mich nicht gestern noch geküsst?

Er war mir keine Rechenschaft schuldig. Wir waren ja nicht zusammen oder so. Ich hatte tatsächlich keine Ahnung, ob ich mich über irgendwas davon beschweren konnte. Ich hatte ihn nie gefragt, was es damit auf sich hatte, dass er und Sherlock damals mit Rajan auf den Hof gekommen waren.

Vielleicht sah ich das alles zu engstirnig. Vielleicht lief das so. Ich kannte die Welt nicht, war klein, ein Kind. Allein schon angesichts meiner Erfahrungen mit dem Küssen. Die Einzigen, derer ich mich entsinnen konnte, waren jene von gestern und die an Lilys fünfzehnten Geburtstag. Auf dieser Party hatten wir Wahrheit oder Pflicht gespielt und ihr Cousin Simon musste mich küssen. Im Laufe des Abends hatte er sich noch in den Swimmingpool übergeben, aber das war wohl viel mehr auf den Alkohol zurückzuführen, als dass es etwas mit meinen Küsskünsten zu tun hatte. Man konnte mich also nicht gerade als versierte Küsserin bezeichnen.
Luke hingegen – dessen war ich mir sicher – hatte damit Erfahrung. Er war mit Abstand der schönste Junge der Welt und konnte himmlisch reiten. So jemand musste einfach Menschen anziehen. Dann war die Auswahl natürlich größer. Dann flirtete man verdammt nochmal mit reiferen Frauen als mir. Dann hatte man Ansprüche. Vermutlich war ihm gestern Abend zu spät aufgefallen, wie naiv und klein ich doch war.

Hartnäckig schob sich mir ein Bild vor Augen. Es zeigte Luke und das Mädchen. Sie standen im Stall und küssten sich. Luke hatte mich bestimmt schon wieder vergessen. Er hatte ja jetzt jemand besseren gefunden.

Am liebsten hätte ich laut aufgeschluchzt und mich weiter selbst bemitleidet. Anstelle von Krokodilstränen, die nun über meine Wangen hätten laufen müssen, taten mir aber lediglich die Augen weh und das Schluchzen war auch eher ein Krächzen.

Einige Schritte entfernt wieherte ein Pferd. Meine Hose war völlig durchweicht und aus den Nüstern der Tiere kamen große Rauchschwaden.

Ungelenk zog ich mein Handy aus der Jackentasche. Selbst das angeblich wasserdichte Material war durchweicht und die Scheibe des Telefons feucht, das Gerät eiskalt. Meine Arme fühlten sich an, als hätte ich sie aus einer ewigen Starre gelöst.

Das Display zeigte zwölf Uhr zweiundvierzig. Bevor der Bildschirm wieder schwarz werden konnte, sprang die Zeit um. Nun zeigte das Display zwölf Uhr dreiundvierzig. Ungelenk rappelte ich mich auf. Meine Mutter würde schimpfen, wenn ich nicht pünktlich um eins am Esstisch saß.

Auf dem Weg nach Hause zeigte sich der Oktober von seiner schönsten Seite: Die Nebelschwaden auf den Wiesen flogen nur in wulstigen Fetzen durch den Wald. Die Luft triefte von Feuchtigkeit und erste Blätter fielen, vom Regenwasser getränkt, vor mir auf den Weg.

Ich hatte aber kaum einen Blick für den Herbst. Viel zu sehr beschäftigte mich, wie dämlich ich doch gewesen war.

Ich wollte nicht nach Hause. Mir war kalt und die einzige Person, die mein Herz nun um sich haben wollte, konnte mein Verstand einfach nicht ertragen. Sollte meine Mutter doch machen was sie wollte. Ich hatte keinen Hunger. Außerdem war der letzte Mensch, den ich jetzt sehen wollte, mein Bruder und der ließ keine Mahlzeit aus. Darum bog ich anstatt zum Haupthaus zu gehen vor dem Reitplatz ab.

Geschafft und triefend nass schlich ich in den Stall. Foxy Lady grummelte in ihrer Box vor sich hin. Sogar Maples Stimmung schien gedrückter als sonst. Es schien beinahe als verstünde sie mich. Tröstend streckte sie mir die Nase entgegen.

Mit der Stiefelspitze öffnete ich den unteren Riegel ihrer Boxentür und schob sie auf. Das kleine weiße Pony sah mich aus aufmerksamen Augen an. „Ach Maple", seufzte ich. „Warum müssen Männer so scheiße sein?" Mit einer wenig eleganten Bewegung setzte ich mich ins Stroh. Sachte stieß sie ihren Kopf gegen meinen Bauch und ich begann aus reiner Gewohnheit ihren wirren Schopf zu sortieren. Dann fing ich an zu reden und zu reden. Ich erzählte ihr von Sherlocks und Lukes Ankunft und davon, dass ich ihn anfangs für einen Idioten gehalten hatte. Ich erzählte von Marengo und davon, dass Luke ihn nun auch ritt. Und ich erzählte von dem Mädchen und davon wie Luke sie angesehen hatte. Irgendwann hörte ich auf zu erzählen. Dennoch hörte ich nicht auf an Maple herumzuwerkeln. Still ließ sie die Prozedur über sich ergehen.

Ich kann mich nicht erinnern, wie lange wir so verharrten, bis ich wieder in der Lage war, an etwas anderes zu denken als an Luke. Dass Maple so lange still stand grenzte beinahe schon an ein Wunder. Es schien beinahe, als hätte sie sich die Geschichte angehört, um für mich da zu sein. Denn sie hatte sich in der ganzen Zeit nicht einmal zu befreien versucht.

Mit dem Daumen strich ich über meine vom Ponyfell weichen Fingerkuppen. In meiner Jackentasche suchte ich nach etwas für Maple, doch das einzige, was ich ertastete, war mein Handy. Als ich es aus der Tasche zog und das Display aktivierte, beschlichen mich sofort die obligatorischen Schuldgefühle. Neunzehn Anrufe in Abwesenheit. Meine Mutter hatte mich zu erreichen versucht. Fünf Nachrichten. Die Texte waren innerhalb einer Stunde gesendet worden.

13:07 Uhr: Wo bleibst du? Wir essen.

13:14 Uhr: Wir essen jetzt ohne dich. Du kannst dich heute Abend bei uns entschuldigen. Wir haben gewartet.

13:30 Uhr: Dein Vater ist stinkwütend. Es dauert doch nicht so lange, ein paar Pferde auf die Weide zu bringen! Trödelst du herum? Das ist nicht okay! Du musst dein Pferd noch reiten. Foxy kann nicht einfach nur herumstehen. Du hast sie ewig nicht bewegt und versprochen, dass du das heute nachholst. Willst du, dass ihr turnierfit seid?! Papa wartet bis um 3, dann setzt er Lucian drauf. Was ist nur los mit dir? Das ist deine letzte Chance!

13:52 Uhr: Flo? Wo bleibst du?

14:03 Uhr: Florence, ist alles in Ordnung? Ich mache mir Sorgen!

Ein Kloß machte sich in meinem Hals breit. Daran hatte ich gar nicht gedacht. Mein Blick schnellte zur aktuellen Uhrzeit. Es war kurz nach zwei. Die letzte Nachricht war keine fünf Minuten alt. Kurz überlegte ich sofort Foxy Lady zu satteln und der Schimpftirade meiner Mutter aus dem Weg zu gehen, doch nach einem weiteren Blick auf das Handy entschied ich mich dagegen. Ihre Wut würde sich nur weiter anstauen.

Mit einem beißend schlechten Gewissen machte ich mich auf schnellstem Wege auf in Richtung Haus. Das bunte Türschild ließ mich schlucken. Mit den Malkünsten eines Kindes waren Pferde daraufgepinselt. Vier Menschen – eine Familie – standen im Zentrum unter bunten Lettern. In allen Farben des Regenbogens zog sich ein von Raabe über die lachenden Menschen. Inzwischen hatte die Porzellantafel beinahe Kultstatus erreicht. Paul hatte sie in der Grundschule gemacht. Sie war sicher zehn Jahre alt. Nun wollte mein Bruder das alles nicht mehr. Er wartete sehnsüchtig auf den Tag, an dem er seine persönliche Hölle, diesen Hof verlassen konnte. Er wollte in die Großstadt ziehen. Möglichst weit weg. Dann würde er studieren. Etwas ohne Pferde. Etwas Normales. Etwas, was ihn nicht an uns und sein Zuhause erinnern würde.

Die Tür war nicht verschlossen. Abgeschlossen wurde immer erst nach dem letzten Stallrundgang. Eine verschlossene Tür wäre schlecht gewesen, hätte ich schließlich auch keinen Schlüssel mitgehabt und durch das Klingeln das Theater, das meine Mutter unweigerlich veranstalten würde, an die Tür und somit in die Öffentlichkeit geholt.

Leise schob ich mich in den Flur und streifte mir die Stiefeletten von den Füßen. Im Haus roch es noch immer nach Essen. Die Luft schmeckte danach. Die Küche war leer. Meine Mutter musste im Büro sein. Zaghaft klopfte ich an der Tür.

„Ja, bitte", kam ihre Stimme gedämpft zurück. Auf ein riesiges Donnerwetter gefasst trat ich in den Raum.
„Mama, es tut mir leid."
Ein lautes Ächzen ging über das Parkett, als sie ihren Stuhl zurückschob. Ihr Blick warf in mir ein einziges Fragezeichen auf. Sie war schon immer eine gute Pokerspielerin gewesen. „Florence. So geht das nicht weiter. Ich mache mir Sorgen und du treibst dich herum." Wie immer begann sie nervös auf und ab zu laufen. Ihre Schritte hallten im Flur wieder. Hastig schloss ich die Tür.

„Es tut mir wirklich leid, aber..." Sie unterbrach mich. Ihre Stimme war schneidend scharf. Auf ihrer Stirn grub sich eine tiefe Furche in ihre Haut. „Flo! Seit der Sache mit Pocahontas stehe ich Sonstwas durch und du gehst damit um als wäre das alles egal." Tränen stiegen mir in die Augen. Das hatte gesessen. Und das wusste sie. Ich gab mir so viel Mühe. Dieses eine Mal war ich so verdammt unvernünftig gewesen und sie hielt es ihr vor.

„Ach Mama", schluchzte ich. „Nein. Natürlich nicht."

„Was nein? Du machst dir momentan alles kaputt! Du vernachlässigst deine Familie, die Pferde und deine Freundschaft mit Lily ist auch nicht mehr das, was sie mal war", schimpfte sie. Eins war klar: Sie war richtig wütend.

„Mama, es tut mir leid, wirklich. Ich konnte nicht. Oh, warum ist alles immer so schrecklich?" Nun brachen die Tränen endgültig aus mir heraus. Ich hasste es. Immer war ich die Leidtragende. Sturzbäche fluteten meine Wangen und auf einmal war es egal, ob meine Mutter wütend war oder nicht. Mit wenigen Schritten war sie bei mir. „Flo, was ist los?" Ihre Stimme war nun sanft und beruhigend.

Tröstend nahm sie mich in den Arm. Mit der Hand strich sie mir über den Kopf und drückte mich an sich. „Ist gut. Es tut mir leid, dass ich dich angeschrien habe. Was ist denn nur los?"

Ich wollte ja nicht weinen. Meine Gründe dafür waren ja auch mehr als lächerlich.

„Keine Ahnung. Es ist alles zu viel", seufzte ich und erwiderte die Umarmung meiner Mutter. „Das mit Marengo... Wir kommen einfach nicht voran. Foxy und ich treten auch auf der Stelle..." Und ich bin so unglaublich in Luke verliebt, obwohl er ein völliger Idiot ist, wollte ich eigentlich sagen, schluchzte aber nur vor mich hin.

Meine Mutter schob mich nach hinten, sodass ich gezwungen war, sie anzusehen. „So, mein Mädchen. Jetzt hörst du mal auf zu weinen. Das ist es nicht wert. Ich sag dir mal was. Wenn du darüber nachdenkst, wie viel Gutes du mit den beiden erlebt hast und wie viel Arbeit zwei Pferde sind, ist das alles viel weniger schrecklich. Es ist doch schön, dass Luke hilft und, ganz ehrlich, wenn du dich jetzt mehr auf Foxy konzentrieren kannst, ist das doch fantastisch. Ihr könnt so viel aufholen." Ihr Blick war voller Zuversicht.

„Und Mama, es ist auch wegen Paul", krächzte ich unsicher.

In ihrem Gesicht zuckte eine Spur von Trauer. „Natürlich. Aber Flo, das ist nunmal so. Er ist verletzt – immer noch. Und du bist momentan das, was ihn an Pocahontas erinnert. Du bist für ihn ein rotes Tuch, solange er versucht, sie zu vergessen, anstatt über sie hinwegzukommen. Er möchte einfach nicht ständig daran denken." Ich wusste, dass sie Recht hatte, aber unweigerlich beschlich mich das irrationale Gefühl, dass sie nur Verständnis für ihn hatte.

„Danke, Mama", knurrte ich möglichst freundlich und wandte mich zum Gehen um.

„Florence!", rief sie, während ich die Stufen zu meinem Zimmer erklomm. Sie stand ihm Rahmen ihrer Bürotür. „Alles wird gut. Vergiss nicht: Wer hoch fliegt, fällt tief. Trotzdem kannst du dich ja nach einem Sturz wieder in den Sattel schwingen. Das solltest du sogar." Und mit diesen Worten verschwand sie wieder hinter der Tür.

Bevor ich mich endgültig in meinem Zimmer verbarrikadieren konnte, verstand ich ihre Worte und entschied, das schon im kleinen Stil umsetzen zu müssen. Deshalb trabte ich wieder aus dem Haus.

Foxy und ich hatten einen Ausritt dringend nötig.

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