15.
Die Ethikstunde begann und wir fingen mit dem neuen Stoffgebiet an. Der Tod. Ein sehr beträchtliches Thema. Jasmin ist darauf nicht gut zu sprechen weil ihre Oma an Krebs gestorben ist vor einem Jahr. Ich finde sie übertreibt, aber ich hab nicht besonders viel Mitleid außer mit Leuten die ich sehr gut kenne. Dazu zählen nicht Bekannte. Das hört sich an als wäre ich Gefühlskalt und ich verstehe das sie traurig ist und sie sie sehr mochte, aber ein Jahr. Mhhh, ich will ja nicht zu kalt sein. Sterbehilfe. Ach das Thema finde ich nicht schlecht. Obwohl ich mich jedes mal frag ob unsere Lehrerin, Diskussionen mit einplant, denn wie schreiben 10 Minuten und danach diskutieren wir 35 Minuten. Es ging um aktive und passive Sterbehilfe und was wir davon hielten. Ein gar kein so schlimmes Thema, aber es ist ein Thema über das man nicht redet oder eher ungern, vorallem nicht in der Schule. Ich trug gern meinen Beitrag dazu bei, aber es waren eh viele meiner Meinung. So ging die Stunde durch Redereien schneller zu Ende als gedacht. Ich packte mein Zeug ein und nahm das Klassenbuch. Endlich war Hofpause. Im Winter ist es das Grauen. 30 Minuten in der Kälte draußen sitzen. Aber es wird wieder warm und die Sonne scheint. Sich jetzt raus zusetzen ist wie ein Frühlingsmorgen, an dem alles blüht und gut riecht.
Wir saßen an den Tischen direkt vor unserer Schule und quatschten über das was wir in Ethik gehört haben. Auch die aus Religion quatschten mit. Wir werden nicht gleich unterrichtet, aber der Unterrichtsstoff ist der selbe. „Wir hatten grad Sterbehilfe dran und bei euch." „Ach wir, nichts besonderes." Nele schaute sich kurz um und sagte dann hysterisch: „Wer läuft mit mir ein paar Runden?" Alle meiner drei Freundinnen sprangen urplötzlich auf und gingen. Nur Jasmin drehte sich noch mal um um zu fragen ob ich nicht mitkommen will, aber ich lehnte dankend ab. Ich konnte mir sofort denken wieso sie unbedingt weg mussten, aber egal. Ich musste jetzt nicht. Ich ließ den Kopf hängen, weil ich alleine war, aber wer konnte es ihnen verübeln, der Kerl sah aber auch nicht schlecht aus und wer würde sich diesen Blick auch entgehen lassen. Na gut im Moment ließ ich mir das entgehen, aber ich sehe ihn heute ja noch. Immer noch den Blick gen Boden gerichtet, räusperte sich jemand direkt vor mir. Ich hob den Blick und Victoria saß vor mir. Eine weitere Freundin, die anscheinend noch nicht Robins Aussehen verfallen ist. Na gut er ist ein Jahr jünger als sie. Sie ist nämlich in der 10. Klasse. „Hey wo sind denn die anderen hin." Sie drehte sich in die Richtung, in die sie gegangen sind. „Ach sie wollten da bei was zusehen." „Ach und was." „Bei einem Fußballspiel?" Sie schaute verwundert und kein bisschen einsichtig. „Einem Fußballspiel, so so. Ist an diesem Spiel irgendwas besonders?" „Ja." „Und was?", wurde sie langsam ungeduldig. Ich wusste doch auch nicht, wieso ich mir unbedingt alles aus der Nase ziehen lassen musste. „Einen Junge." „Okay, okay... Was!?" „Ja wir haben seit heute morgen einen neuen Schüler." „Was, was ,was?" „Ich weiß auch nicht. Ich kam zu spät." „Okay? Und du willst nicht schauen." „Nein, kein Interesse." „Ach, willst dich wohl nicht sofort verlieben", meinte sie lächelnd. „Ja, total." Ich verdrehte die Augen. „Ich hab eh nie was besseres zu tun." Auch sie lächelte. „Und wie läufts bei dir und deinen Problemen." Ich hab vielleicht keine nennenswerten Probleme, aber sie schon. Sie hatte sich selbst überdurchschnittlich doll verliebt. „Ach passt schon." Nein nicht wirklich, aber es wäre nicht das erste mal. Ich verstand sie nicht ganz, aber ich war auch noch nie so richtig hart verliebt. Ich freue mich irgendwann mal verliebt zu sein, aber bisher zeigte mir die Liebe noch keine schönen Seiten auf.
Die Pause ging schnell vorbei und Victoria war mir eine große Hilfe. Sie bringt mich immer zum lachen und vorallem lenkt sie mich immer ab. Auch die anderen Mädchen kamen mit mehr als nur glücklich dreinblickenden Gesichtern zurück. „Solange sie ihren Spaß hatten", dachte ich belustigt. Und jetzt Mathe.
Ich saß auf der Bank, neben mir Jasmin und Nele und vor mir drei Jungs aus meiner Klasse Ben, Steve und Clemens. Sie waren ganz nett, aber mehr auch nicht. Sie unterhielten sich über ein Handyspiel, „Clash of Clans". Ein Spiel das mir auf lange Zeit nicht gefällt. Der Neue kam herein und sofort drehten sich die Mädchen um, als würden sie seine Anwesenheit spüren. Ausnahmsweise drehte auch ich mich um. Er lief den Gang an der Wand entlang. Alle Bänke waren zusammen geschoben. Direkt winkte Clemens ihn heran und ich würde schwören wäre das eine nervige '70 Soap würden sie jetzt Reihenweise umfallen. Diese Gedanke brachte mich zum schmunzeln.
Robin setzte sich auf einen leeren Platz in der ersten Reihe in der Vorderreihe zwischen die drei Jungs. Die Mädchen konnte sich schon davor kaum auf Mathe konzentrieren, wie sollte das jetzt erst werden. Ich sollte sie schmachten lassen, solange sie mich damit in Ruhe ließen, denn ich konnte im Moment alles vertragen außer das. Jungs sind im Moment nicht meine Stärke, aber das lag an meinem Problem.
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