Alles wieder gut
Andys Sicht:
Wir liefen gemeinsam Richtung Gemeinschaftsraum. Da stiess mich Simon an. «Können wir sprechen?», fragte er. Ich nickte. «Der Verwandlungshof?» fragte er, und wieder nickte ich. Ich folgte ihm, bis wir dann im Hof ankamen. Wir schwiegen eine Weile. «Wenn du nicht bereit bist, dann sag es mir einfach», sagte ich. «Nein», sagte er beinahe panisch. Ich zuckte vor Schreck zusammen. «Es tut mir leid, was ich dir angetan habe. Es war... ich hätte nicht damit gerechnet. Aber es ist völlig okay. Es ändert schliesslich überhaupt nichts an uns. Ich verstehe es nur nicht, warum du es geheim hältst?» «Ich will nicht, dass man mich für schwach hält und man das Gefühl hat, mich zu bevormunden», erklärte ich. «Okay», stimmte er mir zu. Dann schwiegen wir wieder. «Was ist passiert?» fragte er dann vorsichtig. «Also, du musst es mir nicht erzählen, wenn du nicht möchtest.» «Alles gut, eine wild gewordene Chimäre hat mir das Bein abgebissen oder gerissen, wie auch immer. Meine Schwester wollte das Chimären-Männchen beruhigen, jedoch wurde sie angegriffen. Ich wollte sie aus dem Gehege ziehen, war wohl nicht die beste Idee mit 13», erzählte ich. Er nickte nur. «Deine Schwester...», fing er an, doch ich unterbrach ihn. «Starb daran.» «Tut mir leid», sagte er. «Danke», sagte ich nur und schwieg wieder. «Also zwischen uns... was ist zwischen uns?» fragte ich. «Also... ich mag dich immer noch, so wie am Anfang unserer Beziehung. Um genau zu sein, liebe ich dich», sagte er zaghaft. «Heisst das, wir sind wieder zusammen?» fragte ich nach. «Also, wenn du dazu bereit bist und mir mein Verhalten verzeihen kannst, dann ja», sagte er. «Natürlich», sagte ich, und er zog mich sofort in seine Arme. «Hab dich unglaublich vermisst», murmelte er in meine Haare. «Ich dich auch», sagte ich und löste mich von ihm, um ihn einfach nur anzulächeln. Er zog mich wieder zu sich, aber dieses Mal, um mich zu küssen. «Man, habe ich das vermisst», sagte ich, und er lachte nur. Er nahm meine Hand und zog mich wieder Richtung Gemeinschaftsraum. Wir klopften auf die Fässer und konnten eintreten.
«Ich glaube, da lief ein Gespräch gut aus», rief Ed durch den ganzen Raum, als wir Hand in Hand hereinkamen. Wir setzten uns zu ihnen. «Aber bitte treibt es nicht miteinander, während wir schlafen», sagte Ed wieder, und ich versteifte mich. Simon drückte meine Hand. «Sorry», murmelte er. «Alles gut», murmelte ich zurück, nachdem ich auch Druck auf seine Hand gab. «Eh ja... was ist unser Ziel dieses Jahr?» wechselte Owen das Thema. «Quidditch-Pokal», sagte Luce sofort. «Hauspokal wäre auch cool», fügte Ed hinzu. «Irgendjemand verliert einfach zu viele Punkte, nur weil man Streiche spielen muss», sagte Owen und sah zu mir. «Halt diese, die ich verliere, sammel ich auch. Ich kriege beinahe immer von Kesselbrand Punkte und auch bei Sprout manchmal», verteidigte ich mich. «Ihr könntet euch auch Mühe geben, um Punkte zu erhalten», sagte ich. «Wird schwierig, wenn Dumbledore gegen Ende noch über hundert Punkte an Gryffindor gibt», sagte Ed. «Dann müssen wir dieses Mal Hogwarts retten», sagte Simon und lachte. «Vor was? Lockhart?» fragte Luce. «Ich glaube, von dem muss man nicht gerettet werden.» «Nein, nicht du auch noch. Sag nicht, dass du auch auf Lockhart stehst?» sagte Owen und klang beinahe panisch. «Was heisst auch?» fragte ich verwirrt. «Margo liebt seine Bücher, und Tabea ist äusserst beeindruckt von ihm und seinen Taten», erklärte Ed. «Das heisst nicht, dass sie auf ihn stehen», sagte ich. «Hättet sie hören sollen», sagte Luke. «Okay, wenn du meinst. Ich halte ihn zwar nicht sonderlich für fähig. Das, was er über die Begegnungen mit Tierwesen schreibt, kann niemals so abgelaufen sein», erklärte ich. «Du hast die Bücher gelesen, wirklich?» fragte Owen verblüfft. «Ja, habe ich», bestätigte ich. «Wieso?» fragte er nach. «Viel wichtigere Frage: Du kannst lesen?» sagte Ed, und ich warf ihm daraufhin mit einem Kissen ab. Er lachte nur. «Leute, ich geh auch mal nach oben», murmelte ich nach einem langen Gähnen und stand auf, um nach oben zu gehen. Simon schnappte sich jedoch meine Hand. Ich lächelte ihn müde an. «Gute Nacht, Liebling», sagte er. Ich verzog kurz das Gesicht. «Lass das Liebling besser sein», sagte ich und küsste ihn danach. «Gute Nacht», sagte ich schliesslich noch und lief jetzt endgültig nach oben. Dort sah ich Leah und Teagen, die zusammen auf einem Bett sassen, quatschten und sich die Nägel lackierten. Ich sah auf meine Hände. Auch ich trug Nagellack. Naja, die Nägel waren einmal schön lackiert. Jetzt sieht man nur noch Überreste, aber ich bin nun mal zu faul, dies abzulackieren. Und wenn man nicht mit den Händen arbeitet, sieht der Nagel meist schon nach einem Tag schrecklich aus. Aber was soll»s.
«Hey, und wie waren eure Ferien?» fragte ich sie freundlich. Sie unterbrachen ihr Gespräch und blickten zu mir. Sie betrachteten mich abschätzig von oben bis unten. «Gut», sagte Teagen nur. «Habt ihr etwas Schönes erlebt?» fragte ich weiter. Wir sind schliesslich Zimmergenossen. «Wir waren shoppen zusammen, richtig schöne und neue Sachen. Hat wirklich Spass gemacht. Auch neue Umhänge haben wir gekauft. Ich glaube, das würde dir sicherlich auch Spass machen. Frag doch mal Margo und Tabea», sagte Lea lächelnd. «Oh, Shoppen ist nicht so meins», sagte ich nur und versuchte freundlich zu lächeln. «Aber wisst ihr, wo Margo und Tabea sind?» fragte ich. «Badezimmer», sagte Teagen nur. Ich lief also dorthin, klopfte. «Tabea, Margo?» fragte ich. Die Tür wurde geöffnet, und ich wurde hineingezogen. «Wow», sagte ich erschrocken. «Was ist denn hier los?», fragte ich und sah von Margo zu Tabea. «Hast du geweint?» fragte ich Tabea fürsorglich. «Ja, nein, es war dumm», sagte sie. «Wenn du weinen musst, ist es nie dumm. Was ist denn passiert?» fragte ich. «Ich mag nur keine Auseinandersetzungen», sagte sie. Ich sah fragend zu Margo. «Wir haben mit den Jungs über Lockhart gesprochen. Wir mögen ihn nun mal beide, sie jedoch nicht», erklärte Margo. «Einfach nicht persönlich nehmen. Es gibt unterschiedliche Meinungen», sagte ich. «Ist mir auch bewusst, und ist ja auch nicht schlimm. Aber irgendwie nimmt mich so etwas immer mit. Ich kann gar nicht anders», sagte sie. «Ist nicht schlimm. Bist nun mal einfach du, und du bist perfekt, wie du bist», sagte Margo zu ihr. Sie lächelte. Ich sah mich im Badezimmer um. Schon komisch, dass wir hier zu dritt stehen. Ich erblickte mich im Spiegel. «Leute, ich habe mal eine Frage», sagte ich, und beide sahen aufmerksam zu mir. «Sehe ich wirklich so schlimm aus? Also, mit der nachgetragenen Uniform? Mit den Löchern im Umhang?» fragte ich kleinlaut. «Was? Nein, das spielt überhaupt keine Rolle», sagte Margo. Tabea nickte bestätigend. «Du bist wunderschön, auch wenn dein Umhang nicht mehr der neuste ist. Und meine, wenn du noch einen neuen Umhang hättest, würdest du sowieso viel zu schön aussehen», sagte Tabea. Sie ist einfach die Süsseste. «Danke», sagte ich nur. «Wie kommst du denn darauf?» fragte Margo. «Lea hat da so eine Bemerkung gemacht. Sie hat es zwar nicht direkt gesagt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie eigentlich das meinte», sagte ich. Ich habe mir früher nie etwas über mein Aussehen gemacht. Aber jetzt, wo ich mit Simon zusammen bin, bekomme ich irgendwie Komplexe. Schon das letzte Jahr, auch als wir nicht mehr zusammen waren, immer wenn ich ihn mit einem anderen Mädchen gesehen habe, habe ich angefangen, mich mit ihr zu vergleichen. Das Bein macht es nicht besser.
«Lass dir von ihnen nichts einreden. Simon kann die Augen kaum von dir lassen, und was denkst du, warum Gab immer mit dir flirtet?» sagte Margo. Ich nickte nur. «Ich geh schlafen», murmelte ich dann und lief aus dem Badezimmer direkt auf mein Bett, wo ich dann die Vorhänge zuzog und die Prothese auszog und wie immer oberhalb des Kissens deponierte. Ich legte mich unter die Decke und wollte eigentlich gleich einschlafen, doch da sprang jemand durch den Vorhang in mein Bett. Ich quietschte vor Schreck und richtete mich auf. «Margo», sagte ich erschrocken. «Ernsthaft, du hängst deine Prothese auf», sagte sie als allererstes. «Shh», machte ich sofort. «Alles gut, beruhig dich», sagte sie. «Was tust du hier?» fragte ich. «Ich muss mit dir reden, oder besser gesagt, ich muss was loswerden. Natürlich könnte ich es auch Tabea sagen, aber es muss ein Geheimnis bleiben, klar? Tabea sagt es niemandem, aber sie kann auch schlecht unauffällig etwas für sich behalten. Deswegen musst du dran glauben. Du hast das bessere Pokergesicht», erklärte sie flüsternd. «Was denn?» fragte ich genau so leise. «Andy, halt dich fest», fing sie an, und um dem Ganzen mehr Dramatik zu geben, wollte sie mein Bein umgreifen. Sie sass zu meiner Linken und wollte dementsprechend mein linkes Bein unter der Bettdecke umgreifen. Sie griff ins Leere. «Oh, das war komisch», murmelte sie. «Also, in meinen Ferien habe ich Luke gesehen. In London war gerade mit Mike unterwegs, du weisst schon, mein Mike. Da habe ich gesehen, wie Luke jemanden küsst»,
Ich riss die Augen auf und sagte: «Ehrlich, er hat nie etwas gesagt, dass er eine Freundin hat oder überhaupt jemanden datet», erzählte ich. «Ich glaube, das liegt daran, weil er kein Mädchen geküsst hat, sondern einen Jungen», erzählte sie dann. «Du meinst also, dass Luce auf Männer steht?» fragte ich nach, noch immer im Flüsterton. Sie nickte. «Vielleicht wollte er nur etwas ausprobieren», sagte ich dann. Ich meine, selbst ich würde es wohl auch mit einer Frau ausprobieren, selbst wenn ich mir eigentlich sehr sicher bin, dass ich auf Männer stehe. «Es sah nicht unbedingt nach Ausprobieren aus», sagte sie dann. «Okay, dann steht Luce nun mal auf Männer. Ist ja nichts dabei», sagte ich schulterzuckend. «Ist dir das so egal?» fragte sie dann. «Nein, natürlich interessiere ich mich für meine Freunde. Aber das ist seine Entscheidung, Margo. Wir haben da nichts zu sagen. Und ausserdem ist es auch nichts Schlimmes oder Verwerfliches», sagte ich. «Nein, natürlich nicht. Aber es ist doch irgendwie komisch, oder nicht?» sagte Margo. «Nein, eigentlich nicht. Ich musste meinem Bruder im Sommer versprechen, dass ich ihm nicht alle heissen Typen aus Rumänien wegschnappe», sagte ich. «Oh, dein Bruder ist...» «Schwul, ja», unterbrach ich sie. «Ich frage mich nur, ob er sich nicht getraut hat, das offen auszuleben», sagte ich nachdenklich. «Denkst du, er schämt sich?» fragte sie. «Ich hoffe nicht», sagte ich ehrlich. «Sollten wir ihn darauf ansprechen?» fragte sie wieder. Ich zuckte mit den Schultern. «Ich weiss nicht. Ich denke eher nicht», sagte ich. «Du könntest ihm deinen Bruder vorstellen», sagte sie. «Luce gehört das Beuteschema meines Bruders», sagte ich nur. «Nicht deswegen, dass er noch jemand anderes Schwules kennenlernen könnte», flüsterte sie. Ich sah verwirrt zu ihr. «Das schreibt er anscheinend auch selber zu können. Und was soll ich da machen? Hey Luce, das ist mein Bruder Chris, er ist auch schwul, also könnt ihr ja zusammen über Schwulenkram sprechen», sagte ich scherzhaft. «Okay, war nicht die glorreichste Idee», sagte sie, aber sie schien das Thema noch nicht abgeschlossen zu haben. «Margo, es ist etwas komplett Normales, und es ist total unnötig, dass wir jetzt hier zusammen darüber sprechen. Es geht uns schlichtweg nichts an», sagte ich in der Hoffnung, dass ich jetzt gleich schlafen kann. «Wie kannst du damit so locker umgehen?» sagte sie erstaunt. «Was soll ich denn sonst tun? Ich habe auch schon mal Ed gesehen, wie er eine Ravenclaw küsst. Und das ist eigentlich nichts anderes. Ed hat jemanden geküsst, den er attraktiv fand oder Gefühle für sie hatte, und Luce hat anscheinend jemanden geküsst, weil er attraktiv fand oder Gefühle für ihn hat. Der einzige Unterschied ist das Geschlecht der jeweiligen anderen Person, was keine Rolle spielt. Solange Ed oder Luce glücklich sind», sagte ich. Margo nickte. «Du hast recht», sagte sie und überlegte weiter, bis sie wieder nickte. «Ja, danke Andy, das habe ich wirklich gerade gebraucht. Ich lasse dich jetzt schlafen», sagte sie. «Gerne, kannst gerne immer wieder zu mir kommen. Aber nicht diese Nacht. Ich bin verdammt müde», sagte ich, und Margo kroch nach einer kurzen Nacht aus meinem Bett, und ich drehte mich um und war sogleich eingeschlafen.
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