21. Arbeit im Cafe
Es war noch früh und mein Vater war noch nicht wach, darum schlich ich mich auf leisen Sohlen in die Küche. Es dämmerte zwar gerade erst, aber ich konnte alles erkennen. Ich setzte den Wasserkocher auf und suchte mir eine Tasse aus dem Schrank. Schnell suchte ich mir noch einen Teebeutel mit meiner Lieblings Sorte Tee. Kirsch-Joghurt. Super lecker und entspannt meine Nerven. Ich war nicht runter in die Cafeküche gegangen, denn wir hatten auch noch eine kleine Küche im oberen Stockwerk. Mein Vater wollte es so. Ich auch, denn wenn ich wie heute mir einfach nur einen Tee machen wollte, dann wollte ich nicht unbedingt das mich jemand durch die Fenster im Cafe sehen konnte.
„5 Minuten Wirkzeit" las ich immer wieder das kleine Schildchen, dass an dem Teebeutel hing. Ich schaute durch das kleine Fenster und sah wie die Sonne langsam an dem Horizont sich ihren Weg bahnte und dabei den Himmel in ein schönes Orange tauchte. Ich konzertierte mich darauf und kam erst in die Realität zurück als ich ein *Klick* vernahm. Der Wasserkocher hatte seine Arbeit getan. Ich schüttete das heiße Wasser in meine Tasse und erinnerte mich dabei an den Vorfall von gestern und wie besorgt Finn war. Ich lächelte und merkte gerade noch wie ich fast zu viel Wasser in mein Glas einfüllte. Aber nur fast.
Schnell balancierte ich die Tasse in mein Zimmer und stellte sie auf meinen Schreibtisch. Der Tee brauchte noch 5 Minuten bis er durchgezogen war. In der Zeit zog ich mich um und machte mich bereit für den Tag. Ich machte mir noch schnell meine Haare und rannte nochmal runter um mir eine Banane zu holen. Mein Frühstück. Ich konnte früh meist nicht viel essen. Und mir fiel ein, dass ich gestern auch nicht viel gegessen hab. Das sollte ich unbedingt ändern, aber gestern Abend hatte ich einfach kein Bock mehr auf Kochen. Mein Vater aß meist schon bei seiner Arbeit und so musste ich mir mein Essen immer selber machen. Ich hoffte, dass heute nicht allzu viel los sein wird. Dann konnte ich zwischendurch noch schnell etwas essen. Wieder zurück in meinem Zimmer setzte ich mich auf meinen sehr bequemen Schreibtischstuhl und nahm die Tasse in meine beiden Hände. Sie wärmte meine Hände und ein Gefühl der Geborgenheit durchzog mich. Ich dachte auch schon gar nicht mehr an den Tr...ach verdammt. Wieder gingen mir die Bilder durch den Kopf, wie Finn dort, am verbluten, auf der Straße lag und immer noch meinen Namen sagen konnte. Mir schossen Tränen in die Augen, doch ich versuchte stark zu bleiben atmete ein paar Mal ein und aus und beruhigte mich langsam wieder. Ich verstand eh nicht warum es mich so emotional mitnahm. Ich kannte ihn ja noch nicht mal. Obwohl mir sein Gesicht schon irgendwie bekommt vorkommt, aber ich glaube jeder Aufreißer sieht in den meisten Zügen gleich aus. Sei es die Figur oder die selbe Frisur, aber alles in allem sah keiner dieser Aufreißer schlecht aus. „Wenn sie nicht gut aussehen würden wären sie auch keine Aufreißer", tadelte ich mich selbst.
Langsam nahm ich einen ersten Schluck von meinem immer noch sehr heißen Tee. Warm lief mir der Tee die Speiseröhre hinunter und wärmte mich von innen. Doch lange half es nicht und ich machte mir wieder Gedanken über Finn. Das durfte ich ihm aber unter keinen Umständen zeigen. Vielleicht wurde unser Verhältnis zum Abend hin wieder besser, aber ich durfte jetzt keine auf Heulsuse machen und mich in seine Arme werfen. Er würde nie wieder Respekt vor mir haben und das konnte ich nicht riskieren. Ich stellte meinen Tee wieder weg und ging nochmal ins Bad um mir kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen. Es half, ein bisschen. Ich konnte mich aber trotzdem nicht mehr in mein Zimmer setzen und darauf warten das Finn seine Arbeitszeit begann. Darum ging ich runter in den vorderen Teil des Cafés und fing an die Stühle runter zu stellen. Als ich damit fertig war und ich feststellte, dass es bereits 7.30 Uhr war, ging ich in die Küche und bereitete da alles vor. Auch den Tresen vor der Küche wischte ich noch einmal ab. So vergingen weitere 5 Minuten bis Finn endlich vor der Tür aufkreuzte und um Einlass bat. Schnell machte ich ihm die Tür auf und er trat schwer atmend ein. „Bin ich zu spät", fragte er und schaute dabei zu Boden. „Nein", dabei schaute ich auf meine Imaginäre Uhr, „sogar 20 Minuten zu früh." „Gut." Er zog seine Jacke aus und brachte diese in ein kleines Zimmer für Angestellte. Ich schaute ihm hinterher und sah bei dem Muskelspiel unter seinem viel zu engem T-Shirt zu. Es begeisterte mich Regelrecht und es war schwer weg zuschauen. Doch ich schaffte es und richtete mein Blick Richtung Küche, in der immer noch sein Handy lag. Ich verschwand in die Küche und nahm es wieder mit nach draußen. Er starrte mich an als er sah mit was ich wieder kam. „Ähh, mein Handy." Meine Hände zitterten leicht als sich unsere Hände berührten. „Ich hab gar nicht bemerkt, dass es fehlt." Meine Stirn legte sich in Falten. Wie kann man denn nicht bemerken, dass man sein Handy nicht mehr hat? Er entsperrte es schnell und schaute als erstes nach den Anrufen. Blöderweise entdeckte er auch direkt den gestrigen Anruf. Erst schaute er nur blöd und schluckte dann schwer. „Bist du an ran gegangen?" Er klang mehr als nur nicht gut drauf. Es verschlag mir die Sprache und es half nicht, dass er mich wütend anstarrte. „Bist DU rangegangen?", fragt er erneut und immer noch schwieg ich. Selbst ein blinder hätte meine Stille deuten können. Er sah wütend aus, sogar sehr wütend. Beherrscht steckte er sein Handy in seine Hosentasche. Doch als es weg war, kam er direkt auf mich zu gelaufen und packte mich an meinen Armen und drückte mich gegen die nächst gelegen Wand. Wieder war er mir sehr nah und ich verfluchte die Wand. Nach dem er mich die ganze Zeit eindringlich anblickte fragte ich mich erneut, ob ich ran gegangen bin und ich nickte schweigend. „Wieso, Emelia? Wieso? Wenn ich jetzt Stress bekomme, dann bist nur du daran schuld." Gerade noch leicht eingeschüchtert, stieg jetzt Wut in mir auf. „Wie bitte?" „Ja", sagte er konsequent, „Warum gehst du eigentlich an mein Handy, wolltest du mir etwa nach spionieren?" Ich riss meine Augen auf. Ich soll was getan haben. Hat der sie noch alle und ich hatte auch noch Mitleid. Jetzt brüllt der mich hier an als hätte ich sonst was getan. Schleunigst befreite ich mich aus seinem Griff und begann mit meiner Predigt. „Wie bitte? Hast du sie noch alle?! Ich und dir nachspionieren. Erstens hast du dein Handy hier liegen lassen. Zweitens hab ich es vor einem Schaden gerettet. Du solltest mir dankbar sein und drittens bin ich nicht deine bekloppte Freundin die jedes Mädchen direkt als Hure abstempelt und wahrscheinlich die größte Schlampe der Welt ist. Wie ich deinen Geschmack einschätze." Er schaute erst verblüfft, bevor sein Blick wieder ernst wurde und seine Augen mich böse anfunkelten. „Was hast du zu ihr gesagt?" Seine Stimme war jetzt deutlich dunkler. „Ich, gar nichts, da solltest du wohl eher deine ach so tolle Freundin fragen. Sie meinte du würdest die mit mir betrügen. Was natürlich der größte Scheiß ist, weil ich niemals mit einem wie dir schlafen würde." Er schaute nicht schlecht bei den letzten Worten, die auch kein wenig nett gemeint sein sollten. Ich schaute auf die Uhr und sah, dass wir gleich aufmachen sollten. Ich wollte unsere Kunden nicht warten lassen. Vorallem nicht meinen Lieblings Kunden. Tarim. Tarim war mein bester Freund, schon seit der Grundschule. Ich ging mit ihm durch dick und dünn. Er war der erste heute, was mich deutlich aufmunterte. Schnell schloss ich die Tür auf und umarmte meinen besten Freund. Nach der Umarmung ging er rein und ich drehte das Schild auf „Open". „Hey Süße", begrüßte er mich herzlich und ignorierte Finn gekonnt, der gerade aus der Küche kam und Tarim mit Adlersaugen beobachtete. „Hey, Süßer", gab ich nur zurück. „Was machst du schon so früh hier?", schloss ich meine Frage an. „Na ich wollte schauen wie es meiner hübschen Kellnerin geht." Ich verdrehte die Augen und meine Wangen färbten sich leicht Rosa. Wieso musste er mir vor Finn solche Komplimente machen. Sowas macht er doch sonst auch nicht. „Also mir geht's super und wie geht es dir, mein attraktiver Freund." Ich stieg mit darauf ein, um Finn sein verdutztes Gesicht zu sehen. „Auch. Hast du nach der Arbeit schon was vor. Ich wollte mit dir noch wohin?" „Nein eigentlich nicht. Ich würde gern.", willigte ich direkt ein. Ich wollte unbedingt mal wieder mit ihm reden. Gerade wollte er mir antworten, da kam auch schon der erste Gast. „Wenn du dich solange setzen willst. Ich komme gleich zu dir." Er nickte nur und setzte sich. Schnell ging ich zu Finn und überließ ihm den ersten Kunden. Ich glaub er hat genug Charme, um es nicht total zu verkacken. Ich beobachtete ihn bloß aus der Ferne, wie er die Bestellung aufnahm. Er machte es souverän. Danach kam er zu mir mit dem Zettel. Ich zeigte ihm alles was er brauchte. Ich zeigte ihm die Kuchen, die Torten, das Eis und die Kaffeemaschine. Er lernte schnell, was aber auch nicht schwer war. Während er eine Torte aufschnitt, besorget ich ihm noch schnell eine rote Schürze. Die er sich umband. Er schnellte mit Kuchen und Kaffee wieder zu dem Gast. Soweit ich das beurteilen konnte machte er sich nicht schlecht, aber es war ja auch bloß ein Kunde und nicht mehrere. Ich hatte kurz meine Ruhe und ging deswegen zu Tarim, der sich zum Glück nicht allzu weit weggesetzt hatte. Ich konnte Finn noch beobachten. „Sorry, Tarim, aber er ist neu hier und braucht noch Hilfe. Ich glaub nicht das ich für euch beide Sorgen kann." „Passt schon. Ich hole dich dann heut Abend um 8 hier ab. Zieh dir was süßes an." Damit stand er auf, gab mir noch einen Kuss auf die Wange und ging mit den Worten: „Aber nehm dich in acht vor dem. Der ist mir nicht geheuer." Ich wusste was er meinte. Auf mich hatte Finn auch erst diese Wirkung, doch das legte sich schnell. Geschickt wies ich ihn noch in unser Kassensystem ein und nun wusste er alles was man zu wissen brauchte.
Ich fand es schade das Tarim schon gehen musste, aber ich konnte es nicht ändern. Ich musste jetzt ständig ein Auge auf Finn haben, damit der mir hier ja keinen Blödsinn anstellte. Direkt nach dem Tarim gegangen war, kamen auch schon mehrere Gäste die bedient werden musste und auch ich hängte mich rein. Es kamen auch ein paar Mädchen die darauf bestanden nur von Finn bedient zu werden. Mir ging das tierisch auf den Keks, aber was man nicht alles für einen guten Umsatz tat.
Die ersten paar Stunden waren fixer rum als ich erwartet hab. Eine halbe Stunde später kam auch Max, unser Küchenbediensteter, wie ich ihn gerne nannte. Er arbeitet hauptsächlich hier um alles sauber zu halten. So hatten wir immer frisches Geschirr. Wie sich herausstellte waren ich und Finn gar kein so schlechtes Team der Tag ging sehr schnell vorbei undzwar ohne Vorfälle. Was mich irgendwie Stolz machte. Ich mein, das hieß ja, dass ich meine Arbeit mit Finn gut gemacht hatte.
18.00 Uhr schloss unser Café. Was ich absolut nicht schlecht fand. Ich mein wir sind ein Café und kein Restaurant. Nach dem auch der letzte Kunde gegangen war ließ ich mich leicht erschöpft auf einen Stuhl fallen. Finn tat mir es gleich. „Müssen wir jetzt noch etwas machen?" Ich schaute ihn an und meinte: „Ja. Aufräumen." Er ließ den Kopf in seinen Nacken gleiten. Man sah, dass es sein erster richtiger Arbeitstag war, als ich hier angefangen habe sah ich auch so aus. Undzwar genauso. Schnell räumten wir das letzte Geschirr weg, wischten die Tische ab, stellten die Kuchen und Torten wieder in die Kühlung und stellten die Stühle hoch. Zu zweit ging das viel schneller, fiel mir auf. Schon nach einer dreiviertel Stunde waren wir fertig. Ich alleine brauchte dafür immer viel länger.
Er band sich schon seine Schürze ab und holte seine Jacke hinten aus dem Zimmer. Gerade wollte ich ihn entlassen, da fiel mir ein ziemlich protziger Kerl vor dem Café auf, den ich hier noch nie zuvor gesehen hab. „Hey, Finn kennst du den?" Ich zeigte auf den kräftigen Typen der vor dem Laden stand. Augenblicklich erstarrte Finn und als ich ihm ins Gesicht schaute konnte ich kurz Angst erkennen.
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