101.
P.O.V. Dean
Keuchend stiess ich den leblosen Körper des Vampirs von mir weg und blickte mich zu Emrose um. Dieser sah nicht besser aus wie ich vermutlich. Blutbespritzt, dreckig und vollkommen ausser Atem. Nun wenigstens konnte ich mich dieses Mal auf ihn verlassen. Wir nickten uns zu und gönnten uns keine Pause. Vermutlich brauchten Elena und Sam unsere Hilfe. Wir rannten los und kamen in den Genuss einer sehr verstörenden Szene. Gordon lehnte gemütlich an einem Baum, während Elena an Sam geschmiegt einen anderen Typen ansah und weinte. Was ging denn hier bitte ab? – fragte ich mich und stürmte auf Gordon zu. Der jedoch lachend verschwand. „Emrose...!" rief ich und der Jäger versuchte dem Schatten ebenfalls hinterher zu jagen. Die Kugeln schienen dem Vampir nicht viel auszumachen. Er war verdammt schnell und ich konnte kaum mithalten. Er verhielt sich beinahe schon wie ein Alpha... Ich schluckte. Hatte Sam ihn nicht bei den Britischen Hornochsen getötet? Doch dieser Gordon schien wohl sowas wie ein Nachfolger oder sowas in der Art. Er war echt schnell und schien immense Kräfte zu haben, denn auf ein Mal flog ein Baumstamm durch die Luft und wenn ich nicht zur Seite gesprungen währe und mich abgerollt hätte, dann hätte mich das Teil glatt erwischt. Ich spürte die Erschütterung, die der Baumstamm auslöste und schloss die Augen als der Staub mir entgegen wehte. Ich hörte irgendwo Emrose rufen und hoffte nur es hatte den Haudegen nicht erwischt. Doch als ich hochkam, sah ich, wie er sich gerade einen Kampf mit Gordon lieferte, der ihn in die Mangel nahm. Ich lief sofort los um ihm zu helfen.
Doch Gordon schleuderte ihn von sich und sah mich dann grinsend an: „Noch mehr Jäger, die ich verspeisen kann. Heute muss wahrlich mein Glückstag sein." stiess er belustigt aus und zog mit einem unangenehmen Geräusch die Nase hoch: „Oh, sieh an... sie an, wen haben wir denn da?" fragte er und sah mich gierig an, als wenn ich soeben ein All-You-can-Eat-Buffet geworden wäre für ihn. „Ich habe ja gewusst, dass es Euch gibt, aber dass ich auf euch treffen würde hätte ich nicht gedacht." meinte er und machte einen Schritt auf mich zu: „Nur zu blöd, dass dies auch Dein letztes Mal sein wird." meinte ich provozierend und feurte meine Waffe ab. Doch der Kerl schien sich wie in einem dieser X-Men Filme auflösen zu können und woanders wieder manifestieren zu können. Verdammt. Ich hörte ihn lachen und feuerte erneut. Doch das Lachen kam immer näher und näher. Dann spürte ich einen Schlag in den Bauch und mir entwisch die Luft. Ich keuchte und spürte wie ich den Boden unter den Füssen verlor. Dann kam der Aufprall und ich spürte wie mir jeder einzelne Knochen schmerzte. Stöhnend versuchte ich mich aufzusetzen. „Aber, aber... wo willst Du denn hin? Ich bin doch noch lange nicht fertig mit Dir..." hörte ich Gordon sagen und seine Stimme kam immer näher. Wo war Emrose? Hatte er sich aus dem Staub gemacht oder hatte Gordon ihn getötet? Beides war möglich.
Komischerweise dachte ich nicht an Sam. Ich dachte an Ashley und das ich sie bald wiedersehen würde. Vorausgesetzt dieses Arschloch verwandelte mich nicht, sondern tötete mich. Einen kurzen Moment lang hatte ich ein schlechtes Gewissen, das ich nicht an Sam gedacht hatte und was mit ihm passieren würde, wenn ich nicht mehr da war. Doch das verging. Er hatte Elena, sie würde schon für ihn sorgen. Natürlich war das alles davon abhängig, ob dieser Gordon von ihnen getötet wurde. Ich schloss die Augen. Mein Körper schmerzte und ich kam kaum auf die Beine. Dann merkte ich, dass ich auch gar nicht wollte. Ich hatte kein Bedürfnis danach auf zu stehen und weiter zu kämpfen. Warum auch? Ich hatte so vieles verloren. Ich hatte Familie und Freunde verloren. Ich hatte Lisa und Ben verloren – gut, sie lebten noch, aber dennoch. Ich hatte Lisa wirklich geliebt. Aber Ashley war die Liebe meines Lebens. Und ich vermisste sie. Ich wollte endlich zu ihr. Zu Mum und Dad. Zu Bobby und Charlie. Zu Ellen und Jo. Zu Kevin... Ich wollte zu ihnen. Und deswegen stand ich nicht auf. Deswegen wehrte ich mich nicht. Diese Erkenntnis erschreckte mich einerseits. Andererseits war es auch eine grosse Erleichterung.
Wenn Du so lange, so hart kämpfst und nichts in Deinem Leben läuft gut... Dann bist Du an einem Punkt angekommen; an dem Du nicht weisst, ob Du noch weiter kämpfen kannst. Wenn Du es so sehr versuchst, Dein Leben zu reparieren und nichts wird besser.... Dann bist Du an einem Punkt angekommen, an dem Du aufgeben willst. Wenn Du liebst und alles machst dafür; aber die Person verlierst, die Du liebst... Dann bist Du an einem Punkt angekommen, wo Du gebrochen bist. Und Du weisst nicht; ob Du jemals wieder jemandem vertrauen oder jemanden lieben kannst. Manchmal schlägt Dich das Leben nieder. Manchmal schlägt Dich die Liebe nieder. Manchmal kannst Du nicht mehr aufstehen und kämpfen oder wieder lieben. Dann weisst Du; dass du an einem Punkt in Deinem Leben angekommen bist, wo Du nicht mehr weisst: Kann ich überleben...? [COPYRIGHT BY RAVEN]
Und genau an so einem Punkt war ich nun angekommen. Ich fragte mich ob ich noch überleben wollte. Ob ich weiter leben wollte und was es noch alles für einen Sinn machte. Wir kämpften unser ganzes Leben schon. Wir hatten weder eine richtige Kindheit, noch waren wir lange genug an einem Ort geblieben um Freundschaften zu knüpfen. Wir waren immer auf Achse gewesen. Unser Vater hatte uns zu Soldaten erzogen. Zu Kriegern. Doch ich war es leid. Ich war es leid ständig kämpfen zu müssen. Ich mein, mal ehrlich... Wofür kämpften wir? Es schien nie ein Ende zu haben und dauernd kamen wieder neue Monster und Neue Kreaturen, gegen die wir uns behaupten mussten. Es gab immer weniger Jäger und viele kamen bei dem Kampf um ihr Leben. Wir hatten keine Chance und wir würden niemals siegen. Ich spürte wie mich meine ganze Hoffnung verliess. Es traf ich wie ein Schlag ins Gesicht. Warum dachte ich auf ein Mal nur so? Oder hatte es schon immer irgendwo in mir geschlummert? Diese deprimierende Seite, die alles nur Negativ sah? War ich wirklich am Ende? Sollte das hier mein Ende sein? Getötet von einem Vampir? Leergesaugt und weggeworfen, wie eine leere Hülle? Würde es wirklich so enden?
Ich hörte einen Schuss, dann noch einen und dann hörte ich eine mir vertraute Stimme und konnte es nicht glauben. War ich tot? War ich schon längst im Himmel? Das konnte nicht sein. Das war nicht möglich. Ich hatte gesehen wie sie gestorben war. Sie war tot. „Verdammt noch mal Winchester, wie oft muss ich Dir Deinen geilen Arsch eigentlich noch retten?" fragte Ashley und reichte mir ihre Hand. Ungläubig starrte ich sie an. „W-was zum...?" begann ich und sie rollte mit den Augen: „Los komm schon." forderte sie mich auf und endlich umfasste ich ihre Hand. Sie war warm und weich, genau wie ich sie in Erinnerung hatte. Sie war Real. Ich spürte wie ein Ruck durch meinen Körper ging und dann stand ich neben ihr. Ich konnte Ash nur ungläubig angaffen. „Sag mal, willst Du nur da so rumstehen und mich anglotzen oder hilfst Du nun diesen miesen Vampir zu töten?" fragte sie und schmunzelte mich amüsiert an. Ich schloss den Mund und schluckte. Dann schüttelte ich den Kopf und schloss sie in meine Arme. Ich drückte sie an mich. Ich spürte wie meine Augen sich mit Tränen füllten und wie erleichtert ich war. Wie mir alles Negative von der Seele und meinem Herzen fiel. Ich drückte sie so fest an mich, dass sie irgendwann protestierte: „Hey, ich krieg keine Luft mehr, Dean." sagte Ashley und lachte leicht. Sie umarmte mich, schmiegte sich an mich und dann hörte ich ihre Stimme in meinem Ohr, ihr Atem kitzelte mich und ein wohliger Schauer überkam mich: „Ich hab Dich auch vermisst. Und jetzt komm." Das musste sie mir nicht zweimal sagen. Ich drückte sie noch ein Mal kurz. Gab ihr einen Kuss auf die Stirn und wir marschierten los... „Lass uns diesen Vampir endlich zur Strecke bringen."
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A/N: Ein kleiner Bonus für Euch; das ich ein weiteres Kapitel hochgeladen habe. Aber nur Ausbahmsweise ;)
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