
~ 5 ~
So kam es, dass ich durchgängig an diese kleinen Tabletten dachte. Bald bemerkte ich, dass es ohne die Tabletten gar nicht ging. Ich konnte nicht ohne meine Tabletten leben. Der Arzt hat mit der Entwöhnung angefangen und es war die größte Hölle meines Lebens. Ich konnte kaum ohne die Tabletten schlafen. Ich war mehr am Boden als an der Luft. Ich verharrte so sehr auf diese kleinen Kapseln, dass ich ohne sie nicht mehr leben konnte, dachte ich. Anna redete immer mehr auf mich ein, wie gefährlich das doch mit der Droge war. Angeblich beobachtete sie mich immer vor und nach meinen Arztterminen, und ich sah aus wie eine Puppe mit leerem Blick. Ihre Worte gingen zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Ich brauchte diesen Rausch. Ich wollte nicht mehr meine Gefühle fühlen, sondern einfach sorgenfrei sein. Durch diese Droge erkannte ich, dass ich gar nicht sterben wollte, sondern einfach nur ein besseres Leben. Die Tabletten erfüllten mir diesen Wunsch. Was ich dem Arzt alles erzählt hatte wusste ich nicht, aber was kümmert das mich. Er war glücklich, dass ich mittlerweile die Medizin freiwillig einnahm. Ich wurde so sehr abhängig, dass ich gar nicht mehr aus der Psychiatrie weg wollte. Doch nach sechs Monaten wurde ich entlassen, wurde zurück in die Realität geschickt.
Nun war ich wieder ganz alleine in meiner Wohnung mit meinen Gedanken. Ich entschloss mich erstmal wieder zu duschen, um den ganzen Berührungen der letzten Monate zu entfliehen. Selbstverständlich hatte ich in der Klink auch geduscht, aber in fremden Duschen konnte ich mich einfach nicht sauber fühlen. Dann wollte ich Zähne putzen, doch mein Blick wanderte zu etwas anderem. Neben meiner Zahnbürste lagen meine Rasierklingen. Tu es nicht, dachte ich mir. Acht Monate hast du es ausgehalten, fang jetzt nicht damit an. Ohne diese Droge spürte ich jedoch meine alten Gefühle wieder. Mein Gehirn sagte mir immer wieder: Drogen oder Messer, Drogen oder Messer, Drogen oder Messer...
(zeitsprung 1 monat falls nicht obv)
pov kevin
Nachdem ich neun Monate nichts von Basti mitbekommen hatte, schrieb er mir heute, ob wir einen Kevin-Basti-Abend machen können. Meine 100 davor geschriebenen Nachrichten ignorierte er einfach, was mich zugegeben etwas sauer machte. Trotzdem sagte ich zu und freute mich am Abend mit ihm zu spielen. „Yoo, moin Chef“, begrüßte er mich im Discord. Sollte ich seine Abwesenheit jetzt einfach unbesprochen lassen? „Ey, was geht“, antwortete ich. Doch nach ein wenig hin und her Gerde fiel mir auf, dass Basti sich nicht normal verhält. Er redete viel mehr als sonst und sagte Dinge, die er normalerweise nie sagen würde. Klar, wir verhielten uns meistens, als wären wir sturz Besoffene, aber diesesmal war es viel extremer. Irgendetwas stimmte nicht. Zudem konnte ich ein leichtes Lallen in seiner Stimme erkennen. Der Chat bemerkte jedoch nichts. Mit der Zeit wurde dieses Lallen immer deutlicher und es schien, als wäre er komplett betrunken. Aber Basti war doch so strikt gegen Alkohol. Er würde niemals auch nur ein Tropfen zu sich nehmen. Vielleicht hatte es was mit seinem plötzlichem Verschwinden zu tun, dachte ich mir. Mir gefiel das alles gar nicht. Ich tat, als würde ich eine Nachricht bekommen und reagierte schockiert. „Scheiße, Chat, Basti, es tut mir so leid, aber ich hab jetzt eigentlich einen Termin. Hab das voll verpeilt. Wir spielen ein andermal, versprochen. Tschau tschau tschau“
Ich beendete den Stream und setzte mich sofort in Bewegung. Schnell packte ich eine Reisetasche mit dem Vorhaben zu Basti zu fahren. Ich rannte zu meinem Auto und betete, dass es für ihn nicht schon zu spät sein würde. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr schlich der Gedanke in mein Hirn, dass mit Basti mehr nicht stimmen konnte als nur eine plötzliche Neugierde auf Alkohol. Während der Fahrt über schaute ich durchgängig nebenbei seinen Stream, um ein Auge auf ihn zu werfen. Er spielte mal wieder Challanges, doch seine Spielweise glich der, eines Anfängers. Er starb abermal und konzentrierte sich einfach nicht. Was war denn los? Als ich ein paar Stunden später an seine Tür klopfte, wurde sie zügig geöffnet und Basti selbst stand vor mir. Er sah aus, als hätte er seit Tagen nicht geschlafen und in seinem Gesicht lag eine Art Resignation, als hätte er schon vor langer Zeit aufgegeben. „Eyy Kevin, was eine Überraschung“ Er zog mich in eine Umarmung, was schonmal sehr ungewöhnlich war. Ich durfte ihn nie berühren. Nie. Weswegen ich diese auch nicht erwiderte. Durch die körperliche Nähe bemerkte ich, dass seine Kleidung komplett nach Alkohol roch. War er also wirklich betrunken? Er wirkte viel zu fröhlich, dafür, dass ich einfach so bei ihm auftauche. Sonst hat er schon Angst und Bange, wenn wir uns verabreden. Niemals dürfte ich unangekündigt zu ihm. Er bat mich in die Wohnung, wo mir direkt noch mehr Alkoholgeruch in die Nase stieg.
Mitten im Gang blieb ich stehen und drehte mich zu Basti um. „Bist du betrunken?“ „Willst du auf der Couch oder im Bett schlafen?“, erwiderte er darauf. Natürlich gab er keine gescheite Antwort, er war immerhin wirklich betrunken. „Basti“ „Keine Sorge, der Stream ist schon aus“ „Basti, hör mir zu“, sagte ich in einem etwas lauteren Ton, der mich selbst überraschte. Auf einmal war er ganz still und starrte mich neugierig mit seinen großen braunen Augen an. „Tust du dir selber etwas?“, fragte ich etwas kleinlaut. „Willst du einen Tee?“ Sein Lallen war schon wieder mehr geworden, seitdem er den Stream beendet hatte. Konnte er mir nicht wenigstens eine normale Antwort geben? Wütend zog ich ihn zu mir und krempelte die Ärmel von seinem Pullover nach oben. Dort sah ich, neben sehr vielen Narben, auch schwarze Flecken. Basti zuckte zusammen und erschrak, als er meine Hände in seinen Ärmeln sah. Er wollte seine Ärmel sofort wieder runter ziehen, doch ich hielt sie fest, ohne ihm weh zu tun. Jetzt hatte er meine Aufmerksamkeit. Was sind das für Flecken auf seinen Armen und was hat sich eigentlich mit ihm zugetragen, dass er so unnahbar und abweisend war in den letzten Wochen? „Solltest du mir etwa sagen, was vor sich geht, Basti?“ „Die sind noch vom Krankenhaus, Medikamente“ „So blöd bin ich auch nicht. Diese Spritzen hinterlassen keine schwarzen Flecken“ Ich betrat schnellen Schrittes sein Badezimmer und durchsuchte es. „Ey was machst du da?“ Basti lehnte im Türrahmen. Seine Augen waren irgendwie nur halb geöffnet. Nach nichtmal einer Minute fand ich die Spritzen. Drogenspritzen. „Willst du mich verarschen?“ Entsetzt blickte ich ihn an, doch er schien gerade in seiner eigenen Welt.
Ich musterte ihn ausführlich. Er hat eindeutig abgenommen und das gefiel mir gar nicht. Er war ganz mager. Seine Klamotten hingen schlapp von seinem dünnen Körper. Viel mehr als sonst. Er sah völlig herunter gekracht aus. Seine Pupillen waren geweitet. Seine Haut war blass und trocken. Um seine Nase herum erkannte man eine deutliche Röte. Sein Gang war instabil. Er konnte nicht mehr klar denken oder sprechen. Er hatte Angst vor etwas, denn seine Hände zitterten. „Basti bitte rede mit mir“ Doch er reagierte nicht mehr. Er war komplett in seiner eigenen Welt. Es tat mir weh ihn so zusehen. Ich drängte mich an ihm vorbei und beschloss die Wohnung zu durchsuchen. Basti erwachte aus seiner Starre und versuchte mich aufzuhalten, doch scheiterte aufgrund des Intus kläglich. Ich war schockiert, als ich sein Streamingzimmer betrat. Auf dem Schreibtisch standen fünf leere Glasflaschen, eine lag sogar auf dem Boden. Es war alles vorhanden: Bier, Wein, Sekt, Wodka, Schnaps. Hinter seiner Couch standen dann nochmal mehr Flaschen. Wütend durchsuchte ich ebenfalls sein Schlafzimmer. Dort standen ebenso leere Alkoholflaschen. Was hat er sich bitte angetan? Ich bemerkte, dass Basti aufgegeben hatte, mich abzuhalten. Er war weg. Ich ging ins Wohnzimmer, wo ich ihn tatsächlich fand, mit einer neuen Flasche in der Hand.
Ich blickte ihn direkt an: „Hör mal zu, was ist dir denn bitte passiert? Du fängst an zu trinken und hängst dich mit Drogen ab“ Weniger nett reagierte er auf meine Konfrontation: „Und du bist jetzt die Polizei oder was?“ Ich konnte meine Wut kaum zurückhalten. Es war, als würde ich ihn gar nicht mehr wieder erkennen. Was war mit meinem liebsten Freund eigentlich in den letzten Monaten passiert? „Nein, aber ich will wissen, was zum Teufel mit dir los ist“ Ich rannte zu ihm und zog die Flasche aus seiner Hand. Er wehrte sich, doch schließlich gelang es mir sie ihm wegzunehmen. Er sah mich mit einer Mischung aus Hass und Frustration an. Noch bevor ich reagieren konnte, schlug er mir mit seiner Faust mit voller Kraft in mein Gesicht. Er hatte sich geändert, er war nicht mehr mein bester Freund. Er war ein Fremder. Nur ein Fremder. „Lass mich in Ruhe, okay?“ „Wer zur Hölle hat dir denn ins Gehirn geschissen, Basti?!“ „Ich will nicht darüber reden, Kevin. Kannst du nicht mal eine Sekunde nicht so anstrengend sein?“, schrie er mich an. „Verdammt noch mal und das von dir?! Derjenige, der sich zurzeit selber ins Koma saufen will und sich nach dem Aufwachen wahrscheinlich noch ein paar Gramm Dope spritzen wird? Das ist dein Plan? Und ich bin das Problem hier?! Basti, ich kann jedes zweite Wort nicht verstehen, das du von dir gibst“ „Vielleicht, wenn du dich wirklich um mich sorgen würdest, wenn du dir auch nur ein bisschen Mühe geben würdest“
kleiner throwback an einen satz der es leider nicht in die geschichte geschafft hat
hab mir das in so einer mittelalterlichen hochnäsigen stimme vorgestellt und idk ich fand das lustiger als es eigentlich ist hatte meine 5min
btw kann sein dass nächste woche das kapitel bisschen später kommen wird sorry :(
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