99.
P.O.V. Dean
Als wir Ashley fanden, klammerte sie sich an den toten Körper von Andrew. Ich schloss sie instinktiv in meine Arme. Sam hatte sich hingekniet um den Puls zu fühlen. Als er mich mitleidig ansah und den Kopf schüttelte schloss ich kurz meine Augen und zog Ash näher an mich. Ich weiss nicht was sie schreckliches durchmachen musste oder was hier genau passiert war, aber der Wagen war ein stummer Zeuge dessen, was sich hier ereignet hatte. Ich lief mit ihr in den Armen zu meinem Baby zurück. Die schwarzen Abdrücke der Flügel sagten mir, dass dieses Arschloch tot war. Wenigstens etwas. Hatte Ash ihn erledigt? Oder war es Andrew gewesen? Musste er mit seinem Leben dafür bezahlen das er diesen Mistkerl umgebracht hatte? Ich konnte mich auch später mit diesen Fragen beschäftigen. Erst ein Mal musste ich Ash hier wegbringen. Sie war vollkommen durchnässt, zitterte am ganzen Körper und ihre Lippen wurden schon blau. Was sie jetzt brauchte waren trockene Sachen, eine heisse Schokolade und ein warmes Bett. Doch als wir an dem alten Chevy vorbeikamen, tickte Ash aus. Sie sagte dass wir den Wagen nicht hier lassen könnten. Sie stemmte sich gegen meine Arme und ich hatte wirklich Mühe sie weiter fest zu halten. Die Kleine hatte ganz schön Kraft. "Wir können es doch nicht einfach so hier stehen lassen!" Ihre Stimme wurde lauter und der Zorn und die Wut waren zum greifen spürbar, "Wir müssen es mitnehmen. Wir können es nicht hier lassen. Es gehört ihm. Er braucht doch sein Auto... Wir können es nicht hier lassen!" schrie sie und befreite sich aus meinen Armen. Hilflos sah ich mit an, wie sie zu Boden ging. Instinktiv ging ich in die Knie und schloss sie in meine Arme. Sie weinte sich die Seele aus dem Leib. Ich hörte ihr Schluchzen, ihre weinerliche Stimme. Sie weinte wie ein kleines Kind, doch es störte mich nicht, sollte sie sich erst ein Mal ausweinen, danach würde es ihr besser gehen - Irgendwann. Ich musste nichts sagen. Manchmal half es einfach, wenn jemand einen in Arm nahm.
Irgendwann wurde sie heiser und verstummte. Sie schluchzte leise, zitterte am ganzen Körper und ich hob sie in meine Arme. Sie klammerte sich an mir fest. Ich sah zu Sam rüber, der sofort verstand. Er kam angelaufen und öffnete die Beifahrertür. Vorsichtig setzte ich sie in meinen Wagen und schnallte sie umständlich an. Sie wippte vor und zurück, ihr ganzer Körper schlotterte und zitterte. "Könntest Du Andrew bitte in seinen Wagen legen und den Chevy nehmen?" fragte ich meinen kleinen Bruder, der nickend zustimmte. "Natürlich, Dean. Den Dodge kann ich auch von jemandem abholen lassen der in Tulsa lebt." antwortete er mir und ich sah ihn erstaunt an: "Ach, ja? Wen den?" fragte ich neugierig und er schüttelte traurig lächelnd den Kopf: "Oh, Mann, Dean. Also wirklich. Es ist ein Jäger, dem ich mal geholfen hatte. Liam Jeffersson. Er war damals auch in der Roadbar und wir blieben in Kontakt." erklärte er mir kurz und bündig. Ich sah ihn verständnisvoll an: "Gut. Dann werde ich mal Ash in ein Motel bringen. Wir sollten sie erst ein Mal schlafen lassen und Morgen dann... Die Beerdigung abhalten." ich verzog bei dem Gedanken das Gesicht. Wieder war ein guter Jäger von dieser Welt gegangen. Einer der Wenigen, der Bobby und Dad kannte. Ich schubste die Tür zu und ging um den Wagen. Wie ich es hasste so durchnässt zu werden. Aber das war jetzt nur zweitrangig. Erst ein Mal musste ich mich um ash kümmern. "Kennst Du ein Motel in der Nähe?" wandte ich mich noch mal an meinen Bruder, der kurz innehielt und überlegte: "Ich glaube auf dem Weg hier her sind wir an einem Vorbei gefahren..." sagte er und grübelte. "Ich glaube ich habe eines gesehen an der vorletzten Ausfahrt, da war der McDonald's, weisst Du noch?" meinte er und ich nickte abwesend. Mein Magen begann zu knurren. Ich musste in den unmöglichsten Situationen ans Essen denken. "Jupp, ich denke das finde ich wieder." antwortete ich nur und stieg endlich ein. Raus aus dem Regen.
Ich drehte den Schlüssel und sofort begann die Heizung zu laufen. Die warme Luft tat nach diesem kalten Regen wirklich gut. Auch Ash begrüsste die Wärme. Sie legte ihre zitternden Hände an die Lüftung und versank kurz danach in den Sitz. Ich startete den Wagen und legte den Rückwärtsgang ein. Kurze Zeit später, als wir die Strasse aus dem Wald verlassen hatten und auf die 97 zurück ins Centrum von Sand Springs fuhren, war Ash eingeschlafen. Ein leichtes Lächeln bildete sich auf meinen Lippen als ich sie so betrachtete. Es dauerte eine Weile bis wir wieder in Stadtnähe waren. Ich drehte die Heizung voll auf, damit Ash nicht noch mehr frieren musste. Der Regen wurde weniger. Die Scheibenwischer rieben quietschend auf der Scheibe herum, sodass ich sie ausstellte und nur an machte, wenn der restliche Niesel mir die Sicht zu sehr versperrte. Irgendwann bog ich ab auf den Sand Springs Expressway. Innerhalb von knapp sieben Minuten waren wir am Hotel angekommen. Das Holliday Inn würde mich zwar etwas kosten, aber jetzt noch Stundenlang herumzukurven, bis man etwas Günstigeres gefunden hatte, wäre nicht sinnvoll. Und damit wäre niemandem geholfen. Ash musste dringend warm Sachen bekommen, eine heisse Dusche oder am besten ein Bad, etwas warmes zu trinken und ein Bett. Basta. Ich steuerte auf den Parkplatz und schnallte Ash und mich ab.
Ich ging zuerst zum Kofferraum um die Taschen von Sam und mir heraus zu nehmen. Schliesslich brauchte auch ich neue Sachen und bis Sam hier war und Ashley's Sachen mitgebracht hatte, reichten ein Hemd und eine Hose von mir. Ich schulterte die Taschen und ging zur Beifahrertür. Als ich an der Tür ankam weckte ich sie sanft. Verschlafen blinzelte sie mich an. "Hey. Tut mir leid, das ich Dich wecken musste, aber ich kann Dich schlecht in das Hotel rein tragen, wie würde das denn aussehen." scherzte ich und grinste sie an. Sie nickte nur und kam langsam auf die Beine. Ich bot ihr meinen arm an und sie verschlang ihren Arm sofort mit meinem. Gemeinsam gingen wir hinein und ich buchte ein Drei Personen Zimmer mit Einzelbetten. Danach nahm ich die Schlüssel und führe Ash zum Zimmer. Zum Glück war es nicht weit. Das Zimmer war gleich im Erdgeschoss. Ich holte mein Handy hervor und tippte mit dem Daumen umständlich eine Nachricht für Sam, wo wir abgestiegen waren. Vorsichtig befreite ich meinen Arm von Ashley und schloss die Tür auf. Lächelnd hielt ich die Tür auf: "Hereinspaziert in die gute Stube." sagte ich mit einer einladenden Geste und folgte ihr gleich nach. Ich schmiss die Taschen auf das erste Bett. "Du solltest aus den Nassen Sachen raus. Am besten Du gehst auch gleich unter die Dusche. Ich bestelle uns etwas warmes zu Essen." eröffnete ich ihr. Mit einem kurzen und knappen Nicken stimmte sie mir zu. Ich öffnete meine Tasche und zog ein dunkelrotes kariertes Hemd heraus. Dann wühlte ich nach einer Jeanshose. "Hier, die Hose wird Dir vermutlich zu lang sein, aber besser als nichts..." lächelte ich entschuldigend und reichte ihr die Sachen. "Wäsche...?" fragte sie und sah mich mit leerem Blick an. Ich verstand erst nicht was sie meinte, als mein Blick auf ihre nassen Hosen ging. "Oh..." stiess ich aus und wurde leicht rot. Im Ernst jetzt? Mir blieb wohl nichts anderes übrig, sie konnte die Jeans ja wohl schlecht ohne Unterwäsche anziehen... Ich ging zu meiner Tasche und kramte eine Boxershort heraus. Mit hochrotem Kopf reichte ich sie ihr und siehe da, es gab noch Leben in ihr. Ein kurzes amüsiertes Funkeln in ihren Augen und ein leichtes Zucken der Mundwinkel, erhellten für einen Augenblick ihr Gesicht. Dann verschwand sie im Bad. Seufzend liess ich mich auf einem Stuhl nieder. "Sam, beeil Dich... Das halt ich nicht aus." murmelte ich, wischte mir über das Gesicht und ballet die Hand zu einer Faust. Himmel. Allein schon die Vorstellung, das Ashley meine Unterhose trug war... befremdlich erregend...
Ich hörte wie die Dusche ansprang und ging zu meiner Tasche um nun für mich Klamotten heraus zu suchen. Ich begann mich ebenfalls aus den Sachen zu schälen. Die Nassen Sachen hängte ich erst ein Mal über den Stuhl auf dem ich gerade noch gesessen hatte. Ich drehte die Heizung auf und stellte den Stuhl direkt davor. Ich rubbelte mir mit einem Handtuch, das ich in einem der Schränke fand, trocken und schlüpfte dann in die frischen Sachen. Vielleicht sollte ich nachdem Ash fertig mit Duschen war auch noch schnell unter das warme Wasser. Schließlich wollte ich nicht krank werden. Ich zog eine Karte unter dem Telefon hervor und betrachtete das Menü. Als ich mich entschieden hatte rief ich die Rezeption an und bestellte. Ich schaltete den Fernseher ein und legte mich auf eines der Betten. Die Taschen hatte ich in den Schrank gestellt. Während ich durch das Programm zappte duschte Ashley nebenan. Die Vorstellung... Nein, ich sollte damit aufhören mir so etwas vorzustellen... Ich... Zu spät. Die Vorstellung war längst in meinem Kopf. Der Zimmerservice riss mich zum Glück ins hier und jetzt zurück. Ich ließ ihn hinein, zahlte und gab sogar ein kleines Trinkgeld. Als ich die Tasse mit heißer Schokolade ansetzte, öffnete sich die Tür zum Badezimmer. Eine Dampfwolke kam heraus geschwebt, dicht gefolgt von Ash. Ich hielt kauend inne. Verflucht sah sie Sexy aus in meinen Sachen. Ich hustete als der Kakao sich in meiner Luftröhre breit machen wollte. Schnell klopfte ich mir auf den Brustkorb und nahm einen vorsichtigen Schluck. Schüchtern kam Ash durch den Raum und setzte sich zu mir. Schweigend nahm sie Platz und ihre Finger umschlossen ihre Tasse. Ich starrte in meinen Becher und trank so schnell wie möglich aus - natürlich nicht ohne noch mehrere Male zu Husten. "Ich geh dann mal unter die Dusche..." sagt ich, als ich mir den Mund mit einer kleinen beigelegten Serviette abwischte. Sie nickte nur ohne mich anzusehen. Ich hingegen konnte gar nicht aufhören sie anzuglotzen. Beinahe stolperte ich über meine Schuhe. Ich schloss die Tür hinter mir und lehnte mich schwer Atmend an sie. "Sam, beeil Dich... Bitte." murmelte ich leise und auf ein Mal wollte ich nicht mehr Heiß duschen.
Sam kam zwanzig Minuten nach uns im Hotel an. Er hatte Voraussichtlicher geplant und brachte eine große Tüte Junckfood von McDonald's mit sowie die Tasche von Ashley. Natürlich hatte er sich für sich zum Essen nur einen Salat genommen. Das er davon überhaupt satt wurde... Kopfschüttelnd packte ich meinen Burger aus und biss herzhaft hinein. Die heiße Schokolade und die angenehm warme Dusche hatten mir gut getan und auch Ash hatte schon etwas mehr Farbe im Gesicht. Schweigend aß sie ihren Burger und starrte auf die Tischplatte. Das ihr der Tod von Andrew noch in den Knochen steckte war nur verständlich. Sam liess uns für einen Moment alleine um ebenfalls eine Dusche zu nehmen. "Möchtest Du etwas bestimmtes gucken?" fragte ich und hielt die Fernbedienung hoch. Ash redete immer noch nicht. Sie schüttelte den Kopf und bekam sogar ein klitzekleines Lächeln hin. Ich zappte durch die Programme bis es Abend wurde. Ash hatte sich in die Decken gemurmelt und war irgendwann eingeschlafen. Leise unterhielt ich mich mit Sam: "Und, hat alles geklappt?" fragte ich ihn und er nickte: "Ja, ich hab Liam erreicht, er wird den Dodge morgen abholen. Andy... er liegt unter einem Tuch auf dem Rücksitz." murmelte er und sah verstohlen zu dem kleinen Deckenhügel auf dem Bett unter dem Ash lag. "Gut. Wir lassen sie schlafen und morgen sieht die Welt hoffentlich etwas besser aus. Sie hat nicht ein Wort gesprochen seit dem..." ich sah ebenfalls zu dem kleinen Hügel und machte mir wirklich Sorgen. "Sobald sie zugänglicher ist, werden wir Andrew wie einen Jäger beerdigen." sagte ich und Sam nickte zustimmend. "Und jetzt lass uns Schlafen." bestimmte ich und begab mich zum Bett. "Gute Nacht Sam." sagte ich in die Dunkelheit. "Gute Nacht Dean." antwortete mir mein Bruder zurück und ich schloss die Augen.
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