Anno 1964
Wir schrieben das Jahr 1968.
Es brodelt etwas, doch ich weiß nicht was und Martin sagte mir auch nichts. Die Journalisten stehen vor dem Gebäude Schlange. Ich war dabei ein Demo für einen neuen Song aufzunehmen, als Paul überraschenderweise zu mir kam. Mit trauriger Miene. So hatte ich ihn noch nie gesehen. "Was ist los?", ich legte alles beiseite. Als ich zu nachdenklichen Miene wechselte, erkannte man die Narbe durch die rechte Augenbraue, die ich vor gut 3 Jahren bekam. Von Johnnyboy. Irgendetwas stimmte nicht. Ich bekam keine Briefe mehr von ihm. Ich ging auf einen ganz, verstörten Paul zu. Er lehnte am Türrahmen. "Hey Paulchen. Was ist los? Du kommst sicher nicht ohne Grund nach London." Er rutschte mit dem Rücken an dem Holz entlang zum Boden und begann zu weinen. Bittere Tränen. Ich kniete mich vor ihn hin und sah ihn an. Es musste etwas schlimmes sein.
Nachdem ich ihn langsam beruhigen konnte, gingen wir in die "Küche" und ich machte uns Tee. Ja. Wir haben einen neuen Herd. Pauls Hände zitterten leicht, als er die Tasse entgegen nahm. Ich setzte mich ihm gegenüber. "Es bricht alles zusammen.", begann er zittrig "Was?" "Die Beatles. Wir sind kurz vor der Trennung. John redet nichts mehr mit mir. Er ist kurz davor auszusteigen." "Wir müssen was tun? Was ist mit Apple? Läuft da noch alles?" "Nein, wir stehen knietief in Schulden. Jetzt haben sie sogar ohne mich den neuen Geschäftsführer eingestellt. Sie machen den größten Fehler ihres Lebens, denn sie werden an Klein bis ans Ende ihres Lebens gebunden sein. Außerdem zapft er unsere Einnahmen an. Ich kann nichts anderes tun, als sie zu verklagen." "Nein, Paul....das kannst du nicht tun." "Ich muss es Ruby. Wenn ich ihnen helfen will, aus dieser Lage zu kommen, muss ich das tun." "Aber das heißt dann ja...." "Die Trennung der Beatles." "Sag mir nicht, dass es mit meinem Fall damals in Liverpool schon angefangen hat?" "John und ich waren uns damals schon nicht ganz einig. Dann hat er mir die Schuld für den Unfall in Liverpool gegeben. Seit er mit Yoko zusammen ist, ist es noch schlimmer. Die Spannung zwischen uns wurde immer stärker über die Jahre." "Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen." "Du musst mir helfen, vielleicht hört er auf dich." Ich stand auf und ging nach draußen.
"George ich muss nach London." "Wie? Jetzt?!", fragte er mich verwirrt und drückte ein paar Knöpfe am Mischpult. "Ja, ich gehe mit Paul mit." "Gut, pass auf dich auf. Und wenn Lennon die Faust zieht, weich aus." Ich lehnte mich auf das Metallgehäuses des großen Kasten und sah ihm in die Augen: "Wieso hast du es mir nicht früher gesagt?" "Ich wollte dich beschützen." "Hättest du es früher gesagt, hätte Paul nicht zu mir nach London kommen müssen, mir von einer Klage an die Boys und die Trennung erzählen müssen. Ich hätte was tun können." Ich machte auf dem Satz Kehrt und ging zu Paul. Schnappte mir den Mantel. Draußen an den Paparazzis vorbei.
Mit dem Zug fuhren wir nach Liverpool. Mit einem Taxi zum Studio.
"Du bleibst hier. Ich sage nichts, dass du mich geholt hast. Ich wollte ihn besuchen, da ich zufällig in der Nähe war." Er nickte stumm. Ich betrat die knarrende Tür und wurde von Klaviergeklimper empfangen. Ich lehnte mich in die nächste Tür und sah ihm zu. Bei einem verspielten Ton knurrte er und warf die ganzen Notenblätter auf den Boden. Er stand auf und raufte sich die Haare. Legte seine Hände in den Nacken und ging ein paar Schritte im Raum.
"So kenn ich dich gar nicht.", sagte ich und ging langsam auf ihn zu. Er drehte sich erschrocken um und sah mich an. "Ruby, wie bist du hier her....wieso...ich...." Nun stand wir wenige Zentimeter von einander entfernt. "Lasst dir den Bart abrasieren, Johnny. Und die Haare vielleicht ein wenig kürzer.", lächelte ich. Er fuhr sachte mit einem Finger über meine Narbe. "Das wollte ich nicht." "Das ist jetzt mein Markenzeichen. Wie deine Brille. Darf ich mal?" Ich nahm ihm die Brille langsam ab und setzte sie mir auf. Ich musste lachen, da sie leicht rutschte. Jetzt erst ohne Brille sah ich, dass er schnell gealtert ist. Viele Falten hatte er bekommen. Das in 3 Jahren. "Hey John, was ist los? Du siehst schlecht aus." "Wir werden uns trennen. Wir alle streiten wegen der kleinsten Kleinigkeit. Ich habe schon vor einem Jahr gedacht auszusteigen, es aber nie über das Herz gebracht, es ihnen zu sagen. Jetzt erübrigt sich das ganze von selbst." "Wieso? Es gab mal eine Zeit, da wart ihr unzertrennlich. Ihr seit sogar in meinem Rasen gestanden und habt gespielt. Denk doch mal daran. An die alte Zeit. Willst du das einfach so vergessen?" "Ich werde es nicht vergessen, doch ich halte es einfach nicht mehr aus. Paul redet mit mir kein Wort. Keiner interessiert sich mehr für die Songs die wir aufnehmen. Wir sind am Ende. Nichts kann uns noch zusammenhalten. Es ist vorbei." "Wie kannst du nur so etwas sagen." "Weil es die Wahrheit ist. Die Beatles wurden immer nur auf einem Haufen Lügen aufgebaut. Alles ist ok. Alles heil. Paul und ich haben uns schon gestritten, bevor es überhaupt die Medien mitbekommen haben. Wir haben uns sogar mal krankenhausreif geschlagen. Das war 1964." Er setzte sich auf den Klavierhocker. "Es ist vorbei. Ich werde aussteigen." "Wenn du das tust, wirst du alles was dir lieb ist verlieren, sogar mich." Er sah mich an, als wäre ich jemand Fremdes mit dem er da sprach. "Wenn es sein muss. Ich werde aussteigen." Ich hielt ihm die Brille hin und ging. Mit Tränen auf den Wangenknochen.
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