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1. May

Montag, 14. Dezember 2009

Eigentlich sollte ich tot sein. Von einem Pfeil von der Sehne des Apollo dahingerafft oder von Zeus Herrscherblitz zu einem Häufchen Asche verbrannt. Anschließend müsste ich auf den Feldern der Verdammnis ein Netz knüpfen, das sich am anderen Ende immer wieder auflöst oder ein Wörterbuch mit allen Wörtern aus allen Sprachen und Dialekten, ausgestorbenen wie lebendigen, verfassen, ohne einen einzigen Rechtschreibfehler zu begehen. Und bis ich fertig wäre, hätten sich wieder neue Sprachen entwickelt.

Stattdessen kratze ich hier einen Teil meines Müslis in das Opferfeuer. Es zischt leise, als ein paar Tropfen Milch auf die glühenden Kohlen fallen und Rauch in den winterlichen Himmel aufsteigt, wo er vor dem grauen Hintergrund der Wolken verloren geht.

Zeus ist ein Feigling.

Ich bleibe nicht stehen, um meine Haferflocken und Rosinen beim Verkohlen zu betrachten. Ich schicke kein Stoßgebet an die Götter, auch nicht an meine Mutter. Sollen sie doch daran ersticken.

Hinter mir drängen sich noch einige andere Camper in der Schlange vor dem Opferfeuer, um einen Teil ihrer Mahlzeit an ihre Eltern abzutreten. Es sind nicht mehr viele. Ich habe mich als eine der Letzten angestellt.

Der Rest ist längst ins Frühstück vertieft. Die Luft ist mit Gelächter, morgendlichem Gähnen und Weintrauben erfüllt, die von den Bewohnern der Hütte 11 durch die Gegend geschmissen werden. Einer kann ich gerade noch so ausweichen und verschütte dabei beinahe einen Teil meines Müslis.

Gerne würde ich behaupten, dass mich niemand beachtet, doch das stimmt nicht. Sobald ich an den ersten Tischen vorbeigegangen bin, spüre ich Blicke an meinem Rücken kleben. Vor einigen Wochen wäre ich noch herumgefahren und hätte die entsprechenden Augen gesucht und wütend angefunkelt. Doch ich konnte nie jemanden dabei erwischen. Sobald ich mich umdrehte, starrten alle unschuldig auf ihre Marmeladenbrote oder Pfannkuchen.

Hoch erhobenen Hauptes erreiche ich den Tisch. Theo und Damien haben nicht auf mich gewartet und bereits mit dem Essen begonnen. Milch schwappt über den Tisch, als ich meine Schale auf die Steinplatte donnere. Gereizt lasse ich mich neben Theo auf die Bank fallen. Wenn das so weitergeht, muss ich meine Haferflocken trocken essen oder die Schale zerbricht.

Damien scheint ganz in sein Salamibrötchen vertieft, denn er schaut nicht mal auf. Nur Theo hebt eine Augenbraue, als ich meinen Löffel daneben klatsche.

„Was?!", entfährt es mir gereizter als beabsichtigt. Niemand kann so verurteilend eine Augenbraue heben und es gleichzeitig als harmlose Nachfrage tarnen wie er.

„Das frage ich dich, May", erwidert er ruhig und nippt an seinem Tee. Pfefferminzgeruch schwebt über dem Tisch.

„Die da", ich weise mit meinem Löffel auf die anderen Camper hinter uns, „starren."

„Lass sie doch. Es braucht dich nicht zu kümmern", erwidert Damien mit vollem Mund. Mein Halbbruder hat keine guten Tischmanieren, aber niemand wird ihn hier zurechtweisen.

„Und ob es mich kümmert", grummle ich und schiebe mir missmutig Haferflocken in den Mund. Der süße Geschmack entfaltet heute nicht seine beruhigende Wirkung. „Steht auf meinem Rücken: „Sehen Sie hier, unsere neuste Attraktion!"? Ich glaube nicht. Außer Travis hat mir wieder ein Schild angeklebt."

„Vielleicht solltest du Geld dafür verlangen", sagt Theo und zuckt mit den Schultern. In seiner Stimme schwingt keine Belustigung und kein Spott mit, doch er meint es nicht ernst.

Ich stoße ein Schnauben aus und widme mich weiter meinem Frühstück. Dabei ist es leider unvermeidbar, den anderen Tischen zuzuhören. Hinter mir bestreiten die Nike-Kinder offenbar schon seit einer Weile ein leidenschaftliches Schnick-schnack-schnuck-Tunier.

„Ha, Stein schlägt Schere!"

„Revanche! 60 aus 95!"

Ja, ich sollte eindeutig tot sein. Dann müsste ich dieses Gezeter nicht ertragen.

„Seid ihr irgendwann auch mal fertig?", frage ich genervt und drehe mich zu den beiden Mädchen um. Es sind die dunkelhaarigen Zwillinge. Natürlich sind es die Zwillinge. Sie kamen schon miteinander streitend auf die Welt. Am anderen Ende des Tisches sitzt Schwester Nr. 3 - Samira - über eine Schale Erdbeeren gebeugt und verdreht die Augen. Die stumme Qual steht ihr ins Gesicht geschrieben.

„Euer Wettkampf ist natürlich hochinteressant, aber bei weitem nicht so wie mein Müsli oder Damiens Brötchen."

Eine der beiden - ich vermute, es handelt sich um Holly oder Honey oder so ähnlich - blinzelt perplex. Man spürt förmlich, wie es in ihrem Oberstübchen rattert, während sie nach einer schlagfertigen Antwort sucht. Dabei verharrt ihre Hand weiterhin in der Scheren-Position.

Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, wende ich mich wieder meinen Brüdern und meiner Schale zu.

Undeutliches Wispern erklingt hinter mir und sicherlich werfen sie verstohlene Blicke, gleich Messern, über ihre Schultern auf meine Wirbelsäule. Doch wenigstens sind sie nun ruhiger.

„Danke", seufzt Theo, „für den Frieden und dafür, dass sie jetzt wieder versuchen werden, uns beim nächsten Erobert-die-Flagge zu vermöbeln."

„An dem ich nicht teilnehmen darf." Über die Bitterkeit in meiner Stimme bin ich selbst überrascht.

„Dann wird es beim nächsten Training hart für dich," schaltet sich Damien grinsend ein. Beinahe kann ich seine Schadenfreude riechen. „Sie werden dich in kleine Scheibchen schneid-"

„Damien, kümmere dich doch bitte um deinen Quatsch. Schau mal, da kommt Benvenuti", unterbreche ich ihn und nicke zum Tyche-Tisch, an dem sich gerade Damiens Schwarm mit den Mandelaugen niederlässt. Es erzielt den gewünschten Effekt. Damien Ohrenspitzen laufen rot an und er starrt konzentriert auf die Reste seines Salamibrötchens, als wäre darin eine tiefere Lebensweisheit verborgen.

In der Hoffnung, nun endlich in Frieden weiter essen zu können, greife ich nach meiner Tasse, die sich augenblicklich mit Kaffee füllt. Ein zufriedenes Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, als der himmlische Duft in meine Nase steigt. Eine Tasse Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.

Damien tritt mir kräftig gegen das Schienbein und ich begieße mich selbst und meinen verwaschenen Bad-Religion-Hoodie mit heißem Kaffee. Der Stoff ist zum Glück dick genug, um das meiste abzukühlen, bevor es auf meine Haut trifft, doch ich springe erschrocken auf und noch mehr Kaffee ergießt sich über meine Hose.

„Seid ihr jetzt quitt?", fragt Theo und leert seinen Tee.

Ich bin mit Kaffee durchtränkt, spüre bereits wie sich ein blauer Fleck auf meinem linken Schienbein bildet und mein Lieblingspulli muss gewaschen werden. Nein, wir sind nicht quitt.

Meine Hand wandert zu der Schüssel, in der sich noch ein Rest Müsli befindet. Ich werde Damien sein gehässiges Grinsen noch austreiben. Indem er aufsteht und sich an mir vorbei in den Gang zwischen den Tischen drängt, durchkreuzt Theo jedoch meine Rachepläne. Und vorerst den Ausbruch eines tagelangen Krieges in der Nemesis-Hütte

„Klärt das bitte nicht hier und nicht in der Hütte. Bald ist wieder Inspektion und Löcher in der Wand machen sich nicht gut." Die hochgezogene Augenbraue meines jüngeren Bruders gilt diesmal Damien, der ebenfalls aufgesprungen ist. Sein Schwert hat beim letzten Konflikt mein Ohr nur knapp verfehlt. Stattdessen prangt nun ein Loch im Stein, wo Damien die Halterung einer Fackel von der Wand gerissen und dabei fast die gerade erst errichtete Hütte niedergebrannt hat. Es ist etwa so tief wie mein kleiner Finger. Wenigstens sieht man die Brandflecken auf dem Teppich kaum.

Das „Aber -" entfährt Damien und mir gleichzeitig. Wir funkeln uns wütend über den Tisch hinweg an. Würde eine Fliege zwischen uns entlang fliegen, sie würde von der geballten Kraft unseres Zorns in Flammen in der Luft verdampfen.

„Nichts aber!", faucht Theo scharf. „Ihr kriegt beide eure Gerechtigkeit, aber nicht vorm Frühstück und nicht in der Hütte!" Aus seiner Hosentasche kramt er zwei zerknitterte Blätter hervor und reicht jedem von uns eins. „Ihr habt nachher zusammen Schwertkampftraining. Schlagt euch von mir aus dort gegenseitig die Köpfe ein."

Ich blicke auf mein Blatt und zu Damien. Er blickt auf sein Blatt und blickt mich an. Wir blicken Theo an. Er erwidert unseren Blick stur. Wir seufzen ergeben.

Es hat keinen Sinn, deswegen zu diskutieren. Wenn andere Hütten die Nemesis-Hütte mit drei Worten charakterisieren müssten, wäre „dickköpfig" definitiv dabei. „Ehrlich" und „Wird-dich-bis-an-das-Ende-deiner-Tage-jagen-wenn-du-dich-ungerecht-verhälst" sind die anderen beiden. Jedes dieser Worte trifft auf Theo, Damien und mich zu.

Das gestaltet unser Zusammenleben alles andere als einfach. Niemand von uns vergisst eine Kränkung, jeder von uns ist stur wie ein Esel und wir sind Teenager. Streit ist vorprogrammiert. In dieser Hinsicht sind wir irgendwo zwischen der Ares- und der Nike-Hütte positioniert, wobei die Nike-Hütte die schlimmere ist.

„Wie du befiehlst, Hüttenältester", sagt Damien schließlich spöttisch und rauscht davon. Als er an Benvenuti vorbeikommt, wird er langsamer und flüstert ihr etwas ins Ohr. Von hier kann ich sie nicht verstehen, doch ihr ausgestreckter Mittelfinger lässt darauf schließen, dass er ihre eine als Beleidigung verpackte Herausforderung gemacht hat. Und Benvenuti geht wie immer darauf ein. Die beiden haben eine seltsame Art, miteinander zu flirten.

Aber was interessieren mich die beiden? Mit zittrigen Finger entfalte ich den Zettel und verteile dabei Kaffeeflecken auf dem Papier. In den Spalten sind mit kleiner, fein säuberlicher Schrift meine Aktivitäten für diese Woche eingetragen. Ich frage mich, wie viele Schmierzettel Theo verbraucht hat, um mit der Rechtschreibung zufrieden zu sein. Ganz perfekt hat er es nicht hingekriegt. „Bogenschießen" wurde zweimal durchgestrichen und ebenso viele Anläufe brauche ich, um das Wort überhaupt zu entziffern.

Bis ich den Plan komplett durchgelesen habe, zittere ich am ganzen Körper. Der Kaffee ist abgekühlt und die frische Winterluft tut ihr Übriges. Die Wärme des Opferfeuers reicht nicht bis hierher und die Kohleschalen neben den Säulen können die Kälte nicht ganz vertreiben. Allerdings war es in den letzten Tagen nicht so frostig, das es angebracht gewesen wäre, dicke Winterklamotten auszupacken.

„Was ist das?", frage ich und tippe auf den heutigen Abend.

Theo kneift die Augen zusammen und liest vor: „Montag 20:00-21:00 Uhr: Pegasi-Ställe ausmisten."

„Um diese Zeit ist das Lagerfeuer." Entrüstet hebe ich den Kopf. Normalerweise steht einem ab 20:00 Uhr Zeit zur freien Verfügung - mit der Möglichkeit, beim Singen am Lagerfeuer teilzunehmen.

„Du hasst doch das Lagerfeuer", verteidigt Theo sich und hebt abwehrend die Hände.

Ich richte mich zu meiner vollen Größe auf und verschränke die Arme vor meiner Brust. Mein Bruder ist ein paar Zentimeter kleiner als ich, aber wie weiß, wie lange das noch dauert. Er wächst noch.

„Ich hasse nicht das Lagerfeuer, ich mag die Leute dort nicht. Und sie mögen mich nicht. Aber das ist nicht der Punkt. Warum bin ich in der Freizeit für das Ausmisten eingeteilt?!"

So wie er das Gewicht von einem Bein auf das andere verlagert, kann man merken, dass es Theo unangenehm ist. Er gibt ein leises Stöhnen von sich und fährt sich über die dunklen Dreadlocks.

„Du hast vor dem Abendessen noch etwas Freizeit. Die anderen Hüttenchefs haben mich überstimmt, als ich Einspruch dagegen erhoben habe, dich und... die anderen nach dem Abendessen noch zu Diensten einzuteilen. Es tut mir leid. Aber", er knetet seine Hände, „immerhin konnte ich dich bei den Pegasi unterbringen und nicht beim Spüldienst."

„Vielen Dank auch!", knurre ich und wende mich zum Gehen. Nein, die Pegasi sind nicht das Problem. Ich verbringe gerne Zeit mit ihnen, besonders mit Knowing. Sie ist eins der wenigen guten Dinge, die mir hier im Camp geblieben sind.

Theo macht keine Anstalten, mich aufzuhalten.

Hier stehen Prinzipien auf dem Spiel. Wenn man die drei Bewohner der Nemesis-Hütte so knapp wie möglich charakterisieren müsste, würde man Theo den „Ernsten" nennen, Damien den „Brutalen" und mich „das schwarze Schaf". Dabei sollten wir zur Viert sein. Derjenige von uns, der es am meisten verdient hätte, der am meisten für die Gerechtigkeit geopfert hat, schläft nicht im Bett neben an. Ich schlucke schwer und schlage den Weg zu Hütte 16 ein.

Die schweren, hellgrauen Wolken, die den Himmel über dem Camp wie eine nasse Wolldecke verhängen, machen keine Anstalten, sich zu verziehen. Seit Tagen scheint kein Blau mehr hindurch. Ab und zu fällt Nieselregen, aber Schnee ist nicht in Sicht, obwohl es bereits Mitte Dezember ist. In der Ferne erspähe ich eine vertraute, kräftige Gestalt. Ich winke Ben kurz zu, der gerade mit einem rothaarigen Mädchen aus der Aphrodite-Hütte redet. Er erwidert den Gruß, wird aber schnell wieder von ihr vereinnahmt. Ob es daran liegt, dass sie aufrichtig an einem Gespräch mit ihm interessiert ist oder an Drews dämlicher „Tradition" teilnimmt oder ihn davon abhalten will, zu mir herüberzugehen, kann ich nicht sagen. Die Olymptreuen sind penibel darauf bedacht, dass wir „Verräter" nicht viel Kontakt zu einander halten.

Das ganze ist lächerlich. Einerseits scheuen die Hauptgötter und die loyalen Halbgötter davor zurück, uns richtig zu bestrafen, wie wir es eigentlich verdient hätten. Wir haben Hochverrat begangen. Wir haben uns mit Titanen verbündet und den Olymp angegriffen und die Götter beinahe vernichtet. Wir haben Halbgötter, Satyre und Nymphen getötet.

Zeus, Hera und der Rest des Packs haben schon für viel weniger schwere Strafen verhängt. Es reicht schon, Götter schief anzusehen und sie verwandeln dich in ein Schabrackentapir.

Andererseits haben sie erkannt, dass sie es sich einmal zu viel mit unseren Eltern und uns verscherzt haben. Dass Kronos bis in ihren Thronsaal vordringen konnte, während Typhon erst am Hudson gestoppt wurde, hat sie wachgerüttelt. Die Olympier mussten einsehen, dass ihre Macht nicht so gefestigt war, wie sie stets dachten.

Doch diese „Amnestie" ist absurd. Man lässt Hochverräter nicht am Leben. Es ist strategisch unklug.

Oktavian ließ seine Feinde töten, weil er wusste, dass er und sie nicht nebeneinander bestehen konnten. Turnus stirbt analog dazu nicht weil Aeneas von blinder Wut ergriffen ist, als er Pallas Wehrgehänge an ihm sieht. Er stirbt, weil sein Weiterleben für erneuten Krieg gesorgt hätte. Selbst im Exil hätte er eine Gefahr für Aeneas und seine Herrschaft über Latium dargestellt.

Aber Oktavian behauptete auch großspurig, dass er seine Feinde schonen ließ. Tat er aber nicht.

Uns geht es ähnlich. Wir Rebellen wurden zwar nicht getötet oder müssen auf den Feldern der Verdammnis leiden. Nein. Doch diejenigen von uns, die es nicht mehr aus Manhattan hinausgeschafft haben oder später erwischt wurden, hat man hierher gebracht. In Camp Half Blood müssen wir mit denen zusammenleben, gegen die wir kämpften und jeder muss so tun, als herrsche Friede, Freude, Eierkuchen.

Oberflächlich betrachtet sind wir mit völliger Straffreiheit davongekommen und haben erreicht, was wir wollten. Es gibt Hütten für jedes Elternteil, beziehungsweise soll es für jedes Elternteil Hütten geben. Noch sind nicht alle fertig. Jetzt im Winter wird nur selten weitergebaut. Die Camper ohne Bleibe dürfen freundlicherweise weiterhin bei Hermes schlafen oder eine andere Hütte erbarmt sich ihrer. Außerdem wird jedes Halbblut an seinem dreizehnten Geburtstag anerkannt.

Statt eine richtige Strafe zu erhalten, werden wir langsam zermürbt. Hinter unserem Rücken wird getuschelt. Kommt ein Neuer ins Camp, der nichts mit dem Krieg zu tun hatte, wird er von seinen Geschwistern so schnell wie möglich über uns informiert. Beinahe ist es so, als wolle ein Haufen beschützerischer Mums ihre Kinder von schlechten Einfluss fernhalten, indem sie ihnen vorschreiben, mit wem sie spielen dürfen und mit wem nicht.

Und dann sind da noch die anderen kleinen Strafen, die uns das Leben hier nicht zur Hölle, aber zum Fegefeuer machen. Extra-Arbeiten, Teilnahmeverbot an Erobert-die-Flagge... Alles kleine Nadelstiche unter einem Deckmantel großzügiger Vergebung.

Vor mir ragen die grauen Basaltwände der Nemesis-Hütte auf. Ein feines Spinnengewebe aus weißen Adern zieht sich durch das Gestein, gibt ihm etwas Tiefes, Zersplittertes, Zersprungenes. Die zwei Treppenstufen auf die Veranda nehme ich mit einem Satz. Über der Tür prangt das zerbrochene Rad unserer Mutter. Es ist dasselbe, das ich auf meinem Schlüsselbein trage. Die Hitze der Fackeln am Eingang heißt mich willkommen und ich stoße die dunkle Tür auf.

Muffige Luft schlägt mir entgegen. Vor dem Frühstück habe ich vergessen, zu lüften. Dafür ist es nun wundervoll warm. Ich schlüpfe aus den Springerstiefeln und balanciere über die versteckten Wackelfließen ins Bad, um mir die Zähne zu putzen und mir trockene Sachen anzuziehen.

Ein abgespanntes Gesicht blickt mir aus dem Spiegel entgegen.

Heute Nacht habe ich mich von einer Seite auf die andere gewälzt, habe das Kissen zerknautscht, um eine angenehmere Kopfposition zu finden. Der Schlaf, der dann kam, war viel zu kurz und leicht. Gerade wurden mir die Lider schwer und im nächsten Moment weckte mich Damien, der über seine Schwertscheide stolperte und dabei meinen Bücherstapel umriss.

Ich lasse Wasser in den Becher plätschern und fange an, mir die Zähne zu putzen. Wieder riecht es nach Pfefferminze, diesmal chemischer. Währenddessen bemerke ich den hellbraunen Ansatz an meinen Haaren. Bald werde ich nachfärben müssen. Aber im Shop gibt es kein Färbemittel und bis ich erneut die Erlaubnis kriege, das Camp zu verlassen, werden Wochen vergehen. Wieder ein Nadelstich. Verräter dürfen das Camp nur mit Sondergenehmigung verlassen.

Es ist nicht so, dass wir Gefangene wären. Das Camp dürfen wir verlassen. Nur müssen wir das extra bei der Camp-Leitung und den Hüttenchefs anmelden und können nicht einfach wie der Rest auf den Bus warten. Und dann müssen zufälligerweise mindestens zwei andere Camper auch in die Stadt. Sie begleiten dich auf Schritt und Tritt und warten sogar vor der Toilette auf dich.

Doch, wir sind Gefangene. Gefangene mit gewissen Vorzügen. Nur würden sie es niemals so nennen. Einige von uns haben bereits im September versucht, zu gehen; nur um auszutesten, ob es möglich ist. Sie wurden von einer Athene-Patrouille kurz vor der Grenze erwischt und zu Chiron gebracht. Dort hieß es, dass sie bis auf Weiteres bleiben müssten, bis alle Umstände geklärt wären und sicher sei, dass alle mit Kronos verbündeten Titanen gefasst seien. Zu unserem eigenen Besten.

Aus September wurde Oktober wurde November wurde Dezember und „bis auf Weiteres" verschob sich immer weiter nach hinten.

Aber was kümmert es mich? Ich kann eh nirgendwo anders hin.

Aus meiner Truhe grabe ich einen sauberen Pulli und eine weitere schwarze Jeans hervor.

Es ist nur schade, dass Ethans Wunsch nach Hütten für jeden und Respekt für unsere Eltern zwar in Erfüllung gegangen ist, aus diesem Ort aber keineswegs ein Zuhause geworden ist. Er ist ein Käfig voller Tiere, die dich anfallen können, wenn du ihnen den Rücken kehrst. Und ich kann es ihnen nicht mal verübeln.

Das ist nicht, was du gewollt hättest, Ethan.

Nachdem ich ein Fenster aufgerissen habe, ziehe ich die Springerstiefel an. Dann mache ich mich auf den Weg zur Ares-Hütte, um mein Schwert abzuholen.

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Hallöle. Es ist so weit: Das erste Kapitel ist veröffentlicht und ich hoffe, es hat euch gefallen. Für konstruktive Kritik und generelle Rückmeldungen bin ich offen.

Herzlichen Dank an Lici, die Beta gelesen hat und an Fredda, die das Bild von May beigesteuert hat.

Und natürlich herzlichen Dank an alle, die Charaktere beigesteuert haben.

Schönen ersten Juni noch

torden aka Agreia

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