28. Teil 1
Im Café angekommen, ging ich ins Bad und nahm mir einen Lappen und wischte das Blut ab, das sich in meinem ganzen Gesicht verteilt hat. Ich hoffe das war es jetzt. Ich hoffe, dass sie mich jetzt in Ruhe lässt. Nachdem ich wieder halbwegs normal aussah, wusste ich nicht mehr was ich tun sollte. Ich meine ich konnte ja schlecht zu meinem Chef gehen und ihm sagen, dass ich seine Tochter verloren hab. Der würde mich wahrscheinlich zerhacken und feuern. Also beschloss ich nach ihr zu suchen.
Emelia P.o.V.
Ich hockte in einer Gasse, irgendwo im nirgendwo. Ich lehnte an einer Wand und das Haus hüllte mich in Schatten. Das war was ich wollte. Ich wollte im Moment einfach nicht hier sein. Die Dunkelheit des Schattens umgab mich wie eine zweite Haut und ich setzte mich auf den kalten Boden. Klischeehaft könnte man sagen den kalten Boden der Tatsachen. Es machte mir unheimlich zu schaffen, dass ich einfach so schnell und vor allem so naiv auf Tamir reingefallen bin. Es war wirklich unglaublich. Wenn ich mich recht entsinne hat Aria auch mal erwähnt das ich doch bitte vorsichtig sein sollte. Ob sie es geahnt hat? Ich glaube nicht. Ich glaube das sie mich gewarnt hätte im Gegensatz zu jemand anderem bestimmten. Die Wut des Unverständlichen kochte in mir auf und breitet sich wie eine Flamme immer und immer weiter aus. Ich hörte von weitem ein paar Stimmen, die mir nichts Gutes zu deuten hatten. Sie waren dunkel und wortwörtlich abgrundtief böse. Normalerweise tritt niemand in so einem Dorf so auf, darum vermutete ich, dass es irgendeiner von Finns Exfreundin sein musste und ich behielt Recht. Im nächsten Moment schon, sah ich die beiden Machos an dem Anfang der Gasse vorbei schlendern und sich suchend umschauen. Entweder suchten sie Finn oder mich. „Ich hoffe Finn", hoffte ich innig. Es war vielleicht böse und eigentlich bin ich ja auch nicht so, aber das was mir angetan wurde, würde das nicht wirklich wiederspiegeln. So schnell wie sie kamen gingen sie auch wieder. Komischerweise regte sich mein Puls nicht, als würde ich keine Angst mehr verspüren und dabei musste ich mir durchaus sorgen machen. Ich ließ den Kopf und meine Schultern hängen und wieder regten sich Tränen in meinen Augen. Warum weinte ich denn jetzt schon wieder? Also entweder machte es mich traurig zu wissen das Finn es mir nicht erzählt hat oder dass das ganze überhaupt passiert ist. Wahrscheinlich wohl eher das zweite oder ich hatte mir bei Finn doch Hoffnungen gemacht. Ich weiß das er ein Kerl ist der nicht so auf Mädchen wie mich steht, aber innerlich habe ich mir wohl mehr Hoffnungen gemacht, als ich eigentlich wollte. Ich zog meine Beine nah an meinen Körper heran und umschloss sie dann mit meinen Armen. Stillschweigend legte ich meinen Kopf auf meinen Knien ab. Meine Tränen waren bereits getrocknet und die Sonne stand hoch am Himmel.
Finn P.o.V.
Sie muss doch irgendwo zu finden sein. Ich rannte durch die Straßen der Stadt und fragte sogar ein paar Passanten, ob sie sie vielleicht gesehen hätten, aber das war nicht der Fall. Ich bin zwar ein Sportler, aber die Sonne machte mir auch zu schaffen. Ich wischte mir die Schweißperlen von der Stirn und stützte mich auf meinen Knien ab. Es zog in meiner Seite und die blauen Flecken überall an meinem Körper begannen zu pochen. Ich schaute mich in alle Richtungen um und sah links neben mir eine Gasse die in Schatten getaucht war. Am liebsten würde ich mich da jetzt ja kurz entspannen, aber Emelia war im Moment wahrscheinlich auch nicht entspannt. „Wo kann sie denn nur sein, sie kann doch wohl kaum soweit gerannt sein." Mein Puls senkte sich und ich wollte gerade wieder zum Laufschritt ansetzten als ich ein schluchzen hinten aus der Gasse hörte. Ich versuchte in der Dunkelheit etwas zu erkennen, doch durch meine Sonnen getrübten Augen, erkannte ich nichts. Ich lief darauf zu und langsam gewöhnten sich meine Augen an das weniger grelle Licht. Niemand war zu sehen, doch trotzdem lief ich weiter in die Gasse hinein. Mich beschlich ein weniger gutes Gefühl. Ich sah jemanden auf dem Boden hocken. Ich konnte nicht erkennen wer, aber ich ging auf die Person zu. „Hey", flüsterte ich, wollte denjenigen nicht erschrecken. „Hey du", nun etwas lauter. Ich hockte mich davor und hoffte, dass es mich nicht vergewaltigen will. Es war ein Mädchen und sie hob den Kopf. Mir blieb kurz das Herz stehen als ich sah, dass es Emelia war. Schon kurz nachdem sie den Kopf gehoben hatte, senkte sie ihn wieder. „Hau ab", schluchzte sie wieder. Sie hat geweint, das hörte man deutlich. „Ich bin aber hier um dich zu finden. Ich bringe dich zurück." „Das will ich aber nicht." Sie drückte mich von sich weg und ich setzte mich auf meinen Arsch. „Aber ich kann nicht ohne dich zurück zu ins Café, dein Vater killt mich." „Das ist dann aber nicht mein Problem." Ich atmete lauthals aus. „Ich weiß, ich hätte dir das sagen sollen, aber du hättest mir doch eh nicht geglaubt." Das ist bloß eine sehr schwache Ausrede und ich bin mir sicher, dass sie das auch weiß, aber das ist das einzige was mir bleibt. Auch sie atmete aus und blickte böse zu mir auf. „Aber ich hätte mir dabei schon etwas gedacht und jetzt hau ab, ich will dich jetzt wirklich nicht sehen." „Emelia, bitte." „Nein." Sie stand aus und ging davon. Schnell rappelte ich mich wieder auf. Sie rannte davon und endlich hatte ich wieder genug Energie um ihr zu folgen. „EMELIA", rief ich ihr hinterher und zog damit die Aufmerksamkeit, der wenigen Leute die sich auf den Straßen aufhielten, auf mich. Ich versuchte hinter ihr her zu kommen, doch dieses Mädchen ist schrecklich schnell. Ich hatte Glück das sie zum Café lief, dafür schloss sie sich in ihrem Zimmer ein. Ich ging zu ihrem Vater in seinem Büro. „Boss, ich hab sie gefunden." Er studierte ein paar Blätter, bevor er mich schockiert anschaute. „Wo musstest du sie denn raus holen, aus dem Gefängnis?" Also ernst war es ihm wirklich nicht. „Ne ne." „Willst du nicht zum Arzt?" „Nein das passt schon. Ich glaube sie sollten nochmal mit ihr reden?" „Das mache ich noch. Sie dürfen jetzt gehen." „Okay."
Samstag
Emelia P.o.V.
Der Vorfall mit Tamir war nun ein zwar ein paar Tage her, aber wirklich viel hat sich nicht geändert. Mein Vater hatte nochmal versucht mit mir zu reden und das fand ich auch ganz nett, aber gebracht hat es nicht viel. „Ich muss damit einfach alleine klar kommen", dachte ich und hoffte, dass es bald soweit sein würde. Ich schaffe es bald nicht mehr mich allein in den Schlaf zu weinen. Heute war diese Geschäftsfeier und mein Vater hat Finn den Eventraum vorbereiten lassen und wir würden das Café heute früher schließen. Es war gerade mal Mittag und am späten Nachmittag würden wir schließen. Finn ließ mich mittlerweile auch in Ruhe, auch wenn er mich ständig beobachtete. Ich bedachte ihn allerdings bloß mit schlecht gelaunten Blicken. Ich war noch nicht bereit mich vergessen zu lassen und erst Recht nicht ihm zu verzeihen. Ich bediente ein paar Gäste und gerade stellte ich einen Teller Kuchen bei einem etwas älteren Herren ab, aber als sich die Tür öffnete und ich sah wer herein kam, fiel mir der Teller aus der Hand. Ich rannte sofort in die Küche und rannte Finn halb um, der fast den Espresso aus der Hand fallen ließ. Trotz meiner äußersten Unfairness und einer fehlender Entschuldigen ließ er es durchgehen und ging seinem Tat Werk weiter nach. Wieso musste Tamir denn hier auftauchen er wusste genau das ich hier arbeite. Ich atmete flach und mein Puls schoss in die Höhe. Meine Finger begannen zu zittern. Warum jetzt und warum hier. Mir schossen die Tränen bloß so aus meinen Augen und ich stemmte mich auf der Tischplatte ab. Schon im nächsten Moment hörte ich meines Vaters Stimme durch die Tür brüllen. Ich verstand nicht was. Ich hörte bloß seine Stimme. Im nächsten Moment schon kam Finn wieder zur Tür herein. „Schau mal aus dem Fenster", grinste er mich an. Meine Mundwinkel bewegten sich keinen Millimeter und trotzdem wagte ich einen Blick nach draußen, auch wenn ich mich darauf konzentrieren wollte nicht sofort loszuheulen. Ich sah wie Tamir aus unserem Café rausstampfte mit seiner neuen Schlampe. Die Gäste starrten ihn an und mein Vater kam kurz danach und erklärte sich und die Gäste aßen und warteten weiter. Mein Vater kam nur Bruchteile von Sekunden später auch in die Küche. „Schatz ist alles okay?" „Jaja mir geht's gut." „Der kommt nicht wieder. Der hat jetzt Hausverbot." „Aber..." „Es ist schon gut Schatz. Willst du erstmal Pause machen?" „Nein passt schon geb mir 5 Minuten, dann sitz ich wieder auf'm Pferd." „Okay." Mein Vater und Finn gingen und ich stütze mich wieder an der Tischplatte ab. Wieso tut er mir das an, nicht nur das er mich beinahe vergewaltigt hat, auch das er mir jetzt auch noch das Leben schwer machen wollte. Aber ich darf jetzt nicht mehr weinen. Das muss jetzt weiter gehen, ich kann Finn nicht all meine Arbeit aufhalsen, auch wenn ich gern wollte.
Zum Glück verlief, bis zum Schluss des Cafés, nichts mehr. Als auch der letzte Gast gegangen war, versuchte Finn nochmal mit mir zu reden. „Emelia, können wir nochmal reden bevor die Feier beginnt?" Ich war es leid ständig von ihm beobachtet zu werden. „Wenn es unbedingt sein muss." Ich lehnte mich an einen der Tische an. „Man, es tut mir leid. Ich weiß das es total falsch von mir war und das ich es dir hätte sagen sollen und ich fühl mich auch wirklich scheiße deswegen, vor allem weil du nicht mehr mir redest." Er kam einen Schritt auf mich zu und legte seine Hände auf meine Schultern. „Und ich schwöre, wenn ich es rückgängig machen könnte, dann würde ich das tun und dich diese ganze Scheiße nicht durchmachen lassen." Er nahm mich in den Arm und ich konnte nicht anders als meinen Kopf auf seine Schulter zu legen. „Es tut mir wirklich, wirklich leid", hauchte er mir ins Ohr. „Okay, okay, kannst mich jetzt wieder loslassen." Ich drückte ihn weg von mir. „Verzeihst du mir?" Er schaute mir traurig in die Augen. „Vielleicht." Ich wand mich aus seinen Armen und ging davon. Ich wusste nicht was ich tun sollte, aber er hat sich grad ernsthaft bei mir entschuldigt. Ich sollte wenigstens darüber nachdenken. Ich verließ die Küche und ging in mein Zimmer. Dort hatte ich mir bereits ein Kleid für die Feier zurechtgelegt. Es war bloß ein einfach beiges Kleid (ich kenne mich mit Kleidern nicht so aus darum das Bild). Dazu trug ich passende Pumps und eine einfache goldene Halskette. Ich frischte nur noch schnell mein Make-up auf und ging dann wieder runter.
Ich stellte mich oben auf die Treppe und nicht das ihr jetzt denkt das mich alle Augen anstarren und so. Nein. Dort stand bloß Finn und ein PAAR andere Leute und nicht alle richteten ihre Blicke auf mich bloß manche. „Du siehst gut aus." „Danke." Ich lächelte nach Tagen mal wieder und war glücklich deswegen. Mein Vater kam gerade aus dem Eventraum und zog mich direkt zu seinen Verwandten. „Schätzchen du siehst toll aus." Er stellte mich ein paar Verwandten vor. Nicht das die mich nicht eigentlich schon kennen sollten, aber die sind nicht mehr die jüngsten. Natürlich auch ein paar Kollegen. Als ich dann endlich auch mal Zeit für mich hatte, setzte ich mich an einen leeren Tisch. „Na hier was zu trinken." Finn setzte sich neben mich und hielt mir einen rosa Cocktail entgegen. „Wo hast du den her?" Nur weil man hier sowas eigentlich nicht bekommt. „Selbst gemixt." „Aber eigentlich trinke ich nicht." „Also willst du hier nüchtern bleiben?" Ich schaute mich um und sah die alten Leute und es schaute so aus als ob man ihnen beim Altern zu schauen könnte. Ich sagte danke und nahm einen großen Schluck. Es brannte meine Speiseröhre hinunter. Ich spürte wie mir gefühlt plötzlich sehr, sehr heiß wurde. Ich hatte noch nie vorher getrunken. „Hey alles klar." „Ja noch." „Okay damit du mir nicht gleich vom Fleisch fällst." Er kam nach gefühlten Sekunden wieder und reichte mir einen Teller voll Essen. „Komm mit." Er nahm mich am Handgelenk und zog mich hinter sich her. Es war nicht nur leicht schwer zu laufen, sondern auch den Teller halbwegs gerade zu halten. Ich versuchte verzweifelt nicht die Treppen hinauf zu laufen. Plötzlich stand ich oben auf dem Dach des Gebäudes. Man konnte über die ganze Stadt blicken. Es war wirklich traumhaft. „Warum bringst du mich hierher?" „Damit du mir vielleicht verzeihst. Essen." Er zeigte auf mein Essen und ich steckte mir ein Stück Fleisch in den Mund und mampfte: „Und warum sollte ich dir dann verzeihen?" „Keine Ahnung, vielleicht damit du siehst, dass ich ein guter bin." Ich nickte nur hysterisch. Ich spülte mir das restliche Stück Fleisch mit dem Alkohol runter. „Hey, hey. Nicht so schnell. Erst essen, dann trinken." Er nahm mir das Glas aus der Hand. „Ach komm." „Keine Sorge, ich kenne mich damit wohl mehr aus, als du." „Okay." Das nächste was ich in die Finger bekam steckte ich mir in den Mund. Ich glaube, dass ich meinen Mund nicht ganz traf, denn momentan begann Finn zu lachen. „Man das sieht lustig aus." „Ach halt den Mund." Meine Augen-Hand-Koordination wurde schlechter. „Komm ich helf dir." Er nahm ein Taschentuch und wischte mir die Soße von der Wange. „Hey lass das. Wieso trinkst du eigentlich nicht?" Wieder begann er zu lachen. „Mach ich doch." Er holte eine Flasche Whiskey aus seiner Jacke, öffnete diese und nahm einen Schluck. Ich begann komisch zu kichern. Wie so eine Tussi. Sofort schlug ich mir die Hände vor den Mund. „Tu das nicht." Ich konnte nichts dazu sagen, denn schon nahm mir Finn die Hände vom Mund und... und... und..
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