'45
POV Dean
Ich klappte das Buch zu und schlich leise und Vorsichtig zu dem Geräusch hin.
Wer versuchte, in Bobby's Haus einzubrechen? Wer zum Teufel war so dumm? Das konnte nur jemand sein, der keine Ahnung hatte.
Lauschend und geduckt ging ich weiter in die Richtung. Der Einbrecher schien jetzt besonders vorsichtig zu sein, denn ich hörte rein gar nichts mehr. Ich war mir auch etwas unsicher, ob ich überhaupt noch auf den Einbrecher zulief, oder mich eher von ihm entfernte.
Dann hörte ich wieder dieses klappern, nur leiser. Es kam eindeutig aus der Küche. Ich konnte niemanden sehen, als ich die Küche erreichte. Alles lag im Dunkeln und auch sonst war nirgends eine Silhouette zu erkennen.
Ausgerechnet heute war der Mond natürlich nicht zu sehen.
Mein Messer hielt ich im Anschlag und blitzschnell schaltete ich das Licht ein und stach blind um mich. Als sich meine Augen an das Licht gewöhnt hatten, musste ich allerdings feststellen, dass niemand hier war. Ich ließ mein Messer also wieder sinken und sah mich zur Sicherheit noch einmal im ganzen Haus um, doch das Ergebnis blieb das Gleiche.
Ich hatte mir das doch nicht eingebildet, ich hab es gehört!
Anscheinend fehlten mir die anderen Störenfriede mehr, als ich gedacht hatte...
Ich lief zurück ins Wohnzimmer und setzte mich wieder.
Als ich das Tagebuch wieder zur Hand nahm und auf die Seite blätterte, um weiterzulesen, erstarrte ich.
Es war doch jemand hier gewesen...
Der Text aus dem Buch war weg. Einfach weg!
Es war nicht so, dass die Seiten herausgerissen waren... Jemand hatte ihn einfach... ausgelöscht.
Nur die Überschrift stand noch dort.
Die Engel des Herrn.
"Wo hast du das Buch her?", ertönte eine dunkle Stimme hinter mir und ich drehte mich ruckartig um.
Da stand Mitten im Raum ein Mann. Weniger kräftig gebaut und auf jeden Fall älter als ich.
"Was zur Hölle machen Sie hier?"
"Ich hab dir eine Frage gestellt."
"Was machen Sie hier in diesem Haus?", gab ich energischer von mir.
"Ich will, das du meine Frage beantwortest."
"Ich will das gleiche."
Meine Lippen waren aufeinander gepresst.
Der Typ hatte vielleicht nerven.
"Lass ihn in Ruhe, Balthazar."
Die Stimme würde ich unter hunderten wiedererkennen. Sofort drehte ich mich zu ihm.
Cas!
Ich konnte es nicht verhindern zu Lächeln. Ich war froh ihn zu sehen, auch wenn sich mein Herz etwas umständlich damit tat. Es zog sich schmerzlich zusammen, als es sich zurückerinnerte. Zurück zum Parkplatz...
"Misch dich da nicht ein Castiel.", zischte der Typ und in mir stieg Wut hoch.
"Geh zurück und lass mich den Rest regeln", sagte Cas völlig kalt und emotionslos.
W-was war los? Wo war mein Cas? Der Cas, den man mit einem kleinen Kätzchen hätte vergleichen können.
Wo war er?
"Wir wollen Ergebnisse, Castiel. Sonst ist dein Auftrag hier und jetzt beendet.", sagte dieser Balthazar und entließ mit einer Hand etwas in die Luft, was ich allerdings nicht identifizieren konnte und verschwand dann auch schon wieder.
Was zur Hölle war hier bitte los?
Mein Mund klappte ein paar Mal auf und zu, ähnlich wie der eines Fisches, der nach Wasser verlangte, bloß das es bei mir die richtigen Worte waren, die mir fehlten.
"Dean." Cas sah mich an.
"J-ja?", brachte ich leise hervor.
"Woher hast du das Buch?"
"E-es gehört unserem Vater. Cas, wer war das eben?"
"Balthazar."
"Ist... ist er auch ein Engel?"
"Ja." Ich nickte stumm und setzte mich wieder.
"Cas... das was vorhin..."
"...Das sollten wir besser einfach vergessen.", unterbrach er mich und ich sah ihn ungläubig an.
"Ist das-... meinst du das wirklich ernst?"
"Ja Dean. Du bist mein Schützling, ich darf... nicht."
"Aber-"
"...Nein. Dean, ich kann dich nicht über den Himmel stellen. Auch wenn ich-", er lies den Kopf sinken und sprach seinen Satz nicht zu Ende. Wir beide wussten, was er sagen wollte.
Trotzdem wühlten mich seine Worte auf.
Ich hasste es so sehr.
Jeder wollte für mich bestimmen...
Niemanden hat je interessierte, was ich wollte.
Was ich... brauchte...
Bevor sich Cas wieder in Luft auflösen konnte, musste ich das endgültig mit ihm klären.
"Cas? Setz dich und hör mir zu."
"Dean ich-"
"...Nein!... Verdammt! Jetzt bin ich dran!" Castiel setzte sich auf die Couch und sah mich aus seinen Hundeaugen an.
"Es tut mir leid, was passiert ist. Es war ein Fehler. Ein verdammt dummer und unnötiger Fehler... aber verdammt nochmal, ich kann das nicht. Ich kann nicht so tun, als wären du und ich nur Freunde. Das sind wir nämlich nicht. Cas! Ich hab es dir gesagt. Ich weiß, das du mich gehört hast und jetzt frage ich dich: Was fühlst du?"
"Dean, du musst mich verstehen, ich kann nicht-"
"...kannst oder willst du nicht?"
"Es ist der Himmel. Ich bin ein Engel, Herr Gott! Das würde doch niemals gut gehen!"
"Du willst es nicht einmal probieren?"
"Dean... Du hast es innerhalb kurzer Zeit geschafft, mich so sehr zu verletzten, das mei-meine Brust sich so zugeschnürt hat, als würde sie jemand von innen heraus zerquetschen... Wenn es jetzt schon so schwierig ist, wie soll das erst werden, wenn..." Ich griff nach seinem Gesicht und sah ihm in seine blauen Augen.
"...wenn wir zusammen sind?", flüsterte ich und strich mit einem Daumen über seine Wange.
"Cas... Es tut mir so leid", jedes Wort einzeln betonend sah ich ihn aus meinen Augen traurig an.
Für einen Moment herrschte absolute Stille. Sie war so erdrückend, dass man sie schon beinahe im Raum schweben sehen konnte, aber ich traute mich nicht zu sprechen. Weshalb ich auch zusammenzuckte und laut nach Luft schnappte, als sich Cas leise räusperte.
Ich hatte nicht mitbekommen, dass ich überhaupt die Luft angehalten hatte und jetzt, da sich meine Lungen mit dem Lebenselixier füllten, konnte auch mein Kopf wieder klare Gedanken fassen und sich auf meinen Engel konzentrieren. Obwohl er leise sprach, verstand ich jedes Wort, als würde er es schreien.
"Ich... fühle. Ich kann menschliche Emotionen fühlen... das dürfte ich gar nicht, aber so- so ist es... und ich fühle... wegen dir...", während er sprach, wurde er immer leiser, sodass seine Stimme am Ende nicht mehr als ein heiseres Flüstern war, sich einfach nur gebrochen und verletzt anhörte.
Ich fühlte seinen Schmerz in dieser Sekunde, als wäre es mein eigener. Ich verstand jedes einzelne Wort, als käme es aus meinen eigenen Mund. Ich spürte seine Tränen, die ihm in den Augen brannten, als wären es meine. Ja. Ich fühlte genau das Selbe. Das alles... es war auch mein Schmerz, meine Angst, aber dennoch... ich fühlte und das ist es doch, was zählen sollte.
So oft hatte ich einstecken müssen. So oft hatte ich meine eigenen Gefühle zurückstecken müssen. Konnte es nicht einmal, nur einmal um mich gehen? War das wirklich zu viel verlangt?
Ich schloss meine Augen und immer mehr Tränen liefen langsam herunter. Die schwärze, die mich einholte, tat gut, auch wenn meine Augen brannten und die Benommenheit in meinem Körper mehr und mehr zunahm...
Noch immer mit geschlossenen Augen richtete ich meinen Blick nach unten und wartete darauf, dass Castiel wieder verschwand.
So, wie er es immer tat.
Er hatte es eben selbst gesagt... Ich war an allem Schuld...
Doch ich hörte nicht das allzu vertraute Flügelflattern, was mich dazu bewegte, wieder nach oben zu schauen.
Mit Tränen und großen Augen sah ich ihn an und etwas hatte sich in seinem Blick verändert. Er wirkte besorgt.
Ich kam nicht dazu, ihn zu fragen, was los war, denn alles um mich herum wurde schwarz und ich bekam nur schwach mit, wie mein Kopf auf etwas weiches prallte.
Ich wusste nicht, wie lange es brauchte, bis ich wieder meine Augen öffnete und direkt in zwei blaue, ängstliche sah.
"Dean.", hauchte er erleichtert und ich lächelte schwach. Er zögerte, erhob sich aber dann und blieb neben der Couch stehen. Seine Augen ruhten auf mir und ich setzte mich langsam auf. Ich sah, trotz der Tatsache, dass es nur für wenige Sekunden war, wie seine Augen zu meinem Mund und dann wieder nach oben huschten.
War das mein Zeichen?
Ich stand ebenfalls etwas schwerfällig auf und stand direkt vor ihm. Etwas nervös biss ich mir auf die Unterlippe, was ihn mit leicht rosa Wangen nach unten schauen ließ.
Ich legte meine rechte Hand an seine Hüfte und zog ihn langsam und ruhig an mich ran, bis sich schließlich unsere Mitten berührten und ich meine Lippen auf seine legte.
Ich blieb am Anfang zurückhaltend, wartete darauf, das er erwiderte. Sobald ich den Druck von ihm spürte, wurde ich fordernder.
Auch er genoss es anscheinend. Sein Mund öffnete sich und unsere Zungen fingen an zu tanzen.
Immer intensiver und wilder küssten wir uns, bis er mich zurück auf die Couch hinter mich drückte und wir beide zum liegen kamen.
Er zog mir das T-shirt über den Kopf und unsere Lippen lösten sich für diesen Augenblick, was ich beruhigend zum Luft holen nutzte, bevor er meinen Mund wieder mit seinem verschloss...
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