6. Help!
Die halbe Nacht habe ich kein Auge zugetan. Mein Herz raste immernoch von Pauls Kuss, bevor wir uns verabschiedet hatten. Er wusste gar nicht, was er mir damit im Endeffekt antat. Vielleicht war es für ihn nur ein ganz normaler Kuss auf die Wange gewesen wie man das bei seiner Familie macht und er hatte sich nichts weiter dabei gedacht. Doch ich empfand anders, ganz anders. Mir hatte es gezeigt, dass noch mehr dahinter steckte als nur Freundschaft. Jetzt musste Paul mir das nur noch besser zeigen und ich würde komplett in ihn verfallen. Doch was würden meine Eltern dazu sagen, vorallen mein Vater?
Mit diesem Gedanken bin ich schlussendlich eingeschlafen und habe den Rest der Nacht durchgeschlafen, bis ich morgens pünktlich vom Wecker geweckt wurde für den ersten Schultag. Ich tat Paul schließlich den Gefallen und zog mein neues Kleid an, ein weißes mit schwarzen Pünktchen. Gut, dass ich passende Schuhe zur Hand hatte. Mit guter Laune ging ich in die Küche, um mein eingepacktes Lunchpaket einzupacken. " Gott, wie siehst du denn aus?", fragte mein Vater und musterte mich erschrocken und gleichzeitig verwirrt. " Wieso fragst du?". Meine Stimme klang reichlich nervös. Ich wollte ihm ungern von meinem Treffen mit Paul erzählen, wenn er nicht schon davon wusste. " Du willst doch nicht etwa so zur Schule gehen!". Ich nickte stumm und ging ins Badezimmer, um mich soweit fertig zu machen. Meine Haare band ich zu einem Zopf zusammen, damit das Kleid mehr zur Geltung kommt. Vielleicht gefiel es auch Paul, mich mit Pferdeschwanz zu sehen. Ich holte meine Schultasche von oben, als es an der Tür klopfte. Ich rannte schnell die Treppe runter und blickte einem völlig neuen Paul entgegen, der mich schief angrinste. Mit Schuluniform sah er ganz anders aus. Seine Haare waren denoch weiterhin Elvisstyle. " Hey, du siehst gut aus ", begrüßte er mich und schaute lächelnd auf mein Kleid. " Danke ", murmelte ich schüchtern und lief rot an. " Wollen wir dann los?". Ich nickte und schloss die Tür hinter mir, ohne jemanden noch Tschüß zu sagen. Mein Vater kann sich die dämlichen Kommentare über Paul sparen, ich höre ihm sowieso nicht zu. Paul war einfach perfekt für mich. Ein Junge, den ich schon so lange gesucht habe. " Weiter hinten ist eine Bushaltestelle, da müssen wir einsteigen. Dort treffen wir auch auf John ". In mir bildete sich wieder dieser Magenknoten und meine Laune sank etwas. Paul bemerkte dies jedoch nicht.
Vom Weitem konnte ich schon John erkennen, der lässig an der Laterne lehnte und eine rauchte. Als er uns entdeckte, huschte ein Lächeln über seine Lippen. " Woah, wer ist denn dieses gutaussehende Mädchen, was mir gerade entgegen kommt?", fragte er lachend und brachte mich dabei zum Kichern. " Das wäre dann wohl ich ", höhnte Paul in einer ziemlich hohen Tonlage, weswegen wir alle laut auflachen mussten. " Hey John ", begrüßte ich ihn dann lächelnd und stellte mich zwischen den beiden Jungs, die sich gerade eine Zigarette rübereichten. " Diesmal kein Angeschreie? Hat mich der liebe Gott erhört?". John tat so, als würde er beten und schaute zum Himmel hinauf. Ich konnte dann nicht anders, als ihn zu umarmen. " Huch, das ist ja mal was ganz neues ", sagte er lachend, erwiderte aber meine Umarmung. Es fühlte sich besser an als die erste Begegnung. " Tut mir leid wegen gestern ", flüsterte ich in sein Ohr und ließ dann von ihm ab. John hatte sein typisches Grinsen aufgesetzt und schaute dann zu Paul. Zum Glück ging er nicht weiter drauf ein und wechselte das Thema. " Unser Treffen nach der Schule steht noch?", fragte er seinen Kumpel, der sich gerade die Zigarette anzündete. " Klar doch. Dani kommt auch mit ". Dabei schaute Paul mich lächelnd an, bevor er einen weiteren Zug nahm. John bot mir auch eine an, ich lehnte jedoch ab. " Danke, ich rauche nicht ", sagte ich mit einem ersten Blick auf die Zigarre. Ich mochte rauchen und Raucher als solches nicht. Aber bei den Jungs und meinen Eltern war es etwas anderes, obwohl ich mich schon aufregte, wenn mein Vater in der Küche rauchte. Ich mochte den Geruch irgendwie nicht. Vielleicht gewönne ich mich eines Tages mal daran, trotzdem werde ich kein Raucher. "Vielleicht kannst du uns beim Songtext helfen ", meinte John und lehnte lässig einen Arm gegen mich. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Paul uns beobachtet, ihn das aber herzlich wenig zu interessieren scheint, dass John seinen Arm um mich geschlungen hat. Das Wort Eifersucht war in seinen Augen nicht zu erkennen. Vielleicht kannte ich Paul auch zu wenig, um dies zu merken. " Welchen Songtext?", fragte ich überrascht und schaute diesmal zu Paul, der mir die Sache erklärte. " John und ich arbeiten an unserem ersten Song für unsere Band The Quarrymen. Wir haben sonst nur Songs gecovert und diesmal wollen wir einen eigenen Song rausbringen ". Er hörte sich ziemlich entschlossen an. Für beide war es wohl ein großer Traum Berühmt zu werden. Ich hielt sie dabei nicht auf. " Und ich soll euch dabei helfen? Aber ich habe davon doch gar keine Ahnung ". John lehnte sich etwas vor und blinzelte mit seinen kleinen Augen. " Bitte, bitte, bitte ". Schließlich gab ich mich geschlagen und erklärte mich bereit, ihnen bei dieser Angelegenheit zu helfen.
Wenig später kam der Bus und wir setzten uns in die hinterste Reihe. John und Paul redeten ununterbrochen von ihrem baldigen Auftritt im Cavern Club und über ihren neuen Song. Da ich zwischen den Beiden sahs, redeten sie über mich hinweg, was auf eine Art ziemlich unangenehm war. Ich fühlte mich ein wenig Fehl am Platz, und das tat ich immernoch, als wir an der Schule angekommen sind. John verabschiedete sich als Erstes von uns, da er zwei Klassen höher war als Paul und gleich seine erste Stunde begann. Paul brachte mich zum Direktor, der sich als eine sehr freundliche Person entpuppte. " Ach, du bist die Neue aus Deutschland ", erläuterte er und blätterte in seinen Ordern herum. " Du kommst in die 9B zu Miss Boldt ". Paul und ich grinsten uns beide an. Wir gingen in die gleiche Klasse. Innerlich klopfte mein Herz vor Glück. Dann verabschiedeten wir uns von dem Direktor und gingen in den Klassenraum der 9B. Einige Schüler schauten mich neugierig an, andere ignorierten mich einfach, wie ich es am Liebsten hatte. Ich mochte nicht gerne Aufsehen erregen. Miss Boldt, die auch Bio unterrichtete, trat in den Klassenraum und begrüßte uns herzlich. Ich setzte mich vor Paul an den noch freien Tisch und lächelte ihm nochmal zu, bevor ich mich zur Tafel drehte. Frau Boldt bemerkte mich dann schließlich und bat mich, mich selber vorzustellen. Einige Schüler schauten mich überrascht an, als ich erzählte, dass ich eigentlich aus Deutschland komme und vor Kurzem hierhergezogen bin. Dann durfte ich mich wieder hinsetzten und die Schüler sollten ihre Biobücher hervorholen, um einen Text über Diabetes zu lesen. Ich merkte, wie Paul mich von hinten antippte und meinte, ich könne mich neben ihn setzten, um den Abschnitt zu lesen. Dankend nahm ich an und las den eigentlich interessanten Abschnitt durch. Manche Wörte kannte ich gar nicht auf Englisch und so war es in erster Linie schwierig zu wissen, worum es genau geht. " Paul ", flüsterte ich und stubste ihn leicht an, damit er vom Lesen abgelenkt wird. " Mhmm?". Nervös biss ich mir auf die Unterlippe. " Ich habe keinen richtigen Plan, was dadrin steht. Die Worte sind über meinem Niveau ". Ich schaute ihn hilfesuchend an. Lass mich jetzt bitte nicht im Stich! Leise versuchte er mir im einfachen Englisch zu erklären, worums ging. Er versuchte, die schwierigen Wörter zu beschreiben. Bei den Meisten klappte es ganz gut. Am Ende konnte ich mir den Rest selber zusammenreimen. Dann war die erste Stunde auch schon zuende und wir hatten eine kurze Pause.
Erleichtert sank ich in meinem Stuhl, was Paul zum Lachen brachte. " Bist du jetzt schon fertig mit den Nerven?". Ich nickte, musste dann selber lachen. " Es ist nicht gerade einfach, einen Text zu lesen, wo deine Englischkenntnisse überfragt sind ". Paul klopfte mir aufheiternd auf die Schulter. " Du machst das schon ". Mit einem Lächeln folgte ich ihm in den nächsten Raum, wo wir Deutschunterricht haben. Da konnte ich sehr gut abschneiden. An dieser Stelle musste ich Paul helfen, der mit Deutsch noch so seine Schwierigkeiten hatte. Am Ende hatten wir uns beide Gegenseitig geholfen und standen in keiner Schuld des anderen. Während des Deutschunterrichts hatte Paul mich die ganze Zeit beobachtet. Statt sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, hatte er nur Augen für mich gehabt. Wenn ich das bemerkt habe, hatte er so getan, als würde er an mir vorbeigucken und träumen. Manchmal musste ich selber lachen, versuchte dann seine Aufmerksamkeit wieder den Aufgaben zu widmen. Ich hatte noch nie soviel Spaß in der Schule wie in England, zusammen mit Paul.
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Hey, liebe Leserinnen und Leser. Ich habe mir gedacht, unter jedem Kapitel eine kleine Notiz von mir zu hinterlassen, damit ihr nicht denkt, dass ich nur so ein Kapitel hier hochlade und fertig... xD
Nein, ich mache die Kapitel mit viel Liebe und freue mich natürlich über jeden Stern, jeden Follower und jedes Kommentar <3
L.G Dani ♥
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