20.
Was mit jetzt erst auffiel ist, das ich nicht eine Sekunde lang an den Jungen aus meinem Traum gedacht hab. Wahrscheinlich war es einfach nur ein dummer Zufall, dass ich zweimal am selben Tag von ihm geträumt hab. Sehr Zufällig, aber dennoch nicht unmöglich, auch wenn ich nicht ganz verstand was mein Unterbewusstsein von ihm erwartete. Ich mein er kommt doch nicht in meinem Traum vor, wenn mein Unterbewusstsein es nicht so wollte. Meine Eltern folgten weiter ihrer Arbeit und ich ging in unser Haus und damit hoch in mein Zimmer. Es war genauso wie ich es verlassen hatte, außer dass mein Bett ordentlich war und ich es nicht gemacht hatte, aber ich wette, dass es meine Mutter war.
Morgen zum Glück keine Hausaufgaben, darum legte ich mich auf meine Schlafcouch. Dazu schaltete ich meine Anlage an. Es war unglaublich entspannend und das Beste war, ich regte mich über nichts auf und mein Atem pegelte sich ein und blieb ruhig. Es tat noch weh und trotzdem schlief ich ein. Ich blinzelte leicht und grelles Licht verbrannten wortwörtlich meine Augen. Mein Sichtfeld war sehr verschwommen und ich erkannte nur die weißen Vorhänge, die an ein Krankenhaus erinnerten. Leise Stimmen flüsterten im Hintergrund. Ich verstand nicht was sie sagten. Ich wollte mich aufsetzen oder mich wenigstens bewegen. Doch ich lag wie paralysiert und gefesselt in diesem Bett, wie in einem Horrorspiel. Nur langsam schaffte ich es meinen Kopf zu bewegen. Meine Eltern standen neben meinem Bett und weinten. Was! Wieso weinten sie. Es kam ein Arzt ins Zimmer und sprach mit meinen Eltern. Meine Mutter konnte nicht aufhören zu weinen. Ich wollte etwas sagen, sie trösten, doch es kamen keine Worte aus meinem Mund. Mein Vater nickte nur kurz und der Doktor lief auf eine sehr medizinisch aussehende Maschine zu. Er drückte auf ein paar Knöpfen herum und mir gingen die Lichter aus. Als ich wieder aufwachte stach mir wieder dieser stechende Schmerz in der Rippengegend. Ich stand direkt auf und ging runter zu meinen Eltern. „Mama, Papa können wir nicht vielleicht doch ins Krankenhaus fahren." Mir stiegen die Tränen in die Augen. Meine Eltern saßen auf der Couch und schauten mir entsetzt entgegen. „Okay Schatz. Geh schon mal zum Auto." Ich wischte mir die Tränen von den Wangen. Behutsam zog ich mir meine Jacke an und ging schon mal zum Auto.
Es tat höllisch weh und über jeden Kopfstein den wir fuhren taten meine Rippen unnormal weh. Wenigstens hatte ich aufgehört zu weinen. Mein Vater fuhr mich. „Nicki, was ist da heute passiert?" „Na, ich kam aus der Unterführung beim Bahnhof und hab das schöne Wetter genossen und dann Bumm. Ich hab nicht aufgepasst." Ich weiß sehr Detailgetreu.
Zum Glück dauerte es nicht lange bis wir da waren und wir saßen in einem Warteraum. Ich sah mir die anderen armen Gestalten an, die hier auch ihr Trübsal bliesen. Eltern die mit ihren Kindern da waren. Ab und zu mal ein paar alte Leute und Menschen die ihre Finger in kleinen roten Boxen mit sich rumtrugen. Alles in allem ist mir sowas noch nie passiert. Ich musste bisher nur sehr selten ins Krankenhaus. Meine Schwester im Gegensatz schon, sie war schon ziemlich oft im Krankenhaus, wegen allem Möglichen. Einer Ohrentzündung, Halsoperationen und einmal sogar weil sie sich in den Finger geschnitten hat. Ich dagegen war erst zweimal hier. Zu meiner Geburt und drei Tage mal, obwohl ich nicht einmal mehr weiß warum. Ich beruhigte mich schnell und mein Herz schlug nicht mehr gegen meinen Brustkorb. Was sehr gut tat. Mein Vater streichelte mir unaufhörlich den Rücken und schaute mich mitleidig an. Es gab mir mentale Kraft, auch wenn es den Schmerz nicht linderte. Anhaltend hämmerte der Herzschlag gegen meine Rippen.
Nach weiteren 20 Minuten kam eine Krankenschwester, die mich in ein kleines Untersuchungszimmer brachte. „Der Arzt kommt gleich", meinte sie. Ich setzte mich auf eine kleine Untersuchungsliege und wartete darauf dass ein Arzt kam und es kamen auch Leute, aber keine Ärzte sondern bloß Schwestern, die irgendwelches Zeug holten und in einem Rausch auch wieder verschwanden. Nach weiteren 10 Minuten kam dann auch endlich ein Arzt. Er hatte ein Mantel mit Enten drauf an. Er kam wohl wahrscheinlich aus einen anderen Abteilung. Es bescherte mir ein Lachen, welches dem Arzt nicht verborgen blieb, denn er schaute erst seinen Kittel an und fing dann auch an zu lachen. Er setzte sich auf einen dieser beweglichen Hocker, die man vom Arzt kennt. „Also, wo tuts denn weh." Er sprach mit mir wie mit einem Kind. Ich zog auf Anhieb mein T-Shirt aus und gab meine Verletzte stelle zum Vorschein. „Uhhh." Er ging ganz nah ran und tastete es ab. Sieht aber nicht gut aus, was hast du denn getan." Ich zog erst die Luft ein und gab dann meine Antwort. „Ich hab mich mit einem Fahrrad angelegt und leider verloren." „Okay, das muss sofort geröntgt werden. Eine Schwester kommt gleich und bringt dich ins richtige Zimmer. Dort bekommst du auch so einen coolen Mantel wie ich einen hab und dann kommst du in diese schicke Röhre." Ich danke für die tolle Aufklärung. Wenigstens hab ich es verstanden, obwohl ich es auch anders aus dem Kontext hätte schließen können.
Diesmal ging alles sehr viel schneller. Ich kam direkt in das Zimmer, hab mich umgezogen und es wurde ein Computertomografie von mir gemacht. Schon saßen wir im Zimmer des Arztes. „Also, Herr Lange, es ist nichts schlimmes, es ist bloß eine gebrochene Rippe, aber wenn sie später gekommen wären hätte es schlimmer enden können." Schlimmer? So schlimm das ich vielleicht Sterben würde, so wie in meinem Traum? Kann man sich selbst in Träumen warnen? Um mir nicht so viele Gedanken machen zu müssen, hörte ich einfach weiter dem Arzt zu. „Ich hoffe wir sehen uns nicht wieder. Er schüttelte meinem Vater die Hand und dann kam er zu mir. „So Fräulein Lange, ich würde mich in nächster Zeit mit keinen Fahrzeug mehr einlassen." Ich lächelte. „Okay. Tschüss." Wir verließen das Zimmer und ich ließ mir von einer Schwester nur noch einen Druckverband anlegen. Danach durften wir auch schon gehen. Natürlich bekam ich auch noch eine Sportbefreiung und das Ding war soweit gegessen, außer dass ich noch Schmerztabletten fürs Erste bekommen habe.
„Und was lernen wir dabei", sagte mein Vater als wir wieder zurück im Auto saßen. „Ich weiß nicht. Vielleicht sich niemals gegen etwas auflehnen das mehr als 10 km/h fahren kann." „Genau, aber ein was Gutes hat die ganze Sache doch." „Ich muss kein Sport mitmachen", man konnte meine Freude hören. „Ja und du hast endlich einen netten Jungen getroffen, auch wenn man das nicht immer so probieren sollte. Ist eigentlich noch was passiert, außer dem?" Als wenn das noch nicht genug war. „Ja wir haben einen neuen Schüler in unserer Klasse und wir haben das erst heute erfahren." „Und wie ist der so." „Ganz nett." „Verstehe also ist er dämlich." Ja. Mein Vater. Er hat den Durchblick. „Ja kann gut sein, aber ich kenne ihn ja auch erst seit heute." „Mhh", mein Vater schwieg wieder, machte dafür aber das Radio lauter. Gedankenverloren blickte ich in die Sternenklare Nacht. Leider konnte man nicht alles erkennen, denn die Stadtlichter vergrauten den Himmel. Die Nacht hat aber immer etwas Elegantes. Sei es jetzt mitten in einer großen Stadt zwischen vielen hellen Lichtern oder auf dem Land, wo man meist ganz ungestört in der Natur ist und die Lichter bloß aus der Ferne betrachtet. So oder so gibt sie mir ein schöner Gefühl der Ruhe.
Rasch waren wir wieder Zuhause. Ich aß nur noch schnell etwas und haute mich dann kaputt ins Bett. Diese Tabletten hauten aber auch rein. Ich wollte jetzt nicht unbedingt schlafen. Ich meine Schlafen schon aber nicht träumen. In meinen Träumen will ich zumindest nicht sterben kann ich denn nie was Lustiges machen oder von mir auch etwas romantisches. Ich kann ja nichts dran ändern, darum entschied ich mich dafür mich schnell fertig zu machen und mich dann so schlafen zu legen. Im Bett, schaute ich aus dem Fenster und der Mond schien hindurch. Es war begeisternd, aber für meine Ruhe wollend drehte ich mich auf die andere Seite.
Ich machte die Augen auf und sah wieder einen Wundervollen Sonnenuntergang. Doch ich stand nirgendswo. Nein, ich saß und auch nicht irgendwo sondern in einem Riesenrad. Ich spürte eine wohlige Wärme und einen leichten Druck auf meiner Schulter. Ich schaute nach links, zu meiner Schulter und auf ihr lag ein Arm. Ein Jungs arm. Augenblicklich schaute ich auf die andere Seite und Patrick saß, mit dem schönsten und süßesten Lächeln der Welt, neben mir. Ich konnte nicht anders und lächelte zurück. Unsere Köpfe kamen uns näher. Sehr viel näher. Ich spürte bereits seinen Atem auf meiner Haut und es lief mir eine Gänsehaut über meinen Körper. Es waren nur noch ein paar Millimeter bevor sich unsere Lippen berührt hätten. Doch plötzlich war er verschwunden. Ich schlug die Augen auf. Ich saß nicht mehr auf dem Riesenrad, sondern stand jetzt nur noch neben dem Rummel und blickte in einen dunklen Wald. Flink kam eine Person aus dem Wald gerannt. Sie kam direkt auf mich zu gelaufen. Ich lief mit unsicheren Schritten auf sie zu. Diese hellbrauen Haare und diese Figur. Das kenne ich doch irgendwo her. Patrick!! Nun rannte ich auf ihn zu. Er schloss mich in seine Arme, doch das blieb nicht so, denn nach weiteren Sekunden fiel ein Schuss und sein schwerer Körper drückte mich in Richtung Boden. Plötzlich lag er auf mir und ich versuchte mich unter ihm hervor zu winden. Sein Kopf lag auf meiner Brust. Ich hob seinen Kopf an. Es zierte dieses Lächeln und mir liefen Tränen aus den Augenwinkeln.
Ich schreckte auf und plötzlich lag ich auf dem Boden neben meinem Bett. Meine Rippe schmerzte ein wenig. Ich stand auf und schaute auf eine Uhr die auf einem meiner IKEA Regale stand. Es war 5:45 und erst jetzt vernahm ich den seichten Klingelton meines Weckers. Ich ließ den Kopf hängen und fuhr mir mit einer Hand über meinen Nacken. Der Fall war nicht angenehm, trotz Teppich. Ich setzte mich auf mein Bett und dachte erst einmal über meinen Traum nach. Was wenn auch das wirklich passieren würde. Ich meine wann man den Traum von Gestern betrachtet, als mich ein seltsamer Junge besuchte und wir dann spontan einen neuen Schüler bekamen oder der Traum vor diesem, in dem ich gestorben bin, auch wenn ich nicht wusste warum und als wir ins Krankenhaus gefahren waren sagte man uns das es fast zu spät gewesen wäre und jetzt das. Was wenn Patrick auch etwas zustoßen würde. Nein er durfte nicht sterben. In meinen Augen sammelten sich Tränen an. Ich war wirklich kein Verschwörungstyp, doch das war mehr als nur ein wenig Zufällig. Doch wenn ich das irgendwem erklären wollte, dann hätte man mich doch für verrückt erklärt und wenn ich das ganz logisch betrachtete, hörte sich das auch für mich wie der größte Humbug an.
Um diesen Quatsch zu verdrängen ging ich erst mal duschen. Das Wasser klärte meinen Kopf und beruhigte mich sehr. So sehr das ich wieder normal und ganz logisch an die Sache rangehen konnte. Ich traute diesen Zufällen nicht. Sie waren mir mehr als nur nicht geheuer. Genau so wenig wie dieser Robin. Der hat doch mehr als nur einen kleinen Schaden. Ich ging zu meiner Hose und kramte den Zettel hinaus. Ich schaute ihn beträchtlich lange an. Ich wusste nicht was ich damit tun sollte. Wenn das eine Masche war, dann sollte er mich in Ruhe lassen. Ich zerknüllte den Zettel und steckte ihn zurück in meine Tasche. Ich zog mich schnell aber behutsam an und weil ich kein Bock hatte mir heute meine Haare zu machen, kämmte ich sie nur schnell und ging dann auch schon wieder in mein Zimmer. Es war eiskalt dort, denn ich hatte heute Nacht mit offenem Fenster geschlafen hab. Sehr schnell räumte ich all mein Zeug in meine Tasche und ging runter. Mein Vater saß, zu meiner Verwunderung, bereits unten und trank Kaffee. „Hey Schätzchen. Ich fahr dich zur Schule." Ich legte mein Kopf seitlich und schaute ihn mit beleidigt an. „Das werde ich schon schaffen." „Ist mir klar", lachte er, „aber der Arzt meinte du solltest dich nicht anstrengen." Ich atmete laut aus. Es ist nicht so das ich nicht gerne gefahren wurde, aber das Laufen ist äußerst entspannend und bringt mich auf andere Gedanken. Es würde nicht viel bringen dagegen zu sprechen, darum machte ich meinem Vater ein Angebot. „Und was wenn du mich nur zum Bahnhof fährst. Die paar Meter zur Schule werde ich schon noch schaffen." Er nahm ein schluck seines Kaffees und nickte dann. „Wann müssen wir da sein?" Ich schaute auf die Uhr und es war 10 vor um 7. „Der Zug kommt kurz nach um 8." Wieder nickte er und wendete sich wieder seinem Spiel auf dem Tablet zu.
Ich zog mir schon mal meine Strickjacke an, weil mir leicht kalt. Ging dann aber schnell wieder rein. Zur Erklärung. Wir wohnen ja in einem Haus und selbstverständlich führt zu unserer Wohnung ein Treppenhaus. Im Bodengeschoss wohnten unsere Mieter und im ersten und zweiten Stockwerk wir. Im Treppenhaus, im ersten Stock, führte eine Tür zu unserer Wohnung und eine in einen kleinen Raum in der unser Gefrierschrank, Waschmaschine und Trockner stand. In diesem kleinen Zimmer war auch eine Bank und meine Eltern hatte da eine kleine Bank aufgestellt, weil sie dort viel Zeit verbrachten. Sie rauchten, doch meine Mutter war dagegen im Haus zu rauchen, darum dieses Zimmer.
Drinnen setzte ich mich auf die Treppe die ins zweite Stockwerk und zu den Schlafzimmern führte und machte mein Handy an. Ich hatte keine neuen Nachrichten. Es war nicht oft der Fall das ich angeschrieben wurde. Ich durchforstete meine Kontakte und blieb an Patricks Namen hängen. Ich klickte darauf und schrieb ihm über WhatsApp eine Nachricht. Hey. Nicki hier. Bin gestern doch noch ins Krankenhaus gefahren. Ist eine gebrochene Rippe. L Dich trifft keine Schuld. Wollte dir bloß Bescheid geben. Bye Und Abschicken. Es hatte sofort zwei haken und ein lächeln stiel sich über mein Gesicht.
Kurz nachdem ich mein Handy wieder weg gesteckt hab, kam mein Vater mit seiner Tasse, in der Hand, wieder rein. „Können wir los?", fragte er und nahm einen letzten Schluck bevor er die Tasse in der Küche brachte. „Von mir aus", sagte ich glücklich. Wieso so glücklich, plötzlich? Patrick hatte aus WhatsApp ein unglaubliches süßes Profilbild das mir grad im Kopf herumsauste und meine Hormone zum übersprudeln brachte. Auf dem Bild strahlte sein ganzes Gesicht und es war geschmückt von diesem wunderschönen Lächeln. Es rettete mir den Tag. Ich wünschte ich könnte es heut nochmal sehen, in echt. „Na, an wen denkst du?", fragte mein Vater. „An niemanden", sagte ich, doch bekam das Lächeln nicht aus meinem Gesicht. Mein Vater lachte bloß. Er wusste natürlich sofort was los war. Ist auch schwer zu verstecken.
Kurz nach um 8 stand ich vor dem Bahnhof und stieg gerade aus dem Auto. „Wir sehen uns dann heute Abend." „Nene, ich hab heute frei und wenn es zu sehr weh tut, dann rufst du an klar." „Mach ich." Ich schlug leicht die Tür zu. Ich lief eilig am Auto vorbei und winkte noch kurz als er weg fuhr. Gerade wollte ich wieder in die Unterführung gehen, da hörte ich wie hinter mir jemand meinen Namen rief. Noch bevor ich mich umgedreht hatte, hörte man einen langen Bremsweg. Mein Herz schlug automatisch schneller, weil mir direkt jemand einfiel, der das sein kann.
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