
chapter 48
Jᴇssɪᴄᴀ
Ich stolpere zurück.
Nein. Nein. Nein.
Ich versuche tief Luft zu holen, das Bild aus meinem Gehirn zu verdrängen aber es kommt immer und immer wieder vor meinen Augen auf.
Ich schließe meine Augen, halte meinen Kopf mit meinen Händen fest.
»Jess ich-«
Ich zucke zusammen, als er mich anfässt. Ich taumle zurück. Seine Hand fällt wieder hinunter und mir wird kalt und schlecht.
Ich versuche stark zu bleiben aber ich fühle mich als müsste ich mich übergeben.
Es war eindeutig was gerade passiert ist. Das was er in der Hand hatte und dann durch seine Nase gezogen hatte, danach sein überraschter und ertappter Blick voller Reue.
Nein, es war so eindeutig, dass es schmerzte.
»Ich- es ist nicht-«
Ich traue mich meine Augen zu öffnen. Aber mein Herz zerbricht noch mehr als ich seinen verzweifelten Blick treffe. Er fässt sich durch die Haare. Immer und immer wieder.
Ich starre hinter ihn auf das Waschbecken.
Es liegt dort noch.
Das unscheinbare Plastikpäckchen.
Ich schlucke hart und schüttle nur den Kopf.
»Wieso hast du mir nichts gesagt?« Meine Stimme ist brüchig. So fühle ich mich auch. Gebrochen.
Er hätte darüber reden können. Ich hätte es nicht gut gefunden, aber ich hätte ihm helfen können.
Aber er hat ein Suchtproblem. So wie meine Mutter. Und ich weiß, dass Drogen nicht besser sind als Alkohol, vorallem nicht das, was er sich reinzieht.
Ich habe Angst. Angst um ihn aber auch Angst vor ihm. Dass er wie meine Mutter wird und mich schlägt.
Wer weiß, was Drogen alles mit deinem Kopf machen. Am Nächsten Tag kann er ein komplett anderer Mensch sein und ich hätte es nicht verstanden. Aber jetzt weiß ich es und weiß nicht, ob ich es doch lieber vergessen würde.
»Ich hab kein Suchtproblem«, stammelt Bryan.
Ich starre ihn eisig an. Mein Körper fühlt sich wie eine Säule an.
Von jedem Satz, den er jetzt hätte sagen können, hat er die größte Lüge gewählt und genau den Satz, den meine Mutter immer gesagt hat.
Ich bin entgeistert und es verletzt mich noch mehr, vorallem da er ja weiß, was mit meiner Mutter geschehen ist.
»Das sagt sich so leicht«, meine ich nur. Meine Stimme ist plötzlich genauso eisig wie ich mich fühle.
»Bitte Jess, ich... Ich versuche es unter Kontrolle zu bringen, okay?«
Ich schüttel ungläubig den Kopf.
»Wieso heute? Wieso an unserem schönsten Tag? Du warst doch so glücklich? Mache ich dich nicht glücklich?«
Ich sehe eine Träne in seinen Augenwinkel glitzern.
»Doch, natürlich.«
Ich schnaube. Drehe mich um. Ich fühle mich leer. Und brauche Auszeit von ihm und seinen Lügen. Ich kann nicht mehr vor ihm stehen und in das Gesicht blicken, was ich so sehr liebe, wenn ich weiß, dass er nicht besser als meine Mutter ist.
Ich laufe einfach weg. Ich blende alles aus und komme nicht mal wieder in die Realität, als ich durch die Haustür raustrete.
Ich höre Bryan nicht mehr rufen. Ich fühle mich so leer.
Ich renne los.
Ich brauche frische Luft. Und Abstand.
Erst nach einer Weile lasse ich mich auf einer Bank sinken.
Ich werde wieder wach. Erinnere mich. Der Schock lässt langsam nach aber die Leere bleibt.
Und dann breche ich zusammen. Mein Körper fängt an zu zittern. Es ist kalt. Und ich vermisse seine Nähe.
Tränen laufen mir die Wangen hinunter, ich versuche sie wütend abzuwischen, aber es kommen immer wieder neue und es hört nicht auf, also stecke ich meinen Kopf in meine Arme und weine einfach.
Wieso er.
Wieso die Person, die mir doch am Meisten bedeutet.
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